Über die Arbeit des Deutschen Archäologischen Instituts berichten Heide Borchhardt und Hans P. Wunsch
Erstsendung 05.12.1974
Vor zweieinhalb Jahrtausenden herrschten in der Stadt Athen wie in vielen anderen griechischen Städten Tyrannen. Nach ihrer Vertreibung entstand in Athen die erste demokratische Verfassung. Die Institution eines “Scherbengerichtes” sollte eine neue Tyrannis unmöglich machen. Ein sensationeller Fund zu dieser Einrichtung gelang deutschen Archäologen im Kerameikos, dem antiken Stadtviertel Athens, in dem - wie der Name sagt - viele Töpfer ihre Werkstätten hatten. Seine große Bedeutung erlangte der Kerameikos aber durch seine bevorzugte Lage für Handel und Verkehr; denn hier im Norden der Agora, des Marktplatzes, verließ die Hauptverkehrsstraße, gleichfalls Kerameikos genannt, durch das gewaltige Dipylon-Tor die Stadt. Zu beiden Seiten der Kerameikosstraße, dicht vor dem Tor, befand sich der Staatsfriedhof für die im Krieg gefallenen Athener, zu deren Ehren jährlich sportliche Wettkämpfe im Kerameikos stattfanden, ebenso wie alle vier Jahre bei dem größten Fest Athens zu Ehren der Stadtgöttin Athena.
Vom Ende des zweiten Jahrhunderts v. Chr. bis ins vierte Jahrhundert n. Chr. diente der Kerameikos als Friedhof. Rechts und links der Straßen erheben sich die hohen Grabmäler des fünften und vierten vorchristlichen Jahrhunderts. Heute wie vor zweieinhalbtausend Jahren berichten sie in Bildern und Inschriften von den Verstorbenen. Zusammen mit oft reichen Grabbeigaben geben sie Zeugnis von der Geschichte der Stadt, der religiösen Vorstellungen ihrer Menschen, aber auch vom alltäglichen Leben, so wie es sich einst in Athen, im Kerameikos, abgespielt hat.