Hiho Udo, weil sie eben keine große Familie wollten. Nach der Absetzung Federicos wurden von den deutschen Fürsten jahrzehntelang entweder relativ machtlose (Wilhelm von Holland 1247, Rudolf von Habsburg 1273, Adolf von Nassau 1292) oder aber landfremde Fürsten (Doppelwahl Richard von Cornwall und Alfons von Kastilien 1257) gewählt. Ein starkes König- und Kaisertum war gar nicht im Interesse der wahlberechtigten Fürsten. Zudem waren die Welfen im 13. Jahrhundert auch nicht mehr so schrecklich mächtig. Da wäre sicherlich als erstes an Ottokar von Böhmen zu denken gewesen, aber der erschien eben einfach schon zu stark als daß man ihm auch noch die deutsche Krone antragen wollte. ßbrigens der gleiche Grund, aus dem sie 1137/38 nicht der Welfe Heinrich der Stolze, Herzog von Sachsen und Bayern, bekommen hatte: Einfach zu übermächtig. Die Fürsten gehorchten da einfach mehr ihren “egoistischen” Eigeninteressen, was ihnen im 19. Jahrhundert den Schimpf patriotischer Historiker eingetragen hatte, dabei war ihr Verhalten ganz einfach ein Trend der Zeit, die im Zeichen der sich verdichtenden Territorialfürstentümer stand, welche allmählich die alten Stammesherzogtümer ablösten.
Was mich jetzt nochens interessieren würde: Nachdem Konradin nun in Neapel hingerichtet wurde und das Geschlecht der Staufer zumindest im Mannesstamm erloschen war…wieso griffen die Deutschen da nicht auf die andere grosse familie im Reich, die Welfen, zurück?
Hallo Stephan! Da ich es aus dem Gedächtnis schrieb, kann es durchaus sein, daß ich mich mit Innozens vertue. Jedoch mußt Du zugeben, daß die wirkliche Hexen und Ketzerverfolgung im 14 Jhd. ihren anfang nahm. (lese dazu auch TuZ). Grüße v. Arlen (lese dein Buch noch nicht. muß die Reihe Peter d. Gr.-Friedrich d. Gr.-Marie-Antoinette und Napoleon erst durchhaben. Bin jetzt beim 3)
Grüß Euch, …ja, der arme Heinrich (7), der mit den Klammern. Diese Gestalt ist in ihrer Tragik oft unterschätzt. Er wollte etwas verändern, bewirken, kam aber nie aus dem Schatten des mächtigen Imperators. Doch, bei Licht besehen, hat dieser vergessene König so gut wie alles falsch gemacht, was man hat damals falsch machen können. Der Verrat, gemeinsame Sache mit den spinnerten Lombarden zu machen, war so ungeheuerlich, daß des Kaisers langmut mit dem missratenen Sohn schon sehr verwunderlich ist. Aber wenigstens fühlte sich Heinrich als deutscher König, und wollte was für sein Land tun, etwas, das Friedrich zu sehr vernachlässigt hat. ßbrigens Rechtlosigkeit…Mainzer Landfrieden, die kaiserlichen Vögte und Legaten…die Hoftage (Wien gehört dazu)… Wenn man das damalige Imperium im gesamten anschaut - wen wunderts? Da ist Deutschland, der unzivilisierte Norden nicht so wichtig, zumal dort ein undurchdringlicher Dschungel von kleinen Potentaten herrschte, deren angemasste Fürstenrechte nicht in einer Generation zu entwirren waren. Sehr zum Vergnügen des Klerus, divide et impera eben… Und Friedrich brauchte für den Frieden im Reich diese Fürsten, deren Rechte er gegen den König auch noch stärkte. DAS war sein entscheidender Fehler… …aber war es sein Fehler, hätte er noch 10 Jahre gelebt? Er plante, den Saustall auszumisten, wäre erst das Thema Papst erledigt…und wäre der Papstkrieg nicht gewesen, so hätte er den eisernen Besen auch hier in Deutschland, Germanica angesetzt. Aua, das hätte gekracht!
Wenn Du von der Inquisition als kurialer Behörde sprichst, so ist die kein Werk Innozenz III. sondern seines zweiten nachfolgers Gregor IX. Ich vermute, bezüglich des Inqisitors sprichst Du von Konrad von Marburg, dem Beichtvater der Heiligen Elisabeth, der seit 1227 in seinem Auftrag in Deutschland wirkte und 1233 erschlagen wurde. Friedrich ließ seit den 1220er Jahren in Oberitalien Ketzer verfolgen, hauptsächlich wohl aus machtpolitischen Gründen. Den Feuertod führte er 1224 als Strafe ein, sieben Jahre vor Gregor IX. Solche Aktionen waren typisch für ihn: Wo er ein geeignetes Instrument für seine Politik fand, nutzte er es und Kirche und Frömmigkeit waren im 13. Jahrhundert SEHR mächtige Instrumente.
Der erste kleine Inquisitionsversuch Innozens III. scheiterte nach kurzer Zeit kläglich durch die Ermordung des Inquisitors und seines Anhangs. Danach war nochmal ca. 50 J. ruhe. Also ging die richtige Inquisition erst nach dem Tode Friedrichs los. “Das Mittelalter und seine kirchl. Entwicklung” A. Ehrhard, Kirchheim & Co. Verlag Mainz, 1906. Kein Zitat, aus dem Kopf jetzt geschrieben! Und einige Scheiterhaufen in einer solchen Zeit wie der Friedrichs waren eh normal. Die Sache mit der Bereicherung ist erst später. Außerdem verdiente nur die Kirche bei Prozessen, nicht der Ankläger. Der konnte außerdem in der großen Inquisitionszeit froh sein, wenn er selbst nicht dran war. Gruß v. Arlen
Hm, über Friedrich II. kann man sehr viel sagen. Ich selbst stehe sehr zu den Aussagen im Thread “Was sagt Ihr zum den Kreuzzügen?”, nämlich, daß die Geschichte immer interpretiert, und ausschließlich aufgrund von (stets rudimentär bleibender), heutiger Kenntnis der jeweiligen Epoche, beurteilt werden muß! Trotzdem fand ich das Buch von HERM, FRIEDRICH: “Freiheit, die ich meine. Eine deutsche Geschichte. Benziger Verlag, Zürich - Köln. 1986.”., als ich es vor ungefähr zehn Jahren las, sehr eindrucksvoll. Herm kontrapunktiert Heinrich (VII.), den deutschen König, zu seinem Vater, Friedrich II. . Immerhin kommt in Herms Buch die Figur Heinrich (VII.) klar zum tragen. ßber Literaturempfehlungen zu Heinrich (VII.) werde ich mich freuen! Hier mal ein paar Ausschnitte. Ich freue mich über Rückmeldungen: S. 152 - 153 “Friedrich II., Barbarossas Enkel, hatte mit seinem sogenannten ”Ketzererlaß“ an die Grundstruktur des Reiches gerührt. Er verordnete etwas, das eigentlich des Papstes gewesen wäre und hob erneut jene Zweigipfligkeit auf, die nunmehr im Rückblick, wirklich wie eine Art von Gewaltenteilung wirken mußte, welche den Reichsbürgern Freiräume zur eigenen Selbstverwirklichung gelassen hatte. Als Barbarossa die Nachfolger Petri in den Schatten drängte, war dies als ein Akt kaiserlicher Gewaltausübung empfunden worden. Nun aber verbündete sich ein deutscher Herrscher mit ihnen und addierte seine seine Regierungsgewalt zu der ihren, das war etwas völlig anderes. Es lief praktisch darauf hinaus, daß alle, die nach päpstlicher Meinung Meinung die Regeln des Glaubens verletzten, auch von der weltlichen Polizei verfolgt und wie es damals üblich war, zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt werden konnten. Mit anderen Worten: Die Verordnung aus Ravenna öffnete in Deutschland der heiligen Inquisition Tür und Tor…”. S. 153: “Wer einem anderen sein Eigentum wegnehmen wollte, ”verketzterte“ ihn einfach. und ernannte sich selbst zum rächenden Kreuzritter! Auf diese Weise haben ganze Grafschaften ihren Besitzer gewechselt. Es war ein Zusatand der blanken Rechtlosigkeit - im Schatten eines kaiserlichen Gesetzes. Unter diesem Aspekt erst tritt die Bedeutung der einfachen Forderung aus dem Frankfurter Landfrieden ”die Gerechtigkeit des Gerichtes“ sei ”ungerechter Verfolgung vorzuziehen“, völlig zutage. Ohne den Ketzern Absolution zu erteilen, untersagt ihr Urheber1), die willkürlichen Verfolgungen, die der Kaiser ermöglicht hatte. Ihnen und auch allen anderen gewährt er, was auch die Magna Charta garantiert: Niemand soll ohne gesetzliches Urteil um Freiheit, Besitz oder Leben gebracht werden können. Ob einer schuldig geworden sei oder nicht, und wessen auch immer, entscheidet kein selbsternannter Ankläger, sondern ein ordentlich eingesetztes Gericht…..”. S. 153/ 154: “Ein König von Deutschland, gerade dreiundzwanzig Jahre alt, kaiserlicher Kronprinz, vom Vater in sein Amt eingesetzt, opponiert mit seinen Anhängern gegen einen Mann, der ihm in mehrfacher Weise übergeodrnet ist. Er verletzt nicht nur seine Sohnespflicht, er begeht offenen Hochverrat, indem er ein Gesetz durch das andere aufhebt….”. S. 163: “Aus allen genannten Gründen behaupte ich, daß daß dieser Friedrich II. die Idee vom Reich mißbraucht und ad absurdum geführt hat. Sein Sohn aber, der so schnöde ausgeklammerte deutsche König, verdient schon deshalb unsere Sympathie, weil er diese Politik zu konterkarrieren suchte. …”.
Seid gegrüßt! Also ein Faksimile des Falkenhandbuches hätte ich ja auch gerne, aber ich weiß dass vor einigen JAhren ein berühmter Vogelkundler für 30 Jahre Herausgeberschaft für ein Wissenschaftswerk eins erhalten hat. Das zu den vermuteten Preisen von 50DM. Ich empfehle in versandbuchhandlungen für Naturkundliche Literatur nachzuschauen (z.B.www.ornibook.de) oder in Buchhandlungen zu stöbern bei den Bibliophilen Taschenbüchern, da habe ich meinen (stark verkleinerten) REPRINT vor Jahren für 30DM bekommen.
Es gibt eine kleine feine Edition von WILLEMSEN, Carl, der sich ja mit der Hofkunst Friedrichs auch ansonsten auseinandergesetzt hat. Aber das ist nur eine kleine Auswahl … einige nette Miniaturen und interessante Kommentare. “Das” Falkenbuch, gemeint ist in der Regel die Manfred-Redaktion, da da Original bei der Belagerung von Parma verloren ging und später ganz verschwand, ist dabei nur ein Beispiel für die Buchmalerei am Stauferhof. Spannend auch die Bibliae Manfredianae, Haddu, Du kennst die, glaube ich ? Wir hatten schon mal drüber gesprochen. (Das ist übrigens diese weltliche Schreiberwerkstatt auf die Aquila im Adler der Frühe anspielt).
Hi Arne, Meines Wissens nach ist das FB im Moment nicht verfügbar. Ich habe letzes jahr noch versucht ein Exemplar des Faksimile-Nachdrucks über den Weltbild-Verlag zu kriegen (solle DM 50,- kosten, *heul*) aber die waren schneller vergriffen als ich ein Fax senden konnte…..
Mal eine frage: Wird das Falkenbuch, das Friedrich damals geschrieben hat, heute noch als Anleitung zur Falkenausbildung(sofern sie noch zur Jagd eingesetzt werden)benutzt?
Friedrich hat sehr gut erkannt, daß er, hätte er den Papst abgesetzt, auch sich selbst geschadet hätte, da bei Institutionen, Kaisertum und Papsttum auf das Engste miteinander verknüpft waren. In diesem Sinne war er weit einsichtiger als Gregor IX. und Innozenz IV., die doch nur den Weg zu dem Desaster bahnten, das mit Bonifaz VIII. und dem was danach kam, bahnten. Nein, Friedrich war kein Feind der Kirche, seine Ketzergesetze und überhaupt die sizilische Gesetzgebung haben bewiesen, daß er versuchte, mit und teilweise durch die Kirche zu herrschen, dazu war er ein Mensch des Mittelalters. Und zu Nikolajs Zitat: Natürlich haben Friedrich und auch Manfred (der das 1254 in seinem Versuch einer Verständigung mit Innozenz IV. bewiesen hat) erkannt, daß ihre einzige Chancen in einer Verständigung mit dem Papsttum bestand. Aller “Starallüren” zum Trotz, Federico war (auch) ein Realist, eben - wie Nietzsche sagt - der erste moderne Mensch auf dem Thron.
Grüß Euch, …Christoph, es ist länger her, aber es gab eine Serie mit u.A. Abbuldingen diverser Kaiser. Eine war mit dem Bildnis des thronenden Kaisers geschmückt, das im Falkenbuch ist… vielleicht finde ich sie ja in meinem berüchtigen Sumpf… Udo, seit der Flucht des Papstes nach Südfrankreich, plante der Kaiser, den Papst festzusetzen, und unter seiner Kontrolle zu halten. Als er 1250 starb, sollte der entsprechende Feldzug, eine kombinierte See/Landzangenbewegung im Frühjahr starten. Schade, das wäre sicher spannend geworden, wenn er die Kirche umgekrempelt hätte. Sicher wären der Hexenwahn, diverse Judenverfolgungen und andere christliche Schandtaten der Menschheit erspart worden… Nikolaj, Fridericus war nicht Feind des Christentums, und auch der Institution Kirche, er nutzte sie wie alle Herrscher des Mittelalters. Die Feindschaften waren sehr persönlich. Alles weitere im Kantorowicz..
Wetten, daß Friedrich keine ihm gewittmete Briefmarke erhält? Karl der Große, Heinrich der Löwe, Friedrich der Große…ja, die! Und Otto der Große, Barbarossa und jetzt Friedrich? Keine ist mir bekannt. Und ich bezweifle es echt, daß Friedrich diese Ehre wiederfährt. Von dem Briefmarkensammler v. Arlen
“Die Sonne der Welt mit ihrem hellen Glanz unter den Völkern, die Sonne der Gerechtigkeit, der Hort des Friedens sind untergegangen. Wenn ihr jedoch die näheren Umstände erwägt, werdet ihr Trost finden. Es lebte nämlich unser Vater allzeit glücklich und siegreich; die Majestät Gottes zeigte ihm während seines Lebens durch ihren Beistand bei seinen Erfolgen ihre Anerkennung und Billigung, sie wollte ihm diese auch bei seinem Tode nicht versage n. Als sich die Anzeichen seines Elendes einstellten, bestimmte der Kaiser in seinem Testament für seine Getreuen bereitwilligst kostbare und herrliche Geschenke, gedachte aber auch zerknirschten Herzens demütig seiner Mutter, der hochheiligen römischen Kirche, als ein rechter Eiferer für den wahren Glauben und ordnete an, dass der Schaden, den er den Kirchen wohl ungern und herausgefordert zugefügt hatte, vollständig ersetzt werde”. So der Herrscher Siziliens Manfred an seinen Bruder, den römischen König Konrad 1250 (Originaltext bei: Huillard-Bréholles, Historia Diplomatica Friderici II, Bd. VI, S. 794). War Friedrich vielleicht ein Feind bestimmter Päpste, aber mitnichten der Kirche und schon gar nicht des christlichen Glaubens, wie manche es gerne hätten?
mit besten Grüßen und Wünschen Nikolaj aka Argl. Rhisiart ap Maredudd
Ich habe ja schon einiges über Friedrich II. gelesen und was ich bis dato noch immer nicht verstanden habe: Warum hat er niemals den Versuch unternommen, den Papst fest- bzw. abzusetzen, der ihm das Leben so schwer machte? Wieso griff er nie zu diesem probaten Mittel, dessen sich nicht zuletzt sein Großvater Friedrich I. nicht nur einmal bediente?
Grüß Euch, …Magister, Du meinst : David Abulafia: Herrscher zwischen den Kulturen, Berlin 1991 ISBN 3-88680-354-6. Ich werde einen kurzen Bücherspiegel am Wochenende zusammenstellen. A propos advocatus diaboli…die Vorwürfe eines Salimbene, der übrigens Propagandist des Papstes war, sowie der anderen sind heutzutage zweifelsfrei als die übliche Lügenhetze der Papstkirche entlarvt. Auch ist die Geschichte vom Kanzlisten genauso wie die Sache mit den “sprachlosen” Kindern ein böses Lügenmärchen. Die meisten der Hetzgeschichten tauchen im Laufe der Geschichte auch gegen andere Gegner des Weltherrschaftsdenkes der Päpste auf… Beispiel: das berühmte Zitat über die drei Lügner, das Friedrich gesagt haben soll…das wurde auch gegen Heinrich II., gegen Karl und sogar den antiken Alexander immer wieder zitiert. Immer, wenn die Kirche nicht weiterkam, wurden die gleichen Horrorgeschichten erzählt. Eines aber stimmt - der Kaiser war von gnadenloser Härte gegen seine Feinde. Beispiel die Stadt Sora am Fusse des Apennin. Wer mag schmutzigen, simplen Verrat schon…doch um seinen Sohn Heinrich hat er geweint, trotz vielfachen Hochverrats.