Hallo zusammen, wo ich das hier gerade lese.... auch noch eine schöne Bastelidee für die langen Winterabende... Bleibt nur die Frage, ob ein Plattenrock in mein Zeitfenster passt? Für den früheren Typ (Lehnard 1) habe ich nur Belege ab dem letzten Viertel des 13. Jhd. Hat da jemand weitergehende Informationen? Was ist mit dem "Ürtyp", den Panzerplatten, die in Waffenröcke eingenietet wurden? Meine da schon weit frühere Abbildungen gesehen zu haben? Bin aber noch auf der Arbeit und kann gerade nicht nachschlagen... Blamiere ich mich mit einer solchen Konstruktion um ca 1250 (+- 20 J.)? Hoffe wie immer auf euer geballtes Expertenwissen! Gruss, Tobias www.herbularius.de
Noch eine Frage zum Verschluss am Rücken: Ranes spricht von einer Verschnürung überkreuz. Gibt es dazu ev genauere Informationen? Danke für alle bisherigen Beiträge Grüße
Andreas
Gruesst Euch! Das Thema Plattenrock wird im neuen Band von Ulrich Lehnart ausfuehrlich behandelt, die Version des Mauritius im Magdeburger Dom bereits im ersten Band desselben Autors. Die fruehen Plattenroecke waren tatsaechlich mit einer Reihe vertikaler Platten gepanzert, die spaeteren (Visby etc.) zunehmend mit horizontalen Platten, weswegen die Dinger auch Spangenharnische heissen. Als Traegermaterial gibt Lehnart Leder an, das innen mit Leinen verstaerkt ist, um zu verhindern, dass das Leder sich dehnt und die Nietloecher sich unter dem Zug der Platten vergroessern. Ich denke, dickes Leder reicht bei Platten bis 1,5 mm auch aus. An den Nieten der Visby-Funde laesst sich nachweisen, dass die Platten tatsaechlich innen getragen wurden (die Nieten stehen aussen von den Platten ab). Zum Schutz gegen Rost (jede Menge Schweiss) wurden die Platten verzinkt. Heute wuerde ich Edelstahl empfehlen. Wie die Plattrenroeche zu den verschiedenen Zeiten geschlossen wurden, ist ebenfalls bei Lehnart nachzulesen.
Grüße, Kristan von Katzenelnbogen
Grüß Euch, die Frage ist einfach zu klären. Die Plattenröcke schützen durch das am Körper aufliegende Metall. Mit dem aussenliegenden Trägerstoff kann sich keine Waffe an den Platten verhaken, die Platten können sich nicht verschieben und den Schutz unwirksam machen und es entstehen keine Lücken für Schwert, Dolch, Pfeil usw, dazu ist das Metall ist nicht der Witterung ausgesetzt. Die Befestigungsweise läßt dem Körper eine weitgehend uneingeschränkte Beweglichkeit, und dennoch hohen Schutz...Das Plattenrockprinzip hielt sich etwa 100 Jahre lang, dann kamen die Volldosen...
Euer Haduwolff
Ich lese hier grade, daß die Plattenröcke so getragen wurden, daß das Leder außen und die Platten innen waren. Hat dafür einer eine Erklärung? Normalerweise sollte dies doch die strukturelle Intigrität des Plattenrocks nicht sonderlich fördern. Denn wenn ein Schlag auf das Leder/Leinen geht, wohinter eine Platte ist, dann sollte das Leder/Leinen doch eigentlich dann an dieser Stelle ziemlich schnell kaputgehen. Dagegen, wenn man die Platten außen trägt, dann landet der Schlag ja außen und beschädigt das Trägermaterial nicht. Die einzigen zwei Gründe dafür, die ich mir vorstellen könnte wären: 1. Schutz des damals sehr teuren Metallmaterials vor Witterung 2. Ein Überbleibsel aus den Kreuzzügen: Wer blankes Metall trägt, heizt sich bei direkter Sonneneinstrahlung unheimlich schnell auf, deswegen wurde es vielleicht innen getragen. Kann mir irgendjemand etwas näheres dazu sagen?
Grypho dû Mont
Grüß Dich, Andreas, die Funde aus Gotland (Schweden), der Wienhauser Reliquiar und andere Abbildungen zeigen verschiedene Möglichkeiten der Beplattung. Allen Funden gemeinsam ist, daß sie auf der Innenseite blank auf der Kette, bzw. auf dem Gambeson lagen. Das Trägermaterial war meist Leder, aber auch auf mehrfach gelegtes Leinen ist in Schriftquellen hingewiesen worden. Ich such mal, denn ich hab ein "Schnittmuster" aus Visby, das dem Mauritius entspricht. Übrigens, bei einem Besuch des Mauritius vor einigen Jahren konnte ich hinter die Figur schauen und tasten, das Riemenzeug ist überkreuz geschnürt. Die bei uns und anderen Gruppen in Benutzung stehenden Plattenröcke halten tatsächlich an den zwei Nieten. Weiteres später, bin im Streß...
Euer Haduwolff
Hallo alle zusammen, ich suche detaillierte Informationen zur Herstellung eines Plattenrockes entspr. dem des Hl. Mauritius/Magdeburg, um 1250. Der dargestellte Typ dürfte ja grundsätzlich aus vertikalen Platten bestehen, welche lediglich mit 2 Nieten befestigt waren. Reicht eine derartige Befestigung aus? Wurden die Platten nur auf Stoff/Leder befestigt und lagen dadurch direkt am Kettenhemd oder zwischen Stoff auf der Aussenseite und einer Innenseite aus Leder? Grüße
Andreas