In Bocaccios Decamerone ist in einer Geschichte ein solches Geld machen mit falschen Reliquien beschrieben. Allerdings verkauft sie der Betrüger nicht, er kassiert Geld dafür, das die Bauern sie sehen und berühren dürfen.
Ich fand dazu bisher die - freilich etwas vereinfachte - Erklärung von Breuers (“Ritter, Mönch und Bauersleut”) ziemlich schlüssig.
Und ob nun Handel oder nicht - und um auf das Thema des Threads zurückzukommen ;o) -, ist es auf jeden Fall sicherlich eine interessante Darstellung. Allerdings etwas schwierig…
Wohl aber wurden im MA gezielt Reliquienrepliken (nettes Wort) verkauft. Zumindest auf Rhodos und ganz offiziell, ähnlich dem heutigen Schnickschnack den man als Touristensouvenir überteuert kaufen kann. Dennoch sprach man auch diesen Repliken eine gewisse Heilswirkung zu. Die Erklärung hierfür habe ich leider vergessen.
Gruß
Joachim, stolzer Besitzer einer schicken Kaffeetasse mit Malteserkreuz, deren Schutzwirkung sich mir leider noch nicht erschloß :-).
Vor kurzem habe ich mal wieder das Buch gelesen, das mich damals, vor anderthalb Jahren, zu meiner Frage nach den Reliquienhändlern inspiriert hatte. Und ich habe festgestellt: Ich hatte mich falsch erinnert!
Ernst Schubert (“Fahrendes Volk im Mittelalter”) beschreibt in der Tat verschiedene Strategien von Fahrenden, die die Religiosität ihrer Mitmenschen ausnutzten. Er benutzt als wichtigste Zeugnisse hierfür spätmittelalterliche Schwänke. Was ich gemeint hatte, sind die sogenannten “Stationierer”, die mit - um der Pointe willen - ziemlich unglaubwürdigen Reliquien durch die Gegend ziehen.
Diese sind jedoch mitnichten Reliquien-_Händler_. Vielmehr behaupten sie, sie besäßen Reliquien, für die sie eine würdige Kirche bauen wollten, und wollten die Mittel dafür aus Spenden aufbringen. Wenn sie mit dieser Masche Erfolg haben wollten, muß das heißen, daß es sowas in Einzelfällen vielleicht wirklich gegeben haben kann, ernsthaft wie auch betrügerisch.
Wie gesagt, Schubert hat ein langes Kapitel über die betrügerische Ausnutzung der Religiosität geschrieben. _Handel_ mit Reliquien erwähnt er darin nirgendwo. Ich möchte deshalb Nikolaj zustimmen und meine Annahme aus Posting 35 (und in irgendeinem anderen Thread) zurückziehen: Reliquienhändler scheint es wirklich nicht gegeben zu haben.
Wie steht es mit der Darstellung von Reliquienhändlern (die gab es ja auch, wenn aber in einem anderen Thread gesagt wurde, daß die wohl eher “unter der Ladentheke” gehandelt haben würden)? Eingebunden in Lieder zum jeweiligen Heiligen und Erzählung von Wundergeschichten - würde das religiöse Gefühle verletzen, oder was müßte man/frau beachten, damit so etwas dargestellt werden kann? Karen
Hallo Uli, nach Aussage eines mit mir befreundeten Dominikanerpaters ist der Knoten ein ganz banaler Doppelknoten. Infos was welcher Orden trug/trägt findest du hier www.kath.ch/[ ]/uebersicht.htm#Benediktiner Gruß Wolf
Gott zum Gruß und allzeit sichere Wege, Arfast Harksen
An welchem “Mönchsgewand” Nicht alle haben überhaupt Knoten, denn gerade die alten Orden tragen Stoff- oder Ledergürtel (teils bis heute!). Der Strick ist wohl eher typisch für die Bettelorden, näherhin die Söhne des hl. Franz - und da dürfte es für die Frühzeit genügen, einfach einen Knoten zu machen - möglichst einen, der sich wieder lösen lässt ;-). Doch Spass beiseite: Strick ist eben franziskanisch und korrespondierend zu der Idee einer möglichst “armen” Gewandung.
mit besten Grüßen und Wünschen Nikolaj aka Argl. Rhisiart ap Maredudd
Zur Geschichte des Rosenkranzes gab es vor etlichen Jahren im Kölner Diözesanmuseum eine Sonderausstellung, zu der auch ein umfassender Katalog erschienen ist: 500 Jahre Rosenkranz - 1475 Köln 1975 (Ausstellung vom 23.Oktober 1975 bis 15. Januar 1976), Erzbischöfliches Diözesanmuseum, Köln 1975, 208 Seiten Text, 70 s/w Abb. (damals noch ohne ISBN!). Wie schon der Titel besagt, ist ein eigentlicher Rosenkranz, also eine der heutigen Form entsprechende runde Gebetsschnur mit den entsprechenden 10er Gruppen von Perlen oder Knoten für jedes Gesätz (kein Schreibfehler: Es handelt sich nicht um Gesetze = juristische Texte, sondern um Gebets-Intentionen) erst seit dem 15. Jahrhundert üblich; zuvor gab es die sog. “Pater-noster-Schnüre”, belegt schon im 13. Jahrhundert (so z.B. durch den Dominikaner Wilhelm de Nubruk, der von seiner Reise zu den Tataren berichtet, “sicut nos portamus paternoster”). Fraglich ist historisch die - erst im 15. Jh. nachweisbare - ßberlieferung, die 1213 bei Muret in Südfrankreiche gegen die Albigenser gewonnene Schlacht sei mit der Verleihung des Rosenkranzes an den hl. Dominikus (1170-1221) in Verbindung zu bringen. Hingegen sind die Pater-noster-Schnüre als solche gut belegt. Doch wenn ich mich recht erinnere, wurde davon schon einmal ein einem anderen Thread ausführlich gehandelt (bin jetzt zu faul zum Nachschauen, wo! Sorry!). Die Form der Pater-noster-Schnüre war wohl leicht unterschiedlich: Einige, ja die meisten frühen Abbildungen zeigen eine offene Gebetsschnur unterschiedlicher Länge und Perlenzahl(eine Abbildung der hl. Hedwig/Jadwiga im gleichnamigen Codes, Schlesien 1353, fol. 12 r, abgebildet im genannten Kölner Katalog, ist recht lang!), andere eine der bis heute gebräuchlichen kürzeren islamischen Gebetsschnur (mit den 33 Perlen) vergleichbare Form. Doch war dies wohl schon eine Weiterentwicklung. Alles Nähere im Katalog, besonders im Aufsatz des (inzwischen verstorbenen) Düsseldorfer Pfarrers Msgr. Karl Klinghammer, Die Entstehung des Rosenkranzes und seine ursprüngliche Geistigkeit.
mit besten Grüßen und Wünschen Nikolaj aka Argl. Rhisiart ap Maredudd
Hallo Joachim! Meines Wissens wurde der Rosenkranz erst später (14-15 Jhd`?) in seiner heutigen Form verbreitet. Ich müsste zuhause nochmal genauer schauen. Davor benutzte man wohl eher so eine Art Gebetskette… Gruß Andreas
Ich hänge mich mal hier einfach mit ran. Bin gerade dabei, die Rolle des Ordensritters vielleicht doch noch mit etwas mehr (religiösem) Leben zu erfüllen. Wurde ein Rosenkranz eigentlich schon im 13. Jahrhundert verwendet oder kam das erst später? Falls ja, welche Aufteilung hatte er, wieviel Perlen, Material, na und so weiter. Bin für alle Infos dankbar. Joachim - I.G. Hospitalis
Benja= Hervorragender Darsteller eines Dominikaners. Vierauge= Hervorragender Darsteller eines Mönches sowie Erzbischof von Trier (Titel von der Szene verliehen, was schon was heißt!) Gruß v. Arlen
Habe ich in der Tat nicht. Da ich beide nicht in der Wappenrolle gefunden habe (vielleicht auch nur falsch gesucht?!), würde ich doch gerne wissen, was es mit ihnen auf sich hat. Danke für Informationen!
Wenn die Mönchlein auch noch die Sendung mit der Maus gucken würden, dann würden sie auch die Knoten für das Seil um den Bauch kennen (*lästerweildamitkannmandiemönchsdarstellersogutärgern*)
Bevor es ab ins Archiv geht, hier noch ein paar kleine Anmerkungen von einem Theologen: Das Hauptproblem scheint mir nicht zu sein, dass “die Kirche”, wer immer das ist, wütend wird. Diese Gefahr dürfte recht gering sein, denn die Inquisition ist bekanntlich etwas außer Mode gekommen - und die Kirchenleitungen haben wahrlich besseres zu tun als MA-Veranstaltungen zu überwachen. Außerdem gehe ich davon aus, dass eine Religionsverspottung nicht intendiert wird: Schließlich will einer, der einen Ritter oder einen Bauern darstellt, diesen ja auch nicht verspotten. Somit ist eine Strafverfolgung kaum zu erwarten, denn wenn auf dem Theater eine Messe dargestellt wird, kommt es ja auch zu keiner Anzeige - in der Regel wenigstens nicht, es sei denn, hier eine eine grobe Verunglimpfung beabsichtigt. Und selbst dann ist noch die Frage nach der Freiheit der Kunst, die diverse Gerichte behandelt haben - keineswegs im Sinne des Vorrangs der Religion. Es müssen schon Gefühle der Gläubigen in massiver Weise verletzt werden. Damit will ich aber nicht zur Darstellung von Messen, nicht einmal sonstigen Gottesdiensten angeraten haben - einfach deshalb, weil leider die meisten Mönchs- und Priesterdarsteller selbst kaum Ahnung haben, was sie eigentlich repräsentieren. Entsprechend aufgesetzt und gekünstelt wirkt dann auch, was sie bieten. Wenn aber jemand wirklich auch mit einem inneren Verhältnis zur Sache, sprich einer positiven Beziehung zum religiösen Geschehen die Figur, sei es ein Priester, Mönch oder was auch immer aus dem geistlichen Stand, und der entsprechenden Sachkenntnis die von ihm verkörperter Figur so “rüberbringt”, das sie echt wirkt, hat er sicher seinen Platz in der MA-Darstellung wie jede andere Figur auch. Nur - es sei noch einmal gesagt: So jemanden habe ich praktisch noch nie getroffen! Und der wird dann auch die Finger von etwas lassen, was man eben nicht “spielt” wie eine Messfeier. Aber gegen ein meditatives Gebet spricht m.E. nichts, wenn es eben so ernst genommen wird wie anderes (etwa das folgende Tournier) auch, nämlich als ein Versuch, die MA-Welt so real wie möglich zu erleben, nicht aber sie zu karikieren.