Das waren mal sehr geile Tips und das erste genannte Buch werde ich mir gleich bestellen. Die teureren Bücher klingen wie alle anderen sehr interessant, aber der Preis beim Ibn Sayyar sprengt dann doch meinen Rahmen.
Was das zu öffnende Fass betrifft, wäre ich da schon interessiert, wie das allgemein gesehen wird. Reenactment/Living History in Bezug auf Kreuzfahrer wäre doch da schon fast verpflichtend ;-)
Ob wir das Fass aufmachen wollen, was man hierzulande darstellen ‘darf’, wäre in der Tat zu bezweifeln. Dass aber Kreuzfahrer sich durchaus ganz bewußt für lokale Küche entschieden haben, geben die Quellen her.
Wer das nachkochen möchte, hat neuerdings das Glück, dass eine durchaus brauchbare Einführung zu einem ungemein moderaten Preis erschienen ist. Meiner Meinung nach auf jeden Fall eine gute Einstiegsdroge, wenn auch bedauerlich kurz: Lilia Zaouali: Medieval Cuisine of the Islamic World
Und wer davon nicht genug hat, kann dann profgressiv über Charles Perry’s Aufsatzsammlung mit zwei komplett übersetzen Kochbüchern ‘Medieval Arab Cookery’
das nun leider absolut nicht mehr verbraucherfreundlich ausgepreist ist, aber sehr interessante Studien enthält (z.B. ein Aufsatz über Essen in der Literatur, doie nachzeichnet, was gängige Gericht im Alltrasg der urbanen Intellektuellenschicht waren oder eine Studie zur Geschichte des Couscous (vermutlich vor dem 12. Jh in Nordafrika entstanden).
Und dann gibt es brandaktuell und sauteuer das Kochbuch des Ibn Sayyar al-Warraq (10. Jh) in ßbersetzung:
Habe ich noch nicht, aber irgendwie komme ich da auch noch ran.
Bei aller Liebe zur mittelalterlichen Küche des Islam sollte man allerdings nicht aus den Augen verlieren, dass der Vergleich zu den frühesten Quellen der westlichen Christenheit hinkt - wir vergleichen hier nämlich nicht Ost und West, sondern Süd und Nord. Die Lebensmittelbasis war im so genannten Kernland des europäischen Mittelalters einfach nicht so breit wie im Mittelmeerraum. Quellewn für die ‘christliche’ Küche der Region fliessen leider nicht so reichlich, aber ein Blick auf diätetische Schriften aus Salerno zeigt eine durchaus entwickelte und komplexe Kochkunst, die sich von sinabi und burean nicht zu verstecken braucht. Und weiter im Osten angesiedelt ist Andrew Dalbys ‘Flavours of Byzantium’, trotz des etwas verträumten Titels eine ernstzunehmende Studie mit wissenschaftlichem Anspruch, und ganz ohne modernisierte Rezepte.
ich habe keine Anhaltspunkte daran zu zweifeln, dass Kreuzfahrer und andere Reisende das gegessen haben, was der örtliche “Markt” angeboten hat. Inwieweit das auf einer Veranstaltung in Deutschland darstellungsrelevant ist, ist ein anderes Thema.
Meine Frage hat sich natürlich nicht konkret auf Couscous oder Kuskus bezogen, sondern war genereller Natur. Das heißt: Wenn ich eine Kreuzritter-Darstellung avisiere… bin ich dann anderen Prämissen unterworfen, als die “Daheimgebliebenen”
In diesem Fall insbesondere auf die Ernährung bezogen ;-)
Gruß
Stephan
PS: Oder wäre ich per se einfach ein Kreuzfahrer auf Heimurlaub und somit würde sich diese Frage nicht stellen? (*fg*)
Zitat: “Ich bezweifle aber stark, dass jemand ein Weizenprodukt extra von Palästina nach Europa mitbrachte.:
Hallo Katrin :-)
Mal abgesehen davon, daß ich nicht vorhabe, eine Kreuzfahrer-Dönerbude zu errichten, ist die Fragestellung nicht die, was nach Europa mitgebracht wurde, sondern was Kreuzfahrer in Nicht-Europa konsumiert haben :-)
Ich könnte diese Fragestellung auch - off Topic (eins meiner Lieblingswörter seit ich TV-Threads lese) - auf alle möglichen anderen Lebensumstände ausweiten, aber an dieser Stelle eben speziell die Frage nach dem Essen DORT und nicht nach ”Importwaren" nach Europa zurück!
Gries ist lediglich gröber gemahlenes Getreide, die Herstellung wäre also möglich gewesen und ist im Grunde auch wahrscheinlich, weil es einfach zwangsläufug anfällt, wenn die Mühle nicht ganz fein eingestellt ist. Das Besondere am Kuskus, wie man es in Deutschland schreiben darf, ist aber die Zubereitung, der Gries wird gedämpft, nicht gekocht. Ob und ggfs. wo das im MA so gemacht wurde, wäre zu recherchieren.
1. “Kreuzfahrer-Küche”: In Krefeld im Museum sind die sterblichen ßberreste eines Ritters zu besichtigen, der vorübergehend unter schwerer Mangelernährung litt. Die Wissenschaft schließt daraus, dass er auf einem Kreuzzug war :-) Für den einfachen Kreuzfahrer dürfte die Ernährung bis auf Ausnahmen nicht allzu luxuriös gewesen sein.
2. Couscous I: Der derzeit als solcher im Maghreb und hier verkaufte und verkochte Getreide-Anteil dieses Gerichts ist eine Form von Weizengrieß. Ich weiß nicht, ob im MA schon Grieß hergestellt wurde. Ich bezweifle aber stark, dass jemand ein Weizenprodukt extra von Palästina nach Europa mitbrachte. Authentische Gerichte mit Getreide (dann allerdings Schrot bzw. Grütze) gehen natürlich immer, dafür brauchts keinen Kreuzzug.
3. Couscous 2: Wenn Du damit nicht die Körner, sondern das gesamte Gericht meinst: Bedenke, dass auch die orientalische Küche sich über Jahrhunderte entwickelt hat. So enthält das Narga-Rezept (traditionelle Soße für Couscous) zum Beispiel Tomaten und Paprika.
Also: Moderne orientalische Küche ist so wenig “mittelalterlich” wie unsere. Allerdings gibt es, so weit ich weiß, mittelalterliche arabische und persische Kochbücher, nach denen sich zu recherchieren lohnte … Wie bei den ersten europäischen Kochbüchern sind dies allerdings oft Luxusrezepte für Fürstenhöre.
Gruss Katrin (die sich vor einer Kreuzfahrer-Dönerbude gruselt)
Also eines interessiert mich nach durchlesen dieses Threads jetzt doch sehr: Wie sah das eigentlich in der Kreuzfahrer-Küche (Outremer etc) aus? Wurde da orientalischer gegessen? Immerhin waren ja lokal z.T. andere Produkte verfügbar als bei uns und ernähren mussten die sich auch. Wenn ja, dann müsste doch theoretisch gesehen auch Couscous etc. authentisch sein.
Bitte steinigt mich nicht, wenn ich hier Blödsinn von mir gebe.
Ich bin allerdings absolut sicher, dass im MA Pilze gegessen wurden (das ist keine pseudovolkstümliche Mode, die in der Romantik plötzlich aufgekommen ist), sie galten meies Wissens aber als Speise der ärmeren (und damit: unfreien) Bevölkerung, während die uns überlieferten Kochbücher eher aus Hofküchen stammen, wo man so etwas schon aus Standesdünkeln heraus nicht gegessen hätte: Es hätte dem Bild von der eigenen sozialen Existenz widersprochen.
Ich schau mal, ob ich irgendwo einen Hinweis finde…
Das zitierte Rezept aus dem Buch von guter spise koennte sich auch auf Moehren beziehen statt Morcheln. Das wurde frueher schon mal in diesem Thread diskutiert. Siehe Eintraege 87 - 91 und 96.
weis jemand (und kann es belegen), seit wann Pilze in der Europäischen Küche auftauchen?
Ich hab weder im “Libellus de arte coquinaria” noch im “Buoch von guoter Spise” hinweise auf Pilze gefunden.
Eine Erwähnung gibt es 1537 im Kräuterkochbuch des Adamus Lonicerus:
“Die Schwämme sein weder Kräuter noch Wurtzeln, weder Blumen noch Samen, sondern nichts anders, dann ein überflüssige Feuchtigkeit deß Erdrichs, der Bäume, der Höltzer, und anderer fauler Ding, darum sie auch ein kleine Zeit währen, dann in sieben Tagen wachsen sie, vergehen auch, sonderlich aber kriechen sie herfür, wann es donnert.”
ich wollte mit meinem beitrag ja auch nicht zur wilderei aufrufen, sondern habe diesen teil des beitrages eher symbolisch gemeint. den realisier-
baren und somit legalen weg dessen hat claus sehr gut dargestellt (kauf beim jäger).
wobei das angeln ebenfalls eine durchaus realistische seite hat, denn viele angelvereine (sofern man mitglied ist !) bieten auch überregionale angelberechti-gungsscheine, mit denen man im gesamten bundesland bzw. z.t. sogar in mehreren bundesländern in vielen ausgewiesenen gewässern angeln darf.
der kern meines beitrages sollte eigentlich auf die leckere und machbare verwendung von dörrfisch und -fleisch hinweisen und auf die weniger gute
lösung, evtl. pökelfleisch als längerfristigen reiseproviant zu verwenden, denn um länger haltbare proviante und andere alternativen gingen ja die beiträge, zu denen ich bezug nahm.
also leute, NICHT WIRKLICH WILDERN, sondern nur so tun, aber trotzdem so essen, wie es unsere vorfahren taten und nordische naturvölker ja auch heute noch machen !!! (die jagen allerdings sogar auch noch bei bedarf dazu).
Der Biber wurde durch die Erlaubnis des Verzehrens seines Fleisches in der Fastenzeit fast ausgerottet! Mein Vater (Journalist) hat darüber mal einen Artikel geschrieben und ich habe es auch in einem Buch gelesen, weiß jetzt nicht mehr genau, welches. Entweder “Tafelfreuden im Mittelalter” von Bruno Laurioux oder “ Geheimnisse der kirchlichen Küchengeschichte” von Josef Imbach (übrigens ein sehr interessantes Buch, wenn auch nicht nur übers MA).
Es gab diverse essbare Dinge, die öfters mal ihre Definition wechselten.
So zählten Biber, Otter und teilweise sogar Wasservögel wie Enten zu den Fischen, wurden aber bei nächster Gelegenheit wieder zu in Fastenzeiten verbotenen Speisen gezählt.
Kam wohl immer draufg an, wie streng asketisch die Kirchenoberhäupter waren.
In dem Zusammenhang wäre es mal intressant zu erfahren, welche Regeln wann genau erlassen wurden, und vor allem…
Wie lange dauerte es, bis sowas an die jeweiligen “Endverbraucher” kommuniziert wurde ?
Harald, und was ist mit Freitags oder der Zeit vor Pfingsten? ;-)
Zum Thema Breze gab es vor 1 Jahr in Ulm im Brotmuseum eine nette Ausstellung. Da wurde genau beschrieben, welche Form die Breze in welchem Jahrhundert hatte und auch ob mit oder ohne Lauge.
Wenn ich mit dem Lagern anfange ist die Fastenzeit schon rum. *g*
Aber theoretisch möglich wären die Fastenbrezeln.
Die Sage besagt dass sie entstanden als bei Laugenbretzeln die Lauge vergessen wurde.
Ich habe mir von meiner Schwester mal das Rezept geben lassen. Ist wirklich eine halbtagesfüllende Angelegenheit und da braucht man wohl schon nen ordentlich heißen Ofen.
Ist für das normale Lager also leider schlecht möglich.
Wir hatten das Thema ja schon mit dem mitgebrachten Kleintieren, die einige Tage “ruhen” sollten. Das gleiche gilt auch für Wild, das man schießt und auch hier gilt, wer das nicht wirklich kann und weiß was er tut, sollte es wirklich lassen. Mein Freund ist Jäger, und vom Schuß bis zum Braten auf dem Tisch ist doch schon einiges dazwischen. Ich bin wirklich kein Vegetarier, aber man muss die Viecher ja nicht durch Stümperei quälen bevor man sie ißt!
Aber jetzt wirklich Themawechsel. Weg vom Fleisch und passend zur Fastenzeit. Was gibt es denn bei Euch so als Fastengerichte im Lager?