Ich kann mich zwar leider nicht zu den historischen Ursprüngen der Zahnbürste äußern, hab aber einen kleinen Tip an alle, die das mit dem Süßholz mal ausprobieren wollen:
Schaut doch einfach mal auf www.melbar.de , dort hab ich vor kurzem erst Süßholz zur Zahnpflege im Onlineshop entdeckt.
Viel Spaß beim "putzen"
Die bereits weiter unten erwähnten Zahnersatz bei Ägyptern, Etruskern, Phönikern, Griechen und Römern außer acht lassend:
- arabische Quellen (Albucasis, 936-1013?): Schienung gelockerter Zähne mittels Golddraht, Zahnersatz durch Rinderknochen
- Generell war ja die Heilkunde der Antike im Westen weitgehend verloren gegangen und wurde erst wieder zugänglich durch eine Rückübersetzung der Texte arabischer Autoren (die ihrerseits direkte Übersetzungen antiker Autoren wie z.B. Hippokrates und Galen waren) und bildete so die Grundlage der (Zahn-)medizin im europäischen MA, vermischt mit volkmedizinischem Gedankengut.
- Archäologischer Fund: slawisches Gräberfeld Sanzkow, Kr. Demmin (12. Jh.): ausgefallene/extrahierte Frontzähne, die durch eine kleine Metallplatte und eine kittartige Substanz wieder befestigt wurden
zwecks der Vollständigkeit:
- präkolumbianisches Amerika (Maya) Zahnersatz aus Knochen in Testen beschrieben, daneben ein "Implantat" aus Eisen!!! gefunden.
der schmerzlose Bohrer
der Bokstennman (13.Jh. Schweden) hatte auch einen "Ersatzzahn". Auf dem Röntgenbild sieht man es deutlich. Genaueres kann ich nicht sagen, da das Buch auf schwedisch ist.
Ar og Fridhr Herwör
Zum "Süßholz raspeln" (Beitrag 8 von Angelika): Über die Herkunft der Redewendung hier zwei Zitate. "(...) Die Wendung bezieht sich darauf, daß die zuckerhaltige Süßholzwurzel früher zur Herstellung von Arzneien und Süßwaren geschabt oder geraspelt wurde (...)" (Duden Band 11: Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten. Bibliographisches Institut 1992, ISBN 3-411-04111-0 "Süßholz ist eine in Südeuropa und Mittelasien beheimatete Staude, deren süßschmeckende Wurzel zur Bereitung von Hustentee und zum Süßen verwendet wird; ihr eingedickter, festgewordener Saft ergibt Lakritze. (...) Unter Süßholz raspeln stellt man sich vor, daß jemand so schmeichlerisch spricht, wie wenn er mit der Raspel von einer Süßholzwurzel genießbare kleine Stücke abreibt, um sie dem anderen zu servieren." (Leo Sillner: Gewußt woher. Societäts-Verlag 1973, ISBN 3-7632-1884-X) Obwohl es also durchaus eine medizinische Anwendung gab (wenn auch wohl nur sekundär durch die Geschmacksverbesserung bitterer Medizinen) habe ich bisher keinen Hinweis auf eine Verwendung von Süßholz zur unmittelbaren Zahnpflege gefunden. Auf Xuntheit! Gustav der Bär (a.k.a. Peter Gustav Bartschat)
Heike: Karies & Co sind zu einem Großteil Erscheinungen in unserer heutigen Überflußgesellschaft. Ohne eine größere Zufuhr an Zucker o.ä. haben diese Mundkrankheiten kaum Chancen gegen die Körperabwehr. Bei Tieren klappts ja auch. Ebenso bei ´Naturvölkern´ die höchstens mit Fruchtzucker in Berührung kommen. Bis ins SMA hinein war Zucker nicht verbreitet genug, um den Schaden anzurichgten, mit dem er heute Zahnärzten ihr täglich Brot beschert.
Gruß, Ivain
Kleine Praxiserfahrung: Angeregt durch den Thread habe ich am Wochenende auf einem MA-Markt einige Stöckchen Süßholz günstig erworben. Ist zwar nach den ersten komischen Bissen ganz lustig auf den Stengeln rumzukauen und dann schmeckt es auch in der Tat leicht süßlich. Aber ich hatte nicht den Eindruck, daß die Zähne dadurch sauber werden. Wahrscheinlich regt es nur den Speichelfluß an und mit dem nach einiger Zeit zerfasserten Ende hat man wohl einen leichten Bürsteneffekt. So zu groben Entfernung von Speiseresten reicht es wohl (s. Eintrag 3 von Florian), aber vor Karies und Paradonthose wird es wohl kaum geschützt haben.
Gruß, Heike (Anneke aus Lübeck)
Florian: Minze gegen den schlechten Atem war bekannt. In einem Kochbuch (schlagmichtotichweißnichtmehrwelches) um ca. 1500 wird Minze aus genau diesem Grund zu Fleisch mit Knoblauch serviert. Allerdings als Bestandteil des Gerichtes, nicht etwa als Dessert. ("Gekocht und auch noch in Pfefferminzsoße... Asterix, das arme Schwein !")
Gruß, Ivain
Ist ja kaum noch was zuzufügen hier, außer,daß bei Ausgrabungen ein Römischer schädel mit einem eisenzahn als Zahnersatz gefunden wurde.Hab das gleiche auch für die Ägypter aufgeschnappt, weiß aber nicht ob das stimmt.
Rod
Moin! Zahnprothesen wurden bereits bei Ausgrabungen im alten Ägypten gefunden. Es handelte sich hierbei um ausgerissene Zähne, die mittels Golddrähten wieder an den umgebenden Zähnen befestigt wurden, eine frühe Form der Brücke also. Da die Idee gut und naheliegend ist, und die Leute im MA auch net blöd waren wie wir wissen- gibt es MA Funde ähnlicher Techniken? Wer weiß was? Zähneputzen funktioniert übrigens auch mit dem Finger, das würde fehlend Funde erklären. Nur- mit was wurde geputzt? seife? fürs einfache Volk doch wohl zu teuer, oder? Fragen über Fragen... Gruss, Uli
Gab es eigentlich ausser Fenchel sonst nopch was um den Atem auzubessern oder zur Zahnpflege ( vielleicht so ne Art Pfefferminze oder sowas ?? ) ?? Theoretisch wäre ja Salz möglich ( Schmirgelwirkung ) , aber das war ja damals VIEL ZU TEUER. MfG
Flo
Hi! Nahm man nicht Süßholz zur Zahnpflege? Oder war das woanders/wannanders??? Aber meines Wissens kommt daher der Spruch "Süßholz raspeln"!!! Schmeckt auch gar nicht schlecht... Gruß Helenas Mama
ähm, passt zwar vielleicht nicht ganz zu der Zahnbürste, aber gegen schlechten Atem hilft Fenchel, wie aus immer zugeführt. Behauptet jedenfalls die gute Hildegard von Bingen :-) Guten Apetitt ! Gruß Ina
Hallo! Ich muß der Theorie von Nr 3 (und 4 :-) ) leider wiedersprechen, die Zahnbürste kann nicht in China im 15. Jhd. erfunden worden sein und schon gar nicht erst im 17. Jhd. zu uns gekommen sein, da man in Lübeck ein sogen. "Besteck zur Körperpflege" gefunden hat (15. Jhd.) mit einer ziemlich eindeutigen Zahnbürste. Es handelt sich dabei un ein kleines Löffelchen (Ohrlöffel??) und ein kleines "Stocherchen" (Fingernägel, Zähne??) und eine längliche Bürste, in den Abmessungen etwa so groß wie eine heutige Zahnbürste, nur etwas kürzer und nicht ergonomisch geformt. Eben ein Stück Holz mit Borsten dran. Alles mit einem Bronzeniet vernietet, im Prinzip wie die heutigen Nagelknipser. Die praktischen Erfahrungen zeigen, dass das Ding äußerst praktisch ist. Für weitere Infos: Hartmut Boockmann: Die Stadt im späten Mittelalter, Verlag C.H. Beck, Seite 91 Amt für Vor- und Frühgeschichte Lübeck, Inv.-Nr. 047/3 Viele Grüße, Ingo
Hallo Ihr, der thread "Persönliche Hygiene und Körperpflege", Nr. 550, derzeit Seite 16 bietet auch noch einiges zum Thema. Weidenrinde? Wäre mir neu. Seit der Renaissance wird die Gewürznelke dafür verwendet. Grußvoll, Matthias Topasius
Dumme Frage: Warum keine Weide? Die ist doch sogar eine Quelle für Schmerzmittel. Also Dual use. Erst putzen und dann keine Zahnschmerzen mehr. Tassilo
Hi Florian, ich muss wohl das gleiche Buch wie Michael gelesen haben, denn ich kann mich auch an keinen Namen erinnern ;-) Jedenfalls habe ich noch im Gedächniss, dass dieses Putzen der Zähne, wenn überhaupt, aus rein kosmetischen Gründen erfolgte und nicht etwa, weil ein Gesundheitsbewusstsein dahinter stand. Sieht halt besser aus, wenn du bei der Minne keine Essensreste zwischen den Zähnen kleben hast... Dieses Kauholz ist übrigens schon etwas älter... So belegen Knochenfunde in Tansania, dass schon vor 1,8 Millionen Jahren Zahnstocher verwendet wurden, die Ägypter stellten sogar einen Vorläufer der Zahnpasta aus zerriebenem Bimsstein her, und die ab ca. 600 n.Chr. in Indien nachgewiesenen Zahnpflegehölzchen sind im arabischen Raum noch heute gebräuchlich. Daneben glaubte man im Mittelalter sich vor Karies und Parodontose mit z.B. um den Hals gehängten Hagebutten , Wolfszähnen, o.ä. schützen zu können, oder man betete zur heiligen Apollonia. Bei der Behandlung gab es nur eine Deviese: Raus mit dem Zahn! Vor allem in Italien im SMA belegt, aber auch in unseren Breiten sind die sogenannten Zahnreisser, die von Ort zu Ort tingeln und auf Jahrmärkten als Attraktion auftreten, wo sie zur Belustigung des schadenfrohen Publikums unter allerlei Sprücheklopfen und Gauklerei ihrem Handwerk nachgehen, oftmals begleitet von Pauken und Trompeten, um die Schreie ihrer "Opfer" zu übertönen... Bei uns leisteten im HMA Babiere und Bader ähnliche Arbeit. Die Zahnbürste selbst wurde wahrscheinlich im 15. Jhd in China erfunden. Zu uns kam sie im 17. Jhd, war als Kosmetikartikel aber natürlich erst dem Adel vorbehalten. In Europa machte sich im 18. Jhd. vor allem ein gewisser Pierre Fauchard einen Namen. Er entdeckte die Ursache für Karies und entwickelte die ersten Behandlungsmethoden. Die erste Zahnprotese stammt übrigens im 18. Jhd. von einen Hr. Pfaff. der erste Pedalbetriebene Bohrer aus dem Jahre 1771. Im 19. Jahrhundert setzte sich die Zahnbürste, kombiniert mit Zahnseife oder Zahnpulver, auch langsam beim Durchschnittsbürger durch. Erst in den dreissiger Jahren des 20. Jhd. wurde Zahncreme erstmals industriell gefertigt. Interessant wären auch Untersuchungen zu Gebissfunden des HMA... Im alten Ägypten war Karies noch eine typische Erkrankung der Oberschicht. Zur Zeit als Rom die beherrschende Macht in Europa war und allerlei Gaumengenüsse zur Verfügung standen, die unseren heutigen in Karies-Förderlichkeit kaum nachstanden, hatte schon jeder dritte Karies. Im Mittelalter ging die Zahl der Erkrankten auf 10 % zurück, um im 20. Jahrhundert als Rekordmarke fast 100 % der Erwachsenen zu Zahnkrüppeln zu machen. Grund dafür sind neben Zucker auch die feinst gemahlenen Auszugs-Mehle, die einen idealen Nährboden für Bakterien und Pilze bieten. Also, immer schön putzen oder zur heiligen Apollonia beten! ;-) Tobias www.herbularius.de