Hallo Steffi, in meiner Quelle sind die Woll-Kämme zwar beschrieben, aber nicht abgebildet. Was ich habe sind verschiedene Abbildungen von Steilkämmen aus Geweih und Knochen. Die kann ich gern kopieren. Für Abbildungen von Holzkämmen mit Eisenzinken warte ich auf ein Buch aus der Fernleihe :-(. Ich hoffe, dass ich möglichst bald an den Nachbau und das Ausprobieren gehen kann. Sylvia PS. Hat jemand Befundnachweise für Filz im deutschen Raum vor 1200?
Hallo Steffi! In dem Buch ´… und ihre Hosesn nennen sie Braccas´ gibt es aus der Bronzezeit (ich weiß, es ist nicht deine Zeit, aber besser als gar nichts) eine Abbildung eines mit Dornen besetzten Holzbrettes. Es wird vermutet, daß es zum aufrauhen von Stoffen, bzw. zum kämmen der Wolle verwendet wurde. Ich könnte es am WE einscannen und dir rüberschicken, wenn du interesse hast. Hi Silvia! Ich hab bisher nur Wolle, etwas Flachs, ein wenig Baumwolle und Roßhaar (schweif) versponnen. Dachshaar ist sicher sehr interessant, habe aber noch keine Quelle dafür. Baumwolle ist auch sehr kurzfaserig. Bevor das maschinelle entkernen erfunden wurde, war die Faser noch kurzfaseriger. Man hat im 18. und 19. Jhd. Baumwolle immer in überhitzten Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit verarbeitet, damit sich die Fasern besser miteinander verbinden. Tschüs Aisling
Moin, Angharad, Deine letzte Antwort war jetzt nicht wirklich nötig, oder? Da ich bisher keine Antwort auf meine Frage bekommen habe, kann ich darauf schließen, daß hier niemand zeitgenössische Bild- oder Schriftquellen hat, aus denen sich das Aussehen von Geräten zum Kardieren der Wolle ableiten läßt? Bleiben also nur moderne Karden oder Eisenkämme? Steffi
Liebe Sylvia, ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich in einem früheren Leben als bronzezeitliche Frau am dritten Tag nach der Sommersonnenwende das Kammgarnspinnen erfand…
Hallo Aisling, fein, danke für deinen Beitrag. Für Hochdorf ist ein Gewebe aus Dachswolle (Unterhaar) belegt. Die Unterwolle erinnert vom Griff an Angorakaninchen und ist sehr kurz. Hast Du Erfahrung im Spinnen von “Sondermaterialien” Eventuell wie Flachs feucht verspinnen? Hallo Angharad, die mechanisiere Wollverarbeitung ist sicher sehr interessant. Für welche Zeitstellung kann echtes Kammgarn (entsprechend der modernen Form) angenommen werden? Für welche mechannisierten Verarbeitungsschritte gibt es archäologische Belege oder Erwähnungen in Primärquellen? Für die röm. Kaiserzeit werden Textil-“Manufakturen” angenommen, welche Hinweise auf Gerätschaften gibt es hier? Eine genaue Definition der Zeitstellung und der diskutierten Gegend wäre hier hilfreich. Schließlich verarbeiteten Kelten (D2) Fasern (welche auch immer) anders als flandrische Tucher in der frühen Neuzeit (oder ausgehendes Spätmittelalter :-)) ) Sylvia
Liebe Aisling, all die von dir genannten Beispiele sind mir schon lange bekannt. Wenn du meinen Text aufmerksam gelesen hättest, wäre dir aufgefallen, daß ich keinesfalls bezweifelt habe, daß man “früher” mit einfachen Mitteln, also der Handspindel, sehr feines Garn herstellen konnte. Aber um diesen letzten Arbeitsschritt geht es hier nicht. Die VORBEREITUNG war aufwendig und unbedingt nötig. Ohne die vielen Arbeitsschritte mit mehrfachem Strecken kommt halt ein Kamel- oder Kälberstrick raus! ;-)))) Deine Frage am Anfang bezog sich auf die Vorbereitung der Wolle zum Spinnen. Dabei hast du die Arbeitsschritte Kämmen und Kardieren durcheinandergeworfen. Der Vollständigkeit halber habe ich die kompletten Vorbereitungsschritte für das Kammgarnspinnen aufgeführt (das einzige Verfahren für feine Wollgarne). Es lesen hier bestimmt noch mehr Leute mit, die sich nicht zu posten trauen und die diese Informationen interessant finden. Ob man die Wolle schert und dann kämmt oder gleich nur die langen Haare auszupft, hängt von der Geduld der betreffenden Frau und des Schafes ab ;-). Der Effekt ist der gleiche. Bei der Handspinnerei kann man sicher manche Arbeitsschritte etwas anders ausführen als in der maschinellen Verarbeitung. Die physikalischen Mechanismen bleiben allerdings bestehen. Viele Wege führen nach Rom…
Tja, bei mir hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen. Es sollte heißen: Der Thorsberger Prachtmantel: Eine außergewöhnliche Glätte und Feinheit der Fäden, die in Z-Drehung gesponnen, kaum 0,2 - 0,3 mm stark sind und, in S-Drehung gezwirnt, die Stärke von 0,5 mm nicht überschreiten. Tschüs Aisling
Hallo Angharad! Mit einfachen Mitteln konnte man damals viel feinere Fasern erarbeiten, als den von dir genannten Kamelstrick. Beispiele habe ich nicht aus dem Mittelalter, aber sie sind aussagekräftig genug : Bronzezeit, Grabhügel von Schwarza, Kr. Suhl: Schleiergewebe aus sehr scharf gesponnenen, ausgesucht langen Wollfasern in lockerer Leinwandbindung. Der Thorsberger Prachtmantel: Eine außergewöhnliche Glätte und Feinheit der Fäden, die in Z-Drehung gesponnen, kaum 0,2 - 0,3 mm stark sind und, in S-Drehung gezwirnt, die Stärke von 0,0 mm nicht überschreiten. Herstellungszeitraum für den Mantel bei zwei Weberinnen: 2 Jahre !!! Das Grab der ´Fürsten´ von Hochdorf Textilien auf der Bronzeliege: 1. Totenabdeckung aus einem ungefärbten, mittelfeinen Gleichgratköper 2/2 2. Blau-rot kariertes Tuch aus einem sehr feinen Gleichgratköper 2/2, in beiden Fadensystemen einfaches Garn in z-Drehung (kleines kariertes Tuch) 3. Band: einfaches Brettchengewebe aus roten und blauen Kettschnüren. 4. Rotes Grabtuch aus einem sehr feinen Gleichgratköper 2/2, jeweils in einem Fadensystem S-Zwirn bzw. einfaches Garn in z-Drehung. 5. Band: gemustertes Brettchengewebe, Kombination von Drehrichtungsmustern der Kettschnüre und einer Köperbindigen Gewebestruktur mit Diagonalgratmusterung. 6. Blau-rot kariertes Tuch aus einem sehr feinem Gleichgratköper 2/2 jeweils in einem Fadensystem S-Zwirn bzw. einfaches Garn in z-Drehung (großes kariertes Tuch). 7. usw. Die Fäden haben eine Dicke von 0,3 (gezwirnt) bis 0,8 mm !!!! Mir ist natürlich klar, daß solch extrem hochwertige Verarbeitung nicht für das gemeine Volk erschwinglich war, aber die Qualität der damaligen Stoffe kann man heutzutage nicht maschinell herstellen, sondern kann sie nur in Handarbeit reproduzieren ´man kann mit einem Spinnrad oder einer Maschine keinen Faden in einer Dicke von 0,15 mm herstellen´ so jedenfalls die Aussage einer Kursleiterin fürs Spinnen im Industriemuseum Cromford in Ratingen (synthetische Fasern ausgenommen) Literatur: … und ihre Hosen nennen sie Bracas Katharina von Kurzynski (1996) Hochdorf IV Johanna Banck-Burgess (1999) Der Thorsberger Prachtmantel Karl Schlabow (1965) Gruß Aisling
Hallo Angharad, um mal auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Wenn nun zum Kardieren (nach Deiner Aussage) keine Kardedisteln verwendet wurden, wie sahen die Geräte denn dann aus? Ich kenne moderne Karden (Gummikissen mit abgeschrägten Metalldornen), aber die scheiden ja wohl aus ;-) Steffi
Hallo Sylvia, wohl läßt sich Wolle auch sehr einfach verarbeiten, wie das Beispiel der anatolischen Hirten zeigt. Aus diesen Fäden werden dann wohl aber keine feinen Schleier, sondern eher Kamelstricke gefertigt werden ;-) Deiner Beschreibung nach handelt es sich hier um Streichgarnspinnerei. ßber das Vorhandensein von Scheren seit über 2500 Jahren müssen wir wirklich nicht diskutieren ;-). Es geht ja um die Vorbereitung der Wolle zum Spinnen, und nicht darum, wie man sie dem Schaf abnimmt. Vielleicht ist dir entgangen, daß mein Text sich auf die HEUTIGE, mechanisierte Wollverarbeitung bezog. Mit keinem Wort habe ich geschrieben, daß man vor der Industrialisierung solche Walzen etc. verwendet hätte. Also erwarte ich auch keine archäologischen Funde… Mein Beitrag sollte darlegen, daß zwar die Arbeitsgeräte wechseln, das Arbeits-PRINZIP aber immer das gleiche bleibt. Es gibt für die Wollspinnerei zwei verschiedene Spinnverfahren: die Kammgarn- und die Streichgarnspinnerei. In der Streichgarnspinnerei werden Fasern unterschiedlicher Länge zu gröberen, faserigen Garnen verarbeitet. In der Kammgarnspinnerei werden Fasern gleicher Länge zu glatten, feinen Garnen versponnen. Die Abfolge der Arbeitsprozesse beim aufwendigeren Kammgarnverfahren ist 1. Sortieren der Wolle nach Faserqualitäten. 2. ßffnen der Wolle zu FLOCKEN und Ausscheiden grober Verunreinigungen. 3. Waschen, Entfernen von Schmutz und ggf. Wollfett 4. Trocknen der Fasern. 5. WOLFEN, d.h. Auflösen und Reinigen der Faserflocken 6. Mischen und Schmälzen, d.h. Zusammenstellen der gewünschten Fasern und evtl. Nachfetten. 7. Wiegen, Auflösen des Fasermaterials und Zuführen gleichmäßiger Portionen zum Krempeln. 8. KREMPELN, d.h. Auflösen der Flocken zur Einzelfaser, Ordnen und Parallelisieren der Fasern, Beseitigung von Verunreinigungen, Bilden des Faservlieses. 9. STRECKEN, d.h. gleichmäßig machen der Faserbänder durch Doublieren und Verziehen. 10. KßMMEN, d.h. Aussondern der kurzen Faseranteile. 11. STRECKEN für weitere Vergleichmäßigung. 12. ßbergang zum Verspinnen: Nochmals Strecken zur Verfeinerung. 13. VORSPINNEN, d.h. weiteres Strecken und Verdrehen zum Vorgarn. 14. FEINSPINNEN, d.h. Verstrecken zur endgültigen Feinheit und Verdrehen. Die Schritte 8 und 9 werden unter dem Begriff “Kardieren” zusammengefaßt. Dabei werden immer zwei gegenläufige Krempel (Karden) verwendet, um die Fasern zu parallelisieren. Nicht zu verwechseln mit der Anwendung der Weber-(Distel)karde, die zum RAUHEN von fertigen Stoffen benutzt wurde (und teilweise noch wird)! Hier wird nur eine Karde über das Gewebe geführt. Sinn des Kardierens ist es, ein Faservlies mit möglichst geringen Masseschwankungen zu bilden, denn eine bleibende Parallelisierung der Fasern ist erst beim VERZIEHEN des Bandes möglich. Erst im BAND liegen die Fasern dicht genug beieinander, um durch die Reibung in der - durch den Verzug geschaffenen - gestreckten Lage Halt zu finden. Entscheidend für die Feinheit des Garnes in der Wollspinnerei ist also das Verstrecken der Fasern/des Bandes in der Spinnvorbereitung. Grundsätzlich gilt: Je feiner das Endprodukt (das Garn) werden soll, desto aufwendiger müssen die vorbereitenden Arbeitsschritte sein. Natürlich hat man im Laufe der Jahrhunderte entsprechend den verwendeten Werkzeugen den Arbeitsablauf angepaßt oder verändert. Aber ob Handarbeit oder Maschine, dieser Arbeitsprozeß bleibt im Grundsatz immer erhalten. Praktische Erfahrung ersetzt leider nicht die Kenntnis der theoretischen Grundlagen… Quellen: Prof. Dr.-Ing. Grütz, Lehrstuhlinhaber für Fadentechnologie, FH Niederrhein Eberle, Hannelore [u. a.]. Fachwissen Bekleidung. 3., überarb. Aufl. Haan-Gruiten: Europa Lehrmittel, 1993. ISBN 3-8085-6203-X.
Hallo Angharad, sicher sind Quellen zur modernen Textiltechnik bei der Betrachtung der Wollverarbeitung genauso interessant wie Vergleichsbetrachtungen bei Völkern in einer ähnlichen Kulturstufe. Aus den Ergebnissen bei der Wollverarbeitung in Düppel geht hervor, daß sich Wolle auch mit deutlich einfacheren Methoden verarbeiten läßt. Ich habe auf eingene Erfahrungen bereits hingewiesen. Zudem müßten sich “Rollen” oder Walzen auch im Befund (zb. Feddersen Wiede) abzeichnen. Sylvia PS. Eventuell ist auch hier eine genau Klärung der diskutierten Gegend und Zeitstellung nötig. So ist es noch eute in Anatolien verbreitet Flockenwolle direkt ab Schaf beim Hüten zu verspinnen. Scheren, die zur Schur hätten Verwendung finden können, sind schon seit der römischen Eisenzeit bekannt (Ich vermeide hier ein Aufzählen der Befunde, Fundorte und Quellen).
Hallo Aisling, das von Ing. Hentschel beschriebene Verfahren nennt sich Kardieren und ist als Vliesbildung eine notwendige Vorstufe zum Verspinnen der Fasern. Heute ist es natürlich mechanisiert; man verwendet dazu Walzenkrempel. Das von der Karde gelieferte Band muß durch Strecken verfeinert werden, um die gewünschte Feinheit des Garns zu erhalten. Das Verstrecken erfordert mindestens zwei Klemmlinien (zwei Zylinderpaare) mit unterschiedlicher Umfangsgeschwindigkeit. Hier entsteht das sog. Vorgarn, das schließlich zu Garnen der bekannten Feinheit versponnen werden kann. Aus meiner Beschreibung wird ersichtlich, daß diese Arbeit nicht mehr am Schaf direkt gemacht werden kann und deshalb das Scheren erforderlich ist. Das Arbeitsprinzip jedoch ist unverändert bis heute erhalten geblieben. Quelle: Prof. Dr.-Ing. Grütz, Lehrstuhlinhaber für Fadentechnologie, FH Niederrhein
Guten Morgen Aisling, Ich hatte neulich das Glück mir ein an einen Metallbeschlag korridierten Stück Leinen in Leinenbindung unter dem Mirkoskop anzusehen. Nach den Meatllbeschlag zu schließen handelt es sinch allerdings um eine sehr reiche Bestattung. Die Stärke der Faden konnte ich nicht genau bestimmen. Von Güte und Feinheit lag das Gewebe bei sehr feinen modernen Leinen, von der Qualität weit über dem og. Bauernleinen, eher bei feiner Tischwäsche. Für die Wurtgrabung “Elisenhof” sind sehr viele Textielfragment nachgewiesen. Leider feht hier eine Angabe der Gran oder Zwirnstärke. Beeindruckend sind die brettchengewebten Bänder und eine unglaublich feines Schleiergewebe. Nach eigenen versuchen sind die Fäden aus sehr “langhaariger” Wolle und mit starkem Drall gsponnen. Die Fäden sind sehr glatt und fein. Das Schleiergewebe ist auf jeden Fall ein außerordentliches Spitzenprodukt!!! Ich glaube, daß schon mehr oder weniger auf dem Schaf oder der Ziege eine “Vorsortieren” der Wolle nach Verarbeitungszweck vorgenommen wurde. Schafe vor der Schur (oder dem Rupfen?) zu waschen ist eine Möglichkeit, die auch bis heute angewandt wird. Will man besonders gute Wolle muß man auch (besonders bei Stallhaltung) auf besonders Sauberkeit und viel Platz für das einzeln Tier achten und aufpassen, im Stall oder draußen, daß die Tiere gut fressen und sich nicht wälzen. Sylvia Quellen Nowak Forkel, Wolle vom Schaf ISBN 3-8001-6401-9 Für die Befunde Eisenhof muß ich (bei Intresse) die Quelle nachreich. Leider fehlt bei meinen Kopien die Angabe :-( (Ich kann Dir, wenn Du magst gern den “Texleilteil” kopieren)
Hallo Sylvia! Und trotzdem haben die es damals geschafft Fäden in einer ´Dicke´ von bis zu 0,2 - 0,3 mm zu spinnen, die gezwirnt die Stärke von 0,5 mm nicht überschreiten. ´Der Thorsberger Prachtmantel von Karl Schlabow´ Förderverein Textilmuseum Neumünster 1965 Hochdorf IV Johanna Banck-Burgess
Hallo Aisling, ich habe die warmen Wollkämme beim Hamburger Troß vor 2 Jahren ausprobiert. Durch das warme Metall wird die Wolle ganz weich (wie Haare um einen Lockenstab) und läßt sich in eine Richtung ziehen. Die Wolle spinnt sich sehr gut, ist aber mit modernem Kardenband nicht zu vergleichen. Sylvia
Hallo Sylvia! Ich hab bzgl. der Wollkämme noch etwas gefunden: ´Der Thorsberger Prachtmantel von Karl Schlabow´ Förderverein Textilmuseum Neumünster 1965 (der Mantel stammt aus dem 4.Jhd. n.Chr) ´Es ist kaum denkbar, daß dieses mühevolle Aussuchen, Glätten und Ausrichten der Haare nur mit dem heute noch allgemein in der Handspinnerei gebräuchlichen Handkratzen (die dazugehörige Abbildung zeigt zwei Karden, wie man sie heute noch z.B. bei Traub bestellen kann) durchgeführt und erreicht worden ist. Vieleicht wurde es mit einem ähnlichen Gerät wie dem uns aus dem vorigen Jahrhundert überlieferten großen Handwollkamm ausgeführt. Dieser besitzt eiserne Zähne bis über 20 cm Länge, welche vor dem Gebrauch immer wieder angewärmt wurden. Mit einem zweiten Kamm wurden durch die Zahnmaschen die langen Haare der Wolle gezogen, während die kurzen mit allen Unreinheiten zurückblieben. Also ist hier schon zur Gewinnung von glatten Fäden, das Aussortieren von langen und glatten Haaren, ein sogenannter Kammzug angewandt worden´ Für mich stellt sich jetzt nur die Frage, warum wurden die Kämme erhitzt. Lässt sich mit warmen Eisen Wolle besser kämmen? Den zweiten Teil des obigen Textes finde ich aber auch noch interessant: ´Es ist diese Anwendung zur Herstellung von Fäden ein sehr umständlicher Arbeitsweg, dagen führt die Nachricht des Spinnfachmannes Ing. Hentschel, Berlin, zu einer einfachen Arbeitsmethode, die gut zur Eisenzeit Anwendung gefunden haben kann. Folgende Beobachungen konnter er in Nordfriesland bei der Herstllung von besonders glatten Fäden machen. Die Wolle wird nicht, wie sonst üblich, geschoren. Ist die Wolle reif, so werden zunächst die Schafe gewaschen. Nach dem Trocknen wird dann nur die lange Rückenwolle mit der Hand in Faserrichtung zu einem kammzugähnlichen Band aus der Haut ruckweise ausgezogen, indem sich gewissermaßen dachziegelartig ein lockers Haarbündel an das andere fügt. Es ist verständlich, daß man von einem so vorbereiteten, aus glatten und langen Haaren bestehenden Spinnband bei entsprchendem Geschick einen sehr feinen und gleichmäßigen Faden spinnen kann.´ Tschüs Aisling
Moin Aisling, ein fertiges Stoffgewebe besteht aus vielen kleinen “Löchern”, die von den Kett- und Schußfäden umschlossen sind ;-) Mal im Ernst, wenn Du ein Stück Stoff gegen das Licht hältst, erkennst Du, daß das Gewebe nicht dicht ist. Und wo Licht durchscheint, hat auch Wind und Regen eine Chance durchzukommen. Deshalb wurden (und werden) bereits seit der Bronzezeit Gewebe in einer Walke (Düppel nennt hier z.B. einen Walkbrei u.a. aus gemahlener Tonerde und heißem Wasser) bearbeitet, d.h. mit Druck (stundenlanges Treten mit den Füßen), Wärme und Flüssigkeit gewalkt. Dabei quellen die Fasern auf und die einzelnen Haare verfilzen miteinander. Durch die Walke entsteht ein weiches, griffiges Tuch, das durch die Bearbeitung mit Karden noch weiter veredelt wird. Quellen: Moradschweski, G. (1982) Protokoll zum sogenannten Kinderkleid, Manuskript Museumsdorf Düppel. Schlabow, K. (1985) Gewebe und Gewand zur Bronzezeit, Neumünster Whewell, C.S. Filzen und Walken, Ciba Sonderdruck Tidow, K. (1978) Die Wollweberei im 15. bis 17. Jhd. , Neumünster Hägg, I. (1984) Die Textilfunde aus dem Hafen von Haitabu, Ausgrabungen in Haitabu, Bericht 20, Neumünster Angerauhte Stoffe wärmen durch den höheren Lufteinschluß besser (vergleiche hier glattgewebtes Baumwollhemd und Flanellhemd)und es geht ja vorrangig um einen möglichst guten Wetterschutz. Steffi
Hallo! Ich hab da noch was zum Zupfen der Wolle aus keltischer Zeit gefunden: Die Schafswolle wurde entweder ausgezupft oder abgeschoren, mit Scheren, wie sie z.B. aus der Latènezeit gut belegt sind. Das Ausraufen hat, besonders bei primitiven Schafrassen, einige Vorteile. Deren Fell besteht aus steifem, langem Ogerhaar (die sol. Grannen- und Stichelhaare) und dem weicheren, kürzeren Unterhaar - der Eigentlchen Wolle. Das Fell modernerer Schafe enthält eine dritte, mittelfeine Haarsorte und weniger Grannenhaare - ein Erfolg internationeller Züchtung. Durch das Ausraufen konnte das feinere Unterhaar besser gewonnen werden, als durch die Schur, und der regelmäßige Fellwechsel der frühen Schafrassen im Frühjahr erleichterte diese Technik. In einigen Fällen sind bei prähistorischen Fasern noch die Haarwurzeln zu erkennen, was belegt, daß die Wolle ausgerissen wurde. Die Wolle mußte dann wor dem Verspinnen nur noch gewaschen und ausgkämmt werden. Katharina von Kurzynski … und ihre Hosen nennen sie bracas. In diesem Buch wird auch ein mit Löchern versehenes und ehemals wohl mit Dornen besetztes Holzvrett aus der Lüscherzer Kultur des frühen 3. Hahrtausends v. Chr. erwähnt. Es wird spekuliert, daß dieses Brett zum Hechel des Flachses diente, oder als Wollkarde zum Aufrauhen und Verdichten der gewebten Stoffoberfläche (?!?!) verwendet wurde. Da stellt ich mir die Frage, wozu sollte ein bereits fertiger Stoff aufgerauht werden…. Tschüs Aisling
Nachtrag zu den Filzarbeiten: “Filzstück mit farbiger Applikation eines Drachen in Wolle und Filz” Fund aus Kurgan Nr. 2 von Pasyryk im Bergaltai Ausgrabung durch S.I. Rudenko (1947-1948) Altaier Bergstämme zur Skytenzeit, 5 Jahrh. v. u. Z. Leningrad, Staatl. Ermitage Quelle: Historische Schätze aus der Sowjetunion Ausstellung vom 27.6 bis 28.8 1967, Villa Hügel Essen Nachtrag zu Beitrag 13: Gold der Steppe Archäologie der Ukraine, Wachtholz Verlag Archäologisches Landesmuseum der Christian-Albrechts-Universität Schleswig 1991 (Besonders interessant sind die Ausarbeitungen über Goldlahnfäden) Was ich noch gefunden habe: “Nachdem ßffnen des Vlieses kann die Wolle vor dem Spinnen noch mit verschiedenen Geräten bearbeitet werden, die die Fasern in eine Richtung ordnen. Die heute üblichen Handkarden, mit Nägeln besetzte Holzbretter, sind nicht vor dem 13. Jahrh. u.Z. nachgewiesen. Die Römer kannten flache eiserne Wollkämme von bis zu 35 cm Länge mit langen, ausgeschnittenen Zähnen an einem oder beiden Enden. T-förmige, mit zwei Reihen von Eisenzähnen besetzte Holzkämme wurden paarweise bei den Wikingern und im angelsächischem England des 7. Jahrh. u. Z. benutzt” (Abbildung vorh.) Quelle: Wolle und ihre Verarbeitung von Brigitte Freudenberg aus Kleider machen Leute - Leute machen Kleider Kulturamt der Stadt Hanau 1994 Wenn ich an die im Befund recht häufigen Steilkämme denke, könnte man auch an eine Nutzung zum wollekämmen denken. Kämme (Knochen bzw. Holz mit Metallzinken) sind in Arbeit. Nach einem “Probelauf” werde ich von “Erfolg” berichten. Sylvia
Moin Ihr, Patrick, sei beruhigt. Ich habe Deine Distel nicht zerbrochen, sondern gaaanz vorsichtig die Samenkörner rausgepuhlt. Vielleicht sollten wir bei Gelegenheit trotzdem mal einen Abstecher zur A 52 machen… ;-) Also, Düppel schreibt zur Wollvorbereitung: “ Die Bearbeitung des Naturproduktes Wolle erfordert eine vorherige Reinigung, schon um einen Parasitenbefall zu verhindern. Einige Tage vor der Schafschur trieb man früher die Tiere durch fließendes Gewässer, um auf diese Weise relativ gereinigte Wolle zu erhalten. Im Museumsdorf Düppel wird das Wollvlies nach der Schur kalt und ohne Waschmittelzufuhr gewaschen, damit das Wollfett Lanolin als Wetterschutz erhalten bleibt. Danach wird das getrocknetet Vlies mit der Hand gezupft, wobei Unreinheiten, wie z.B. Stroh, herausfallen. Mit Wollkratzern (Karden, Kardätschen) werden die Wollfasern anschließend in eine Richtung geordnet und noch besser aufgelockert. Die derart vorbereitete Wolle ist nun spinnfertig.” In einem anderen Artikel heißt es: " … Zur weiteren Veredelung von Wollgeweben nach dem Walken gehört das Rauhen mit Wollkratzern oder Distelkarden. Der dabei entstehende Faserflor muß noch geschoren, d.h. mit großen Scheren weiter behandelt werden. In Haitabu gefundene gerauhte Köpergewebe scheinen für bestimmte Teile der Tracht, z.B. die Obertunika, angeferigt worden zu sein. Aus: Experimentelle Archäologie im Museumsdorf Düppel, 1996 Klingt, als hätte (und könnte) man Kardedisteln für beide Zwecke benutzen. Steffi