ist ein pilz, der roggenkörner befällt, besonders in verregneten, nassen Sommern.Da man das Getreide auf keinen Fall weggeschmissen hat, kam es in nassen Jahren durchaus zu vielen Todesfällen durch Mutterkornvergiftung. Der Name "Mutterkorn" bezeiht sich auf die Wehenanregende Eigenschaft dieses Pilzes. In der richtigen Dosierung kann es eine Geburt, die durch Wehenschwäche zum Stillsatand gekommen ist, wieder voranbringen. Natürlich kann man das Mutterkorn auch zum Abtreiben verwenden, wenn man die richtige Dosierung kennt. Die Dosis macht eben das Gift.
Eine weitere abtreibende pflanze ist die Petersilie. Die formel "parsley. sage , rosmary ans thyme" im Lied "Scarborough Fair" macht also durchaus Sinn. Hinweise auf abtreibende pflanzen findet man in vielen alten Kräuterbüchern. Überall, wo "austreibend" steht, könnte man "abtreibend" sagen.
Das uns heute so wenig über mögliche Techniken zum Schwangerschaftsabbruch bekannt ist, lliegt auch mit Sicherheit daran, dass die Hebammen mit ihrem Wissen nicht hausieren gegangen sind.
Hjoerdis von Odroerir
Oops, kurzer Nachtrag, die Secalealkaloide bewirken eine Kontraktion der Gebärmutter, diese Wirkung fand durchaus bis in die heutige Zeit Verwendung in der Rinderobstetrik (Gruß an Ruth).
Der Begriff Engelmacherin bezieht sich wohl eher darauf, daß diese Frauen andere Frauen, die "gesündigt" hatten, wieder unschuldig wie die Engel gemacht haben (oder sie gleich zu Engeln machten), obwohl der Begriff nicht unbedingt schon im Mittelalter entstanden ist. Das Mutterkorn (Secale cornutum) führt zu Halluzinationen und es gab durch die Häufigkeit des Auftretens dieses Parasits im Mittelalter und die Verunreinigung des Mehls "Unfälle". Eine Wirkung ist die Verengung von Kapillaren, die vor allem an Händen und Füßen zum Absterben der Gliedmaßen führte, verbunden mit den Erscheinungen des Antoniusfeuers, d.h. die Leute hatten das Gefühl, ihre Zehen etc. würden brennen. Das Zusammenziehen der kleinen Blutgefäße, die in der Verzahnung von Plazenta und Gebärmutter eine große Rolle spielen, könnte für die abtreibende Wirkung verantwortlich sein. Viele der Bilder von Hieronymus Bosch gehen, wird oft gesagt, auf Hallus unter Mutterkorn zurück. Hebammen heißen laut einer Studie über Hebammen im Mittelalter Hebammen, weil sie diejenigen waren, die die Kinder, die vom Vater als die seinen anerkannt wurden, aufhuben und ihm übergaben. Die Verteufelung der Hebammen vor allem im späten Mittelalter richtete sich gegen die freien, nicht den Städteordnungen unterworfenen, die den Städteordnungen unterworfenen waren die Hände in Bezug auf ihre Berufsausübung arg gebunden, zunehmend durch die Intervention der Mediziner, und so war eine ihre Hauptaufgaben die der Denunziation. (Theresia Gruber, Die Stellung der Hebamme im Mittelalter, Diplomarbeit 1996 in Salzburg). Übrigens, und das mit´nem Augenzwinkern, wie soll denn bitte mit Stricknadeln abgetrieben worden sein, wenn im MA kaum oder nicht gestrickt worden ist? Die Kenntnisse der Anatomie waren auch nicht so dolle und darüber hinaus konnte nur heiraten, wer es sich leisten konnte, dem Großteil der Unfreien, den Knechten und Mägden blieb nichts übrig, als sich zu vermehren, ohne irgendwie verheiratet zu sein. Hat sich sicher nicht jeder Grundbesitzer drüber beschwert, weil wo sollte er sonst in der nächsten Generation seine Arbeitskräfte herkriegen? Im Laufe des Mittelalters hat es sicher eine Reihe Änderungen in Bezug auf die Einstellung gegenüber Heirat, Geburt, Abtreibung, Kindstot etc gegeben, man bedenke nur die Friedelehen, zu Zeiten Karl des Großen üblich waren.
Nur so als Anregungen
Mir fällt da nur das "Mutterkorn" ein d.h...soweit ich weiß ein Bakterium am Roggen verändert die Wirkung...aber vorsicht hohe Dosierungen füren zum Tod oder zum Wahnsinn.... Deswegen wird der heutige Roggen gespritzt...... das Zeug kann echt tötlich sein.....
Gruß Ymmina
Hallo, ich habe bei der Recherche nach dem Begriff "Engelmacherin" zwar nichts aussagekräftiges gefunden, bin aber auf eine interessante Hausarbeit über Abtreibung und Geburtenkontrolle im MA gestossen. Der Text ist zu lang, um hier komplett gepostet zu werden, daher nur der Link für alle Interessierten: www.hausarbeiten.de/rd/archiv/[ ]/philo-text47.sht[ ] Gruss
Sabine M.H. / Solveig Brigidsdottir
Ach so,habe ich ganz vergessen: weiss jemand seit wann unten genannte "Engelmacherinnen so bezeichnet wurden und wie es zu der Bezeichnung kam? Hat es vielleicht damit zu tun, dass die abgetriebenen Kinder lt.christl. Auffassung ja noch als "unschuldig" galten/frei von Sünde waren(rein wir Engel),und somit sofort "in den Himmel " kamen?
Diana
Hallo! Hier sind einige Pflanzen, mit denen man einen Abbruch durchgeführt hat : 1. Lebensbaum ,Sadebaum, Rainfarn ( den kennt vielleicht der eine oder andere auch als Räucherkraut zur Beruhigung der Bienen in der Imkerei) Inhaltsstoff ist Thujon = ein stark nerventoxischer Wirkstoff ,löst u. a. starke Krämpfe und Blutungen der Gebährmutter aus. 2.Angelika( Wurzel und oleum angelicae =Öl, aus den Samen? )in der Literatur sind Vergiftungen durch höhere Dosen zu Abtreibungszwecken erwähnt. 3. Arnika: bei innerer Anwendung :konnte sehr schnell zum Abort führen 4.Rosmarin: grosse Mengen können zu Krämpfen und Gebährmutterblutungen führen. 5.Aloe : führt zu Blutungen und Abort.- Aloe innerlich zu nehmen ist im Moment etwas in Mode - aber wegen der erwähnten Wirkung bloss nicht in der Schwangerschaft! (da die Aloe aus Südamerika stammt, passt sie nicht so recht ins Mittelalter, ich habe sie aber trotzdem erwähnt ) 6.der schon erwähnte Salbei : ist als menstruationsfördernd beschrieben, wirkt vielleicht daher während einer Schwangerschaft in hohen Dosen durch Blutungen abtreibend. Viele dieser Pflanzen,insbesondere die erwähnten thujonhaltigen und die Arnika innerlich,waren aufgrund der hohen Konzentrationen sehr giftig und führten nicht selten auch zum Tod der betroffenen Frauen. Falls ich noch einige Pflanzen finden sollte, stelle ich sie nach. zu Eintrag Nr.5 :es war nicht nur eine Tötung des Kindes im Mutterleib angestrebt,dieses hätte ja schnell zu einer Blutvergiftung führen können , wenn das abgestorbene Kind nicht oder sehr verzögert ausgetrieben wurde.Daher wirkten viele Abortiva(Abtreibungsmittel) krampf- (wehen-)auslösend und /oder blutungsauslösend. Zu den mechanischen Methoden. Neben der Einführung von Gegenständen wie der schon erwähnten Stricknadel haben die Frauen alles Mögliche versucht:sehr hart arbeiten ,um das Kind zu verlieren; aus grösserer Höhe herunterspringen (Erschütterung); heisse Sitzbäder etc. Am erfolgreichsten war davon wohl die "Stricknadelmethode", wie sie häufig von sogenannten "Engelmacherinnen" betrieben wurde.Das führte aber auch nicht selten zu Komplikationen wie unstillbaren Blutungen durch die Verletzungen grosser Blutgefässe oder Durchbohrungen der Gebährmutter,schlimmstenfalls noch benachbahrter Organe,wie Blase oder Darm mit den entsprechenden Folgen. Ein nicht geringer Teil der Frauen erkrankte,bedingt durch Einschleppung von Keimen während des Eingriffs oder danach ,an einer Infektion (wie Kindbettfieber),konnte daran sterben oder für folgende Schwangerschaften unfruchtbar werden (dies konnte,falls es ein vorehelicher "Fehltritt" war ,von nicht unerheblicher Bedeutung sein). So, das war es fürs erste
Diana
Hallo alle! Teile der Kräuterkunde der Hebammen finden sich in Inquisitionsprotokollen und dem großen Schwung neuer Kräuterbücher, die im 15. und 16. Jh. erschienen sind und die Ergebnisse der Inquisitionsprotokolle in Kombination mit antikem Wissen wiederspiegeln. Darunter finden sich auch etliche abortive Pflanzen, auch wenn sie nur selten direkt als solche ausgewiesen werden. In den Redensarten des Volkes ist ebenfalls einiges hängengeblieben. Verklausulierte Verse wie "Petersilie hilft den Männern aufs Pferd und den Frauen unter die Erd" oder Lieder wie "Petersilie Suppenkraut wächst in meinem Garten..." zeigen, daß die Einleitung ausbleibender Menstruation mit Kräutern hier bis ins letzte Jahrhundert lebendig war. Der Abort mit Kräutern ist immer ein Risiko. Um einen entstehenden Menschen im Mutterleib zu töten, wird er vergiftet, damit er abstirbt und von der Mutter als Fehlgeburt abgestoßen wird. Wenn die werdende Mutter in einer schlechten körperlichen Verfassung ist oder die das Gift verabreichende Person unerfahren, dann überlebt die abtreibende Frau die Vergiftung nicht unbedingt - sie ist halt auch nur ein Mensch. Die Kindstötung ist ebenfalls eine gebräuchliche Methode der Geburtenkontrolle gewesen. Wenn ich richtig informiert bin, läßt das friesische Recht bis ins beginnende HMA die postnatale Abtreibung zu. Ein Mensch wird erst als beseelter Mensch gesehen, wenn er ein Jahr alt geworden ist. Bis dahin hatte der Vater das Recht, das Kind nicht anzuerkennen und zu töten. Aus dem SMA gibt es einen Holzschnitt, der zeigt, wie drei Frauen unterschiedlichen Standes in Rom auf einer Brücke über den Tiber stehen und jede wirft einen Säugling hinein. Mein Großvater hat im 2. Weltkrieg Schanzarbeiten in einem italienischen Nonnenkloster machen müssen. Dabei sind die Soldaten auf einen alten Brunnen gestoßen, in dem meterhoch Skelette von Säuglingen waren. Die oberste Schicht soll wohl noch recht neu gewesen sein. Da ich nicht an rituelle Kinderopfer in christlichen Klöstern glaube, wie das in den 30er Jahren einige Leute in Spanien taten, halte ich solche Funde für Zeugnisse der Tötung ungewollter Kinder. Grußvoll, Matthias topasius
Hallo zusammen, soweit ich weiss, hat man "früher" (ich kann mich genau zum wo und wann äussern, aber ich denke mal, dass sich diese Info auf den westlichen Kulturkreis des früheren Mittelalter bezieht, also auf die Zeit, bevor die Kirche den unten erwähnten Kampf gegen die "Hexen" angetreten hat) mit Salbei abgetrieben. Salbeitee hilft, gering dosiert, gegen Regelschmerzen, und in starker Konzentration soll man mit ihm auch abtreiben können. Um die Jahrhundertwende (mittlerweile muss man ja sagen: um 1900) wurde wohl mit geringkonzentrieter Blausäure abgetrieben, was natürlich eine hohe Gefahr bei einer Abtreibung zur Folge hatte. Wie weit diese "Tradition" zurückgeht, kann ich leider nicht genau sagen. Gruß, Hauke
Es heißt, dieses sei ein Grund für die Hexenverfolgung gewesen: Die Hebammen kannten sich gut in Kräutern aus und waren auch für derlei Fragen zuständig. Die Kirche aber lehnte das ab, nicht zuletzt, weil es die Zahl der zahlenden Schäfchen reduziert. Daher wurden sie verfolgt was schlußendlich in die hinlänglich bekannte Inquisition mündete. Für tiefer gehende Infos muß ich erst zuhause in meinen Büchern nachsehen.
Keep your feathers fixed----------Arndt
Hallo Leute! Mal angenommen, im Mittelalter wurde eine Frau ungewollt schwanger und wollte ihr Kind abtreiben. Wie ging das von statten? Gab es irgendwelche Möglichkeiten? Besten Dank im Voraus
Gruss Arnulf von Minden