Die Infos über die Befestigung der Tasselschnüre habe ich mit großem Interesse gelesen. Ich hatte die bei meinem Mantel nämlich auch erst mal provisorisch angenäht, und dann aber gemerkt, daß ich jedesmal, wenn ich ihn anziehen möchte, erstmal das Gebende bzw. den Schleier abnehmen muß, da beim über-den-Kopf-Ziehen alles verrutscht. Mein Verdacht war, daß das Ende der Schnur an den Tasselscheiben befestigt war, und daß zumindest eine der Tasselscheiben wie eine Brosche am Mantel befestigt wird. Allerdings habe ich dafür keinerlei Belege.
Wie macht Ihr das mit Mantel und Kopfbedeckung?
Karen Thöle
(die ihr Haar nicht entblößen möchte, nur um einen Mantel anzuziehen)
Ich zitiere mal aus meiner sich in Entstehung befindlichen Arbeit über die Tracht im 13. Jahrhundert, die sich im wesentlichen auf zeitgenössische Bild- nebst weniger Schriftquellen stützt:
"Der für das 13. Jahrhundert so typische Tasselmantel wurde anfangs durch ein Mantelband gehalten, das an der Mantelkante quasi durchge"knöpft" und auf der Außenseite mittels einer mehr oder weniger aufwendigen Zierrossette (sogenannte Tasselscheibe, später konnte diese auch Wappenschild-Form annehmen) oder durch kunstvoll verknotete Quasten (Tasseln im eigentlichen Sinne) gehalten wurde. Eventuell waren die Tasselscheiben auch teilweise mit Dornverschlüssen versehen und fungierten so als Tasselfibeln. In der Mitte des 13. Jahrhunderts wurden die Bandenden und Tasselscheiben dann vermutlich zur reinen Dekoration, da die Bänder an den Mantelrändern wahrscheinlich angenäht wurden."
Tasseln sind ja im weitesten Sinne auch Verschlüsse, daher bringe ich das ganze mal hier unter...
Hier meine Frage:
hat jemand eine Ahnung, wie die Dinger am Umhang befestigt wurden und wie man dann wiederum das Tasselband zwischen den beiden Tasseln befestigt hat?
Ist eine Tassel letztendlich nichts weiter als eine Fibel?
Weiß da jemand etwas drüber oder kann mir einen Literaturhinweis geben (Gösta Dithmar-Traut kenne ich schon...)
Habe gerade auf www.scheibenfibeln.de die Fibeln vom Typ "Knopffibel" angeguckt.
Wenn die dargestellten Verschluesse in Magdeburg Fibeln sind, dann solche.
Gruss, Claudia
im Magdeburger Dom habe ich mir neulich die Figuren der "klugen und toerichten Jungfrauen" angesehen.
Mehrere von ihnen und auch zwei andere Statuen von 1240 im Dom hatten am Halsausschnitt einzelne kleine linsenfoermige (aber recht dicke) "Knubbel".
Es waere meiner Meinung nach moeglich, dass es sich dabei um Knoepfe handelt. Andererseits koennten es sehr kleine dicke Scheibenfibeln sein.
Weiss jemand, ob so kleine und dicke Scheibenfibeln ueblich waren, bzw. ob es sie ueberhaupt gab?
Weiss jemand eine gute Publikation ueber die Figuren? Alles, was im Dom selbst angeboten wird, laesst Detailfotos schmerzlich vermissen.
Gruss, Claudia
Mal was zum dritten Posting:
Die Stifterfiguren der Klosterburg Kastl in der Oberpfalz/Bayern um 1400 sind drei nebeneinander auf einem Sockel stehende Personen. Die rechte Figur (Werauchimmer von Sulzbach, das darunterstehende Wappen ist das von Sulzbach) trägt einen Kreismantel auf der rechten Schulter geschlossen mit 3 bis 4 größeren runden Knöpfen mit Wulstrand und vier Löchern. Die Knöpfe sind sonst platt und besitzen die gleiche rote Farbe wie der Mantel.
Überarbeitungen der Figuren sind mir nicht bekannt, zumindest bei der Farbfassung sind Farbauffrischungen wahrscheinlich.
Was Überarbeitungen angeht: Die rechte Figur trägt einen ungewöhnlichen Hut. Brauner Zuckerhut, unten zur Krempe umgekrempelt und anschließen die Krempe noch einmal umgebogen. Anschließend wurde die Krempe auf zwei Seiten parallel glatt abgeschnitten, so daß der Hut nun vorne und hinten die doppelte Krempe noch trägt, links und rechts jedoch nicht. Die entsprechenden Steinkanten sind glatt, ich weiß aber nicht, ob überarbeitet. Kennt jemand so einen Hut? Wenn nicht, könnte man daraus auf Überarbeitung der Figuren schließen und den Knopfnachweis wegwerfen.
Ein "Nein" kann und will ich nicht zu dieser Frage nicht aussprechen, schließlich ist 1280 schon etwas außerhalb "meiner Zeit", aber im Moment kann ich mich nicht erinnern, in Bildquellen des 13. Jahrhunderts schon öfter mal /einzelne Knöpfe/ am Halsausschnitt einer Tunika gesehen zu haben.
Deshalb hier die gewünschten Alternativen:
1. einfacher, etwas halsfernerer Durchschlupfkragen - häufig z. B. vorne leicht spitz (wie ein Dreieck) zulaufend (verschiedene Kragenlösungen, offensichtlich ohne besonderen Verschluß, also Schlupfform, finden sich in der Mac-Bibel - bißchen früh für Dich, aber schließlich hängt man in Deutschland ja auch teilweise mit der Mode hinterher. Und ich habe gerade eine Holzplastik aus Brandenburg gefunden, datiert um 1300, die genau diese Kragenform an einer einfachen Tunika zeigt - und Brandenburg hinkt nun wieder modisch gesehen etwas hinter dem Rest von Deutschland hinterher, dann paßt es vielleicht wieder *gr*...)
2. ein einfacher Fürspan bzw. Ringbrosche (Beispiel: wieder Mac-Bibel, und viele andere Quellen; aufwendigere Varianten finden sich an deutschen Plastiken, z.B. Stifterfiguren Naumburger Dom...)
3. Knopfreihen (Beispiel: Lokator, Quitzowfenster aus der Kuhsdorfer Dorfkirche, um 1260..., und viele andere deutsche Bildquellen)
4. eine sehr interessante Ausschnittlösung findet man an der Stifterfigur des Dietrich (sic!) im Naumburger Dom - der Ausschnitt ist offensichtlich zweireihig (also überlappend) zu knöpfen, und auf geeigneten Detailfotos sieht man auch ganz deutlich die Knopflöcher (keine Schlaufen!) im Stoff.
Konkrete Frage:
Es ist also okay, wenn ich als Verschluß einer Tunika (Kleidung eines Bürgerlichen in den 80er Jahren des 13. Jhd.) einen einzelnen, runden, hölzernen, mit Stoff überzogenen, etwa 1 cm dicken, am oberen Rande des Halsausschnittes angenähten Knopf verwende, der mittels eines Knopfloches, nicht einer Schlaufe geschlossen wird? Ein einfaches "Ja" als Antwort reicht mir; falls es jedoch ein "Nein" sein sollte, erbitte ich Alternativvorschläge.
Dietrich
Vielleicht sollte man noch kurz erwähnen, daß Knöpfe anfangs nur von der Oberschicht getragen wurden. Sie sind also je nach dargestelltem Zeitraum nicht für alle Bevölkerungsschichten in die Darstellung einzubauen.
Ab den 40er Jahren des 13. Jhdt. wurden Knöpfe besonders bei der Männerkleidung als modisches Element eingesetzt. Hierbei wurde der Halsabschluss, die seitlichen Reit/Gehschlitze und der Ärmelabschluss reichlich bedacht.
Die meisten Knöpfe waren Kugelförmig. Sie konnten mit farblich angepasstem Stoff bezogen sein, und wurden durch den Stoffbezug oder angegossene kleine Bügel am Material befestigt.
Erbsenförmige Knöpfe sind auch überliefert, aber Rund war "in". Der heute bekannte Knopf mit den 4 Löchern ist mir aus dem HMA nicht bekannt. Vielleicht weiss jemand anderes mehr.
Die Grösse überstieg nicht mehr als ca 1 cm, aber kleinere Knöpfe waren modischer. Materialien waren Zinn, Holz und Knochen. Wers hatte, konnte natürlich auch teure, vergoldete Exemplare tragen.
Knöpfe tauchen hier im westeuropäischen Kulturkreis erst recht spät auf. Ab Mitte des 13. Jhdts. fängt man an, Halsausschnitte und Ärmel mit Knöpfen zu schließen. Richtig populär werden sie mit Aufkommen der figurbetonten Mode ab etwa 1330 - 1340, was zur Mitte und zum zweiten Drittel des 14. Jhdts. zu einigen Auswüchsen mit ellenlangen Knopfleisten führte.
Formmäßig wurden am Anfang Knöpfe mit Bügeln populär, die "moderne" Form mit den zwei Löchern kam meines Wissens nach erst im 16. Jhdt. auf. Die ersten Formen waren meistens kugelförmig und aus Metall (Zinn). Weiterhin gab es zumindest ab Anfang des 14. Jhdts. Knöpfe aus Stoff und Knöpfe mit einer Füllung aus Holz, Bein o.ä., die mit Stoff überzogen wurden und auch mit dem Stoff an das Kleidungsstück angebracht wurden.
Zu den Knopflöchern ist zu sagen, daß die schon lange im Orient verbreitete Methode Knöpfe mit Schlaufen zu schließen hier so gut wie unbekannt war. Die Knöpfe wurden im allgemeinen nicht wie heute versetzt auf dem Stoff angebracht, sondern direkt am Rand des Kleidungsstückes befestigt. Ansonsten wurden zur Verstärkung für die Knopflöcher Überwendlingstiche und etwas seltener der moderne Knopflochstich verwendet. Form waren einfache, umgenähte Schlitze.
Gute Quellen zu diesem Thema sind diese Bücher zu den Themsefunden in London, die vom London Museum herausgegeben wurden: "Dress Accessoires" und "Textiles and Clothing". Eine erklärung zu den Stoffknöpfen, die aus dem "Textiles & Clothing" abgepinnt wurde, findest Du auch in Ulrich Lehnhardts "Kleidung und Gewandung der Hochgotik" (oder so :-) aus dem Karfunkel-Verlag.
Das war´s erstmal ohne Zugriff auf meine Bücher von der Arbeit. Hoffe ein wenig geholfen zu haben.