ich denke mal, daß es nicht DAS typisch Kopftuch gab. Das war wohl eher davon abhängig, welches Tuch gerade greifbar war. Kopftücher waren eher in den ärmeren Schichten verbreitet, die Reichen trugen aufwendigeren Kopfputz.
Ich trage (wegen zu kurzer Haare) je nach Darstellung auch ein Kopftuch und habe dabei auch ein bißchen rumprobiert. Je nach Größe kann man halt unterschiedlich binden. Die besten Erfahrungen habe ich mit einem 80×80cm großen, sehr dünnem, weichem Leinentuch gemacht. Ist das Leinen zu fest/dick, dann liegt das Tuch wie ein Brett um den Kopf. Ist es kleiner, läßt es sich nur einmal um den Kopf schlingen, ich bevorzuge den Knoten oben auf der Stirn, dann den Rand darübe geklappt, so daß der Knoten verschwindet. Ist das Tuch viel größer, dann kann man es nach 2 Wicklungen nicht knoten, weil dann die “Zippel” zi lange und er entstehende Knoten zu fest ist.
Das sind jetzt einfach meine praktischen Erfahrungen. Ich denke, viel anders werden’s unsere Vorfahren nicht gemacht haben. Ausprobieren, wie’s am besten klappt, und danach richten. Ich habe mich bei meiner Tuchgröße und Wickelmethode danach gerichtet, daß ich die Kopfhaare bis auf den Ponny darin verschwinden lassen will. Ich denke, das Tragen eines kleines Tuches, das nur die Haare zusammenhält, jedoch nicht sittsam bedeckt und vor Schmutz schützt, ist eher eine neuzeitliche Interpretation von manchen MA-Darstellerinnen. In der Art: Wenn es denn unbedingt ein Kopftuch sein muß, dann bitte ein kleines, bei dem ich nicht so altbacken aussehe.
für meine bäuerliche Gewandung (ca. 13. Jhd.) suche ich noch die passende Kopfbedeckung. Ein Kopftuch aus Leinen stelle ich mir vor - habe aber gar keine Ahnung, wie ich das hinbekommen soll.
Ich habe auf den Märkten und Veranstaltungen schon Frauen mit unterschiedlichsten Kopftuchformen entdeckt. Mal war das Tuch ganz groß und lang, so dass die Trägerin sämtliche Haarpracht darunter versteckt hatte, mal war das Tuch ganz kurz, so dass man (oder besser: frau) die Haare darunter offen tragen konnte.
Ich suche also ganz dringend Schnitte oder Anleitungen, wie ich diese Tücher schneidern und wickeln muss.
Ich weiß jetzt natürlich nicht, um welche Zeit es Dir geht, aber nach Deiner Frage hab ich nochmal in der Manesse-Handschrift nachgeschaut.
- Ein Bild, das eine Magd beim Feueranheizen mit Blasebalg zeigt. Schleier, aber eher die Form, die man im 12. Jahrhundert immer sieht. Mehr zu dieser Form unten.
- Ein Bild von einer Botin, die vom Kommentator als niederen Standes beschrieben wurde. Sie trug Gebende und “Pillbox”, allerdings nicht die gerüschte Form, die die anderen Frauen in der Manesse tragen.
- Eine Bettlerin. Ebenso, Gebende und einfache Pillbox.
- Eine Bäurin beim Säen/bei der Ernte (schade, habs gerade nicht bei mir) ohne irgendwas schleierartiges, nur mit Strohut. Der Kommentator meint, es könnte auch eine Adelige sein, die sich als Bäurin verkleidet hat.
Ich denke also, mit einer einfachen/altmodischen Form der Adels-Kopfbedeckung wirst Du nicht falsch liegen. Strohut wär ne Alternative, aber ob die verheiratet oder unverheiratet war…
Praktikabilität: Bei mir hats bei der Hausarbeit noch nicht gestört. Nun ja, mein “Wimpel” ist ein zusammengenähter Schlauch, und Pillbox und Schleier sind gut mit Nadeln festgesteckt.
“Wimpel” und die 12. Jahrhundert-Version des Schleiers: Vielleicht gehört das ja zusammen. Im 12. Jahrhundert sieht man oft Schleierformen, die so aussehen: Schleiertuch seitlich über den Kopf gelegt, längeres Ende unter dem Kinn langgeführt und nochmal über den Kopf gelegt und hängengelassen. Ich habe ausprobiert, ob das nicht die Grundlage für die “Wimpel”/“Pillbox”/ Schleier-Kombination sein könnte. Und ich glaube, es geht! Also: 12. Jahrhundert-Schleier als “Wimpel”. Gut feststecken. Pillbox oder Stoffstreifen drüber, Schleier drüber. Feststecken. Runterhängenden Zipfel vom “Wimpel” unter dem Schleier verstecken.
Das HMA ist lang, da gibt es immer noch diverse Zeitliche Unterschiede.
Der Schleier ist sicherlich keine Arbeitskopfbedeckung für das einfache Volk gewesen.
Da macht sich aus vielerlei Gründen ein Kopftuch besser.
Auch Strohhüte haben ihren Stellenwert.
Bei der Kopfbedeckung wie auch der Klamotte allgemein kann man bei Personen, die ein Minimum an Reichtum erworben haben, von einer Sonntagsklamotte ausgehen, hier wäre dann der Schleier bei einer Bürgersfrau zu finden.
Schau doch einfach mal die anderen Threads hier in der Kategorie durch, da stehn noch Massen an Informationen.
Ich gedenke eine Frau eines Bauern oder eines einfachen Handwerkers aus dem HMA darzustellen. Als Kopfbedeckung hatte ich überlegt, einen Schleier zu tragen. Aber dann kam die Frage auf (in mir), ob das denn standesgemäß war. Trug eine einfache Bauersfrau einen Schleier? An normalen Arbeitstagen? Trug sie den Schleier vielleicht nur zu Festtagen? Oder war diese Art der Kopfbedeckung vielleicht den höheren Schichten vorbehalten? Ist ein Schleier bei der täglichen Hausarbeit praktikabel? (Erfahrungswerte?)
Ich würde gerne einen Schleier tragen, da dann die Gebende nicht so “nackt” aussieht. Vielleicht könnt ihr mir ein paar Tips geben:
1. Wie ist das, kann man da die Kinn-Gebende weglassen, und die um die Stirn einfach mit Haarnadeln feststecken? Oder ist das un-a?
2. Auf einer englischen site war von circlets die Rede, keine Ahnung, wie sie auf deutsch heißen, aber es sind die Kordeln, die auf dem Schleier liegen. Wie stellt man die her, was gibt es zu beachten?
Danke schon mal im voraus für eure Antworten.
Möge der Allmächtige seine schützende Hand über euch halten, Christina
Unverheiratete Frauen trugen ihre Haare sichtbar, haben sich höchstens mit einem Schapel geschmückt - schließlich wollte man ja noch mit seinen Reizen einen netten Junker an Land ziehen ;)
Dagegen trug die verheiratete Frau ihr Haar bedeckt.
Eine kurze Frage! Hoffe man kann mir helfen! Muß oder sollte ich als unverheiratete Frau meine Haare bedecken, um keinen schlechten Eindruck zu erwecken?
bin ganz zufällig durch meinen Suchbegriff hier reingesurft.
Ja, ich suche eine Nonnenhaube - so eine mit zwei noch oben gedrehten “Flügeln”. Ich glaube in Frankreich wurden/(werden?) die getragen. Ich vermute sie bestehen aus gestärktem Leinen o.ä.
nun, alle Figuren im Naumburger Dom sind voll ausgearbeitet, d.h. alle Figuren sind an den freistehenden Teilen vollplastisch ausgearbeitet, soweit es technisch möglich war. Auch die Männer des Domes sind voll ausgearbeitet, auch auf der Oberseite der Hüte.
Weshalb dann die Frauen nicht?
Andere HMA-Figuren sind es auch, z.B. der Mauritius, der Bamberger Reiter.
schade, dass die Diskussion hier ein wenig eingeschlafen ist, da meiner Meinung anch noch viele Fragen offen sind.
Ich habe mir gerade mein Modereferat in Sachen Kopfbedeckung auf den neusten Stand gebracht. Ich habe dort also meine “Erkenntnisse” über Gebende und Wimpel zusammengefaßt:
www.gewandung.de/kopfbedeckungen.shtml
Es wäre schön, wenn ihr da mal drübersehen könntet und eure Meinung dazu sagt. Ich möchte hier an die so oft beschworerne Zusammenarbeit appellieren. Es bringt doch nichts, wenn jeder sein eigens Süppchen kocht. Wenn es stichhaltige Belege gibt, sollten die auch allen zugänglich gemacht werden.
Es geht mit dabei nicht darum, das tollste Modereferat zu haben (es steht ja jedem frei, die hier gesammelten Erkenntnisse selber zu “verwursten”), sondern ich möchte irgendwann einfach mal ein halbwegs gesicherten Wissensstand haben oder aber eben die allgemeine Erkenntnis, dass man es nicht genau weiß.
Es ist einfach nervig, dass man so viele verschiedene Meinungen zu diesem Thema im Netz findet. Wenn ich sehe, wie bereits meine Erkenntnisse und die von Sylvia Crumbach hier in der Bibliothek von TV auseinanderlaufen, dann kann doch etwas nicht stimmen. Jeder hat seine eindeutigen Beweise, aber bisher konnte noch niemand meine Zweifel ausräumen.
Warum schmeißen wir die Erkenntnisse nicht mal in einen Topf und sehen, was dabei rauskommt?
Wobei natürlich jeder den Mut mitbringen muss, sich von seinen liebgewonnene Theorien evtl. trennen zu müssen.
bisher hatte ich leider noch nicht die Gelegenheit, Uta und Co von oben auf den Kopf zu schauen… ;-)
Die Abbildungen, die ich habe, vorallem die von Gerbung und Berchtha, ließen sich auch anders interpretieren. Beide Stirnteile des Gebendes sind nämlich gewellt, bzw. eingedrückt. Vor allem bei Berchtha, bei der das Stirnteil vom Gewicht des Schleiers regelrecht eingedrückt wird - wenn man schon einen Hut nimmt anstelle einer gewickelten Stoffbahn, warum macht man den nicht ein wenig stabiler?
Und wenn die “Teile” im Naumburger Dom oben zu sind, könnte das nicht vielleicht daran liegen, dass sich der Bildhauer die Arbeit oben auf den Köpfen, wo vermutlich eh keiner drauf gucken kann, etwas einfacher machen wollte?
Um das richtig beurteilen zu können, müßte ich wirklich ‘mal verschiedene Figuren von oben sehen.
Die Abbildungen aus der Kreuzfahrer-Bibel lassen sich so auch recht gut interpretieren.
(kann man sich angucken unter www.tempora-nostra.de, Bibliothek, Minituren der Manesse, dann über die Manesse-Suchmaschine nach Wimpel suchen [die 3 Einträge, die mit “Wimpel?” gekennzeichnet sind, der Rest ist Männerkram ;-) ]).
Tja, dann werde ich in den nächsten Tagen mal mein Referat “aufräumen”…
Etwas anderes:
Diese “Pillbox”, also praktisch das “oben geschlossene Oberteil des Gebendes”, hat da jemand Belege für?
Ich bin mir nicht immer sicher, ob die Teile wirklich geschlossen waren - meist kann man es auch als gewickelten Stoffstreifen interpretieren.
Ich wäre allerdings froh über einen solchen Beleg, weil die geschlossenen Teile mich bisher immer prima vor einem Sonnenbrand auf dem Scheitel bewahrt haben.
Hab grad den Viollet le Duc zwischen, aber nicht immer alles 100% im Kopf.
In zeitlicher Abfolge nach 120O (circa-Werte):
Schleier und Schapel, Schleier nicht über halbe Rückenlänge hinaus, rund geschnitten (bleibt durchgängig in Mode, schichtabhängig, obere Schichten).
Kinnband um den Kopf gewickelt und Pillbox mit Haaren in Zöpfen hinterm Kopf gekreuzt
siehe oben, nur Haare im Netz (+/- 1250), wurde auch in bürgerlichen Schichten kopiert.
Lose Gugel ohne oder oder ohne um den Kopf geschlungenes (über rechten Ohr beginnend etc)Tuch, Haare in besticktem oder einfachen Stoffnetz, mit Schapel gehalten (rund 1300)
guimple ist im Anschluss eine eng anliegende Haube, über dem ßberkleid in feinen Querfalten fallend, Schapel hielt sich insgesamt.
gorgiere ist das, was Ruth sehr zutreffend beschrieben hat und unter das ßberkleid gesteckt wurde (mit zunehmendem Ausschnitt, um die 1320)
Etwas Gebendeartiges wird von ihm nicht abgebildet. Franzos’halt.
also ich kenne eigentlich für das 13. Jh auch nur die Binden- bzw. Schal-artige Variante. Meines Wissens geht der Begriff Wimpel auf das altfranzösiche “guinple” zurück und ist bei Beschreibungen der französischen Mode ins Deutsche übertragen worden: man findet “wimpel (Hartmann von der Aue) oder ”gimpel" (Neidhart): Gemeint sind immer Binden um Kinn, Wange und Stirn, noch keine geschlossene Haube oder Gugel.
Nachzulesen z.B. in:
Joachim Bumke. Kleider und Stoffe. In: Höfische Kultur - Literatur und Gesellschaft im Hohen Mittelalter. 9. Aufl. dtv, München, 1999