damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich finde die Ausstellung "Otto der Grosse" ganz hervorragend und ausgesprochen empfehlenswert!
Meine Kritik bezog sich vor allem auf den Aussenbereich, das sog. "Historische Spiel".
Wenn man sich das klemmt, kann man die eigentliche Ausstellung voll geniessen. Und wie ich schon sagte, das was dort gezeigt wird, wird man wohl nie wieder zusammen sehen.
Gruss, Claudia
Was den Katalog bzw. die Aufsatzbände angeht:
Dafür haben die Veranstalter einige der wichtigsten Namen aus der ungarischen Archäologie verpflichtet.
Andrew
Ich kenne mich mit den meisten in dieser Ausstellung zu Ehren kommenden Regionen ja nun gar nicht aus. Aber für den ungarischen Teil der Ausstellung muss ich ja wirklich mal eine Lanze brechen:
Aus dem reichhaltigen landnahmezeitlichen ungarischen Fundgut werden wirklich ganz ausgezeichnete Stücke präsentiert! Aus dem Karosgräberfeld hat man einige der spektakulärsten Stücke zusammengetragen. Diese wurden - meines Wissens nach - auch noch nie im Zusammenhang mit der bemerkenswerten Zempliner Grabausstattung gezeigt.
Auch waren die Exponate so gut ausgewählt, dass sie die Veränderungen in der ungariscehn Gesellschaft, welche sich ja unmittelbar in der Archäologie wiederspiegeln, anschaulich widergeben.
Auch die Konzeption, die Exponate zunächst nach Themen (Agrarwirtschaft, geistliches Leben, Handel etc.) und anschliessend nach Ländern zu sortieren, empfand ich als positiv.
Missfallen hat mir vor Allem die typische eineitige Beleuchtung der vorchristlichen Ungarn. Themen wie politische Struktur und Religion gehen im Bezug auf die Landnahmezeit sehr unter, und weichen der Darstellung der Ungarn als Krieger. Erst ab Stephan I. rücken internen ungarische Strukturen etwas ins Rampenlicht.
Nächster Kritikpunkt sind die erheblichen Mängel in der Präsentation der Exponate. Zumindest in Berlin konnten viele Vitrinen nur von einer oder zwei Seiten aus eingesehen werden. Sehr blöde...
Dass zahlreiche Stücke nur als Repliken vertreten waren, störte mich hingegen weniger. Es diente schliesslich auch dem Schutz der Originale.
Mir haben beide Ausstellungen gefallen. Europas Mitte um 1000 habe ich jedoch in Mannheim und nicht in Berlin gesehen. Die Objekte waren auch in ihrer Zusammenstellung recht gut gewählt, da bei den bisherigen Ausstellungen (u.a. Bernward von Hildesheim) aus den Gebieten unserer östlichen Nachbarn immer nur wenige Objekte gezeigt wurden. Der Kettenpanzer des Hl. Wenzels war für mich besonders sehenswert.
Meine Kindern (10 u.6 J.) verzichteten auf die Museumspädagogik und gaben nach den jeweilugen Museumsbesuchen positive Resonanz, will heißen "cool", "toll" etc.,
MfG Heiner Härtel
Einfach grausam was man so von euch lesen muß.Wenn man bedenkt das unsere Gruppe sich schon ein gutes Jahr vor der Ausstellung darum beworben hat,uns , unser Lager und unser Wissen kostenfrei zur Verfügung zu stellen.Aber da sieht man es ja wieder,Hobbyisten haben keine Ahnung und was nichts kostet kann einfach nicht gut sein.
Schade ,Schade.
Ein zutiefst betrübter Mönch.
Bruder Malachias vom Freien Sächsischen Bund
Hinweise und Daten zu neuen Ausstellungen bitte weiterhin (ggf. auch parallel zur Kritik hier) in den entsprechenden Threadhttp://[Taverne, Thread: Neue Ausstellungen]
ich bin auch der Meinung, dass die Ottonen-Ausstellung eins der High-Lights in diesem Jahr ist, vor allem nach, für mich etwas enttäuschenden, Europa um 1000 Ausstellung.
Der Sachkulturteil ist anschaulich, präsentiert. Die Objekte können größtenteils von allen Seiten angesehen werden. Die Präsentation ist gelungen und die Texttafeln weder zu mager noch zu erschlagend. Ergänzt durch den sehr guten Katalog und Kommentarband wird umfassend informiert. Die Zusammenstellung der Exponate ist spannend, manches war dabei was man schon immer mal im Original sehen wollte (den Hiddensee-Schatz etc.) Es gibt ein Kinderskriptorium, was einen gute Eindruck macht.
Soweit einfach Klasse! Aber dann!
Es wurden Rekonstruktionen und Repliken versprochen. In den Vitrinen sollten die nach Befund wissenschaftlich korrekten Teile steht!!! So ein Elend habe ich noch nie gesehen. Spindel, die mit etwas Paketkordel umwickelt ist man ja gewohnt - Aber dieser Pflug, den ich spontan neolithisch datiert hätte und der Zinnguß-Hacksilber-Schatz haben mich wirklich verärgert. Weiterer Groll kam bei dem angeblich authentischen Diptichon aus Brettchen mit ungefärbtem Wachs (wer soll damit arbeiten?). Diese Sachen gehörten zur offiziellen Ausstellung, nicht zu einer Darstellergruppe!!!!
So grumpfig haben wir und dann auf den Weg zum Mittelalterdorf gemacht. Das war dann allerdings eine etwas zwiespältige Überraschung. Durch Zufall bin ich mit dem Schmied in Gespräch gekommen und habe dann fast eine halbe Stunde begeistert am Ambos gestanden, mich im schmieden versucht und mir Tipps geben lassen. (Normalerweise ist das eine Besucheraktion für Kinder, die als Andenken eine Pfeilspitze oder einen Anhänger bekommen, ja nach Alter). Bei nähere Hinsehen vielen dann zuerst die fachlich sehr gut ausgeführten Versuch an Bronzeguß auf, dann der kleine Senkrechtwebstuhl.
Im Gepräch stellte sich heraus, dass die nicht wirklich passenden Gebäude für Aktionen zu den jährlich wechselnden Ausstellungen genutzt werden und für eine ganz andere Austellung gebaut worden sind. Die ABM-Kräfte sind in üblicher Manier zu diesen Stellen gekommen (mit Samstags- Sonntags- und Feiertagsarbeit übrigens). Einige Mitarbeiter von Museum sind neben anderen Aufgaben dann mit dem Orga und Konzept betraut. Nicht zu vergessen: die Geldmittel sind natürlich knapp bis fehlend. Mit einem schönen Schläfenring aus Eisen (eins der besagten Schmuckandenken, eigentlich für die Kinder) habe ich dann diesen Bereich sehr nachdenklich verlassen. Und mir noch mal die schon beschrieben "Rekonstruktionen" angesehen. Wäre es nicht einfachgewesen von der Spinnerin etwas Wolle auf die Spindel spinnen zu lassen....
Zudem fällt auf: Das Anbieter von Anfertigungen sind zahlreich. Rekonstruktionen für Schulen, Museen und andere Bildungseinrichtungen sind, so gesehen, ein Markt gute Umsätze verspricht. Die Ausstattung der Ausstellung mit Repliken war sicher nicht billig.
Wäre das Geld nicht besser aufgehoben mit guten Wollstoffen, anständigem Leder und anderen Materialen, nebst Schulungen für die Mitarbeiter im Bereich Mittelalterdorf?
Irgendwo sind gute Leistungen eine Frage der Organisation!
Es werden wirklich einmalige Stücke gezeigt, die man wohl in dieser Zusammenstellung nie wieder sehen wird. Unter anderem hat man es geschafft, alle sechzehn der noch existierenden Magdeburger Elfenbeinreliefs, die sonst in Museen in aller Welt sind, in einer Vitrine zusammenzubringen!
Die Reliefs sind zwar recht klein, aber sehr detailreich und bieten viele Gelegenheiten, die Kleidung zu studieren. Auch sonst gibt es viele gute Beinschnitzereien.
Es werden relativ wenige, aber gute Alltagsgegenstände gezeigt, auch einige Holzfunde.
Tausendjährige Textilien, auf denen man sogar noch Muster erkennen kann, sind der Wahnsinn!
Zu meinem Erstaunen gab es glasierte Dachziegelfragmente zu sehen.
Nach einiger Zeit kann man keine Bücher mehr sehen. Man kann ja nicht drin blättern und wer kein Latein kann (wie ich, leider), kann auch die aufgeschlagenen Seiten nicht lesen. Es ist natürlich ungeheuer beeindruckend, daß tausendseitige Wälzer mit der Hand geschrieben wurden,aber nach dem zwanzigsten Band läßt das definitiv nach.
Im Museumshof gibt es einen Außenbereich, der "Megedeborch - Historisches Spiel" genannt wird. Voll froher Erwartung zog es uns nach draussen, und - wir erlebten eine herbe Enttäuschung. Es ist zwar nichts Kommerzielles, es wird auch nichts verkauft, aber ansonsten FINSTERSTES MARKTMITTELALTER!
Gleich am Eingang, beim "Lederer" hängen draußen am Stand DDR-Jesuslatschen rum,
es wird in modernen emaillierten Töpfen gekocht, glasiertes Geschirr verwendet, der Korbflechter verwendet Peddigrohr, die Kleidung der Leute entspricht weder in Material noch Schnitt den im Museum so schön zu sehenden Vorlagen, es werden moderne Schuhe getragen, etc. pp.
Das "Dorf" wird von ABM-Kräften "belebt". Von denen kann man natürlich die notwendigen historischen Kenntnisse nicht erwarten, aber von den Organisatoren des Museums! Und da ist es schon enttäuschend, wie wenig die in der Ausstellung so überreichlich präsentierten Informationen in der Praxis umgesetzt werden.
Fazit:
Sehr sehenswerte Ausstellung, aber das "Historische Spiel" sollte man meiden, sofern man kein Masochist ist.
Das Ganze läuft noch bis zum 2.12.
Ach so, der zweibändige Katalog macht einen sehr guten Eindruck; kostet 98 DM (sonst im Buchladen 140) und wiegt ca. eine halbe Tonne (mein armes Kreuz! ;-)
Auf nach Magdeburg!
Claudia
PS: für die Leute, denen auch was an späteren Zeiten liegt: der Magdeburger Dom wurde zum größten Teil im 13. Jahrhundert gebaut und danach wenig umgebaut. In der sogenannten "Paradiesvorhalle" kann man die Statuen der "klugen" und "törichten Jungfrauen" von 1240 sehen, an denen Kleidung und Accessoires ungeheuer detailreich dargestellt sind (schwärm!). Auch sonst gibt es noch ein paar Statuen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts im Dom.
"Alltag im Spätmittelalter"
Badisches Landesmuseum und Kunsthalle in Karlsruhe
Sehr schön gemacht, informativ, "first person interpreter", Aktivraum, sehenswertes Rahmenprogramm (ok, bis auf den Markt am letzten WE), sehr ansprechend, viel Geschichte zum Anfassen und Ausprobieren. Sogar die Kneipe(n) machen mit.
Absolut empfehlenswert.
10 kg Bücher mitgenommen, Plattfüsse gelaufen, aber das Jahr warten hat sich echt gelohnt.