Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Wie weit muß man beim Replizieren gehen

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Eintrag #29 vom 30. Okt. 2001 19:46 Uhr Ivo Malz (IMMS)  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ivo Malz (IMMS) eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Replizieren oder nachempfinden?

Hallo, Haddu?
Reden wir vom Replizieren oder vom rein optischen Nachempfinden?
Ich verstehe unter replizieren einen weitestgehend dem Original angenäherten Nachbau und keine Nachempfindung, die so aussieht wie.
Interessant auch der Begriff vom Orientieren an Primärquellen. Solltest Du damit Realia gemeint haben, will ich nichts gesagt haben, aber wenn mir einer (Nein, nicht Du!) einen erzählt von einer REPLIK, REKONSTRUIERT nach der PRIMßRQUELLE Manessehandschrift, dann tuts mir leid, denn besagte Miniaturensammlung kann man, speziell in Kleidungsfragen, bestenfalls als Ergänzung hernehmen, aber nicht als alleinige, selbstständige “Bastelvorlage”.
Mehr als ein beschränktes Farbspektrum, stark stilisierte Accessoires und die Erkenntnis von knie- und bodenlanger, ab Taille weit geschnittener Tracht läßt sich diesem Werk kaum entnehmen.
Als MUSS beim Replizieren würde ich möglichst große Annäherung an Form, Funktion, Material und, wo möglich, Herstellungstechnik der Vorlage als Eckdaten setzen.
Und, wenn das Hobby als Liebhaberei und nicht als Maskenball mit Kostümkontrolle vorm Exklusivclub verstanden wird, den Versuch, die “Geht-nicht”-Faktoren auszumerzen, bevor man sich auf dem bequemen Kissen der “unvermeidbaren Kompromisse” ausstreckt.
Was Du als “Mindestforderungen” zusammengestellt hast, ist der kleinste gemeinsame Nenner, wenn man sein Hobby nicht nur mit Spaß, sondern auch historisch betreiben will, also letztlich der kleinste Trichter, auf den man kommen kann, wenn nicht nur “Ritter Sport” und das Methorn im Vordergrund steht.
Gruß
Ivo

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Eintrag #28 vom 30. Okt. 2001 16:06 Uhr Ranes Haduwolff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ranes Haduwolff eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht ...oh doch...

Grüß Euch,
der Thread heisst “wie weit MUSS man beim replizieren gehen?”, also geht es um die Grenzen des machbaren, die als MUSS aufgefasst werden sollen.
Da meiner Meinung nach die Grenze nach oben offen ist, wäre doch ein Mindeststandard -sprich die Untergrenze- schon mal erwähnenswert..
Euer Haduwolff (hat kein Bauchnabelpiercing)

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Eintrag #27 vom 30. Okt. 2001 13:23 Uhr Angelina Von Borcke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Angelina Von Borcke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Höh...

Hi Haduwolff,
die bunten Haare sind echt! Wirklich!! Die sind seit jeher so bunt….. ;))
Naja - vielleicht bleibt noch hinzu zu fügen:
Wenn man schon “Mängel” hat (Haarfarbe/Schnitt, Tattoo, Piercing) dann wenigstens soweit möglich tarnen, sprich eben durch Kleidung und Kopfbedeckung verdecken.
Und wer unverdeckbare Piercings hat, der kann ja immer noch zum fahrenden Volk überwechseln… *lach*
Grüße, Angelina, die Rote.

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Eintrag #26 vom 30. Okt. 2001 13:21 Uhr Sylvia Crumbach  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sylvia Crumbach eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Standard?

Hallo Hadduwolff,
ich weiß nicht, ob ein das der richtige Weg ist. Das Thema wie weit kann oder soll das replizieren gehen ist eine sehr individuelle Frage. Darüber hinaus sind die Grundlagen auch für jede Zeitstellung und Gegend sehr verschieden. Ich halte es für sehr interessant wie weit man an das Original herankommt (werk- oder fadengenau zum Beispiel) und mit welchen Techniken. Also nicht die Frage sollte man mit der Handnähen weil es im Mittelalter keine Nähmaschinen gab sondern welche Nähtechniken wurden verwendet, welche Wirkung damit erzielt, mit welchen Garnen und Werkzeugen , zum Beispiel. Eine Replik sollte meiner Meinung nach neben das Original zu hängen sein und Ausmaße, Fertigungstechnik und Materialeigenschaften zeigen. Beispiel: Das korridierte Klappmesser, römisch mit Holzgriffresten aus dem Befund, daneben die Replik mit Eisenklinge und Holzgriff.
Was Du meinst ist einfach eine andere Sache, glaube ich.
Sylvia
Projekt Folgari

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Eintrag #25 vom 30. Okt. 2001 12:30 Uhr Ranes Haduwolff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ranes Haduwolff eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Wie weit...?

Grüß Euch,
wie war das Thema doch nochmals…? Lasst uns doch mal einen gemeinsamen Konsens finden..:
-originale nachweisbare Grundmaterialien (no Plastic)
-Schnitte und Farben nach Vorbildern aus Primärquellen
-Keine sichtbaren Kettel- und Zickzacknähte, möglichst Handnähte
-Ausnahmen nur für Gesundheits- und Sicherheitszwecke (Brillen, Profilsohlen…)
-keine Piercings, Tattoos, bunte Haare usw.
-Nachvollziehbare Belegbarkeit bei Sonderformen.
Ist das zuviel verlangt?
Euer Haduwolff

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Eintrag #24 vom 30. Okt. 2001 08:37 Uhr Angelina Von Borcke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Angelina Von Borcke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Pelz-Thread?

Moin,
uhi… da hab ich aber wieder was angestoßen :)
Was haltet Ihr davon, unter Ausrüstung/Bekleidung einen Pelz/Fell-Thread anzufangen? Ist, denke ich mal, auch ein interessantes Thema :}
Ich hab mal die erste Frage dort reingestellt…..
Grüße, Angelina.

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Eintrag #23 vom 30. Okt. 2001 08:10 Uhr Joachim Meinicke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Vorteile von Naturprodukten

In der Regel haben sich die Leute damals was bei der Auswahl der Materialien gedacht (die waren nämlich nicht dumm damals… *g.). Ein echter Pelz wärmt besser als ein Kunstpelz. Ein Zelt aus Leinen dichtet sich bei Regen automatisch ab, eines aus Baumwolle nicht. Ein mit Schurwolle gefüllter Gambeson ist vielleicht nicht das angenehmste Kleidungsstück, ein mit Kunststoff gefüllter aber eine eklige Schweinerei. Ein Mantel aus dickem echten Wollstoff hält Regen und andere überflüssige Witterungseinflüsse zuverlässiger ab als sonst was. Also ich trage auch im normalen Leben lieber Schuhe aus Leder als aus Kunststoff und lieber Hemden aus Baumwolle als aus Kunstfasern, ihr doch auch, oder? Naturprodukte haben eindeutige Vorteile. Erfindet nicht alles neu, schaut euch einfach an, was die damals gemacht haben. Es ist so einfach. Und der Tipp mit den Fellen/Pelzen auf den Flohmärkten ist goldrichtig. Aber Achtung, auch da liegen viele Fälschungen rum.
Joachim

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Eintrag #22 vom 29. Okt. 2001 18:57 Uhr Ivo Malz (IMMS)  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ivo Malz (IMMS) eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Hmmm...

Hallo, alle.
Warum eigentlich keine Darstellung wählen, die einem Fakes weitgehend erspart?
Spart Geld und die Suche nach Substituten.
Speziell in höheren sozialen Regionen des Mittelalters mutet das Ganze doch irgendwie wie die Darstellung einer neuen S-Klasse mittels eines gebrauchten Trabis an.
Ich behaupte, daß das “Tieferstapeln” einen näher ans Original bringt, dabei genügend “Kompromißpotential” birgt und im ßbrigen auch schon teuer und aufwendig genug ist.
Wenn man denn so weit gehen will.
Gruß
Ivo
P.S.: Angelina, an wärmendem Material empfehle ich ein weiteres Gewand obendrüber. Mit Leinenhemd, leinengefüttertem Wollwämschen, leinengefütterter Schecke und einer noch ungefütterten Gugel obendrauf habe ich noch nie gefroren (von kalten Füßen wg. Trippenmangel mal abgesehen;o). Für den Ernstfall plane ich gerade ein ebenfalls gefüttertes Mäntelchen.

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Eintrag #21 vom 29. Okt. 2001 18:15 Uhr Christoph Bitter   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Zuchtkaninchen

Hallo,
es gibt eine Möglichkeit, auf hist. korrekte Felle zu verzichten und damit evtl. gefährdete Tierarten schont:
Karnickelfelle
Die Zuchtkaninchen wurden gezielt so herangezüchtet, daß ihr Fell dem echten Tier täuschend ähnlich sieht.
Hermelin, Zobel, Eichhörnchen u.v.a. Fellarten kann man heutzutage über diese Kaninchen beziehen.
Und im Sinne der Rassenerhaltung ist dies eine wirklich gute Möglichkeit. Man sollte bei dem Versuch, möglichst A zu sein wies geht, nicht über Leichen gehen.
Ich habe auch keinen Raben am Helm. HIER muß man einfach Kompromisse ziehen.
Oder so machen wie Sylvia.
Gruß
v. Arlen

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Eintrag #20 vom 29. Okt. 2001 14:48 Uhr Angelina Von Borcke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Angelina Von Borcke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Pelz

Hallo,
mmhh… ist sicher eine Frage der persönlichen Einstellung. Wenn man im täglichen Leben das Tragen von echten Fellen ablehnt, ist es doch sicher der ehrlichere Weg, dies auch im Hobby zu tun.
Nun ja - ich hab bisher nch nicht das Problem gehabt, soweit ist meine Ausrüstung noch nicht, daß irgendwo Fellbesatz/Futter bräuchte.
Gab’s eigentlich auch andere, wärmende Füttervarianten im MA?
Grüße, Angelina.

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Eintrag #19 vom 29. Okt. 2001 14:42 Uhr Sylvia Crumbach  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sylvia Crumbach eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Pelz!

Hallo Angelina,
ich bin verwende, wenn es dann Pelz sein muss, nur echte Pelze. Die allerdings denn fast immer aus Zweiter Hand. Ein Besatz aus Kaninchenfell wirkt einfach nach meiner Einschätzung unglaubwürdig, Kunstpelz ist sogar gefährlich (wenn ein Funken aus dem Feuer…). Spart man am Besatz, ist das ganze Kleidungsstück in der Wirkung nicht mehr das gleiche. Arbeitet man eine Tracht nach, sollte man an den Materialen nicht sparen. Sonst bleibt nur die Alternative eine einfachere Tracht anzufertigen oder viel Geduld mitbringen, dann kann man auf jeden Fall eine Menge Geld sparen. Nach dem Hermelinbesatz an einer Mütze habe ich fast zwei Jahre auf Trödelmärkten gejagt, das Seehundfell hat nur 1 Jahr gedauert ……
Sylvia
Projekt Folgari

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Eintrag #18 vom 29. Okt. 2001 12:45 Uhr Ranes Haduwolff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ranes Haduwolff eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Viecherei...

Grüß Euch,
nunja, ist mir auch schon passiert, aber das Problem wurde mit Hinweis auf die Cites-Bestimmungen geklärt.
Aber, mal im Ernst, welche Felle sollen es denn sein? Sibirisches Eichhörnchen (lechz)?
Alles was es auf dem Flohmarkt bzw. von Omas Pelzkittel gibt, ist schon tot, alles, was neu gekauft wird, unterliegt den extrem strengen Einfuhrbestimmungen der EU. (Schmuggel ausgenommen).
Selbst Seehund, Wolf, Bär und Luchs ist in Grenzen erlaubt, weil die Tiere nicht mehr akut bedroht sind.
Es stellt sich eher die Frage, ob man es selbst mit seiner eigenen Einstellung vereinbaren kann, und was man darstellen will…
Ansonsten: no plastics! Oder…?
Euer Haduwolff

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Eintrag #16 vom 29. Okt. 2001 11:25 Uhr Angelina Von Borcke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Angelina Von Borcke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Fell, oder nicht Fell?

Hi,
auch eine interessante Frage: Ist die Verwendung von Kunstfell - sofern’s nicht aussieht wie ein erlegter Teddy oder Mutti’s Flokati - legitim?
Sagt mal, was Ihr darüber denkt.
Mittlerweile gibt es wirklich gute Imitate, die selbst schon von Tierschützern verdammt wurden (ist einer Kollegin mit einem Nerz-Imitat passiert).
Muß/soll/kann man da dann noch Echtfell verwenden?
Eure Meinung?
Grüße, Angelina.

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Eintrag #15 vom 29. Okt. 2001 10:10 Uhr Ranes Haduwolff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ranes Haduwolff eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht ...mit Wasser kochen...

Grüß Euch,
…alle kochen wir nur mit Wasser, d.h. wir machen das , was machbar ist. Da hat Ivo selber die Grenzen aufgezeigt: mit modernen Materialien und modernem Werkzeug. Man kanns auch vereinfachen: Was funktioniert und aussieht wie “A” ist in Ordnung. Die sichtbaren Nähte handgenäht, die Stoffe aus entsprechender Faser ist “A”…Konsens, denke ich.
Die eigentliche Frage ist immer noch die nach den zeitgemässen Schnitten, Formen und Farben. Und da ist persönlich Recherche unumgänglich.
Allerdings muß keiner jetzt ne Doktorarbeit schreiben. Besonders in Gruppen ist der replizierende Faktor hoch (wir giessen uns jetzt mal 20 Gürtelschnallen, behalten 10 und verticken den Rest)und die Quellen sind oft gemeinsam die selben.
Das sind noch lange keine Zombies sondern Leute, die wie im MA selbst praktisch denken. Und 12 mal den selben Mantel aus dem selben Stoff ist auch damals schon üblich gewesen.
Aber an der Auseinandersetzung, was kann ich tragen, WER bin ich kommt keiner vorbei.
Auch nicht am schmerzlichen Effekt, teuer gekaufte Sachen von “wohlinformierten” Händlern für sauer verdientes Geld gekauft in die Tonne treten zu müssen, wenn der Moment der Wahrheit kommt. Und der kommt irgendwann.
Euer Haduwolff

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Eintrag #14 vom 29. Okt. 2001 07:18 Uhr Angelina Von Borcke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Angelina Von Borcke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Meine bescheidene Meinung

Moin, moin,
ich denke mal, man kann’s drehen und wenden wie man will, es wird immer wieder auf den einen Punkt rauslaufen:
Jeder kann und wird seine Ausstattung immer nur in dem Rahmen “A” halten jönnen, wie es seine Zeit, seine Fähigkeiten, seine Beziehungen und sein Geldbeutel zulassen.
Und ich persönlich finde, auch eine übersehbare Kleinigkeit, wie z.B. eine Fibel, die möglichst “A” selbst hergestellt wurde, ist schon einer positiven Bemerkung wert. Auch wenn das Kleidungstück, an dem sie steckt, das Prädikat (noch) nicht verdient.
Auf alle Fälle ist es schwieriger, andere zu loben und gute Arbeiten zu bemerken, als graviernde Fehler abzukanzeln.
Jeder eben nach seinen Möglichkeiten. Und - man wächst doch an Lob, oder? Vielleicht auch Ansporn, an den anderen Teilen seiner Ausstattung Verbesserungsmöglickeiten zu suchen?!
Was den Lehrauftrag angeht…. da bin ich schon die ganze Zeit am amüsiert mitlesen ;)
Also ich muß sagen, ich bin noch nie über einen MA-Markt gegangen und habe alles für bare Münze genommen, was ich gesehen habe. Für wie dumm haltet Ihr den einfachen Besucher? Daß weder Campinghocker noch Alutopf wirklich Mittelalter sind, weiß selbst der Laie. Schwieriger ist es sicher bei Gegenständen, die offesichtlich MA suggerieren sollen, jedoch falsch sind (z.B. Stühle).
Offensichtlich falsches ist weniger das Problem als scheinbar authentisches. Und wenn man sich dann noch das Label auf die Stirn klebt, man sei perfekt und diesen Status auch nach außen vertritt, dann wird’s erst fatal.
Einfach ausgedrückt: Ich sehe eine Holztruhe, und denk mir so: “Ob die wohl wirklich so…?” und da ich es nicht besser weiß, geh ich mal davon aus, daß es durchaus auch reine Dekoration sein könnte. Besteht der Besitzer der Truhe darauf, daß sie historischen Vorbildern entsprechend repliziert worden sei, nehme ich das als bare Münze und für mich sehen MA-Truhen also so aus.
Die Sache mit dem “Lehrauftrag” wird erst dann zum Bumerang, wenn der Besitzer der Gegendstände glaubhaft macht, es sei “A”, ist es aber nicht. Solange es reiner Zierat ist, mache ich mir als Besucher meine eigenen Gedanken, find’s hübsch, aber gehe nicht davon aus, daß unsere Vorfahren exakt solche Truhen hatten.
Grüße, Angelina.

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Eintrag #13 vom 29. Okt. 2001 00:12 Uhr Ivo Malz (IMMS)  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ivo Malz (IMMS) eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Fachhandwerker

Hallo, beisammen.
Das Stichwort “Fachhandwerker” bei Nikolaj stach mir ins Auge. Oh ja, beim Fachhandwerker tät ich auch gerne einkaufen. Bzw. einkaufen können.
Hier tut sich nämlich auch die eine oder andere Kluft auf.
Zum einen: Ich mußte mir für diverse Berufszweige das halbe Fachhandwerkertum anlesen, um “historische” und historische Waren unterscheiden zu können.
Sonst liefe ich z.B jetzt wahrscheinlich immer noch mit den netten außenliegenden Nähten an den Schuhen herum, die mir mal als “historische Replik” verkauft wurden…
Vielleicht hielte ich dann St. Justins wirklich wunderschöne Zinnteile noch immer für Nachbildungen keltischen Schmucks…
Vielleicht hielte ich noch immer an der Aussage eines langjährigen Hobbyisten fest, der mein Alexzelt für historisch befand…
Vielleicht hätte ich an meinen schweizer Munitionskisten die Spaxe gegen Holzdübel getauscht und mich auf die Aussage eines “Fachmanns” für mittelalterliche Tischlerei verlassen, statt mich in die Konstruktion historischer Kisten, Truhen, Kasten einzuarbeiten…
Zum anderen wissen leider viele echte Fachleute, was ihre Arbeit wert ist…ich wüßte durchaus, bei wem ich den einen oder anderen Tausender sinnvoll versenken wollte, den ich leider nicht habe…
So. Da die Lage mit sogenannten “Fachleuten” und echten Fachleuten nun mal so ist, wie sie ist, nämlich viel Spreu und wenig Weizen, kam nach der zwangsweisen Auseinandersetzung mit diversen Berufszweigen automatisch die Frage: Kann ich das nicht selbst machen, zumindest mal probieren, ob´s geht?
Ich probiere mich durch und lege den Schwerpunkt auf optische und funktionelle Annäherung und stimmige Materialwahl, leider allzuoft limitiert durch Zeit- und Platzmangel und ähnliche Probleme.
Und ich muß ehrlich sagen, daß ich mich bei meiner projektierten Kiste bei aller Sorgfalt in puncto Konstruktion und Material nicht schäme, mit elektrischem Werkzeug zu arbeiten, solange das Endprodukt ohne Spaxe, Baumarktbeschläge und ähnlichen modernen Modder dasteht, seinem historischen Vorbild gleicht und gleich diesem zufriedenstellend funktioniert.
Gruß
Ivo

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Eintrag #12 vom 26. Okt. 2001 11:55 Uhr Sylvia Crumbach  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sylvia Crumbach eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Genau?

Hallo Tobias,
wie schon von den anderen geschrieben, vor der Rekonstruktion steht die Recherche. Für die verschieden Zeitstellungen und Gegenden sind die Quellenlagen sehr verschieden.
Für Bekleidung und textile Techniken (mein Hauptgebiet) habe ich immer weiter recherchiert und so immer wieder Teile ausgemustert und neue Projekte in Gang.
Ich hatte einige Male das Glück korridierte Fasern an Metallteilen unter der Lupe zu haben, in manchen Museen und Ausstellungen kommt man so nah an Textilreste, dass man einen genauen Eindruck der Fasern gewinnen kann. Die Faserart und Stärke habe ich mit dem selbstgesponnen Garnen verglichen. So habe ich mir einen Eindruck vom Aussehen und Fall der Stoffe geholt. Die Farben habe ich nach Literaturangaben und aus einigen praktischen Erfahrungen als Aushilfe in einen Schäferei zu Schulzeiten. So bin ich an das Aussuchen der leider fast ausschließlich industriell gewebten Schurwollstoffe gegangen. Bei Leinen ist es einfacher handgewebtes Leinen in den verschiedensten Qualitäten ist einfach zu beschaffen. Leider gilt hier das alle diese Stoffe auf dem Horizontalwebstuhl entstanden sind, also für das Frühmittelalter nur begrenzt verwendbar.
Für keine Wollarbeiten (brettchengewebte Gürtel, Naadelbindearbeiten oder Sprang) verwende ich selbstgesponnene Wolle (Fallspindel), Wolle von Bergschaf oder Schnucke. Durch etwas Glück bin ich an zwei handwebte Umschlagtücher gekommen, eins aus Irland, eins aus Holland. Bei Seide achte ich auf de Glanz und die Struktur, bei Garnen darauf Haspelseide zu verarbeiten. (Leider ist Nähseide keine Haspelseide)
Nähen dann von Hand mit Woll- oder Leinezwirn. Ich habe zwar Nadeln aus Geweih, Kochen und Bronze verwende aber zum nähen meist modere Nadel. (Mir fehlt einfach die Zeit ständig Ersatznadeln zu machen. Aus Prinzip sind aber 3 oder 4 Kleidungstücke damit genäht)
Mit diesen Ist-Stand bin sich eigentlich schon vom Erscheinungsbild relativ zufrieden. Aber mir ist klar, dass man noch erheblich genauer Arbeiten kann. Angestrebt z.B. selbstgewebte Stoffe etc. aus der entsprechenden (pflanzengefärbten) Wolle.
Bei Schmuck habe ich, außer bei Knochen und Geweih, kaum Möglichkeit zum selbstbauen. So bin ich habe ich, teilweise sehr erfolgreich nach guten Herstellern gesucht.
Für den Bereich Sachkultur kann man in Teilbereichen sehr viel genauer Arbeiten. Körbe, Gefechte und Holzarbeiten lassen sich, wenn Befunde vorliegen sehr genau nacharbeiten oder sogar sehr preiswert kaufen. Da fällt dann nur die Recherche an.
Sylvia
Projekt Folgari

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Eintrag #11 vom 26. Okt. 2001 11:28 Uhr Nikolaj Thon  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Nikolaj Thon eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Wer immer strebend sich bemüht ... oder: Der Weg ist das Ziel!

Hallo,
schon in Eintrag 2 hatte Hadu darauf aufmerksam gemacht, dass eine teilweise super-“A”-Ausstattung keineswegs sich auf die gesamte Darstellung erstrecken muss bzw. leider oft auch nicht kann.
Natürlich ist das Ideal jemand, der eine aus in originaler Weise gewebten und nur mit den in der dargestellten Zeit benutzten Mitteln gefärbten Stoffen - selbstverständlich mit der Knochennadel - per Hand genähte Kleidung trägt, perfekt Mittelhochdeutsch spricht (und je nach Stand Latein und Altfranzösisch dazu), sich in der Geschichte und Gesellschaftsordnung seiner Zeit bestens auskennt, die weltanschaulichen Hintergründe verinnerlicht hat usw.usf.
Nur, um das zu erreichen, müssten wir wohl nicht nur alle unsere Berufe aufgeben (die uns ja u.a. die notwendigen materiellen Mittel für ein ggf. aufwendiges Hobby beschaffen!), sondern jeden Tag deutlich über 24 Stunden an uns arbeiten - und das am besten seit 10 Jahren vor unserer Geburt!
Will sagen: Eine rundum Perfektion lässt sich nicht erreichen!
Das soll nun keineswegs verstanden werden als eine billige Entschuldigung für jene, die daher gar nicht an sich und ihrer Ausrüstung und Kenntnis arbeiten wollen - im Gegenteil: Es soll aber davor warnen, dass wir meinen, wir könnten eine 100 (oder auch nur 80) %-ige Rekonstruktion der gesamten (!) dargestellten Person erreichen. Wir werden vielmehr immer bruchstückhaft arbeiten müssen - und von daher Prioritäten setzen müssen, woran wir als erstes (und das kann dann ggf. bedeuten: auf Jahre hinaus!) arbeiten wollen.
Insofern ist m.E. der Musiker durchaus im Recht, der sich vor allem auf seine Instrumente und das, was sie erklingen lassen, konzentriert - und darüber die Kleidung erst einmal vernachlässigt.
Insofern ist aber auch der im Recht, der sich auf die Kleidung, ihr Material und ihre Verarbeitung konzentriert - und darüber andere Fähigkeiten erst einmal vernachlässigt.
Dabei bitte ich das “erst einmal” zu beachten: Was nutzt letztendlich der bestgekleidete Bauer, der aber von Landwirtschaft, zumal von ma-licher keinen blassen Schimmer hat, was der Kleriker, der nicht einmal jenes rudimentäre Latein beherrscht, das im MA auch der tumbste Dorfpope beherrschte usw.?
Insofern gibt es wohl für einen jeden von uns genug zu tun, um dem - wenn auch letztlich in seiner Gänze unerreichbaren - Ideal sich, soweit als möglich (!), anzunähern. Und das kann am besten im Informationsaustausch geschehen.
Von daher sollten wir uns auch nicht gegenseitig verketzern, weil der eine oder andere auf dem einen oder anderen Gebiet (noch) nicht so weit ist, wenn nur deutlich wird, dass es in der richtigen Richtung weitergeht. Und da gibt es, wie Joachim so treffend vermerkt hat, doch deutliche Fortschritte.
Und da kann ich auch nichts Schlechtes darin sehen, wenn sich jemand dafür entscheidet, nicht unbedingt - mit rudimentären handwerklichen Kenntnissen und Fähigkeiten - alles selbst fertigen zu wollen, sondern auf das zurückgreift, was auch im MA für die Beschaffung der meisten Gegenstände, zumindest derjenigen besonderer Art, zuständig war, nämlich der Fachhandwerker und der Handel.
Gerade hier in der “Taverne” sind (zumindest in ihren “goldenen Zeiten”) reiche Informationen zur ma-lichen Sachkultur von unterschiedlichen Leuten gegeben worden, die sich auf bestimmte Gebiete spezialisiert hatten und haben: Diese Informationen zur Kenntnis zu nehmen und dann im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zielstrebig umzusetzen, das scheint mir der eigentliche Fortschritt zu sein.
Und das natürlich in dem Bewusstsein, dass eben vieles zu einer guten MA-Darstellung zusammenkommen muss - gerade auch nicht-materielle Dinge, denn auch wenn jemand eine (nehmen wir dies mal theoretisch an) in jeder Hinsicht perfekte Kleidung z.B. eines Ritters haben könnte, wäre dies noch keine perfekte Ritter-Darstellung, sondern erst einmal eine perfekte Ritter-Kleidungspuppe. Wie aber steht es mit den diversen Fähigkeiten des Ritters (militärischen wie den oft übersehenen zivilen, etwa religiösen, juristischen usw.)? Da gibt es noch viel zu tun ….
Packen wir?s also an: Das ist m.E. das Entscheidende! Zu wissen, wo die Lücken liegen (und mit jeder Studium einer Sekundär-, besonders aber einer Primärquelle tuen sich da neue auf!), diese einzugestehen - und kontinuierlich daran zu arbeiten, sie zu füllen, wobei der Weg über “optisch korrekt” zu “rundum authentisch” führt, aber sehr lang ist und teilweise eben mit unseren heutigen Lebensumständen nie zu Ende zu gehen ist …
Hier aber sehe ich keinen Grund zu verzweifeln, sondern nur Anreize! Denn schon die ständigen Bemühungen um eine immer bessere Darstellung bringen doch immer neue Erkenntnisse (und Erfolgserlebnisse). Hier ist in meiner Sicht doch wirklich oft der Weg das Ziel.
Was mich, um auch das abschließend noch zu sagen, hingegen zum Verzweifeln bringen könnte, sind zwei konträre Gruppen, die jede auf ihre Weise diesen Weg nicht weitergehen wollen und die ich hier einmal (bewusst übertreibend!) so charakterisieren (oder karikieren?) möchte:
1. einmal jene, die auf einem oder mehreren Teilgebieten durchaus bereits “Perfektion” erreicht haben, und nun meinen, auf andere Kenntnisse und Gebiete daher völlig verzichten zu können (und das sind nach meiner Erfahrung vor allem Gebiete jenseits der Sachkultur …) - so in dem Sinne: “Meine Kleidung ist natürlich handgenäht - und wenn Deine das nicht ist, kann ich Dich sowieso nicht ernst nehmen; ich jedenfalls stelle einen Ministerialen im 13. Jh. dar - und da gab es nur handgenähte Kleidung. Also! Ach so, was ein Ministeriale ist, das weiss ich auch nicht so genau; schließlich muss ich meine Kleidung von Hand nähen, da kann ich nicht noch langweilige Bücher über die Sozialordnung lesen …”
2. diejenigen, die wider besseres Wissen an Dingen festhalten, die ihnen nun mal gefallen, aber wissenschaftlich unhaltbar sind - so nach dem Motto: “Kann ja sein, dass es um 1200 keinen Samt gab, gefällt mir aber und sieht schön aus, also nähe ich meine Kleider weiter mit Samt - und im übrigen seid ihr lästige ”A?-Päpste, pfui!"
Beste Grüße Nikolaj

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Eintrag #10 vom 26. Okt. 2001 10:35 Uhr Ranes Haduwolff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ranes Haduwolff eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Gute Sache...

Grüß Euch,
abgesehen davon, daß es im 12. Jhdt. schon Gattersägen mit automatischem Vorschub gab (Hortus D.)herrscht doch schon eine Art kleiner Tauschwirtschaft: Ich mach Dir nen Schild für 5 Meter vom Leinen, ich bestick Dir den Kragen für einen Schemel usw.
Das führt uns immer weiter, und jeder kann nach seinem persönlichen Antrieb (verzeihung: Gier) weitermachen.
Wenn wir uns nun noch alle einig wären über die Mindeststandards, auf denen aufgebaut werden soll -nicht als oberstes Limit, sondern als Basis unabhängig von der dargestellten Zeit, kommen wir weiter.
1476 ist u.A. dort klar ein Vorbild. Optisches “A” als Mindestanspruch…?
Euer Haduwolff

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Eintrag #9 vom 26. Okt. 2001 09:56 Uhr Stefan Breu  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Stefan Breu eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht das Kind nicht mit dem Bad ausschütten

Ist das etwa ein konstruktiver A-Thread? *glaubsjanich*
“Wer ist für seine Kiste gleichzeitig Holzfäller, Flößer, Holzsäger, Tischler?
Wer ist für seine Wollklamotte gleichzeitig Schafzüchter, Schafscherer, Wollspinner, Wollfärber, Wollweber, Schneider?
Wer ist für seine Ledersachen gleichzeitig Schlachter, Häuter, Gerber, (Eichenrindensammler), Sattler?
Wer ist für seine Metallsachen gleichzeitig Erzgräber, Erzzerkleinerer, Erzschmelzer, Platinenmacher, Plattner, Drahtzieher, Sarwürker, Klingenschmied etc.?”
Erstmal Eigenlob: bei der Kiste trifft das auf mich zu (hab nur keinen Fluß zwischen Wald und Werkstatt) ;-)
Aber ist es sinnvoll, einen Ausrüstungsgegenstand -wasauchimmer- herzustellen, indem man die Tätigkeiten verschiedenster Berufe, die im MA bei bis zu siebenjähriger Lehrzeit streng getrennt waren, zu kombinieren versucht? Ist es nicht besser und mehr “a”, den Schlachter schlachten und den Gerber gerben zu lassen. Kann man eine Ausrüstung, bei der alles selber gemacht ist, deswegen Rekonstruktion nennen? Schlecht geschlachtet, schlecht gegerbt, schlecht geschnitten, schlecht genäht? Ein schlechter Schuh? Eine “a” Rekonstruktion? Der Franke dreht sich im Grab um. Wer partout nicht nähen kann, soll es eben in Auftrag geben. Wer die gehüteten Rezepturen der Gerber nicht weiß, wird besser Leder kaufen. Vegetabiles Leder ist übrigens meist mit Extrakten tropischer Pflanzen gegerbt und ist nicht gleich lohgegerbtes Leder.
Ich nähe meine Klamotten mit der Hand und bevorzuge handgewebte Wolle. Ich färbe meine Stoffe selber und versuche jetzt, den Indigo mit Waidküpe zu ersetzen. Das heißt, ich habe ein Beet mit Waid besät, einer zweijährigen Pflanze.Jetzt heißt es wachsen lassen und jäten. Mein Zelt ist aus Rohleinen und mit der Hand genäht. Aber mein Sachs ist vom Schmied.
Worauf ich hinaus will ist, daß ich es bei Produktionsketten, die früher in einer Hand lagen, für ganz toll halte, möglichst alle Schritte selbst nachzuvollziehen, im Sinne von “wie war das damals”, auch um einem “Berufsbild” auf die Spur zu kommen. Wer also einen Bauern “spielt”, möge sich für bäuerliche Produktionsketten interessieren, wer einen Tischler “spielt”, für Möbel und Kisten, der Zimmermann für den Bau usw. Unterschätzt nicht das Volumen eines einzigen Berufes!
Ein Schmied ist noch lange kein Experte für Bergbau und ein Grubenarbeiter macht noch lange keinen guten Schmied. Und für beide Berufe ist jeweils spezifische Erfahrung nötig, sonst gibts Murks. Im Sinne einer Rekonstruktion sucht doch besser der wohl “hochherrschaftliche” Damastspatha-Möchtegernbesitzer nach einem
handarbeitenden Schmied und nach ein paar Verrückten, die ihm das von ihren Kindern gesammelte Raseneisen verhütten. Sein eigener Beruf ist ja wohl eher hochherrschaftliche Belange vertreten und die Organisation eines größeren Hofes, und hier sollte er recherchieren, was das Zeug hält.
Irgendwann ist dann eine funktionierende sinnvolle kleinste Einheit an Produktionsketten beisammen. Die heißt in der Rekonstruktion nicht “Einmann-alles-selbst-gemacht”, sondern “Dorf”.
Und die rückgezüchteten Schafe, die hier in TV! in den letzten zwei Jahren als Totschlagargument mißbraucht wurden, gehören meiner Ansicht nach eher zur Rekonstruktion eines Schafzüchters, als zur Rekonstruktion einer Tunika. Eine gute Replik kann auch aus maschinengesponnener Wolle handgewebt sein, aus handgesponnener Wolle wäre es schon eine sehr gute, aus Rückzuchtwolle eine ganz hervorragende. Aus egal was selber liebevoll genäht sei´s ein Gewand, aus indischen Kinderhänden auf der Maschine genäht eine Verkleidung.
Da wäre mal eine Datenbank authentisch arbeitender Produzenten angebracht. Weil wo kriege ich handgesponnene Wolle her, wenn meine “Holde” nicht spinnt? Wer besorgt mir gespaltene Bretter für meine Kiste, wenn ich keine Verbindung zum Forst habe? …
Wer alles alleine macht, stößt immer schnell an Grenzen.
Gruß,
Stefan

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