die Befunde von Herjolfnes sind zwar klar datiert, aber nicht die einzigen Befunde von erhaltenen Kleidungsstücken mit Geren. Die Datierung der Befunde Kragelund, Moselund und Ronbjerg sind nicht so klar, aber eindeutig in HMA datierbar. Die Schnitte und genaue Bescheibungen findest du in folgendem Buch:
Anicent Danish Textiles from Bogs and Burials
Magerethe Hald
Publications of the National Museum Denmark
Sie haben zwar bezüglich der Gere keine großartigen Erkenntnisse gebracht, aber genau das ist ja auch eine Erkenntnis: man weiß es also tatsächlich nicht (beruhigend, dass ich nicht einfach nur zu blöd war ;-)).
Leider meinen die meisten Leute offenbar, dass man als dumm gilt, wenn man zugeben muss, dass es kein gesichertes Wissen zu einem bstimmten Thema gibt, so dass dann einfach irgendetwas behauptet wird.
Ich habe jedenfalls festgestellt, dass bei etwas beleibteren Personen (vor allem bei größerer Oberweite) ein Ger in der Mitte angebracht ist, weil man sonst überhaupt keinen anständigen Faltenwurf hinkriegt.
Jedenfalls wird man wohl nicht gleich gesteinigt, wenn man mit zusätzlichen Mittelgeren auftaucht... ;-).
Ich hasse ich Dinger allerdings!!! Ist eine elendige Frickelarbeit!!!
Ansonsten habe ich ja bereits selber gesagt, dass die Grönlandschnitte eigentlich zu "modern" sind. Das mit der Ger-Beschränkung für Bauern war mir auch bekannt, sagt aber leider nichts über die Platzierung der Gere aus (und es ist natürluch fraglich, ob sich die Bauern auch alle daran gehalten haben - sonst hätte man ja nicht solche "Verordnungen" erlassen müssen ;-)).
Naja, villeicht bringt ja doch noch jemand Licht ins Dunkel des "finsteren Mittelalters" (in der Tat ist das bei den SMAlern etwas einfacher, gelle Dietrich ;-)).
mit der HMA-Fundlage kenne ich mich nicht so aus, doch zu den Grönland-Funden und so kann ich wenigstens ein wenig sagen.
Die Funde würde ich für eine Rekonstruktion des Anfanges des 14. Jhdts. nicht als Vergleich ranziehen, da dort schon einige recht "moderne" Kosntruktionsprinzipien verwendet wurden (asymmetrischer Armaufbau, formgebende Gere).
Was vielleicht eher für Dich interessant ist, ist der Fund des sogenannten Bocksten-Mannes, der auf ca. 1330 datiert wird. Die Kleidung ist vom Stil her stark hochmittelalterlich, die Qualität läßt auf Mittelschicht schließen. Für Dich interessant dürfte sein, daß die Tunika 4 Gere (2 Seite, 2 Front & Rücken) hat und damit die Gere bestätigt. Aufgeführt sind die Schnitte hier : www.personal.utulsa.edu/~marc-carlson/[ ]/bockback[ ]
Zwar nicht fundlagenbestimmt, doch zumindest als literarische Quelle wären auch die Kapitularien Karls d. Gr. zu nennen, der es Bauern verbot mehr als 4 Geren an ihrer Kleidung zu tragen.
der Grund für das Schweigen wird wohl sein, daß es eben keine verwertbaren Funde gibt und das deswegen alle auf Vermutungen angewiesen sind...
Auf dem dünnen Eise dieser Spekulationen und Rückschlüsse wandelnd, und durch etwas Ausprobieren bestärkt, bin ich zu folgendem Schluß gekommen: Bei einer Stoffbreite von ca. 90 cm kann man Tuniken mit der von HMA- Abbildungen bekannten Länge und Umfang durchaus mit nur Geren an den Seiten schneidern; allerdings neigen sie aufgrund der Stoffülle dazu, sich dort ziemlich zu ziehen. Außerdem hätte man, wenn man nur besagte Stoffbreite zur Verfügung hätte, ziemlich viel Verschnitt.
Deswegen habe ich erbarmungslos die Grönlandschnitte verwand, und siehe da, mit vielen schmalen statt wenigen breiten Geren hat man weniger Verschnitt, die Stoffmenge verteilt sich besser um den Körper, und das Ganze sitzt auch besser. Und da die damals ja auch nicht blöd waren...
Dietrich
also, folgendes Problem:
die mir bekannten Kleidungsstücke des HoMi (die Gewänder der hl. Klara und Elisabeth) mit analysiertem Schnittmuster haben lediglich seitliche Gere. (bei der hl. Klara sind's auf jeder Seite 2, bei der hl. Elisabeth sind's jeweils 3).
Bei den grönländischen Gewändern, die auf Mitte des 14. Jh. datiert werden, sind größtenteils zusätzlich Gere in der Mitte von Vorder- und Rückenteil eingesetzt. Klar, die Gewänder sind von der Form her schon nicht mehr "manessisch", sondern "moderner".
Weiß irgend jemand sicher (also bitte mit stichhaltigem Beleg) ;-)), wie das mit dem Einsetzen von Geren in der Mitte war?
Gab's das erst ab ca. 1330/40. Was ist mit der Zeit davor (1230 - 1330)? Und was ist mit der Zeit vor 1230, wo die Rockteile der Kleider so weit waren und die Oberteile eng anliegend?
Gibt es sonst noch irgendwelche Kleiderfunde aus dem mitteleuropäischen Kulturkreis zischen 1230 und 1330?
Viele Grüße
Gabriele
(die nicht unbedingt scharf darauf ist, Gere in die Mitte einer Stoffbahn zu frickeln... ;-))