Ich denke schon, daß es sinnvoll ist, diese Diskussion noch mal zu führen. Es ist durchaus nicht so, daß jeder seine eigene Definition hätte. Unter dieser Vorraussetzung wüßte nie jemand, wovon der andere spricht. (Nun... wenn ich's mir recht überlege...)
Es gibt schon allgemeine Standarts...
Übergreifend könnte man all das, was wir so treiben, inclusive LARP und Museumsdidaktik, als Kulturbild-Performance bezeichnen. Eine Performance, die kein Publikum haben muß, und die immer die Erstellung des Bildes einer Kultur beinhaltet, unabhängig davon, ob die Kultur real existiert oder nicht.
Das Phänomen läßt sich nach verschiedenen Kriterien gliedern: Zum Beispiel nach Historisch-Nichthistorisch.
Ich persönlich halte aber eine Gliederung nach dem Gesichtspunkt der Publikumsorientiertheit für viel sinnvoller, da sich die Veranstaltungen erheblich unterscheiden, je nach dem, ob sie für Publikum konzipiert sind, oder nicht. Ebenso unterscheiden sich in diesem Punkt die Motivationen der Ausführenden am deutlichsten. (Bei der Frage Historisch-Nichthistorisch ist das nicht so. Die Übergänge sind da erfahrungsgemäß fließend, und der Wille zur historisch korrekten Ausrüstung sagt noch nichts über das Ergebnis aus.)
Astrid
Das historische Gegenstück zum LARP ist nicht unbedingt das Reenactment, das würde nur auf größere Schlachten wie die im LARP üblichen "Endschlachten" zutreffen, sondern teilweise die "First-Person-Darstellung" in einer Gruppe. Im LARP wird über der Zeitraum des Spieles hinweg ein Charakter verkörpert und, zumindest in-time, als dieser Charakter mit den anderen Mitspielern interagiert.
Diese Methode ist im historischen Hobby nur sehr selten vertreten, da für historische Zeiten eine authentische Charakterdarstellung auf exakte Überlieferungen angewiesen ist. Daher ist eine echte "First-Person"-Darstellung (oder auch "In-Character"-Darstellung) erst ab dem Auftreten der ersten persönlichen Tagebücher und Biographien möglich, also ab der frühen Neuzeit. Für das Hoch-Mittelalter gibt es keine entsprechenden Überlieferungen. Der Lebenslauf eines Adeligen, der durch einige Eckdaten bekannt ist, kann nicht als Grundlage für eine "First-Person"-Darstellung ausreichen. Wer also im Hoch-Mittelalter als eine bestimmte Person auftritt und als diese handelt, betreibt eine Mischform aus historischem und spielerischem Hobby.
Im LARP wird die für die "First-Person"-Darstellung geforderte Überlieferung inklusiver der charakterlichen Eigenschaften der Figur vom Spieler konstruiert und entwickelt. Ein guter Spieler folgt seinem eigenen Konstruckt detailgetreu und erfüllt es mit Leben. Aus diesem Grund würde ich durchaus auch gute Fantasy-Rollenspieler als authentisch bezeichnen. ("Authentisch" bedeutet nämlich nicht, wie gerne fälschlich behauptet, "historisch korrekt" oder "wissenschaftlich genau nachgebildet" sondern heißt genaugenommen lediglich "mit sich selbst identisch"!!!)
Astrid
Reenactment ist als Begriff eigentlich auf das Battle-Reenactment beschränkt. Es bedeutet "Wiederaufführen" und in diesem Sinne wird es im englischsprachigen Raum auch verwendet.
Das Wiederaufführen eines historischen Ereignisses ist ein Reenactment. Da kriegerische Ereignisse die am häufigsten und am besten belegten Ereignisse des Mittelalters und der frühen Neuzeit sind, kann Reenactment in der Regel nur für solche Ereignisse durchgeführt werden.
Das ist auch der Grund, warum in der Antiken-Szene auf Museumsfesten selten von Reenactment die Rede ist: Nur die Darstellung eines ganz bestimmten Ereignisses kann im eigentlichen Sinne ein Reenactment sein (z.B. Teutoburger-Wald-Schlacht), das Exerzieren in Militärausrüstung oder das Vorführen von Handwerk hingegen nicht.
Nicht jeder, der seine Ausrüstung so originalgetreu wie möglich ausstattet ist ein Reenactor...
Astrid
Apropos Reenactment: Heißt Reenactment nicht soviel wie "Wiederauflebenlassen einer vergangenen Epoche"???
Wenn ja, dann glaub ich das da etwas mehr dazugehört als lediglich mit einer Replizierten Klamotte als lebendige Kleiderpuppe herumzustolzieren und sich weiterhin über Netzwerktechnik zu unterhalten.
meines erachtens isses mir schei**wurst-egal wie mich irgendeiner bezeichnet. Die meisten meiner "nichtmittelalten" Kumpels und Kollegen bezeichnen mich sowieso als verrückt.
Reenactment und LARP unterscheidet sich nicht wirklich, zumindest im Gemüt der Leute. Beim LARP gibt es so wie beim Reenactment /Mittelaltertrinken einen kleinen Personenkreis der das ganze mit einer fantastischen Hingabe zum Detail angeht und einen riesen Haufen Sauf-Latex-Barbaren die dem LARP den ungeheuer schlechten Ruf einbringen.
Ausserdem lästert das LARP übers Reenactment und umgekehrt. Also, erstaunlich ähnlich die beiden Bereiche.
LARP bedeutet übrigens nicht unbedingt Magie und Zwerge. Es gibt vereinzelte Cons bei denen es keine Magie gibt.
Reenactmentfähige Cons gibts nicht, da LARPies generell auf taube Ohren stossen wenn sie Reenactmentgruppen um Hilfe bei ihrer Ausrüstung bitten. "Auf LARPies sind wir nicht gut zu sprechen..."
Die Reenacter wollen wohl ihr Wissen nicht vor die Säue werfen, und deshalb sind die meisten LARPies vergnatzt wenn sie das Wort Reenactment hören.
mir scheint, krampfhaft wird LARP mit Fantasy gleich gesetzt. Kommt aber in der Vollschreibweise von LARP nicht vor (ich kenne auch hier A = Action).
Also, für mich:
ich nehme die Identität einer Persona/Figur dar, die ich real nicht bin, weder Beruf (Schultheis), Stand (wohlhabener Bauer), Name (Enno) usw. haben mit meinem "real life" irgendetwas gemeinsam.
Dies ist bei "Larpies" wohl auch so.
Ich setze mich einem bestimmten Szenario, einer bestimmten Situation mit Handlungsvorgabe aus. Zur Schlacht von Hastings fährt man nicht zum Würstchengrillen, auf den "Markt" nicht, um den ganzen Tag Stadtbummel zu machen.
Ebenso integrieren sich Larpies in "ihr" Szenario.
Regeln ? Ja klar, viele ...
In der Schlacht, ist ja allgemein bekannt, keine Flegelwaffen, min. Helm, etc. Auch Spielleiter rennen dort rum und prüfen Waffen, achten auf Regeleinhaltung (sollten, glaube ich ?).
Über meine Keramik bestimmen die Archäologen mit den Spaten, die Kleidung regeln längst verstorbene Künstler ("Teppich von Bayeux"), Biographen und Bildhauer ("Magdeburger Jungfrauen"), die Mönche haben ihre Vorschriften, usw.,
... und letztendlich jeder von Euch mit dem Fachbuch in der Hand ;)
Zur guten Darstellung gehört sicher auch Wissen um das rechte/standesgemäße Benehmen (bei Larpies: Orks sagen wohl *nicht* "Bitte" und "Danke" ;). Somit ist auch angemessene Interaktion zwischen den "Mitspielern/Darstellern" zu finden. Stop - ist es so ? Hmm, selten, glaube ich. Ist hier der Grund für die gewünschte Distanzierung zu den "Larpies" zu finden, nämlich ggfs. die Verpflichtung, hier nachzuholen ? Sich ggfs. von der vertrauten "Gruppe" zu lösen und mit anderen "Fremden" zu interagieren ?
Hmm, ja, gehen nicht viele "Larpies" solo auf die Cons statt in festen Gruppen ?
Nun, eine gute Gewandung kann man kaufen und gibt eine gute Puppe ab. Für den Rest braucht man Wissen, das in den Kopf zu kriegen ist aufwendig und muß man selbst erledigen. Noch nicht bereit für den Sprung ?
Ketzerisch,
Thorsten Koch aka Enno op de Herrenhuis
Moin!
Meines Wissens bedeutet LARP Live Action Role Play, also ein Rollenspiel, dem durch dierektes Handeln Leben eingehaucht wird, im Gegensatz zum Table Top (Brettspiel) oder Computerspiel.
Characteristisch fürs Larp sind verschiedene Szenarios die von Mittelalter Fantasy (DSA) über Endzeit bis zur Jetztzeit (Vampire) reichen.
Die entweder zugekaufte oder vom Spielleiter eingebrachte Mutiple Choice Handlung lässt den Characteren verschiedene Möglichkeiten ihrem dargestellten Character nach zu handeln. Dabei kommt man wie ich gehört hab auch im LARP teilweise von der Magie ab, da es einfach keinen Spaß macht wenn jeder Teilnehmer aufgrund immenser Magie Punkte unbesiegbar ist. Auch gibt es gewisse Anforderungen an die Charactere ("Du bist 1,94 m groß, nein, Du kannst keinen Zwerg spielen").
Larpies treffen sich gelegentlich zu sogenannten Conventions, Treffen, bei denen ein gewisser Handlungsrahmen vorgegeben wird in dem die eingeladenen Spieler agieren können. Stirbt ein Character auf so einem Con, so kann sich der Darsteller einen neuen suchen. Zur Belebung der Szenerie werden vom Veranstalter sogenannte NSCs, Nicht Spieler Charactere eingesetzt (beliebt sind Orkhrden zum rumprügeln...).
Was lernen wir daraus?
Per Definition sind wir eben doch alle Rollenspieler. Wir versuchen, historisch korrekt zu arbeiten, die Larpies versuchen mit ähnlicher Akribie innerhalb ihrer Darstellung ebenfalls authentisch zu sein.
Die Idee mit dem Con ist gut und hier auch schon oft mal angesprochen worden, aber nie verwirklicht worden. Wie wärs denn mal, wenn man sich unter Vorausgabe eines Szenarios mal unter Ausschluss der Öffentlichkeit trifft und das mal durchlebt?
Wie wärs damit?
Im Kielwasser des Mainzer Landfriedens treffen sich verschiedene Gruppierungen auf dem Heimweg in einem Kloster/einer Burg etc. Es wird viel palavert, gestritten, gearbeitet- kurz- Leben wie es ungefähr gewesen sein könnte.
Wer aus FMA oder SMa dazustossen will kann das gerne, aber nur mit passender Gewandung. Schlimmstenfalls lässt man halt Wikischwert und Panzerhandschuhe zu Hause und macht auf einfachen Dienstmensch. Würde auch die soziale Schichtung besser repräsentieren...
Gruss, Uli das Rudel e.V.
es gibt keine Authoritäten, die ein übergreifendes Rollenspiel "mastern" würden. In Ansätzen wird das auf einigen Veranstaltungen gemacht, sogar ab und zu auf Märkten. Aber das geschieht auf engem Raume und nur selten bei homogenen Gruppen.
Die Frage nach einem Regelwerk finde ich sehr angemessen, und trifft das, was so oft schon gescheitert ist...(KitGuide).
Amelie, ich weiss, ich weiss, aber vielleicht wird wenigstens die Begriffsverwirrung mal etwas geklärt...
Euer Haduwolff
vielleicht hilfts ja, erstmal die Begriffe ein wenig zu ordnen :-)
Larp ist immer noch die Abkürzung für Live-Adventure-Role-Play, mit Schwerpunkt auf "Adventure", also "Abenteuer" erleben.
Einige Hauptelemente im Larp sind das Vorkommen von Magie und "nicht-menschlichen" Rassen. Oft spielt Larp (zumindest das klassische Fantasy-Larp) in einer mittelalterlich angehauchten Umgebung und viele Klamotten sind grob ans MA angelehnt, das wars aber auch schon.
Einen Anspruch, Mittelalter darzustellen, hat Larp definitiv nicht.
Im sog. Reenactment, bzw. der "ernsthaften" Mittelalter-Darstellung kommen wohl keine Drachen, Elfen, Feuerbälle und Mensch-Tier-Mischwesen mit Latexpömpfen vor...(hoff ich doch mal ;-))
Insofern kann ein MA-Darsteller zwar ein Rollenspieler sein im "klassischen" Sinne- er haucht dem, was er darstellt, bis zu einem gewissen Punkt Leben ein- aber wohl kein Larpie (es sei denn, er betreibt beides parallel).
Einen MA-Darsteller Larpie zu nennen, ist genauso falsch wie umgekehrt. Beides hat seinen Reiz, aber völlig unterschiedliche Ziele und Ansprüche und ist in etwa so gut zu vergleichen wie die berühmten Äpfel und Birnen...
Liebe Grüße, Stella
wollen wir das wirklich durchdiskutieren? Das ist doch schon in etlichen anderen Threads fruchtlos verlaufen, weil eben jeder seine eigene Definition hat.
Hadu, erhoffst Du Dir wirklich ein Ergebnis oder neue Erkenntnisse? ;-)
Saschas "psychologischer Ansatz" gefällt mir gut - wir spielen alle viele Rollen, je nach Umfeld.
Aber weiter: jeder definiert das was er tut anders und nichts und niemand wird ihn davon abbringen. Der eine legt seinen Schwerpunkt auf "Vermittlung des mittelalterlichen Lebens", der nächste sieht seinen Auftrag eher im pädagogischen Bereich, der dritte sieht sich und seine Gruppe als Teil einer bestimmten Szene (wie z.B. Teilnehmer eines Hoftages oder einer Gesandtschaft des Herrn soundso), der vierte stellt nur einen Teilbereich des mittelalterlichen Lebens so detailgetreu wie möglich nach usw. usw.
Also warum akzeptieren wir nicht einfach die unterschiedlichen Meinungen?
Mir ist es herzlich egal, ob ich als Rollenspieler bezeichnet werde oder nicht ;-) - ich habe meine eigene Definition gefunden von dem was ich tue und ich lebe gut damit ;-).
Mit der klaren Definition ist das so eine Sache.
Es gibt viele Termini, deren Definition aus einem geschriebenen ("klaren ?") Teil und einem ungeschriebenen Teil besteht, über den aber verwenderintern Einvernehmen besteht. So sehe ich das auch hier.
Ich denke, auch wenn sowohl LARPers wie reenactors allgemein betrachtet Rollenspieler sind, kann man sie ohne Weiteres voneinander unterscheiden, weil ein gewisses Einvernehmen über die ungeschriebene Definition besteht.
Jedenfalls hatte ich bisher den Eindruck. Habe ich mich geirrt ?
In der Juristerei gibt es den sog. "unbestimmten Rechtsbegriff", der gerichtlich voll nachprüfbar ist, also verbindlich ausgelegt werden kann. Ich meine, dieses Lösungsmodell passt auch hier.
Grüße von der Spree, Ulrich
jep, Indy, genau DAS ist die Frage. Die Definition! Diese schwammigen Begriffe machen nähmlich keinen Sinn, wenn es keine klaren Definitionen gibt.
Solange wirs nicht klären, sind wir alle Lapries usw...
So vor zwei, drei Jahren begann diese Flut von Anglizismen, die genauso ohne Hintergrund sind wie "A", hc, gna und so weiter.
Plötzlich sind wir alle Fachleute, definiert durch Fachausdrücke, die -sicher mit gutem Willen- aber ohne dem nötigen Hintergrund erfunden bzw. eingeführt wurden, nur, um sich von anderen zu unterscheiden.
Ein Reenrollenlarpdarstellungschauspielactmenter...
Euer Haduwolff
kommt immer drauf an wie man "Rollenspieler" definiert!
Wenn der Begriff genauso schwammig, freizügig, irreführend und indifferenziert gebraucht wird wie "Reenactor", "living history", "Geschichtsdarstellung", etc., dann sind sicher alle aus der "Szene" LARPies, Rollenspieler, Reenactors, Götter, etc.
Also, für eine "echte Antwort" auf Deine Frage brauche ich eine "echte Definition"!
Gruß,
ein sich nicht mehr ärgernder sondern nur noch wundernder
Indy
Hallo Haddu,
jeder Psychologe wird Dir bestätigen das jeder Mensch eine Art Rollenspieler ist.
Wir übernehmen in unserem Alltag die verschiedensten Rollen.
Je nachdem, mit wem wir es tun haben und in welcher Beziehung wir mit unserem Gegenüber stehen.
(Eltern-Kind; Arbeitnehmer-Arbeitgeber; Freund-Feind....)
Ich denke wohl im Bezug auf das MA, sind wir es auch, wir stellen ja auch etwas da, ohne es zu sein.
(Wikinger, Staufer....)
Nur ist es unser bemühen die Darstellung ohne Einflüsse des Fanatsybereiches durchzuziehen.
Auch wenn das nicht immer ganz klappt.
nach einer langen und sehr amüsanten Diskussion im Chat stelle ich ein babylonisches Verwirrspiel fest:
Sind wir LARPies....Rollenspieler...?
Einige haben sehr pikiert reagiert, als festgestellt wurde, daß wir wohl Rollenspieler sind, und alle Elemente des LARP bei uns verwirklicht werden, d.h. all diese netten hochtrabenden Selbstbezeichnungen ziemlich Wurscht sind...