Da gibt’s zahlreiche Originale, auch in Form von Innenhandschuhen von Panzerhandschuhen (Vogt von Matsch, Churburg, Tirol, Schwarzer Prinz, London, England) und normalen Handschuhen (Schleswigfunde,Funde im Museum Kopenhagen, Handschuh von Karl IV., Neusath an der Waldnaab, Heimatmuseum, u.a. in: B. Schwineköper: Der Handschuh in Rechts, Ämterwesen, Brauch und Volksglauben, neue deutsche Forschung, S. 191, und: Kaiseer Karl IV. 1316-1378: Ausstellungskatalog der Ausstellung auf der Kaiserburg Nürnberg). dazu gibts noch verschiedene Fragmente im 13ten und 15ten, schau mal da: larsdatter.com/gloves.htm
Ich möchte mir auch ein Paar Fingerhandschuhe nähen, nur sieht man auf den Abbildungen (Ende 14.Jhdt.) sehr wenig über den Schnitt, hat da jemand neuere Infos oder Tips.
Beitrag 4: “Allein die Methode, den Daumen einzusetzen hat sich durch die Zeiten - zum Teil materialbedingt - stark geändert.”
Hast Du dafür irgendwelche Quellen. Ich möchte mir weisse Fingerhandschuhe aus Hirschleder nähen. ßhnliches sieht man mehrfach in der Manesse und in der Kreufahrerbibel. Ich hätte mich mit dem Schnitt an normale Handgenähte Herren-Lederhandschuhe orientiert. Und dann nur die Stulpe verlänger. Auch wenn schon zweimal gefragt wurde, hat jemand zumindest Tipps für den Schnitt?
Da in dem Buch “Schwarzes Kreuz auf weißem Mantel” ein Bericht über die alten heidnischen Pruzzen steht, in dem deren Winterstiefel mit “…utz fiz gemachet.” bezeichnet werden, kann man dahin also auch auf Handschuhe schließen, denk ich mal. Und in Ostpreußen wars kälter als da, wo die Alemannen lebten.
wenn ich schon großmütig die Planung eines Winterlagers angeboten habe, dann muß ich aber zusehen, daß ich meine eigene Ausrüstung auch winterfest vervollständige :]
Also - Vorschläge: Was könnte ich als Alemannin des 5.Jhd’s zum Warmhalten meiner Patschepfötchen anfertigen? Fäustlinge, nehme ich an?
Genäht? Woraus? Wollstoff oder Fell?
Wie sieht’s mit Filzen aus? Wäre wasser- und winddichter. Gibt’s dafür Belege?
Wieder aus dem Buch:“Der Einschlupf eines fäustlings ist mit einem breiten Band in Durchbruchsarbeit verziert. Das Dekor…”, weiter: “Nach A.Andersen (1953,S.14f.) und G.Dahlbäck (1983,S.233) sind Fäustlinge der Arbeitskleidung zuzuordnen…”. Aber dann:“Diese Interpretation erscheint allerdings hinsichtlich der Funktion des verzierten Schleswiger Fäustlings wenig zufriedenstellend. Dieses Exemplar dürfte weniger zum Schutz bei schmutzigen und groben Arbeiten gedient haben, sondern vielmehr als Teil einer besonderen Standeskleidung anzusehen sein. Handschuhe dieser Machart gehörten beispielsweise zur jagdlichen Ausrüstung des Falkners, wie eine Illustration in dem Falkenbuch Kaiser Friedrichs II zeigt: Die den Falken tragende Hand wird durch einen Handschuh geschützt, der am Einschlupf mit breiten Dekorbändern verziert ist.”
Es muß aber auch andere Arten von Handschuhen gegeben haben, denn einige Zeilen später weiß das Buch zu berichten: “Handschuhe wurden vom Taschen- und Beutelmacher hergestellt (vgl. Groenman-van Waateringe 1988 a, S.123). Ob dies auch für Fäustlinge gilt, bleibt offen. In diesem Zusammenhang sei auf eine Vorschrift für schleswiger Beutelmacher aus dem Jahre 1550 hingewiesen, der zumindest Anhaltspunkte zur Anfertigung von Stulpenhandschuhen zu entnehmen sind (Schütz 1966, S.33)”.
Die berichtenden Archäologen vermuten die Verwendung als Arbeitshandschuhe oder Falknerei. Einschnitte und Reste weisen auf ein Band am Handgelenk hin, sonstige Befestigungen fehlen. Genaueres erst heute abend, da ich das Buch zu Hause habe (bin auf der A-byte).
Im Buch “Ausgrabungen in Schleswig, Berichte und Studien 13” wird über die Lederfunde der Ausgrabungen in Schild berichtet. Datierung 11. bis 14. Jahrhundert. Ab Seite 74 wird über Lederfäustlinge aus den jüngeren Schichten geschrieben. Ich zitiere: …einmal Kalbs- oder Rindleder, einmal Rindleder, einmal Lederart unbestimmt. Zwei Exemplare waren jeweils aus einem größeren längsgefalteten Lederstück gefertigt, das nur durch den Däumling und kleinere Ansätze ergänzt werden mußte. Dabei folgt der Zuschnitt der äußeren Formgebung der Hand. … Das Vernähen erfolgte in allen Fällen linksseits mit einer Stürznaht oder einer Stoßnaht, so daß - auf rechts gewendet - der wasserabstoßende Narben außen lag."
@ andreas: die handschuhe des papstes waren gestrickt, die anderen beiden aber mit der sog. naalbindning technik. hätte ich vielleicht mit dabei schreiben sollen. die quelle weiß ich nicht mehr, jedenfalls hab ich das irgendwo gelesen. das stricken gab´s schon in der spätantike, geriet für einen gewissen zeitraum aber in vergessenheit. wurde um das 13. jhdt. wieder neu entdeckt. mehr kann ich leider nicht sagen, hoffe ich hab deine fragen zur genüge beantwortet.
is ja schonmal einiges was sich hier gesammelt hat. Danke erstmal…
kleine Eingrenzung am Rande: Kennt jemand vielleicht sogar FUNDE des 13jh. von denen sich vielleicht Schnittmuster ableiten lassen???
Weiterhin würde mich interessieren in wiefern Lederhandschuhe belegt sind. In der Kreuzfahrerbibel sind z.B. Bauarbeiter mit Fingerhandschuhen abgebildet. Ob die aus Wolle sind wae ich zu bezweifeln, lasse mich aber auch gerne belehren.
Die seltsame dreifingrige Form ist recht praktisch und wird im Sportbereich noch heute verwendet. Vorteil: die Finger können sich ähnlich wie im Fäustling gegenseitig wärmen, die Bewegungs- und Griffreiheit ist jedoch höher als beim Fäustling.
Wohl wegen der ßhnlichkeit zu Hummerscheren werden diese Handschuhe engl. Lobster Gloves genannt.