guter Einwand und genau hierzu passend ein Problem:
Die reinen Essmesser (einfache Klinge, aufgenietete Griffschalen), die im Spätmittelalter ja allgemeiner Bestandteil der Kleidung sind, scheinen im 13 JHD noch nicht unbedingt zum Standart zu gehören? Die wenigen Funde und Abbildungen, die wir haben, zeigen zwar, DASS sie auch getragen wurden (zb: www.tempora-nostra.de/cgi-bin/bildguck.cgi?[ ] )...
Jetzt wollte ich aber nicht nur einen klugen Spruch lassen, sondern habe genau dazu eine konkrete Frage:
Wer hat ausser "Knives and Scabbards", welches ohne Frage eines der herausragensten Bücher über dieses Thema ist, noch andere Quellen und Abbildungen für diese Art der Messer? Hat hier jemand andere Erkenntnisse für den deutschen Raum?
Was mich besonders interessiert: Wenn man die prächtigen Scheiden der Messer an Statuen sieht (zB Link oben), dazu die zT aufwenige Kleidung, wenn man dann noch die prunkvollen Messer des Früh- und Spätmittelaters betrachtet, fällt es schwer zu glauben, das die Griffe dermassen schmucklos gewesen sein sollen....
Weiss hier jemand mehr?
Über fundierte Antworten würde ich mich sehr freuen!
Gruß,
Tobias
(Chat: momentan noch Sire de Noyers) www.volkelin.de
Tja, da hat man es auf den üblichen MA-Märkten leichter, da kann man seine Bratkartoffeln nämlich mit einem möglichst großen Dolch in sich reinschaufeln.
Im Ernst, es ist doch erschreckend, wie viele mit einem Dolch (der dann meist noch 200 Jahre fehldatiert ist) an der Seite rumhüpfen, aber nicht mal ein damals übliches Eßmesser bei sich haben. Dabei sind die Dinger doch nun wirklich nicht aufwendig.
Das Klingenmuseum in Solingen hat eine neue Sammlung erworben, die auch einige (spät-) mittelalterliche Besteckbeispiele enthält. Hier die entsprechende dpa-Meldung:
Solingen (dpa) - Eine weltweit wohl einmalige Sammlung historischer Bestecke hat das Deutsche Klingenmuseum in Solingen erworben. Die «in Qualität und Umfang einzigartige Kollektion» umfasse rund 1200 Messer und Gabeln aus acht Jahrhunderten und gebe einen «bemerkenswert vollständigen Überblick» über die europäische Besteck-Entwicklung vom hohen Mittelalter bis zum Jugendstil.
Ein Sammler aus Bochum habe die historischen Essgeräte für 1,28 Millionen Euro (2,5 Millionen Mark) an die Stadt Solingen, den Museumsfreundeskreis und verschiedene Stiftungen verkauft, sagte Museumsdirektorin Barbara Grotkamp. Er hatte die Stücke in den vergangenen 40 Jahren zusammengetragen.
Einblicke in die historische Entwicklung der Tafelkultur geben bei vielen Stücken reich beschnitzte Besteckgriffe aus Holz, Horn oder Halbedelstein: Die Motive reichen von sinnenfroher Erotik bis zur religiösen Mahnung. So zeigt ein holländisches Messer des 16. Jahrhunderts auf kleinsten Raum zehn Bibelszenen; im aufklappbaren Griff-Inneren verbergen sich außer einem Gewürzstreuer auch ein Christusbildnis und ein Skelett.
Schwerpunkte der Sammlung seien äußerst rare mittelalterliche Messer, Bestecke zum Vorlegen und Tranchieren sowie zahlreiche Essgeräte, die seit dem 16. Jahrhundert in Augsburg als «der führenden Silberstadt Europas» angefertigt worden sind. Abgesehen vom eigenen Museumsbestand gibt es nach den Worten der Museumsleiterin «weltweit keine vergleichbar dichte und komplexe Kollektion - und wäre auch heute auf dem Markt nicht mehr zu bekommen». Noch seien allerdings für den Besteck-Schatz 150 000 Euro an den Vorbesitzer zu zahlen.