Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Bier - Braukunst im Mittelalter

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Eintrag #46 vom 04. Feb. 2010 00:53 Uhr Alexander Mühlbauer  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Mühlbauer eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht nunja um A bier gings mir ja eigentlich garned

was ich fragen wollte war vor ein paar tagen eher ob (so wie auch geschrieben)jemand ein paar leckere eher unnormale bierreyepte kennt
eins von meinen beiden is ein anisbier sehr lecker aber gewoehnungsbeduerftig

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Eintrag #44 vom 30. Jan. 2010 14:26 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

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Wieso? Wenn ein Artikel gut geschrieben ist, und Belege sowie Literaturangaben liefert, ist er nicht schlecht als ein beliebiges Buch. Hast Du ihn denn gelesen? Die zitierte Literatur? Weisst Du um die Beschaffenheit Nürnberger Biere. wie sie gemäß der Quellen im 14ten und 15ten Jahrhundert gebraut wurden?
Und ich seh den Punkt nicht, weiterhin beharrst Du darauf, dass man etwas nicht rekonstruieren kann, dessen Geschmack man nicht kennt (was an sich ja stimmt), aber gleichzeitig sagst Du, es täte einem heute nicht schmecken; woher weisst Du das denn dann, wenn man den Geschmack nicht kennt?
Und angesichts der Tatsache, dass auch oft zu Hause Bier gebraut wurde, sehe ich den Punkt mit der historischen Brauerei auch nur bedingt.
Dann argumentierst Du mit dem Alkoholgehalt. Ja sicher; würde man dediziert _ein_ Bier rekonstruieren wollen, würde es schwer, aber ich wüsste nicht, wer das hier will, oder behauptet, es zu tun.
Ebenso die Zutaten: Bildenkraut, ja schön, nur ist gerade im späten Mittelalter vielen Ortes bereits die Rezeptur des Bieres festgeschrieben, die ersten Reinheitsgebote stammen aus dem 14ten.
Ich verstehe einfach insgesamt nicht, worauf Du hinauswillst; _Du_ warst der erste, der in diesem Thread das Wort “Rekonstruktion” überhaupt benutzt hat! Hier geht es um die Methoden, Mittel, Zutaten und Rezepte, wie damals Bier gebraut wurde. Über diese- die Quellen dafür- kann man reden. Es wird darüber geredet, wie man mit rekonstruierten und modernen Mitteln ein Bier heute herstellen kann, was in ähnlicher Form damals hergestellt wurde- aber nicht von der “Rekonstruktion” eines bestimmten Bieres
.
Es laufen auch x Leute mit Kitteln in der Darstellung rum, die keine exakte Rekonstruktion eines bestimmten Kittels sind, dennoch sind sie unter Benutzung damals verfügbarer Materialien, in einem von Funden, Text-und Bildquellen abgeleiteten Schnitt unter Zuhilfenahme belegbarer Fertigungsmethoden entstanden.
Also möchtest Du jetzt etwas beitragen, oder soll das einfach nur ein “ich weiss Bescheid- was ihr macht ist alles Mist” Tenor sein?
Ich jedenfalls möchte gerne mehr über das Thema erfahren, und freue mich über Beiträge hierzu- ich kenne einige Leute, die sich damit praktisch beschäftigen, und gute Ergebnisse erzielen, die aber nicht behaupten würden, es handele sich um eine Rekonstruktion.
Würde man nach deiner Maßgabe handeln, könnte man viele Bereich des Hobbys ad acta legen, bei der es in vielen Fällen um größtmögliche Näherung geht- um nicht mehr.

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Eintrag #43 vom 29. Jan. 2010 16:38 Uhr Matthias Ludwig  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Matthias Ludwig eine Nachricht zu schreiben.

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Naja…
Also, das grade Du mit einem wikipediaartikel kommst enttäuscht mich nun aber etwas, Jens… :-) Das mit der Brauerei nach Originalvorbild ist schon wichtiger als es scheint. Da passt der Vergleich mit der Schmiede nicht so recht. Die Gerätschaften hatten Produktberührung. Aus dem bayerischen Wisch von 1516 entnehmen wir, dass ein gezieltes Anstellen mit Hefe nicht bekannt war. Sonst hätte der gute bestimmt was von Zeug in der Zutatenliste schreiben lassen. Dieses Zeug kam nun mal aus der Umgebungslauft. Dazu wäre es sogar noch notwendig die Umgebung rum um die Brauerei zu bauen und zu bevölkern. So absurd das auch klingen mag. Es ist ein Faktum der Gegenwart, dass einige Brauereien in Belgien (Nähe Brüssel)unbedingt auf die Biologie ihrer Keller angewiesen sind. Mag eklig klingen aber da wird nicht sauber gemacht, nicht renoviert und in einem Fall wo das Dach undicht war hat man es nicht repariert sondern mit einem Glaskasten umbaut. Das zeigt wie wichtig die Umgebung beim Spontanvergären ist. Würde da einfach ein neuer, moderner Keller gebaut hätten die keine Chance mehr ihr Bier so hinkriegen wie sie es halt immer machen. Ferner: Auch heute noch kochen viele Brauereien Zink in der Würze mit. Und zwar als Blech. Die Zugabe von Pulver ist verboten. Das Blech wird aber als Gerätschaft angesehen und gegen Materialabnutzung kann man halt nix machen.Am Ende nimmt man es einfach wieder raus. Ein Paradoxum von vielen die ich jetzt aber nicht alle aufführen möchte. Auch die Form und Größe der Gefässe trägt massgeblich zur Charakterausbildung von Bieren bei. Das ist fachlich allgemein belegt. Beispiele führe ich da gerne auf Anfrage auf. Man darf nicht vergessen, dass wir es mit Organismen zu tun haben.
Die Sache mit der Simulation war teilweise auch ehr gallig gemeint. Anhand dem was wir wissen, können wir schon ungefähr sagen in welche Richtung die sensorischen Eigenschaften von Bier damals gingen. Aber natürlich nicht 100 %. Deshalb hab ich auch “annährend” geschrieben. Da es die Leute aber so gewohnt waren kann man nicht pauschal sagen, dass es ihnen nicht geschmeckt hat. Uns würde es wohl ehr nicht schmecken.
Burkhart, gerne lasse ich mich mal auf so einen Versuch ein. Wie Du schon erwähnt hast fehlen uns heute halt einfach die Basics wie z.B. die entsprechenden Gerstensorten. Rauchmalz bekommt man ja bei Weyermann in Bamberg. Aber halt auch nicht genau das wie es halt mal war. Man müsste selbst mälzen. Am Ende hat man sich dann viel Mühe gegeben und etwas geschaffen, dass dem Original nahe kommt aber dennoch weit davon entfernt sein wird. Auch weiss z.B. niemand wie stark denn die Biere wirklich waren. Ja, sicher- es gibt da die Storys von 3 % vol. hinsichtlich des Alkohols. Ausgehend aber von den Stammwürzekonzentrationen (i.d.R. P11-12)die heute bei uns üblich sind. Sehr schwammige Sache. Mit der Grüterei halte ich mich lieber etwas zurück. Es gibt viele Überlieferungen was man da alles verwendet hat und auch warum und wofür. Das war auch schon arg regional bedingt. Und vieles von dem Zeug darf man heute nicht mehr haben oder bekommt es einfach nicht mehr. Beispiel: Schwarze Bilse. Gute Quelle für Detailinfos zu den einzelnen Pflanzen ist der “Rätsch”. (Enzyklopedie der psychoaktiven Pflanzen von Christin Rätsch).
Abschliessend: Mit der Thematik haben sich schon viele Fachleute beschäftigt aber es gibt noch etliche Fragezeichen im Bezug auf wie, warum und ob überhaupt. Deshalb wird jedes Projekt zur Rekonstruktion (so nah es auch dran ist) nie “A” sein. Und wenn jemand durch die Windel abläutern möchte, statt wie wir schon wissen durch einen strohbedeckten Holzrahmen oder Weidenkörbe hat das mit einer Rekonstruktion nichts zu tun sondern gehört zu Jean Pütz in die Hobbythek.

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Eintrag #42 vom 29. Jan. 2010 13:35 Uhr Burkhart (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Burkhart eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht A-Bier will doch keiner

Hallo Matthias,
nichts für ungut, ABER….
….da muss ich Dir widersprechen.
Natürlich sind der Rekonstruktion historischer Braurezepte Grenzen gesetzt, da keine entsprechenden Rezepte detailiert überliefert sind.
Und natürlich müsste man, angefangen von der historischen Darre bis zum Sudhaus alles nach kaum belegbaren Vorgaben rekonstruieren um ein wirklich gänzlich authentisches Bier zu erhalten….und selbst dann würden einem noch die passenden Getreidesorten fehlen, denn die hochgezüchteten Braugersten der Moderne sind dafür sicherlich nicht akzeptabel…
Mit diesen Problemen ist man aber in vielen Bereichen (insbesondere Kochen & Backen) konfroniert.
Mit etwas Mühe und Aufwand kann man aber versuchen ein Bier zu brauen ‘wie es hätte sein können’. Keine authentische Rekonstruktion (im engsten Sinne).
So lässt sich die unterschiedliche Malzfärbung, die beim direkten Darren in der flachen Darre sicherlich passiert, mit einer Mischung z.B. mit Münchner Malz, Röstmalz und Farbmalz simulieren.
Brauen kann man im einfachen holzbeheizten Kupferkessel und vergären im offenen Holzbottich. Über die gezielte Verwendung von Hefen wird in den entsprechenden Kreisen viel diskutiert, dass würde hier jetzt zu weit führen.
Was die Mischung einer Gruit (zur Bitterung der Würze anstatt Hopfen) angeht muss man sicherlich schon einiges an Literatur wälzen, über einigermaßen brauchbare botanische und archäobotanische Kenntnisse verfügen und zu echten Selbstversuchen bereit sein.
Aber dann…kann man feststellen, dass es durchaus möglich gewesen sein könnte, dass man im Mittelalter ein trinkbares Bier hat.
Dieses darf man natürlich nicht mit dem Hopfenextrakt-Industrieprodukt der Fermentationsindustrie vergleichen.
Wenn ich mal wieder über die Möglichkeiten verfüge selber zu brauen, lad’ ich Dich gerne auf ein wirklich gutes Gruitbier ein.
Versprochen.
Gruss
Burkhart

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Eintrag #41 vom 29. Jan. 2010 13:19 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Matthias,
Ich bin kein Experte fürs Thema,glaube aber, da schiesst Du an ettlichen Stellen über das Ziel hinaus, und ausserdem widersprichst du dir selber.
Zunächst einmal: du sagst, eine genaue Rekonstruktion sei nicht machbar, und brauche eine “alte Brauerei” dazu. Jetzt ist es nicht so, dass man das Ergebnis gut mit Originalen vergleichen kann, aber genauso, wie für anderer Sachen keine historischen Umstände notwendig sind- man braucht für eine rekonstruierte Rüstung aus dem 14ten keine Schmiede aus dem 14ten, für ein Essen nach Rezept aus dem 14ten keine Küche aus dem 14ten - ist es auch hier nicht notwendig, wenn man sich an Rezepte, Zutaten und Einschränkungen hält. Ob man das Ergebnis dann “Rekonstruktion” nennen kann, ist die Frage, die stellt sich auch z.B. bei der Küche: der Vergleich fehlt.
Dann entwirfst Du ein Bild, auf Grund dessen man mit modernen dem Geschmack historischen nahekäme- wie denn, wenn keine Reko möglich ist, und man ergo nicht sagen kann, wie das schmeckt?
Wiederrum sagst Du dann, das Bier täte nicht den heutigen Geschmack treffen. Nun, das mag zutreffen, ist aber wieder subjektiv. “Damals” hat des den Leuten scheinbar geschmeckt. So schlimm kann es wohl also nicht gewesen sein. Vergleiche mit der Küche zeigen, dass die Geschmäcker wohl scheinbar doch nicht so arg anders waren- eine ganze Menge heutiger Speisen sind auch bereits im späten Mittelalter entstanden.
Und dann schlussendlich sind die ersten Reinheitsgebote im Mittelalter entstanden, d.h. so exotisch anders waren die Zutaten schonmal nicht immer; in anderen Regionen, z.B. Nürnberg, gab es Verordnungen, die z.B. andere Getreide vorschrieben (Gerste in dem Fall). Zu Nürnberg gibt es übrigens einen schönen Wikipediaartikel: de.wikipedia.org/wiki/Nürnberger_Bier_(Mittelalter)
Mir ist dein Betrag etwas zu über den Kamm geschoren.

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Eintrag #40 vom 29. Jan. 2010 12:59 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

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Hm, also zunächst mal, wenn wir von “wollen” reden, denke ich schlicht, du unterschätzt die Bereitschaft der Leute, grade der aus der Szene, sich auf sowas einzulassen.
Es ist ja so, daß der Geschmack meinetwegen ungewohnt ist, aber nicht per se schlecht, sonst hätte sich Bier sicher nicht so lange großer Beliebtheit erfreut und weiterentwickelt.
Bleibt also die Diskrepanz zu heutigen Geschmacksgewohnheiten.
Und wenn ich mir da die Glaubenskriege zwischen allein zwischen Alt-, Kölsch-, Pils- und Weizenbiertrinkern ansehe, dann kann ich mir schwer vorstellen, daß es nicht auch für die alten Biere eine Nische gäbe.
Spätestens wenn wir von Darstellern reden, die zum Teil sowieso andere Geschmackserfahrungen gemacht haben, bis hin zu extremen, die dem Ottonormaldeutschen heute schon sehr suspekt sind (fermentierter Fisch etwa), würde ich dieses Urteil vehement verneinen.
Von der Frage, woher du weißt, wie etwas schmeckt, von dem du sicher bist, daß man es nicht rekonstruieren kann, noch nicht mal angefangen.

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Eintrag #39 vom 29. Jan. 2010 12:03 Uhr Matthias Ludwig  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Matthias Ludwig eine Nachricht zu schreiben.

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Die schönen Anleitungen zum Selbstgebrauten in allen Ehren.
Wer Bier wie aus alten Zeiten machen will braucht eine Brauerei aus alten Zeiten. Denke bei dem Thema wird eine Rekonstruktion mit Hobbybrauen verwechselt.Und zum Thema Hobbybrauen gibts ja massig Bücher im Handel. Ausserdem ist das wohl nicht das richtige Forum dafür.
Selbst wenn man noch so viel Firlefanz treibt - es wird nicht “A”. Sollte jemand Interesse haben ernsthaft eine historische Brauerei nachzubauen und in Betrieb zu nehmen würde ich mich über Post freuen.

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Eintrag #38 vom 29. Jan. 2010 10:42 Uhr Matthias Ludwig  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Matthias Ludwig eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht A-Bier will doch keiner

Hallo !
Ohne jemanden von experimentellen Zusammenpribbeln abhalten zu wollen… A-Bier will mit hoher Wahrscheinlichkeit niemand trinken. Grund: Es trifft den Geschmack der heutigen Zeit nicht. Ausserdem ist eine genaue Rekonstruktion sehr schwer machbar, da nicht nur die Zutaten entscheidend sind sondern vor allem die räumlichen und klimatischen Gegebenheiten sowie die technische Ausstattung der Brauerei. Biere die in leichten Zügen noch etwas mit dem ursprünglichen Bier im späten Mittelalter zu tun haben sind die Bamberger Rauchbiere, Leipziger bzw. Gosslarer Gose (Biertyp fast “ausgestorben”) oder belgische Guezen. Alles zusammengeschüttet und eine Woche bei Raumtemperatur stehen gelassen könnte den Geschmack von A-Bier in leichten Ansätzen simulieren.
Selbst hatte ich schon das “Vergnügen” einen Meistersud der Doemens-Akademie in Gräfelfing zu verkosten. Ziel war die Rekonstruktion von “mittelalterlichem” Bier. Meiner Meinung nach ging das einfach nur schief. Das ganze war in jeder Hinsicht salbeilastig. Zudem hatte man nicht berücksichtigt, dass die indirekte Befeuerung beim Darren des Grünmalz noch unbekannt war und das Malz durch die bei direkter Befeuerung entstehenden Rauchgase und Hitze stark rauchig und dunkel gewesen sein musste. Zum Glück für die Absolventen fliessen Bewertungen von Meistersuden nicht mehr in die Benotung ein.
Die Verwendung von Zeug (Hefe) fand seit jeher statt. Wenn auch unbewusst. Trotzdem war diese Hefe nichts anderes als wilde Hefe aus der Raumluft. Man wartete einfach auf den Beginn einer Spontangärung. So wird ja in Teilen Belgiens immer noch vergoren. Das nennt man lambic. Die Biere sind deutlich sauer. Es schwirrt ja nicht nur Hefe in der Luft rum sondern auch alles mögliche was dem Bier nicht unbedingt zuträglich ist. Ab wann man dazu über ging Hefe zu ernten und zu kultivieren weiss ich nicht.
Fazit: Wenn ihr euch gern daheim als Hobbybrauer betätigen möchtet mach lieber ein gescheites Bier, das euch hinterher auch schmeckt. Oder noch besser: Kauft euch eine Kiste bei der lokalen Brauerei eures Vetrauens. Das ist günstiger, schmeckt besser und ist mit Sicherheit bekömmlicher.
Gruß, Matthias

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Eintrag #37 vom 23. Jan. 2010 14:15 Uhr Burkhart (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Burkhart eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Historisches Brauen

Hi!
Da gibt’s im Netz doch reichlich Informationen.
Allerdings größtenteils in Englisch.
Für’s historische Brauen ist die Homepage von Cindy Renfrow (www.thousandeggs.com) ein guter Anfang.
Ebenfalls eine umfangreiche Link- und Quellensammlung findet sich unter www.pbm.com/~lindahl/histbrew.html
Damit sollte man einen guten Einstieg bekommen.
Gruss
Burkhart

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Eintrag #36 vom 20. Jan. 2010 20:44 Uhr Alexander Mühlbauer  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Mühlbauer eine Nachricht zu schreiben.

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kennt jemand nette braurezepte die etwas aus der reihe fallen und nicht unbedingt deutsches reinheitsgebotlastig sind
gruesse alex

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Eintrag #35 vom 31. Aug. 2009 16:12 Uhr Kilian (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Kilian eine Nachricht zu schreiben.

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sonst wird aus dem Birbraubuch ein Bierbauch,… (OT aus)

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Eintrag #34 vom 30. Aug. 2009 15:22 Uhr Andreas Pilz   Nachricht

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btw. wollt ich dir noch mitteilen, daß ich deine Infos zum Bierbrauen sehr interessant finde. Da krieg ich fast mal Lust, mein Bierbraubuch in die Hand zu nehmen und los zu probieren ;)

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Eintrag #33 vom 30. Aug. 2009 09:30 Uhr Andreas (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Andreas eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Gagel und Absinth

Gut möglich,
zu bedenken ist noch, welche Vorteile der Kurfürst von einem Verbot von Hopfen oder Gagel haben könnte. Es ist bekannt, dass in Norddeutschland Gagel eher von Hausbrauern genutzt wurde. Berufsbrauer und Klöster griffen oft lieber auf Hopfen zurücke. es ist daher denkbar, dass das Verbot von Gagel die fürstliche oder klösterliche Wirtschaft stützen sollte, vor allem da sich die Nachbarn anschickten Hopfenbiere zu importieren (= unliebsame Konkurrenz). Es gab im betreffenden Raum eine mehr oder wenige erbitterte Konkurrenz zwischen den nicht steuerpflichtigen Klöstern und den steuerpflichtigen Berufsbrauern einerseits sowie Berufsbrauern (inklusive Klöster) mit den Hausbrauern andererseits. Eventuell wollte der Kurfürst den Streit zu Gunsten der Klöster und Berufsbrauer entscheiden mit pekuniär positiven Folgen für ihn. Es gibt sogar ein reiches Schrifttum aus dem 17. und 18. Jahrhundert, in dem gelehrte Ärzte im Auftrag der unterschiedlichen Konfliktparteien die gesundheitsfördernde Wirkung des jeweiligen Gebräus und die schädigenden des gegnerischen Gebräus breit treten. Wobei einige der Argumentationen aus heutiger Sicht in der Luft hängen.
Aber Berichte über Vergiftungen gibt es nicht nur aus dem Hannoveraner Raum. Bei Inhaltsstoffen, die potentiell toxisch sind wäre ich immer vorsichtig, selbst wenn sich die Botaniker selbst nicht einig sind. Und wie gesagt, oft ist es eher eine Frage der Dosierung. In Bamberg schenkt z. B eine Brauerei einmal im Jahr ein Stechapfelbier aus (Stechapfel = giftig vereinfacht gesagt). Das Bier selbst wird nicht mit Stechapfel gebraut, sondern die Brauerei hat das Recht ihre Fässer mit Stechapfel auszureiben.
In England gibt es im Spämi das umgekehrte Phänomen. Dort verbot der König die Einfuhr von Hopfen- und Grudebieren zu Gunsten des einheimischen Ales ohne geschmacks- und haltbarkeits Verbesserer.
(Bin mir nicht sicher, meine Thesen könnten aus “Schubert: Essen und Trinken im Mittelalter” stammen, kann ich aber gerade nicht überprüfen)
Was den Absinth anbelangt, würde ich eher die nebenbei konsumierten anderen Psychoaktiven Drogen für die fantasiesteigernde Wirkung und die Nebenwirkungen verantwortlich machen. Der Großteil der Künstler, die auf die Grüne Fee schworen konsumierten meist noch eine Vielzahl weiterer Drogen.

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Eintrag #32 vom 30. Aug. 2009 01:19 Uhr Andreas Pilz   Nachricht

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Wobei das nicht viel heißen muss. Man nehme da z.B. de Verbot des Absinths. Wie sich durch die Analyse historischer Absinthe und Nachbrau historischer Rezepte festgestellt wurde, liegt der damalige Thujongehalt weit unter dem der heutigen in der EU erhältlichen Absinthe. Anscheinend sind die “toxischen” Absinthwirkungen eher dem hohen Alkoholgehalt (bis zu 90%) und der zum Tei schlechten Alkoholqualität.
Möglicherweise wurde der Gagel ebenso “unrecht” getan.

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Eintrag #31 vom 29. Aug. 2009 18:08 Uhr Andreas (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Andreas eine Nachricht zu schreiben.

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Ich kenne mich zwar mit Gagel nicht so direkt aus, vermute aber, dass es eher eine Frage der Dosierung ist - wie so oft. Auch wenn Gagel nicht giftig oder nur schwach giftig sein sollte, war das die ursprüngliche Begründung für das Verbot im 18. Jahrhundert.
@ Martin
wo hast du das mit dem schottischen Ale denn her? Britisches (nicht nur schottisches) Ale war an sich zwar eigentlich schon eine Art “Urbier”, meist ohne haltbarkeitsverlängernde Zusätze wie Hopfen oder Gagel, aber die meisten Ales werden heute auch mit Hopfen gebraut, weswegen die dann auch wieder nicht “A” wären (für die britischen Inseln zumindest). Zudem wird auch bei den Briten außer für Wiskey eigentlich meines Wissens nach kein Rauchmalz mehr verwendet, weswegen wieder ein “A-Sternchen” abzuziehen wäre. Außerdem sind die mir bekannten Britischen Biere und Ales wieder viel zu stark (kann man aber durch Wasser abhelfen).

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Eintrag #30 vom 29. Aug. 2009 17:48 Uhr Andreas Pilz   Nachricht

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Danke für die Info, ich hatte bei meiner Schnellrecherche eben nichts entsprechendes gefunden, ausser das halt mittlerweile wohl wieder Gagelbiere gebraut werden.

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Eintrag #29 vom 29. Aug. 2009 16:03 Uhr Andreas (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Andreas eine Nachricht zu schreiben.

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Habe ich in den letzten 8 Jahren mehrfach in ernst zunehmenden ernährungshistorischen Büchern gelesen.
Auf die Schnelle konnte ich im eigenen Bücherregal nur das finden:
Behre, Karl-Ernst: Ernährung im Mittelalter. In: Herrmann, Bernd: Mensch und Umwelt im Mittelalter. S. 86 (Hier besonders: Verbot des Gagelbiers 1723 durch den Kurfürsten von Hannover. Trotz des teils sehr gerafften Überblickcharakters hat sich das Buch als sehr zuverlässig und wissenschaftlich gut fundiert erwiesen)
Landschaftsverband Rheinland [Hrsg.]: Pflanzenspuren. Archäobotanik im Rheinland: Agrarlandschaft und Nutzpflanzen im Wandel der Zeit. S.113 (Hier besonders, dass Gagel giftig sei und deshalb schon im Spätmittelalter im Rheinland verboten wurde)
Paczensky, Gert von/ Dünnebeier, Anna: Kulturgeschichte des Essens und Trinkens. S. 175 (Hier ist nur die Rede von starken Rauschzuständen und Kopfschmerzen. Das Buch ist aber eher populärwissenschaftlich ausgerichtet, auch wenn es zu den besseren der Spezies zählt.)
Wie gesagt, nur mal das, was bei mir zu dem Thema rumsteht, bei umfassender Recherche ließe sich noch mehr mit gleichem oder ähnlichem Tenor finden.

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Eintrag #28 vom 29. Aug. 2009 14:24 Uhr Andreas Pilz   Nachricht

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Interessehalber: Wo hast du das mit der toxischen Wirkung von Gagel her? ich hab nur Aussagen finden können, daß eine psychoaktive Wirkung vermutet wird, es aber keinen gesicherten Nachweis über eine toxische bzw. berauschende Wirkung gäbe.

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Eintrag #27 vom 29. Aug. 2009 12:03 Uhr Andreas (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Andreas eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Martin,
ich würde stark bezweifeln, dass das 1270-Bier “A” ist. Aus dem Mittelalter sind kaum Bierrezepte überliefert. Am ehesten dürfte ein fränkisches Rauchbier ala “Schlenkerla” Brauerei Heller, Bamberg oder Rauchbier der Brauerei Fischer, Greuth (untergärige = mittelalterliches “Winterbier”) oder “Rambo” = weißer Rauchmärzenbock Brauerei Meusel, Dreuschendorf (obergärig = mittelalterliches Sommerbier). einige andere fränkische Brauereien brauen noch oder wieder Rauchbiere allerdings mit sehr unterschiedlichen Anteilen an Rauchmalz (Spezialbräu, Bamberg verwendet weniger als Brauerei Heller).
Rauchbiere deswegen, da Siemens erst in den 1880er das Gasflämmverfahren zur Malzherstellung erfand. Vorher waren alle Biere Rauchbier, als Brennstoff wurden z.B. verwendet: verschiedene Holzarten, Holzkohle, Stein- und Braunkohle (ja, auch im Mittelalter! heute eher beim Irischen Whiskey verwendet), Torf (beim Schottischen Whiskey sehr geschätzt). Je nach Brennstoff und Anteil des Rauchmalzes verändert sich natürlich der Geschmack des Bieres (Schlenkerla dürfte am ehesten ans Mittelalter ran kommen, da da am meisten Rauchmalz drin ist).
Untergärige Biere konnten in großem Umfang erst nach Einführen des Lind-Kühlverfahrens im 19. Jahrhundert das ganze Jahr über gebraut werden, vorher waren es ausgesprochene Winterbiere. Obergäriges Bier brauch dagegen eine etwas höhere Temperatur, daher gerne im Sommer gebraut. Manche fränkische Brauereien mit “veralteter” Brautechnik machen ihre Weiß- und Weizenbiere auch heute noch oft nur im Sommer bis etwa November.
Linde und Siemens haben leider eine ganze Brautradition fast völlig aussterben lassen. Von den Norddeutschen Rot- und Schwarzbieren, die es in unüberschaubarer Fülle gab ist leider kaum was übrig geblieben. Und wenn, dann wird kein Rauchmalz mehr verwendet.
Um die passende “Stärke” zu erreichen empfehle ich Verdünnen mit Wasser.
Lammsbräu braut seit kurzem auch ein “Schankbier” mit ca. 2vol.% Alkohol, verwendet aber auch kein Rauchmalz.

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Eintrag #26 vom 29. Aug. 2009 11:33 Uhr Andreas (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Andreas eine Nachricht zu schreiben.

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In einem Teil der Grut- oder Grudebiere wurde als Hopfenersatz Gagel verwendet, der in Norddeutschland bei einigen Hausbrauern noch heut zugesetzt wird. Gagel ist leider giftig, kann Halluzinationen, Blindheit, Übelkeit und im Extremfall den Tod verursachen, weswegen er im 18. Jahrhundert in Norddeutschland durch herzöglichen Erlass verboten wurde. Anlass war eine Folge von schweren Vergiftungsfällen. Da Bier in Mittelalter und früher Neuzeit jedoch als Grundnahrungsmittel galt, wurde davon am Tag mehr getrunken als heute, d.h. wenn man es mit dem Gagelbier nicht übertreibt, kann man eventuell hin und wieder eins oder zwei trinken (hat irgendjemand Ahnung/Erfahrungen, ab welcher Dosis die beschriebenen Schäden aufterten können?). Das Bier war, mit Ausnahme von einigen Fest- und Bockbieren, jedoch sehr viel weniger alkoholreich als heute (ca. 1-2 Volumen%). Bei Herrmann, Bernd [Hrsg.]: Mensch und Umwelt im Mittelalter. Stuttgart 1986. dürfte was dazu drin stehen. Auch im allseits bekannten LexMA müßte es ein Lemma zu Bier geben und in einigen kulturgeschichtlichen Büchern wie Paczensky, Gert von/ Dünnebier, Anna: Kulturgeschichte des Essens und Trinkens. München 1994. könnte auch was stehen.
Vor dem Brauen von Gagelbier am besten jemanden fragen, der sich damit auskennt, damit es keine bösen Überraschungen gibt.
Hier noch was zum Brauen in der Neuzeit (ältere Rezepte gibt es kaum):
digital.slub-dresden.de/sammlungen/titeldaten/266164889
digital.slub-dresden.de/sammlungen/titeldaten/273676180
digital.slub-dresden.de/sammlungen/titeldaten/273288873

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