wir haben am WE anläßlich einer Ausstellungseröffnung Kleidungsstücke mit Walnußschalen gefärbt. Das kam recht häufig bei den Textilien aus Haithabu vor, wenn ich mich recht entsinne.
Für andere Farben haben wir auch noch Rezepte rumliegen. Wir können uns ja mal zum Erfahrungsaustausch treffen.
Die Henna ist ein 2 bis 6 m hoch wachsender Strauch mit weißlicher Rinde. Die kleinen, in Rispen stehenden Blüten sind weiß oder rosa gefärbt. Die 2 bis 4 cm langen Blätter sind ge-genständig angeordnet, die Kurztriebe z.T. verdornt.
Verwendet werden die getrockneten, pulverisierten Blätter, teilweise mit anderen färbenden Drogen vermischt. Man unterscheidet neutrales, rotfärbendes und schwarzes Hennapulver. Früher war für die Hennawurzel auch die Bezeichnung “Echte Alkanna” gebräuchlich, wobei die Wurzel der Alkanna tinctoria als “Falsche Alkanna” bezeichnet wurde.
hat jemand eine Anhung, von wo eigentlich Henna kommt, bzw. woraus es hergestellt wird? Man kann damit färben, aber auch “a” Kannte man das schon im MA in Europa?
Außerdem - weiß jemand, woher der Essigbaum kommt, bzw. ob er erst in der Neuzeit gezüchtet wurde, oder ob es ihn im MA auch shcon gab. Denn mit den Blättern des Essigbaumes läßt sich ebenfalls eine tanninhaltige Beize für pflanzliche Fasern (Leinen) herstellen.
Ich bin bisher (leichtsinnigerweise ?) davon ausgegangen, das es sich bei der von Traub und Spindel zu Färbezwecken angebotenen Kamille um Färberkamille handelt. Wir wollen ja keinen Tee kochen …
Wer im Mittelalter Schwarztee besessen hat, hat ihn MIT SICHERHEIT nicht zum Färben verwendet. Nur wenn man sich mal um das große A beim Färben kümmert (und darum geht es hier ja schließlich, denn sonst geht man einfach in den Supermarkt, und kauft sich die entsprechende Fertigfarbe…)
Elisabeth, Frau von Beorn, dem Schmied aus Brunswiga
Ich bin sehr an Deinen Färberezepten interessiert. Könntest Du mir diese zukommen lassen?
Bisher habe ich erst mit Schwarztee (Hautton)und Kurkuma (sonnengelb) gefärbt. Ich habe auch ein mit Schwarztee gefärbtes Teil mit Kurkuma nachgefärbt. Ergebnis: Gold.
habe heute noch ein paar andere pflanzliche Farben gefunden:
Aus dem Gewürzregal: Kurkuma (wir erinnern und an die Iglo-Werbung: “..but a little bit more Kurkuma..”) - bekommt man z.B. auf Wochenmärkten am Kräuterstand. Gibt eine gold-gelbe Farbe.
Sandelholz - gibt rosarot.
Kokosfasern (= “Borsten” der Kokosnuß) = rosa
Koschenille - gibt ein Scharlachrot. Bei uns bekommt man das in einer ausgesuchten Apotheke (Tipp einer Freundin..) Evtl. muß man ein bißchen verhandeln, sie rücken es nicht so gerne raus (giftig?). Hat nicht jede Apotheke im Angebot.
Es wird Frühling - also raus in die Natur! :))
Birkenblätter, Schafgarbe, Heidelbeer-Zweige, Birkenrinden, …. zuhause habe ich mehrere Rezepte. Wenn jemand Interesse hat, kann ich sie gerne zuschicken (oder hier posten).
Ich hab die besten Erfahrungen mit Eisenoxid als Beize gemacht. Zum einen wird die Färbung haltbarer, als z.b. mit Alaunbeize, zum anderen liebe ich intensive dunkle Farben, und ich habe mit nichts anderem so ein olivgrün hinbekommen, wie mit Rainfarn und Rost. (auch wenn überall beschrieben wird, Rainfarn färbt gelb, dies stimmt für Alaunbeize, aber durch das Eisenoxid wird es ein kräftiges oliv) Außerdem braucht mit dieser Methode das Färbegut nicht vorher gebeizt werden… ich schmeiße beim Färben einfach ein paar rostige Nägel oder ähnliches mit in den Topf.
Danke für die Info. Da bin ich tatsächlich voll auf Brasilholz = brasilianisches Holz reingefallen und hab unverantwortlich herum polemisiert. Entschuldige mich hiermit bei allen, die sich als Indianer-Reenactor angegriffen fühlen. :-)
Dabei leuchtet das natürlich ein, was Du schreibst. Argentinien heißt ja auch nicht nach dem Herrn Argentino so und die Goldküste wurde nicht nach der Entdeckerfamlilie Gold benannt, sondern nach dem, was dort als wirtschaftliches Potential vermutet wurde.
Brasilholz (ich weiss jetzt nicht genau ob das Rot- oder Blauholz ist, jedenfalls eines von beiden - lat. Caesalpinia sappan) gabs keinesfalls nur in Amerika. Das Holz heisst nicht Brasilholz weils aus Brasilien kommt, sondern Brasilien heisst so, weil es da so viel von dem Holz gab. Brasil bedeutet “von der Farbe rotgluehender Kohlen”
Urspruenglich kommt Brasilholz aus Malaysia und Indonesien, kam von da nach Indien, von dort etwa 900 v. Chr. nach China und auch nach Arabien. Die Araber exportierten es im MA nach Europa. Es gibt eine Verordung des Schottischen Parlaments aus der Regierungszeit David I (1084-1153) die sich damit beschaeftigt. Urspruenglich hiess es Sappan-Holz. Allerdings wurde das irgendwann in Brasilholz geändert, jedenfalls wurde es unter diesem Namen im 13. Jh. in die Provence importiert. (alle Infos aus: John & Margaret Cannon, Dye Plants and Dyeing, London 1994)
Meiner Meinung nach ist das Ammoniak für die indigo-Färbung verwantwortlich. Allerdings ist das nicht nur Beize, sondern Nachbehandlung. Das “Blaumachen” ist ja nun die aufwändigste Färbeart. Immerhin muss das Zeug dann noch oxidieren, bevor es auch wirklich BLAU wird!
Na, ZettBeh mit Tannin äh Gerbsäure äh eingeweichten zermatschten Galläpfeln, also säurereichen Blasen auf Eichenblättern als Reaktion auf Insekteneier. Belegt in allen Zeiten und Räumen, in denen mit Galltinte geschrieben wurde. Also FMA HMA SMA REN… bestimmt bis ins 20 Jh. Besonders für das Aufschliessen von Pflanzenfasern wichtig.
Oder Alaun. Ein Salz, das häufig natürlich vorkommt und schon in der Antike verwendet wurde. Mir fallen hier Anwendungen in der römischen Medizin ein. Oder zum Weißgerben, afaik belegt seit der Bronzezeit (Fund irgendwo S oder SO vom Mittelmeer). Wann immer weißes Leder im Spiel ist, ist wohl auch Alaun mit von der Partie. (Schwertgurt/Ritter/HMA?). Ist aber in der Literatur nicht gerade DAS Thema. Für Belege fürs
FMA bin ich immer dankbar.
Einen Versuch wert wäre bestimmt auch ein Fass voller Pi.. äh Harn/Urin, das zehn Tage im Sommer in der Sonne gestanden ist. Auch ein sehr wichtiger Grundstoff ma Produktionsweisen.
Genauso wären natürlich Experimente mit verschiedenen anderen unreinen Salzen, die im Salzbergbau anfallen, aber nicht lebensmitteltauglich sind, höchst interessant. Oder ein basischer Sud aus Buchenholzasche.
Vorsicht, manche Farben fallen je nach basischer oder saurer Behandlung ganz verschieden aus. (Bekannt ist im Chemieunterricht die Reaktion von Lacmus).
Ich bin jedenfalls überzeugt, das “(al)chemische” Stoffe eine wichtige Handelsware waren, und Färben als Beruf voller geheimer Rezepturen mehr als nur einen Topf mit heissem Wasser und eine Handvoll Blumen benötigte. Schon allein die Temperaturbestimmung! Ohne Thermometer. Nach dem Motto: nach dem Sieden des Wassers zehn Ave Maria, dann den Krapp hinzu, drei Paternoster und wieder aufs Feuer ….
Klingt alles kompliziert, aber versuch mal, Simplicoll mit Haushaltsmitteln und aus dem Garten nachzubasteln. Puh! UNSERE Chemie ist erstmal aufwendig!
Und der Wasserverbrauch. Die Umweltverschmutzung. Manchmal kommt es mir vor, als wäre der Abstand zwischen den Siedlungen entlang eines Flußlaufs gleich der Strecke, ab wann das Wasser wieder halbwegs ungiftig ist. Färben und Gerben - Fische sterben!