Ich denke, zu dem Thema wurde inzwischen alles gesagt.
Meine persönliche Erfahrung mit den Dingern: Ich wäre beinahe mal damit im Feuer gelandet weil besagtes Sitzmöbel nicht ganz so sicher stand, wie es zuerst den Anschein hatte.
Ich kopier das mal aus www.swalin.de/porta/viewtopic.php?t=32 hierher. Der Krtek empfal unter anderem folgende Bücher wobei mir nur das von Barbara Grodde bekannt ist. Es ist auf jedenfall zu empfehlen. Die meisten im Porta aufgefürten Möbel sind allerdings für frühere Epochen als Frümi :-)
Titel: Hölzernes Mobiliar im vor- und frühgeschichtlichen Mittel- und Nordeuropa / Barbara Grodde
Verfasser: Grodde, Barbara
Erschienen: Frankfurt am Main [u.a.] : Lang, 1989
Umfang: IX, 479 S. : Ill.
Schriftenreihe: Europäische Hochschulschriften : Reihe 38, Archäologie ; 26
H. Kreisel, Die Kunst des deutschen Möbels. Bd. 1. Von den Anfängen bis zum Hochbarock (München 1968).
E. Holm, Stühle. Von der Antike bis zur Moderne. Eine Stilgeschichte des Sitzmöbels (München 1978).
S. Hinz, Innenraum und Möbel. Von der Antike bis zur Gegenwart (Berlin 1976). [Nur wenig ergiebig, aber recht passabler Abbildungsteil].
Titel: Der Stuhl : ein Rundgang durch das Germanische Nationalmuseum / [Hrsg.: Germanisches Nationalmuseum Nürnberg in Zusammenarbeit mit dem Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrum der Museen in Nürnberg im Germanischen Nationalmuseum. Texte und Fotoausw.: Karin Ecker … Wiss. Koordination und Red.: Petra Krutisch]
Die dreibeinigen “Melkschemel” stammen aus dem Gräberfeld von der Fallward bei Wremen (4. - 5- Jh. n. Chr.).
Unter den dort gefundenen Möbelstücken sind u. a. auch “Schemel” mit gedrechselten Beinen, flache Holztischchen (auch kunstvoll gedrechselt), Fußschemel und ein sog. “Thron”, ein fassrunder “Klotzstuhl” mit Rückenlehne, der mit reichen Schnitzereien verziert ist. Die Bespannung der Sitzfläche ist leider nicht vorhanden.
Lit. (mit Abb. von allen Holzfunden):
Schön, Matthias: Der Thron aus der Marsch. Begleitheft des Museums Burg Bederkesa 1, Bremerhaven 1995
Abbildung von “Thron” auch im Begleitband zur Ausstellung “Menschen - Zeiten - Räume”
Ist zwar nicht “Wicki” aber warum sollten die Wikinger nicht ähnliche Möbel gehabt haben wie die Leute der Römischen Kaiserzeit in Neordeuropa?
Falls ich Abbildungen im Netz finde, liefere ich sie nach
Das gesuchte Museum mit den Hockern und anderen Sitzmöbeln der Altsachsenausstellung - Feddersen Wierde ,ist die Burg Bederkesa.Besuch lohnt sich , vielleicht zu unserem Burgfest , 7. 8. August 04.Da ist der Museumsbesuch im Burgfesteintrittspreis mit drin (insges. 5,–). Die Ausgrabungsstätte Feddersen Wierde selbst befindet sich ca. 20km westlich der Burg Bederkesa, an der Küste mitten in Wurtfriesland (“Land Wursten”) wiederum 200 Meter entfernt vom Sieverdishamm, der hoch - spätmittelalterlichen Gerichts- und Landtagsstätte der Wurtfriesen , die hier nach dem Abzug der Altsachsen, ab dem 7.,8.Jh. siedelten.Weitere Archäologische Sehenswürdigkeiten sind genau zwischen Bederkesa und Wurtfriesland auch noch die beiden Ringwallanlagen Heidenschanze (ca. bis 5oo genutzt) und “Pipinsburg” ( ca.700 gebaut und nochmal im 13. Jh. erneuert und genutzt)
Du meinst sicher das kürzlich bei Strassenbauarbeiten gefundene Grab bei Southend, etwa 65 km östlich von London.
Da ist unter anderem ein Scherenstuhl gefunden worden, genau.
Das Grab wird aufs 7. Jh. datiert und ist angelsächsischen Ursprungs. Zweifelsfrei handelt es sich hier um ein Königsgrab, was aus den Grabfunden hervorgeht.
Man ist sich noch nicht sicher ob es sich um Saebert (gestorben 616) oder Sigeberth II. handelt.
Haste richtig erkannt, das ich damit >nicht< ausdrücken wollte, das ab dem 7. Jhd. der Stuhl verschwindet.
Dann wäre ja meine Aussage bezüglich Karls Sohn Pippin auf dem Scherenstuhl etwas komisch … *lol*
@ Ameli
Ich finde der Stuhl ähnelt sehr den “typisch” alamannischen Drechselarbeiten. Wobei mir pers. die erstellte Sitzfläche nicht zusagt (reine Geschmachssache). Auch finden sich Parallelen zu dem Stuhl aus dem Knabengrab des Kölner Domes.
aus Lund gibt es nicht nur das bekannte Melkschemelchen sondern auch einen richtigen Stuhl mit Rückenlehne und vier Beinen ;-)
Ein Rekonstruktionsvorschlag, der anno Schnee auch auf der Wikinger-Waräger-Normannen-Ausstellung in Berlin gezeigt wurde, ähnelt sehr stark den Stühlen aus den griechischen Tavernen: geflochtener Sitz und steile Lehne.
72.rapidforum.com/topic=100282461038
Für Scherenstühle kenne ich mehrere Belege aus dem 13. 14. und 15. Jhd.
Mit den Jahrhunderten davor kenne ich mich nicht so großartig aus, schätze aber mal, daß man für die Zeit zwischen dem 7. und 13. auch Belege auftun könnte.
Jedenfalls denke ich nicht, daß dieser Stuhl nach dem 7. erstmal in der Versenkung verschwindet. (Ich denke auch nicht, daß du das meintest, so kann man es aber verstehen)
… hier mal ein Paar Gedankenanstöße zu Sitzmöbeln im weitesten Sinne:
- Lund-Stuhl
Das dreibeinige Höckerchen wird zwar immer wieder, Dank des berliner Wiki-Normannen-Kataloges, in das 11.Jhd. gezwänkt, jedoch kann ich mit Gewissheit sagen, daß solche Modelle schon zur RKZ verwendet wurden. Zwar nicht in Skandinavien, dafür aber in Norddeutschland/Feddersen. Muß mal genau nachsehen in welchem kl. Museum das Ding steht. Es wird auf jeden Fall zusammen mit anderen, weit aus aufwendigeren altsächsischen Möbeln in einer Dauerausstellung gezeigt.
- Scherenstuhl
Die Dinger, die einem Anglerstuhl sehr ähneln, durch ihre “X-Konstruktion” sind durchgehend von der Bronzezeit (vergl. Buxtehude/Daensen) bis ins 7.Jhd. (neuer Gräberfund in GB) belegt. Mal mehr, mal weniger aufwendig gestaltet. Mal in Eisen (mit Silbertauschierung aus Nocera Umbra, Grab 5), mal in Holz.
So sieht man z.B. Karl den Großen, bzw. seinen Sohn Pippin auf einen gedrechselten Stuhl, auf einer Miniatur in der Leges Barbaroum“, 829-832 Lupus v. Fulda.
Wer nun eine Rückenlehne bevorzugt sollte sich mal den Reisethron von König Dagobert ansehen. (Man kann ja auf die aufwendigen Schnitzereien verzichten *lol*)
- Weitere Alternativen
ergeben sich beim Betrachten des Karlschen Thrones in Aachen z.B. der sich auch recht einfach zerlegbar bauen ließe.
. Wer mehr Platz im Auto hat sollte einen Blick mal in Kölner Dommuseum wagen, oder sich die alaminnischen Holzfunde zuführen. Und wer drechseln kann, bzw. einen guten drechsler kennt kann da sehr schnell schwach werden … ;-)
Auch für die Wikifraktion gibt es reichlich Funde von ”vernünftigen“ Sitzmöbeln. Von ”Stuhl mit Lehne“ bis hin zum Kastenstuhl ist da alles vertreten.
Es gibt also keinen Grund gutes Bau- oder Feuerholz ineinander zu frickeln und sich einen afrikanischen ”Abhängschemel" zu basteln.