..breitet sich dieser Steckstuhl immer mehr aus. In Freienfels dieses jahr war es echt extrem. Was soll das nur? Mit Wikingern zusammen haben wir erörtert, daß man ohne weiteres mit dem vorhanden material eines Steckstuhles eine feine vierbeinige Bank (oder auch dreibeinigen Hocker…) herstellen kann. Zerlegbar, Platzsparend, leicht zu transportieren. Dieses “aber sie sind bequem” als Argument für die Steckstühle ist kaum mehr zu ertragen.
Hier noch mal die Zusammenfassung der Fakten:
(Text von meinem Flugblatt)
Hintergründe zum Steckstuhl, auch Wikingerstuhl genannt:
Umfragen und Recherchen haben ergeben, daß dieser Stuhl eigentlich aus Afrika stammt. Er ist keineswegs ein Möbelstück des Mittelalters.
Auf Afrikafestivals, in Afrika-Shops und in Afrika selbst kann man ihn als (regional beschränktes) landestypisches Folkloregut erstehen.
Wie kam er in die “Szene”
Der genaue Weg nach Europa und seine Verbreitung ist bislang nicht sicher festzustellen. In den 1920-ern soll er nach Deutschland gekommen sein. Fakt ist, daß er in der Indianer- und Trapper-Szene Einzug fand. Eine dieser Gruppen soll - nachdem sie ins Mittelalter “überwechselte”, diesen Stuhl mit eingebracht haben.
Durch die Verbreitung bei Wikinger-Darstellern wurde er als sogenannter “Wikingerstuhl” bekannt. Trotzdem wurde er ohne Hinterfragung auch von Hochmittelaltergruppen übernommen.
Auch wenn er noch so bequem und leicht transportierbar sein mag:
- er hat mit Mittelalter nichts zu tun
- es gibt keine schriftlichen oder bildlichen Belege
- es gibt dagegen genug Bildbelege für mittelalterliche Sitzgelegenheiten, auf denen man wesentlich angenehmer und optisch annehmbarer sitzen kann.
Selbst wenn die Wikis diese Sitzgelegenheit gehabt hätten, wozu hätten sie diese gebrauchen können?
Die 21.Jhd.-Wikis lümmeln sich heut darin herum.
Mehr kann man damit auch nicht machen, denn von einem Tisch essen ist schier unmöglich.
Auf Kaperfahrt diese Stühle mitzunehmen, hätte auch keinen Sinn, da man bei einem Angriff nicht schnell genug sich erhoben hätte.
Wenn man heute Filme über die zurückgebliebendsten Dörfer Afrikas sieht, sieht man hin und wieder auch diese Stühle. Hier macht es auch wieder Sinn, denn die haben keine Tische und futtern in der Sippe.
OK, die sache mit der stuhlherkunft (afrika) scheint ja nun als “konsens” bestimmt worden zu sein.
Der eintrag mit haitabu… ich hab da nicht komplette unterlagen, aber mir sind sie in dieser region noch nicht untergekommen.
ich denke mal- die platzsparenste variente war dann doch eher die häufige - also die kiste. Wenn die jungs auf wiking waren, haben sie sich sicher (auch zum rudern) auf ihr hab und gut gesetzt. zu hause… nun das ist schwerer. hier benötige ich keine “klappstüle” sondern kann richtige nehmen und ansonsten sieht der dreibein-hocker einfach als universal-sitz ganz gut aus, auch wenn man besoffen runterfällt (oder grade deshalb *g*)
zum thema transport - die nehmen schon viel platz weg, mehr als ne scheibe und drei stöcke auch alle fälle
“ Der dreibeinige Schemel scheint in einer möbelarmen Zeit ein gebräuchlicher Sitz für Haus und Werkstatt gewesen zu sein. Die Form hat bis in die heutige Zeit als Melkschemel überlebt.”
So wird der Schemel von Färgaren/Lund, im “Wikinger Waräger Normannen” Katalog, Seite 245, beschrieben ( Berliner Ausstellung 1992)
Ach ja aus Birkenholz soll er sein und 40cm breit, Zeit: 11 Jh.
Ich habe ihn schon oft gesehen, in der Szene, als “Replik”, praktisch und kostengünstig für jeden.
Werde mir wohl auch mal einen Satz machen, für Gäste, ich persönlich lasse mich viel lieber aufs Schild heben/setzen . ;-)
mit denen machst Du nichts falsch, denn die sind bewiesen. Natürlich waren die damals nicht zusammenklappbar, da nicht für den Transport vorgesehen, aber Du kannst das ganz einfach hinbekommen. Meiner ist, ohne Schrauben oder anderen Eisenteilen, zusammenklappbar und nimmt dadurch nicht viel Platz ein.
du weißt garnicht was für einen gefallen du mir mit dem Link zum Hocker von Lund demacht hast.
Ich bin jetzt schon seit Jahren mit solch einen Hocker auf den Märkten unterwegs (Melkschemel aus der Normandie 20 Jahre alt) und wollte ihn eigentlich abschaffen solbald ich einen A-Stuhl-Beleg finde.
Du hast mir Arbeit im Suchen und Basteln erspart. Danke
Das ist der sog. Hocker von Lund. Aehnelt uebrigens verblueffend einem Hocker, den ein deutscher Schuster im 19. Jh. besass (neulich im Museum gesehen).
Sagt mal, weiß hier irgendjemand eigentlich etwas konstruktives zu diesem Thema beizutragen? Oder seid ihr so Tavernensüchtig dass ihr IRGENDETWAS schreiben müsst, auch wenn ihr nichts wisst :o)
Wenn ich ein wenig ehrlich bin muss ich wohl dazu kommen,das ich auch unter Berücksichtigung meiner sonstigen Erkentnisse zu dem Schluss kommen muss ohne Rücksicht zu nehmen auf andersartiger Recherche umliegender Themen, ich sagen kann ,das sich dieser Sachverhalt trotz aller alternativer Meinungen in näherer Umgebung, ich auch nicht weiss woher die Gegenstände der vorliegenden Diskussion eventuell ungeachtet ihrer kulturellen Herkunft vieleicht hergeführt beziehungsweise eingeführt werden könnten oder sollten.Ich denke, das sich dieses Thema in seiner Intensität nicht so vereinfachen lässt unter den gegebenen Wissen der aktuellen Umstände.
aus alten Artikeln der Architectural Guild der SCA weiß ich, daß sie dort schon vor 15 Jahren verwendet wurden, aber auch schon damals als “non-period” angesehen wurden.
Soweit ich weiß, gibt es aber auch dort keine Hinweise auf den Ursprung dieser Stühle.
Mir ist eingefallen, diese Stühle auch als Verkaufsobjekte in Ständen rund um das Afrika-Festival Würzburg gesehen zu haben; mit eindeutig afrikanischen Schnitzereien (laut eines Afrika-Fans) und auch “nackt”.