- daß sie darum nicht die Familie ist, in der sich alle lieb haben.
- daß es den verbissenen gar nicht darum geht, Spaß zu haben. Oder wenn, dann wollen sie einen anderen Spaß.
- daß es, Spaß, Freundschaft und Platz im Lager hin oder her, Gruppen gibt, die eben wirklich ihr Konzept durchziehen und dabei keine Leute in ihrem Lager möchten, die dieses Konzept nicht mittragen, sei das jetzt aus Gründen der Darstellung, Organisation oder Philosophie.
- daß es Leute gibt, für die die zahlenden Gäste Besucher, evtl. gar Kunden sind, keine Touris.
Warum Ihr Euch über so etwas dermaßen zofft, kann ich echt nicht nachvollziehen. Ich persönlich (nennt mich opportunistisch) kann einem Discobesuch, einem Mittelatermarkt und hin und wieder auch einem Theater- Oper- oder Walzerballbesuch genausoviel Spaß abgewinnen - EBEN ALLES ZU SEINER ZEIT! Wenn ich mein MA-Hobby in meinem Freundes- oder Unikreis erwähne, ernte ich zwar meist etwas belustigtes Lächeln, aber oft auch viel Interesse, und ich hätte noch niemand gesehen, der auf den Satz: “Es mag etwas merkwürdig anmuten, aber es macht Riesenspaß und die Leute da sind einfach Klasse!” NICHT mit Zustimmung reagiert hätte.
Außerdem denke ich, daß sowohl Märkte mit alsauch ohne Touris ihren Reiz haben. Oft kann man sich ja auch nur über die Touris finanzieren, aber das soll jetzt nicht der einzige Grund sein: Mir persönlich macht es nicht immer aber manchmal Freude, Kiddies die Kettenhemden überzustreifen und Schwerter in die Hand zu drücken, oder ein paar Zuschauer bei der Schlacht am Rand zu haben.
Diesen Streit über Sub- und Semikultur kann ich am wenigsten nachvollziehen. Ist es nicht vollkommen egal, wie wir es nennen, solange es nur unsere Anforderungen an guten Zeitvertreib befriedigt??
…die Szene ist so gross, und es treiben sich da so endlos viele Gestalten rum, die so viele unterschiedlich eHerangehensweisen haben.
Ich fühle mich den wenigsten aus ‘der Szene’ irgendwie verbunden. Wahrscheinlich habe ich nur mit einigen wenigen mehr Gemeinsamkeiten, als mit Peter und Paul. Natürlich stösst man immer wieder auf Leute die ihr Hobby ähnlich betreiben wie man selber - das verbindet. Ist aber bei der Masse an selbsternannten Reenactern noch erstaunlich selten der Fall.
QChristoph, so denke ich auch. Dieses Jahr in FF kam es mir und anderen so vor, als blieben viele (nicht alle, wohlgemerkt!) Gruppen - vor allem “junge”, unter sich - und das lag keineswegs nur am Wetter. Ja,jetzt mag Hadu sagen, daß der Geist schon lange tot sei, aber statt dem alten hinterzujammern, sollte der einstige “Szene-Geist” wieder aufpoliert werden - hinsichtlich gemeinsamer guter MA-Darstellung. Kommt es mir nur so vor, oder ist das typisch deutsch, dieser Neid und die Angst, andere könnten etwas abschauen und einen übertrumpfen und man ist ja eh besser als die anderen.
Gottlob/Odin sei Dank ist dieser Trend noch nicht ganz so virusartig unterwegs. Na, wie dem auch sei, unser Lagerfeuer und unser Futtertisch hat stets Platz für andere, das wird sich auch nicht ändern.
Diese hat sich meiner Meinung nach nicht nur in einen “hobbyistischen Bereich” verlegt, sondern hat schon die Anfänge, sich nicht mehr als eine Einheit zu fühlen “da jeder ja dasselbe verrückte Hobby macht”.
Diese Einstellung scheint zu schwinden. Man fängt an, sich gegenseitig wegen lapalien anzuzeigen und andere, dazu noch gut ausgerüstete Aktive, die einen Lagerplatz suchen und bei einem Lager anfragen, welches genug Platz hat, abgewiesen werden.
Das sind nicht mehr die Anschauungen von einst, das ganze artet in Vereinsmeierei aus. Und wenn nicht aufgepaßt wird, ist die Gastfreundschaft, das freundliche Miteinander und alles andere, was die Szene aufgrund ihrer Seltenheit ausmachte,passe.
“Wenn es gerade sein muß.” wurde einem Knappen geantwortet, der an einem unterbesetzten Lagerfeuer sein armseliges Würstchen grillen wollte. Wohin geht das noch?
so wie ich das sehe hat sich die Szene in den letzten 7 Jahren recht stark gewandelt. Die ersten Märkte (v.a. KZK) waren doch sehr von der Suche eines alternativen Lebensstils und subkultureller (gegenkultureller) Werte geprägt und die Vermarktung erschien mehr als passables Mittel um den Lebensstil zu finanzieren (daher der berühmte “Gewandeten Rabatt”). Heute ist die Sache wesentlich weniger idelalistisch, weit hobbyistischer. Wobei ich zugeben muss dass ich mich dabei ertappt hab eher ins alte Schema zu passen. Das hab ich vor rund einer Woche gemerkt, als ich von einem Freund zum Sportklettern angefixt wurde und mir meine erste Ausrüstung gekauft hab: der Gedanke Nylon und Polyesterstoffe zu benutzen und grell pinke Karabinerzu kaufen war mir so fremd geworden, dass ich regelrecht erschrocken bin vor meiner eigenen zwar vielschichtigen doch eingleisigen Freizeitgestalltung “Mittelalter”.
Es könnte natürlich auch sein, daß ich recht hab, und Du es nur nicht gemerkt hast:-)
Aber ernsthaft:
Das war nur ein Ansatz zur Analyse der Popularität der MA Märkte und - Begeisterung. Ich denke nicht, das es möglich ist, jedes Einzelnen persönliche Beweggründe adequat wiederzugeben.
Naja, und von etwas geschichtlichem Interesse kann man, oder sollte man doch wenigstens bei den MA-Aktiven (verschont mich jetzt bitte mit “…aber es gibt doch so viele Kostümsäufer und Fuzzis…”) vorraussetzen, oder?
Zudem, ich denke, partiell trifft das Geschriebene auch auf das Publikum, die vielgeschmähten Touris zu, oder?
Ja, nette Ausführung, Uli. Allein, ich find mich da nicht wieder. Ich habe mich schon immer sehr für Geschichte intersssiert und benutze das Hobby nun, um das Gelesene für mich “erfassbarer”, “erlebbar” zu machen. Aus dem gleichen Grund, habe ich irgendwann mal selber Krach produziert, statt Musik immer nur zu konsumieren. Für mich ist es wichtig, mich dem Thema zu nähern, hinter die Kulissen zu schauen.
Ich habe nach Deinen Zeilen mal tief in mich reingeblickt :-), kann aber wirklich nicht feststellen, daß ich jetzt durch das Hobby, versuche etwas zu kompensieren. Denn eigentlich fühle ich mich in einer Metropole des 21. Jh. ganz wohl. Und wenn ich mal Probleme mit der Gesellschaft, Job, was auch immer habe, versuche ich ganz bestimmt nicht, daß durchs Hobby auszugleichen. Denn dann könnte ich mir das Messer gleich selber in den Bauch rammen, so viel ßrger und Rückschläge wie man da abbekommt.
Aber das ist halt meine Sicht. Andere haben wieder andere Intentionen, Hintergründe. Müßig, darüber zu diskutieren.
Also, für die Aussage, das ich mA zum Spass mache wurde ich hier schon ganz schön angegriffen, als kostümsäufer und so. Mir scheint, der Deutsche fühlt sich unseriös, wenn ihm irgendwas Spaß macht. Ernsthafte Betätigung und Spass scheinen nicht vereinbar, oder doch?
Oder sollte ich vergessen haben, den Spass zu erwähnen?
@Michele: Nee, las Photograph hat man auch keine Zeit, braucht aber auch mal ne Pause…
Das ist aber mal ein Eintrag, als Photograph hat man Zeit, was Uli? =;o)) Aber Recht hast Du. Ich bin so ne Tante, die 8 Stunden und mehr vorm Rechner sitzt, solche supported und auch sonst in einer sehr technisierten Umgebung (gerne) lebt.
Ich liebe es aber auch abzutauchen, zudem versuche diese Scheinwelt immer mehr zu verbessern und auch auszubauen. Von mindestens zwei anderen weiß ich, dass es ihnen genauso geht.
Als Subkultur kann ich uns alle nicht sehen - als mehr oder minder fanatische Hobbyisten schon eher =:o))
ich weiß nicht wie hier diskutiert werden soll. Aber was solls.
Ich denke, die meisten Personen die sich ernsthaft mit dem Mittelalter auseinandersetzen sind nicht einer Subkultur zuzurechnen. Ich habe eher die Erfahrung gemacht, dass sie mit beiden Beinen fest im Leben stehen.
Ich kann immer nur für mich persönlich sprechen und Eindrücke wiedergeben, das muss von vorneherein klargestellt werden.
Ich betreibe dieses Hobby aus Spass an der Sache selbst. D.h. ich will wissen wie lebten die Menschen zu dieser Zeit und wie kämpften sie. Deshlab sehe ich die wenigsten als weltfremde Spinner, sondern als Hobbyhistoriker/Heimatforscher die sich mit einer speziellen Zeit auseinandersetzten.
Ob verklärte Fuzzys eine Subkultur sind, kann ich nicht beurteilen. Aber ich denke eher nicht, denn eine Subkultur wird es erst wenn sie eine Gesellschaft innerhalb der unseren aufbauen und sich bewußt vom “normalen” Bürger abgrenzen.
Mit Entfremdung meinte ich nicht “Probleme im Alltagsleben”, obwohl ich Dir in diesem Punkt zustimme- Leute, die im Alltagsleben schon sonderbar sind werden das sicher auch im MA Hobby sein.
Unter Entfremdung würde ich aber eher was anderes verstehen. Nach meinem Verständnis äußert sich die Entfremdung eher im Arbeitsprozess und im Alltagsleben. Der Großteil der arbeitenden Menschen ist doch mit Sachen beschäftigt, die er/sie nich unbedingt aus ßberzeugung tut sondern nur zum notwendigen Broterwerb. Will sagen: wer bespielweise jeden Tag 8 Stunden im Büro sitzt und Daten ind den Computer Hackt oder Systeme am Laufen hält macht das eher nicht weil er sich nichts schöneres auf der Welt vorstellen kann sondern aus der Notwendigkeit des Geldverdienens.
Des weiteren ist es doch so, das der arbeitende Mensch überwiegend nur ein kleines Rädchen in einem überwiegend technisiert ablaufenden Arbeitsprozess ist, meist eher abstrakte Dinge tut und vom Sinn und Zweck des Arbeitsprozesses wenig mitbekommt, geschweige denn, das bei dem Arbeitsprozess ein greifbares Produkt rausspringt.
Diesen Mißstand gleichen die Menschen meiner Meinung nach durch nun, nennen wir es schöpferische Hobbys aus: Man sucht sich ein Refugium in dem man für sich schaffend tätig werden kann und die Kontrolle über den Schaffensprozess hat. Ob das jetzt Kunst, Kleingartenverein oder Mittelalter ist- es wird ein reduziertes, überschaubares Gegenmodell zur Alltagswelt installiert, wobei den Handelnden meiner Meinung nach durchaus bewußt ist, daß sie sich in eine Scheinwelt zurückziehen.
Ob das nun eine Subkultur ist, darüber ließe sich trefflich streiten.
Erwähnenswert wäre noch, das es noch eine Art wird, mit der Entfremdung umzugehen: ich nenne es mal provokant den Weg der Ablenkung. In diesem Fall wird nicht versucht, durch schöpferische Tätigkeit das durch Alltag, Informationsüberfluß und Arbeit entstandene Vakuum zu füllen, sondern das Gefühl der Leere wird durch Konsum betäubt. Dabei kann Konsum alles sein, von Shopping über Drogen, Unterhaltung, Computerspiele etc. Wie sich mehrfach gezeigt hat, werden die reinen Konsumenten entweder sehr merkwürdige Leute oder ticken irgendwann aus. Okay, manche merken vielleicht auch irgendwann, daß das nicht die Lösung ist.
Noch ein Grund für Entfremdung wäre noch der Informationsüberfluß des Kommunikationszeitalters- Prinzipiell stehen jedem von uns unglaublich viele Informationen zur Verfügung, nur, wir können sie nicht mehr alle verarbeiten und nutzbringend anwenden. Daraus folgt zwangsläufig eine starke Spezialisierung, sowohl im Privat- als auch im Arbeitsleben, was wiederum dazu führt, das Schwierigkeiten im Allgemeinen nicht mehr selbst behoben werden können sondern der Einzelne abhängig vom Spezialisten ist.
Auch die eher diffusen Bedrohungen, der der Mensch im 21. Jh. ausgesetzt ist tragen nicht dazu bei, seine Situation zu erleichtern. Durch medizinische Versorgung Demokratie mit einigermaßen stabilen politischen Verhältnissen und noch vorhandenes soziales Netz haben die Bedrohung, der sich der mittelalterliche Mensch ausgesetzt sah weitgehend beseitigt. Stattdessen hat der Homo sapiens sapiens des 21. Jh,. mit anderen abstrakten und diffusen Bedrohungen zu kämpfen: schleichende Umweltzerstörung mit Auswirkungen auf seinen Lebensraum, Gift in Nahrung, Bedrohung durch wirtschaftliche EReignisse oder Terror… alles wenig begreifbare Bedrohungen. Im Gegensatz zum Mittelalter scheidet der Glaube als Ratgeber und Wegweiser weitgehend aus, so daß der Mensch im 21. Jh. auf hohem Standart eher orientierungslos daherdümpelt, da ihm weder Politik noch Kirche leitung ind Sicherheit geben können.
Insofern- Bernd hat das schon ausgeführt- sind wir keine Subkultur, die MA Szene ist wohl eher ein Versuch ein überschaubares Refugium das sich innerhalb definierter und belegbarer Grenzen befindet im persönlichen Leben zu etablieren. Als Ganzes gesehen ist das ja nicht schlecht, denn gerade so ist es dem Aktive möglich, den Geist abzulenken, frei zu machen und sich erholt, mit dem Wissen, das es noch viel mehr als den Alltag gibt in selbigen zu stürzen. Das bei der Beschäftigung in der MA Szene sowohl geistige als auch handwerkliche Fähigkeiten (Recherche, Problemlösungen, Improvisation, altes Handwerk) trainiert werden und auch soziale Kontakte geknüpft werden ist doch eigentlich positiv zu nennen. Auch die ritualisierte Gewaltdarstellung in Schlacht- und Schaukampf trägt zur zumindest kurzfristigen Flucht aus dem Alltag bei.
Tja, Uli, ich glaube fest daran, daß die sog. MA-Szene so vieler ihrer bekannten Probleme nur deswegen hat, weil so viele Leute von mir aus auch wegen “Entfremdung in Beruf und Gesellschaft” ihr Heil in der MA Szene suchen? Meine Erfahrungen gehen dahin, daß Leute, die mit dem Alltagsleben Probleme haben, sich auch in ihrem Hobby sehr merkwürdig aufführen. Und diese Leute sehen sich oft wirklich als eine Art Sub-Kultur, wobei ich in diesem Zusammenhang nicht wirklich sagen kann, ob das zu begrüßen ist.
Wäre es Möglich, das viele Aktive gerade wegen Entfremdung in Beruf und Gesellschaft sich die MA Szene als Refugium suchen?
Im MA hat man mit wesentlich realeren Problemen zu tun, und in einem Haufen Gleichgesinnter fühlt man sich meist wesentlich wohler als in der real existierenden Gesellschaft…
Es bringt wenig, sich gegenseitig mit subkulturellen, semikulturellen oder irgendwelchen anderen absonderlichkeiten zu übertrumpfen, aber jetzt mal ehrlich: wir sind vielleicht keine Aliens vom sirius, aber wenn ich in der Uni erkläre, was ich oft genug am wochenende so tue, komme ich mir bisweilen so vor. Deshalb bin ich weder lebensflüchtig, berklemmt oder sozial verkrüppelt. Dennoch sind wir irgendwo ein eigenes Völkchen und ich fühle mich selten so wohl wie unter anderen MA-lern.Wir grenzen und vielleicht nicht bewußt ab , kleben Flyer auf öffentliche Klos oder sprayen keltische motive auf Güterzüge auf dem abstellgleis, aber ganz gesellschaftskonform ticken wir ja auch nicht. Individualisten, die in kein Rasta passen, gints nun nicht wenige, dashalb sind wir kein illustrer Kreis von Erleuchteten, aber wir haben den Weg, eine gewisse Entfremdung in unserer Gesellschaft zu vermeiden, für unds gefunden. Können wir uns darauf vieleicht so weit einigen ?
Lovis
Liebe Grüße an Trumscheyd, Sabina, laetas conviva, Jan und Elke von den Stormbringern, Logos chrysti,Strackdür 8Hallo, wolfi ! tut mir leid, das ich nicht '