Das war in Essen ausgestellt und ich habe es mir genau angeguckt. Ich bin der Meinung, daß die Kapuze auch einfach viereckig geschnitten ist und daß der Eindruck eines Zipfels dadurch zustande kommt, daß die Kapuze recht tief ist und der Stoff am Hals durch das Band der Tasche zusammengezogen wird.
Thorsten hat an seinem einfachen Umhang auch eine viereckige Kapuze dran, die liefert einen ähnlichen Eindruck.
also so richtige Zipfel sind mir bei Gugelabbildungen/ -darstellungen im 13. Jhd. noch nicht aufgefallen. Das geht wohl so nach 1300 allmählich los.
Interessant ist, daß es eine engl. Buchillustration um 1200 gibt, auf der ein Kleidungsstück mit Schlüpfärmeln und angesetzter Kapuze zu sehen ist. Dabei weißt die Kapuze einen für die Zeit ungewöhnlich langen Zipfel auf.
Aber, wenn ich 1280 darstellen würde, würde ich mir keine Zipfelgugel machen. Die Belegsituation ist einfach zu schwach.
Warum nicht einfach etwas nehmen, was in der angestrebten Zeit sicher nachzuweisen ist?
Im engl. “Canterbury calendar” (1280) bspw., sind zeitgemäße Gugeln wunderschön detailliert zu sehen.
Darf man an einen solch “alten” Thread noch was anfügen? ;-)
Ich würde mich zur Zeit brennend für eine Antwort auf die Frage meines Vorredners interessieren. Ein Freund von mir hätte gerne eine Gugel mit “Zipfel” aber ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mich in Sachen “Zipfeln” (an Gugeln) nur mäßig (bis garnicht) auskenne. Ich selbst trage die Marke “einfach” nach Vorlagen aus der KFB (ohne Kragen, ohne Zipfel). Der Gute hätte aber gerne ein solches Zipfelteil (1280, niederer Adel) und ich (der nähende Teil) habe keine Ahnung, wo ich den Beleg hernehmen soll (Männerklamotten sind nicht so mein Ding). Erste Versuche in KFB und Manesse blieben erfolglos. Kann mir jemand von euch weiterhelfen?!
Büüüüüüüüüüüüüüüüütte!
Mein mannigfacher Dank soll sich an eure Fersen heften!
Moin Thorsten Wie lang kann man die Liripipe etwa zum Ende des 13.Jh , Anfang des 14.Jh. ansetzen ? 30-40 cm , ist das ein reeller Wert ? Die Bockstengugel hatte eine Liripipe mit einer Länge von 90cm . Oder ist davon auszugehen , dass die Gugeln des ausgehenden 13.Jh. überhaupt keine oder nur angedeutete Liripipes hatten ? bis dann Alex
Moin Alexander, Liripipes wie im Bockstenfund gehören noch zu den frühen und kürzeren Formen. Der Fund wird auf etwa 1330 - 1350 datiert. Die Hjerlofsnes-Funde werden auf Mitte 14. - Anfang 15. Jhdt. datiert, wobei beachtet werden sollte, daß Grönland naturgemäß modisch etwas hinter Resteuropa zurückliegen mußte. Vom Bildquellenmaterial (Luttrel-Psalter, Romance d´Alexandre et al.) kann man davon ausgehen, daß die modische Verlängerung des Zipfels so gegen 1330 angefangen hat. Am Anfang noch etwa hüftlang, bis später zu den langen Formen, die sich dann z.B. in die Sendelgaube entwickelt haben. Bis denn Thorsten
Moin Hoffentlich interessiert sich hier noch jemand für - gibt es eine genaue zeitliche Begrenzung was das Auftauchen der verlängerten Liripipe (Zipfel) an der Gugel angeht ? Ich hab mich auf einer recht guten Seite hierzu versucht zu informieren , aber leider werden keine genaueren Angaben gemacht . Es handelt sich um die Herjolfsnes und Bocksten - Funde . Die Herjolfsnes-Typen sollen ja aus dem 14.und 15.Jh stammen , leider lässt sich aber niemand über die Datierung des Bocksten-Fundes aus . Alle diese Gugel-Typen der Nockert-Kategorisierung weisen lange Liripipes auf , aber wie sind sie letztendlich zeitlich genau einzuordnen ? Woher stammt die Erkenntnis , dass die lange Liripipe erst im 14.Jh. aufkam und ab welchem Zeitpunkt trat sie auf , oder war die Verlängerung ein kontinuierlicher , belegbarer Prozess ??? Um Info bittend Alex Würkner
Moin Tim, ich habe noch mal kurz meine Quellen gecheckt und habe für die Gugel im 13. Jhdt. nach oberflächliche Suchen ein paar Sachen gefunden: Zuerst die Sekundärquellen: Osprey Band “French Medieval Armies 1000-1300”, David Nicolle & Angus McBride Hier ist die Gugel in allen Zeitaltern vertreten incl. einer Abb. um 1215 und einer des späten 13. Jhdts. Man muß bei den Osprey-Bänden zwar immer etwas aufpassen, doch Gevatter Nicolle ist eigentlich recht verläßlich. Weiterhin Lehnhardts “Kleidung und Waffen der Früh- und Hochgotik”. Hier fehlen zwar die Quellenhinweise, doch sagt Lehnhardt, daß es die Gugel seit dem gallo-römischen Cucullus - mit Schnittabweichungen - durch´s ganze HMA gab. Ich halte seine Darstellungen im allgemeinen auch für zuverlässig. Hier noch die Primärquellen, die ich zur Hand habe: “Les Enfances Roland”, Venedig um 1200, Bibl. Marciana cod gall XIII Hier wird der junge Roland an die Tafel Karls d. Gr. geladen. Dabei stehen einige Figuren, die Gugeln tragen, einer sogar mit der später beliebten Trageweise mit der Gesichtsöffnung auf dem Kopf. Die Gugeln haben einen kurzen Zipfel. Das schon erwähnte Relief an der Kathedrale in Chartres. Ich habe mich jedoch vertan - ich habe zulange mit den Figuren, die um 1160 angebracht wurden verbracht ;-). Das Relief befindet sich am Nordportal der Kathedrale und zeigt Hirten auf dem Feld. Einer der Hirten trägt eine einfache Gugel ohne sichtbaren Zipfel. Das Relief wird - entgegen meiner vorherigen Darstellung - auf ca. 1250 datiert. Dann habe ich noch eine Abb. aus “Somme le roi”, einem französischen Traktat aus der 2. Hälfte des 13. Jhdts. Eine allegorische Figur, die die Habgier darstellt, trägt eine Gugel mit Zipfel (Länge durch Perspektive nicht bestimmbar). An der Gesichtsöffnung und am Schulterrand der Gugel sind Verzierungen angebracht. Ich hoffe, ich konnte Dir helfen. Bis dann Thorsten
Hallo Tim! Habe erst kürzlich im Osprey-Buch “Knights of Outremer” eine Abbildung einer Gugel aus dem XIII. Jahrhundert gesehen. Der Zipfel ist noch nicht so stark ausgeprägt wie spätere Modelle, jedoch im Ansatz vorhanden.
Sorry, vergessen: Es gibt ein angeblich (ich habe es selbst noch nicht gesehen) sehr gutes Buch über dieses Thema: Jakob von Falke Zur Kostümgeschichte des Mittelalters 1. Die männliche Kopftracht 2. Die weibliche Kopftracht Sonderdruck, Wien 1861 Das Buch ist in fast allen LaBi´s vorhanden oder kann von ihnen besorgt werden. Dietrich
Hallo, ich hab nochmal nachgefragt und nachgeforscht: Ich finde keine Belege der Gugel aus dem 13. Jahdt. Spätantike, Keltenzeit und Frühmittelalter ist alles kein Problem… aber 13. Jahdt? 14. auch kein Problem, aber nicht 13. Jahdt… Falls jemand einen Beleg hat, wäre ich sehr daran interessiert. MfG Tim
Moin Leute. Meine angedrohten Recherchen haben Folgendes ergeben: Die einfachste bekannte Kopfbedeckung dieser Zeit war eine halbkugelige Mütze aus Filz, die sogenannte Kalotte; aus ihr entwickelte sich, ohne daß sie deshalb verschwand, eine Vorform des späteren “Fürstenhutes”: eine barettartige, leicht gebauschte Mütze, häufig mit Knopf in der Mitte des Mützendeckels und Kreuzbügeln (etwa wie beim Spangenhelm). Die angesetzte Krempe bestand oft aus Pelz. Die erwähnte phrygische Mütze ist tatsächlich bis ins 13. Jhd. nachzuweisen, allerdings hauptsächlich als Kopfbedeckung für Bauern und Reisende in Südeuropa. Die ebenfalls bereits erwähnte Bundhaube aus Leder oder Leinen (Coiffe) wurde nur vom Volk “pur”, von höheren Rängen wie Atelichen meistens in Verbindung mit Hut oder Mütze getragen. Die Hüte waren meistens mit hohem, spitzem oder kegelförmigem Körper und an den Seiten und hinten hochgeschlagener Krempe (Robin-Hood-Typ), oft mit Federn oder Fuchsschwänzen verziert und unterm Kinn mit zwei Schnüren gebunden. Mehrere Quellen beschreiben einen hohen, spitzen Hut, der über und über mit Pfauenaugen, also den Endstücken von Pfauen- Schwanzfedern, besetzt war. Dieser Hut hieß, wer hätte das gedacht, der “Pfauenhut”. Bei gutem Wetter trug man, ungeachtet der gesellschaftlichen Stellung, gern breitkrempige Strohhüte. Und junge Leute, auch Männer, flochten sich gern bunte Bänder ins Haar oder trugen Stirnreifen aus Stoff. Aber bei Adeligen sieht meiner persönlichen, unmaßgeblichen Meinung nach eine schlichte Axt im Scheitel immer noch am Besten aus. Dietrich
Thorsten hat recht mit dem Gugel, auch die Wikinger haben sowas schon getragen, freilich nicht mit einem langen Zipfel, der wurde erst im 14. Jh. modern. Ich habe mir vorerst mal eine phrygische Mütze angefertigt, die haben die Wikinger m.W. von den Angelsachsen übernommen. Olm
Im “English Longbowman” sind Abbildungen von Hüten, wie sie im frühen 14.Jhdt getragen wurden (in England). In wie weit diese Hüte ins Deutschland des 13. Jhdts passen, möchte ich mir nicht anmaße zu beurteilen. Ich habe mir jedenfalls von einem Hutmacher in meiner Gegend einen Hut nach diesen Abbildungen anfertigen lassen, was 1 Woche gedauert und ca. 80,- gekostet hat. Das Teil trägt sich ausgezeichnet, sieht gut aus, stört nicht beim Bogenschiessen und ist a. Bei Interesse mailt mir und ich kann Kopien oder Zeichnungen schicken. INDY
Moin Tim ich habe Belege schon aus dem 9. Jhdt. (als Cuculla, daher entwickelte sich dann auch das gleichnamige liturgische Gewand). Aus dem 12. Jhdt. habe ich hier Hirtenbilder an der Kathedrale von Chartres. Sie war wohl damals eher ein Kleidungsstück der einfachen Leute, die viel draußen waren und freie Hände zum Arbeiten brauchten. Aber Du hast recht, im 14. Jhdt. kam sie erst in Mode. Noch´n kurzer Nachtrag, die Deppenkappe heißt Bundhaube - ich hatte den Namen vergessen. ußerdem gab´s natürlich Filzkegelhüte, die auch teilweise vorne spitz und hinten hoch waren (ähnlich den Robin-Hood-Hüten). Bis dann Thorsten
Zu Thorsten: Meines wissens nach, kam die Gugel erst im 14. Jahrhundert… und ist somit nicht “A”…oder? Berichtigt mich, aber ich kenne auch keinen einzigen Beleg aus dem 13ten. MfG Tim
Moin allerseits, die simpelste Kopfbedeckung wäre die Kappe (Coif im englischen, umgamgssprachlich Babykäppchen oder Deppenkappe), die wirklich von so ziemlich jedem zu jeder Tages- und Nachtzeit und teilweise auch noch unter dem Hut getragen wurde (in der Kirche durfte man sie - soweit ich weiß - aufbehalten). Das Ding ist einfach zu nähen, gab es in verschiedenen Variationen (fast ausschließlich weiß) und rundet meiner Meinung nach ein 13. Jhdt. Kostüm richtig gut ab. Außerdem ist sie der perfekte Schutz für mein fehlendes Haupthaar, sprich meine Pläte :-) Weterhin gab es natürlich die Gugel - nur noch nicht mit so langem Zipfel. Das Schapel - ein Stirnreif o. gelegentlich ein Kranz von Blumen - wird zumindest bei der Darstellung von ritterlichen Figuren gezeigt. Weiterhin gab es einfache runde Kappen und konische Hüte (wohl aus Wollfilz oder Wolle). Die Müze - ziemlich oft in der Großen Heidelberger Liederhandschrift gezeigt - war ein Zeichen für den Ritterstand und durfte nur von ihm getragen werden. Ich habe bisher noch keinen wirklich befriedigenden Rekonstruktionsversuch von ihr gesehen (meine eigenen Versuche eingeschlossen). Wenn jemand da eine Rekonstruktion kennt - möglichst mit Quellenmaterial o.ä., der möge mir gerne bescheid geben. Strohhüte waren allgemein als Sonnenschutz verbreitet (von Männern und Frauen in allen Gesellschaftsschichten getragen). Es gab auch noch - jedenfalls in Italien - die phrygische Kappe, wie sie schon seit Urzeiten bekannt ist (z.B. Angelsachsen & Wikis ha´m se auch noch getragen). Mehr fällt mir auf die Schnelle nicht mehr ein. Wenn ich nicht mehr so betrunken bin, kann ich ja nochmal in meinen Untrelagen stöbern. Bis dann Thorsten (der von ´ner Weihnachtsfeier kommt)
Moin alllerseits, mich gerade kostenlos ins Wenb “Gemogelt”. Auch dringend an den Sachen interessiert, die Du, Dietrich und alle anderen finden - Falls die ANtwort nicht hier erfolgt, bitte evtuelle Mails auch an mich forwarden! Danke Ger