Hoffentlich. das Geflecht habe ich leider nach dem Essigbad nur etwas trocken gerieben, und dann auf dem Handschuh befestigt, daher ist es jetzt gleich gerostet.
Wurde im Mittelalter eigentlich brünirt, oder wurde die Ringe bloß aufgeglüht/gebläut, damit sie rostbeständiger sind?
essig ist gut essigessenz ist besser. aber der knaller ist ca 50-60 % ige essigsäure.
ich habe ein verzinktes vernietetes kettenhemd erworben . als es ankam glich es einer coladose . nach knapp 1 1/2 stundenwar nicht eine spur von zink zu sehen.
danke für eure tips bezüglich des essig.
die sache mit den eisennägeln beschleuningt die anfängliche reaktion ungemein.
Erst mal Merci für den Haufen Infos und Tips die ich hier herausschöpfen konnte und ihr mir damit einiges an Lehrgeld erspart habt.
Nun ist mein erstes selbstgewurmtes und gestricktes Kettenhemd so gut wie fertig und ich will auch mit meinen Erfahrungen (und Tips) nicht hinter dem Berg bleiben.
Daß ich meine Ringe selber Wurmen werde war mir klar nachdem ich errechnet habe wie teuer ein Hemd mit gekauften Ringen wird.
So stellte ich einige Versuch mit verschiedenem Materialien und Durchmessern an .
Nach meinen Erkenntnissen und empirischen Beurteilungen ist Galvanisch verzinkter 1,8mm Weidezaundraht auf 8mm Innendurchmesser gewickelt
das beste Material/Verhältniss.
Preis / 5Kg (ca. 250m): ca. 10 Euro
Gewicht / 1000Stk ca. 610g = ca.8000Stk / 5Kg u. 250 m
Endgewicht bei ca. 24000Stk ca. 14.6 Kg
Preis (ohne Essig ) ca. 30 Euro
Meine Wahl auf Weidezaundraht war aber in erster Linie wegen seiner Annähernd Federstahlähnlichen Eigenschaften gefallen.
Eine aus diesem Material gewickelte Feder mit 25 cm Länge lässt sich ohne Materialüberdehnung zu einem Ring biegen die wieder völlig gerade zurückfedert .
Geglühter unverzinkter Eisendraht gleicher Stärke verbiegt sich dabei aber hoffnungslos und federt kaum .
Preis Leistungsverhältniss ……………………unschlagbar!!!
Trotz des Makels der Zinkschicht war diese Eigenschaft also so überragend daß ich hier gerne zu einem “vorläufigen” Kompromiss bereit war.
Aber,……………………….ich wollte ein dunkles oder sogar leicht rostiges “Eisenhemd”!!!
Das Entzinken :
Ich stellte weitere Versuche an wie ich die stark glänzende Oberfläche dunkeln oder sogar entzinken könnte ohne diese erstklassige Festigkeit zu beeinträchtigen.
Nach dem ich eine Feder durch Glühen mit anschließendem Abschrecken makelloß entzinkt hatte war sie Erwartungsgemäß genauso weich wie der Bindedraht.
Dann versuchte ich es mit verschiedenen Säurehaltigen Flüssigkeiten wie Milch,Zitronensaft und Essig.
Mit letzterem erziehlte ich zunächst die schnellsten und besten Ergebnisse mit einer fast schwarzen Abriebsfesten Patina
welche sich schon nach wenigen Stunden bildete.
Als ich aber den PH Wert mit 25%er Essigessenz erhöhte war die ßberraschung und Freude groß,
denn die Zinkschicht verabschiedet sich in einer heftigen Reaktion und in kürzester Zeit.
Ich erinnerte mich wieder an die sog.elektrochemische Oxydation welche sich zwischen edlen und unedlen Metallen abspielt.
Wird ein Zinküberzug auf Stahl verletzt und tritt Feuchtigkeit ( oder Säure) hinzu, so ist das Zink dem Grundmetall gegenüber negativ.
Der Zinküberzug wird zerfressen, während die Zerstörung des Grundmetalls sogar verzögert wird.
Es benötigt also verletzte Zinkfreie Stellen um diese Reaktion zu erzielen.
Dieser Vorgang kann auf einer intakten Zinkschicht aber auch durch Eisenhaltige Gegenstände angeregt werden.
Sobald eine Stelle völlig Zinkfrei ist kann sich der Draht dann selbst entzinken.
Einen weiteren Teil des Kettenhemdes hatte ich deshalb mit Eisennägel gespickt und so eine gleichmäßigere und kontrolliertere Oxydation des Ziks erziehlt.
Nach einiger Zeit ist es besser die Nägel wieder zu entfernen weil dann die ganze Reaktion nur zwischen Draht und Zinkschicht geschieht und es so schneller geht.
Während dieses Vorgangs neutralisiert die Säure aber und verliehrt an PH Wert.
Sollten sich wenn die Reaktion abgeklungen ist immer noch Zinkflecken auf dem Kettenhemd befinden, muß durch Hinzugabe von neuer Essigessenz der Säuregehalt wieder soweit angehoben werden daß wieder sichtbar eine Reaktion entsteht.
Auf 3,0 Ltr 5% Essig gab ich zweimal 0,4 Ltr 25 % Essigessenz .
Nun arbeite ich gerade an dem Rest meines Hemdes (vom Nabel abwärts) und es ist eine Saubere Sache
beim Wurmen und Flechten keine rostigen Draht zu verarbeiten, das fertige Hemd aber in einem leichten rötlichen schimmer zu haben.
P.S.Es gibt bei Weidezaundraht erhebliche Qualitätsunterschiede in Hinblick auf Elastizität und Entzinkte Optik.
Ich habe den besten Draht bei WLZ bekommen.
Im Zweifel helfen aber nur eigene Versuche und Vergleichstests.
vor ein paar Tagen erreichte mich eine Mail, wie mein Experiment nach inzwischen zwei Jahren ausgegangen ist - und ob ich das mal hier posten könnte …
Im März 2002 hatte ich hier bei TV nachgefragt, ob jemand Erfahrungen beim Schwärzen, Brünieren oder sonstigen Verfahren zum künstlichen Altern von verzinkten Eisenringen gemacht hat. - JA, Zink ! -
Ich hatte kurz zuvor ein Kettenhemd ( oder Ringelpanzer ;o) aus verzinkten Ringen käuflich erworben.
Es sah auf dem Shop-Foto ganz annehmbar und recht dunkel aus - und ich war angenehm überrascht, da ich schon verzinkte Hemden gesehen hatte, deren Träger aber eher nach Lametta-Ständern als nach mittelalterlichen Soldaten aussahen.
Als die Lieferung dann bei mir ankam war ich erneut überrascht - darin sah auch ich aus wie ein Lametta-Ständer …
Ich habe danach zu recherchieren begonnen was bei verzinkten Eisenteilen machbar wäre. Eine Galvanisierfirma hätte das Zink-Hemd Schwarzchromatieren können - wenn vorher das alte Zink runter und sofort nach einem Neuverzinken die Chromatierung gemacht worden wäre - unter der Voraussetzung, die elektrische Leitfähigkeit unter den Ringen bliebe während des ganzen Prozesses stabil …
Also doch lieber nicht …
Irgendwann erinnerte ich mich daran, daß ich vom Leiterplattenätzen noch etwas Eisen-III-Chlorid im Keller hatte und startete ein kleines Experiment:
Ich habe eine Reihe Ringe vom Hemdsärmel zu einem kleineren Geflecht zusammengesetzt und in einem stark verdünnten Wasserbad damit eine Probe erstellt. Nach kurzer Zeit verfärbten sich die verzinkten Ringe schwarzbraun - als wären sie brüniert worden. Später habe ich es dann mit dem ganzen Kettenhemd und der Haube gemacht.
Ein Chemiker erklärte mir dazu folgendes:
Man kann Zink nicht elektrolytisch mit Eisen überziehen, da die Elektronegativitätswerte beider Metalle dazu genau umgekehrt sein müßten. Ich kann also Eisen Verzinken aber Zink nicht “Vereisen” ;o) .
Bei dem Ergebnis meines Tests sollte sich um keine eine feste Verbindung handeln. Gemerkt habe ich das daran, daß ich lange Zeit beim Anfassen der inzwischen trockenen Kettensachen schwarze Hände bekam. Dabei kann auch der lange Gebrauch der Eisen-III-Clorid - Lösung zum Leiterplattenätzen eine Schicht Kupferchlorid abgesetzt haben die ebenfalls schwarz-grün aussieht - so genau kann ich das leider nicht nachvollziehen.
Seit ca. zwei Jahren trage ich nun ständig diese Testringe als Schlüsselkette mit mir herum. Ich habe mal Fotos davon im Vergleich mit ein paar originalen Ringen und vom Kettenhemd gemacht.
Die schwarze Schicht ist an vielen Stellen inzwischen fast ab - aber die Ringe glänzen nicht mehr wie ein neuer Zinkeimer sondern haben auch nach langem Gebrauch einen dunklen “Eisenglanz” behalten. Selbst Handschweiss scheint nicht zu schaden und Rost ist auch keiner dran.
Fazit: Ich denke, es hat funktioniert - man sollte aber längere Zeit nur dunkle Klamotten drunter tragen, bis der nicht-feste Anteil abgerieben ist. Deo’s braucht man in dieser Zeit übrigens auch nicht, man riecht irgendwie immer nach “Metall”.
Das “billige” verzinkte Kettenhemd sieht jetzt jedenfalls wesentlich originalgetreuer aus als vorher.
NOCH ETWAS: Eisen-III-Clorid und Kupferchlorid sind GIFTIGE und ßTZENDE Substanzen. Beim “Färben” also unbedingt dicke Gummi-Handschuhe und eine Kunststoffschüssel verwenden, die danach fachmännisch entsorgt werden sollten !!! Eisen-III-Clorid zerfrißt Kleidung und hinterläßt auf der Haut braune Flecken, die nur schwer zu entfernen sind und nicht nach Solarium aussehen !!! Nur stark verdünnte Lösungen verwenden - das dauert zwar etwas länger, ist aber kontrollierbarer. Danach gut ausspühlen und eine Weile im Wasserbad liegen lassen.
Ich kann keine Garantie für das Gelingen geben und nur vor gesundheitlichen Schäden warnen, wenn es unsachgemäß gemacht wird. Wer es versucht, sollte im Umgang mit solchen Chemikalien geübt sein. Ob es bei Nirosta-Stahl auch funktioniert weis ich nicht.
Bezüglich des Materials in der frühen Eisenzeit kann man im Moment eigentlich nur spekulieren, entsprechende Untersuchungen laufen noch (z.B. hier an der Uni Tübingen).
Es ist für mich aber sehr wahrscheinlich, das bereits sehr früh die Materialqualität gesteuert und die Härte beeinflußt werden konnte. Warum? Weil sich vieles schlicht durch die Art der Herstellung und Verarbeitung von selbst ergibt…
Gesicherte Ergebnisse über sehr gute Materialqualität liegen bereits für das frühe Mittelalter vor, also keinesfalls erst ab dem 12. Jhdt. Es ist aber richtig, das es ab etwa dieser zeit zu einer enormen Steigerung der Produktivität kam.
Leif Hansen berichtet in seinem “Panzerung der Kelten” von drei Kettenpanzerfunden, deren Ringe nur gebogen waren. Er belegt dies auch mit Photos und Fundzeichnungen.
Ich frage nun, ob der Stahl schon hart genug war, das Geflecht zusammenzuhalten und auch den Schutz zu gewährleisten.
Ich dachte nämlich besserer Stahl kam erst mit den wassergetriebenen Eisenhämmern im 12.Jhd auf.
Kann ja sein, dass es sich bei den Funden nur um Prunkwaffen handelt.
Ich weiß, dass für römische Kettenhemden geschlossene Ringe (gestanzte) belegt sein sollen. Gibt es Belege für hochmittelalterliche europäische Kettenhemden mit 50 % gestanzten oder ev. verschmiedeten Ringen?
Ich dachte da mehr an selber herstellen. Aber bei der Anleitung sieht man ja recht gut wie sowas gemacht wird.
Fehlt mir nur noch die richtige Loch,-und Nietzange. Den Stempel um die Ringe platt zu machen müßt ich mir auch noch besorgen. Kann man das entsprechende Werkzeug kaufen ?
Material für die Ringe hab ich genug ( 25 Kg Stahldraht d=1.5 mm ). Hat mich gerade mal 9,60 - gekostet.
Ich bin nicht auf der Welt um so zu sein, wie andere mich gerne hätten
… ist zwar schön und gut, aber stellt meiner meinung doch eine ziemliche herrausforderung dar.
Aber um trotzdem alles “a” zu machen werd ich wohl kaum drum rum kommen es doch mal zu versuchen.
Aber wie kann ich denn nun genau meine ringe vernieten ?
Ich hab schon versucht sie zu an den schnittkanten zu überlappen und dann plätten, aber die rutschen immer wieder auseinander sodass die überlappung ca. 4mm nicht übereinander, sonder nebeneinader liegen, ähnlich wie ein Schlüsselring. Wie kann ich es schaffen meine Ringe ( 1.5 mm Stahldraht innen d= 8mm) zu vernieten ?
Vernietet man am besten wenn das Kettenhemnd kompett ferig ist oder sobald man ein Stück geflechtet hat ?
Waren wirklich alle Kettenhemden im MA (1150-1250) vernietet oder waren die mehrzahl der Hemden doch mit offenen Ringen gefertigt worden, was ja wohl auch um einiges billiger damals war und sich ein nicht ganz so reicher Ritter leisten konnte.
So dann hoff ich mal dass den Eintrag jemand liest :-)
Ich bin nicht auf der Welt um so zu sein, wie andere mich gerne hätten
ßh, Daniel, möchtest Du ein Kettenhemd nach historischen Vorlagen bauen oder eins für Larp etc.?
Kettenhemden waren grundsätzlich aus Stahl bzw. Eisen (der Stahl war eher kohlenstoffreicheres Eisen) und vernietet, d.h. jeder Ring wurde mit einer kleinen Niete verschlossen.
Kupfer eignet sich außerdem aufgrund der fehlenden Härte auch überhaupt nicht als Kettenhemdmaterial.
Ansonsten schau’ einfach ‘mal in den Thread “Kettenringe”.