Ich selbst kann meine Frisur nicht so stark dem Hobby anpassen, auch wenn ich es versucht habe. Ich wähle deshalb oft einen Schnitt der beim Betrachter einen mittelalterlichen Eindruck erweckt, wenn er auch nicht in meine Zeit (1220-30) passt.
Hinten und an den Seiten kurz, das läßt sich modern tragen und mit Wasser und Kamm so richten, daß es ähnlich den französischen Schnitten der “Jean D Arc Zeit” wirkt.
Meist kommt dies aber nicht zum tragen, da ich praktisch fast immer eine Bundhaube trage. Oder wie ich sie nenne: “Der ideale Frisurenverstecker”!
Somit kann ich dem ählichen Beitrag am Anfang nur zustimmen!
Aber das ist nur meine persönliche Herangehensweise!
Nun ja, das mit dem Kahlkopf ist so eine Sache… ich trage zwar denselben Namen aber zugleich auch Haare bis über die Schulterblätter. Widerspruch? Naja, wenn man bedenkt, dass ironische Namen (gerade bei Wikingern) recht beliebt waren… da konnte man schonmal arg nach oben starren, wenn man “Sven den Zwerg” vor sich hatte.
Weiß jemand, wie die Jungs im Ostfränkischen Reich so ihre Haare getragen haben?
Die einzigen kontinentaleuropäischen Abbildungen, die ich kenne, stammen enweder aus den nördlicheren Breiten, oder aus dem westfränkischen Reichsteil, mich würde aber eher die Haartracht im sächsischen Stammesherzogtum in der ersten Hälfte des 10. Jhd. interessieren.
ich habe einen Artikel passend zum Thema gefunden:
SCISSORS OR SWORDS?(social aspects of medieval hairstyles) aus History Today.
Simon Coates explores the symbolic meanings attached to hair in the early medieval West, and how it served to denote differences in age, sex, ethnicity and status
Ja, den (in der ßbersetzung Scalla Grimson) kenne ich auch. Habe es aber so verstanden, daß er mehr aus ‘biologischen Gründen’ keine Haare hatte. Das kann ich aber auch falsch verstanden haben. Seine Geschichte ist jedenfalls spannend.
(Off topic: Die “weibischen Angelsachsen” werden ja sehr hübsch in dem brutal - authentischen Streifen “Robin Hood - Helden in Strumpfhosen” vorgeführt. *g*)
ich wäre mir nicht 100%ig sicher, ob die Wikis tatsächlich immer lange Haare getragen haben. Machmal habe ich das Gefühl, daß viel von den römischen Darstellungen der Germanen den Skandinaviern zugeordnet wird. Und selbst dei Germanen hatten wohl häufig gekürzte Haarschnitte. Viel dieser Ideen über den wikingischen Look kommen auch noch aus den romantisierten Vorstellungen des letzten Jahrhunderts.
Zumindest zwei “kurzhaarige” Quellen kenne ich noch. Einer der bekanntesten Helden der Isländersagas hieß Skallagrim, was so viel wie “Glatzkopf” hieß. Zumindest diese Option bleibt Dir schon mal offen (ich selber würde sie aus gegebenen, natürlichen Umständen genau so tragen ;-). Weiterhin gibt es einen Predigtauszug eines angelsächsischen Bischofs aus dem 10. Jhdt. der seinen Untergebenen verbot, die Haare nach Mode der Dänen zu tragen - d.h. hinten kurz und vorne lang. Ds wäre auch ein Vorläufer des normannischen Haarstils.
Soweit man die Normannen um 1066 noch zum nordischen Kulturkreis rechnen will, so gibt wes auch dort Hinweise, daß man die Angelsachsen, die tatsächlich lange Haare trugen, für weibisch hielt.
Hm, darüber hatte ich mir bislang noch gar keine Gedanken gemacht (Schande über mich, aber noch bin ich ja nicht aktiv ;-). Jetzt stehe ich natürlich vor einem Problem. Das reale Leben verlangt jobmäßig nun mal von mir, dass ich gepflegt aussehe. Meine Interpretation von “gepflegt” bedeutet nun Kurzhaarschnitt, Koteletten und kurzer Kinnbart. So recht will mir das nicht zu einem Wiki passen, oder was sagt ihr? Kennt jemand die Sitten und Gebräuche was Haar- und Barttracht um 950 in den nordischen Ländern angeht? Gab’s gesellschaftliche Regeln oder ähnliches? Was ist mit Bestrafungen, die mit den Haaren zu tun haben (kahlscheren) o. ä.?
Also, besonders lang kommen mir immer die Haare der jungen Adligen im 15. Jahrhundert vor. Aber auch hier kein Pferdeschwanz, kein Zopf.
Lockenwickler: Ich glaube, das muß nicht unbedingt sein, wenn Ihr Euch dämlich damit vorkommt. Mein (weibliches) Haar ist eigentlich superglatt, aber wenn ich es naß einflechte und so trocknen lasse, und wieder aufmache, wenn es trocken ist, hab ich auch Wellen drin. Vielleicht kann man da mit Schaumfestiger vor dem Einflechten etwas nachhelfen, damit es länger hält, es sei denn, ihr wollt auf so authentische Mittel wie Wachs o.ä. zurückgreifen…
Es gibt KEINE Abbildungen bei denen man Ritter, Knechte usw mit Pferdeschwanz sieht. Feddich. Ergo: Würd ichs lassen.
Was es gibt sind massenhaft Abbildungen in denen die Haare Manesse-Mäßig getragen werden (also: kurzer Pony, der rest etwa schulterlang und zu Löckchen gedreht) Ich kenn auch ne Abbildung wo ein Knecht (der der Jesus den Essigschwamm hochhält) eine Bundhaube trägt und unter dieser Bundhaube gucken Haare heraus die zu einer Lockenwurst gedreht wurden.
Also: Schulterlang geht eigentlich schon, nur würde ich mir an deiner Stelle die Haare dann mit Lockenwicklern hochdrehen. Ich denke auch dass es nicht zwingend erforderlich ist den Pony kurz zu schneiden. Einfach alles in Lockenwickler zwirbeln und danach die Haare offen lassen.
Für die Lockenwickler müssen die Haare übrigens so lang sein, dass du sie dir im Normalen Leben zu einem Zopf zusammenfassen kannst. Also, wenn du ein modebewußter Soldat bist, trägst du auf Veranstaltungen Locken.
ßbrigens: Das mit den Frühmis und langen Haaren stimmt nicht so pauschal. Im Frühmittelalter wurden auch häufig kurze Haare getragen, hängt aber mit dem Volk zusammen welches man darstellt. Lest mal die Berichte von Tacticus, der geht eigentlich bei jedem Volk auf die Haare ein.
Und was ist mit der Haartracht von Handwerkern verschiedener Arbeitsbereiche und was ist mit Bauern? Hat da jemand was fürs HMA? Vorzugsweise Europa um 1250?
Nun, ursprünglich war die Frage ja darauf gerichtet, wie die männliche Haartracht im (sehr unspezifisch) MITTELALTER beschaffen war.
Ich verstand dies als Frage bezüglich der Ritterschaft.
Und da gab es nun einmal die Tendenz, spätestens ab dem 12. Jahrhundert, daß die Haare der (jungen) adligen Männer (im Rittertum wurde dies tradiert), nach französischem Vorbild lang und lockig getragen wurde. Dieses Phänomen setzte sich ins 13. Jahrhundert hinein fort.
Meine Güte, wem sage ich das?! Zahllose Bildzeugnisse von (zugegebenermaßen) Rittern - nicht Ordensrittern, zeigen das überdeutlich (ich führe hier nur die “GROSSE HEIDELBERGER LIEDERHANDSCHRIFT” und die “MßNCHENER HANDSCHRIFT” als Beispiele an.
Der Mönch von Saint Evroul (also ein ‘französischer’ Normanne), Ordericus Vitalis nämlich, bezog sich auf den höfischen Ritter in “Frankreich”. Das französiche Vorbild wurde, wie andere soziokulturelle Erscheinungen auch, beispielgebend für die Angehörigen des “deutschen” Adels.
Der “Mönch von Saint Evroul” trauerte übrigens den früheren Gebräuchen nach, denen des früheren Mittelalters, die z.T. auf Ordnungen Karl d. Großen zurückgingen. Demnach war insbesondere das Rasieren der Bärte, den Klerikern - wie Weltgeistlichen, Chorherren und Mönchen, vorbehalten (“Kein Laie darf seinen Bart rasieren!”).
Hm, Christoph: Dir würde ich vielleicht noch mal den Rat an die Hand geben: Erst lesen, dann denken und dann (vielleicht) schreiben! *g*.
Eintrag #27 vom 31. Jul. 2002 07:56 Uhr
Joachim Meinicke Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.
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für sein Hobby sollte man(n) sich nicht nur die Haare raufen sondern selbige auch
Tja, da haben wir es wieder: wie weit geht man (bei seiner Haartracht) zugunsten vom Hobby. Dabei muß das gar nicht nur an langen Haaren bzw. dem Zopf festgemacht werden. Hier noch ein paar andere Beispiele: Schnurbart, Kotletten, (grell) gefärbte Haare, evtl. stellen sogar Bärte ein Problem dar.
Meine Meinung dazu könnt ihr Euch denken…
Ich finde es z.B. in späteren Epochen richtig gut, wenn die Darsteller sich kunstvolle, zur damailgen Mode passende Schnur- und Backenbärte stehen lassen. Das in Verbindung mit einer guten Ausstattung kommt verdammt überzeugend rüber. “Nur” eine gute Ausstattung in Verbindung mit falscher Haartracht wirkt sofort nicht mehr überzeugend.
Ganz so wie Brillen, Zigaretten, Armbanduhren usw, aber das ist ein anderes (leidiges) Thema.
Du argumentierst, daß der Deutschritter bei seiner Rückkehr aus dem Kreuzzug lange Haare haben könnte, da er keine Friseuse mithat.
Gut.
Ich glaube, Du weißt nicht, wie das bei den Ritterorden abging.
Zunächst hat kein Ordensritter ein zuhause. Sein zuhause ist die Komturei, zu der er eingeteilt ist.
Soll nun Ordensritter X, egal ob Templer, Johanniter oder von sonst einem Ritterorden, z. B. von Outremer zur Komturei Koblenz reisen, so erhält er den Befehl dazu und reist nicht einfach so los.
Er wird also ausgestattet werden. Dazu gehören auch ein Knappe sowie evtl. bewaffnete Begleitung. Dies ist ja schließlich ein Ritter. Der Knappe hat nun dafür zu sorgen, daß der Ordensritter einen gepflegten Bart und ordentlich geschnittene Haare hat.
Um dem Vorzugreifen, daß Du den Ausweg findest, der Knappe sei eben umgekommen:
Die drei großen Ritterorden hatten über ganz Europa verstreut Komtureien. Dort fanden auch die Ritter unterkunft. Dazu gab es auch noch Klöster.
Ein Ordensritter ist daher nie so lange unterwegs gewesen, daß sein Bart verzottelt und seine Haare zu einem Pferdeschwanz auswuchsen.
Du vergißt anscheinend eines: Die Ordensritter (Templer, Johanniter, Deutschritter) waren die Elite der Europäischen Ritterschaft!
Wenn Du Deinen Pferdeschwanz behalten willst, so stelle doch einen Goten, Kelten oder sonstwas Früh-Mi mäßiges dar. Denn im Mittelalter trug leider keiner nen Pferdeschwanz. Vielleicht noch Bauern, von denen gibts nämlich nur wenige Bilder.
Die Redensart geht auf einen langen, wissenschaftlichen Streit zurück, ob Karl der Große einen Bart getragen habe oder nicht. Vgl. Emanuel Geibels Gedicht “Von des Kaisers Bart”.