Danke, Admin., das ist ganz in meinem Sinne. Ich denke, zu diesem Thema gehört auch ein gewisser Abstand dazu. Ich verstehe auch nicht, warum es so viel Emotion hervorruft, wenn ich, wie ich es gewohnt bin, nach Belegen frage. Ich habe das Gefühl, hier werden weltanschauliche Fragen berüht, die in einer Darstellung, ohne den von mir oben erwähnten Abstand, rein gar nichts zu suchen haben. Davon mal abgesehen, das sich Religion und Toleranz ohnehin in den meisten Fällen ausschließen…
Schön das ihr eine hohe Anforderung habt an Darsteller Thorsten, was hat das mit mir zu tun?
Interessant wäre wie ihr eine Darstellung belegt, überhaupt mal eine “A” nahe Darstellung in der Richtung wäre mal eine Abwechslung.
Werden dann bei euch im Lager (wenn ich deine Auffassung etwas zugespitzt in deinem Stil interpretiere) die Christen auch zwangskonvertiert oder versklavt oder gemarter und geköpft? Damit es die Sache schön abrundet.
Eventuell wäre es hilfreich wenn du mal tollerant defenierst, jedes Wort kann ja etwas anderes für jemanden im Detail bedeuten, sieht so aus als wenn du etwas anderes darunter verstehst.
@Georg: Sehr witzig. Du trägst öfters Eulen nach Athen oder, um im Bilde zu bleiben, den Koran nach Mekka. ßber Dein Posting habe ich sehr herzlich gelacht.
@Seif: Mündlich ist anscheinend wirklich besser. Aber wir haben hohe Anforderungen an Darsteller. Die Darstellung muß belegt werden. Deshalb hat mich auch Deine Ansicht eines “toleranten Islam” so erstaunt. Du mußt doch irgendetwas bezüglich in Deinen Belegen haben, mit denen Du das untermauern kannst. Du kannst mir das auch via Mail schicken, wenn das hier zu öffentlich ist und wir den Austausch privatim fortsetzen wollen. Gerade an einem Verständnis des Islam in seiner Zeit bin ich sehr interessiert. Aber bitte ohne Romantik und Allgemeinplätze.
was soll dieses lieber Maure?? Soll das witzig sein oder was?
Und von wegen Tausendundeinenacht, kannst ja gerne deine Meinung haben, ich weiß was ich weiß und habe es mir nicht aus den Fingern gesaugt und bleibe bei meiner Meinung im Vergleich.
Egal über was man liest, es kommt immer drauf an wer etwas mit einem Buch untermauern will, also kann es in die eine oder andere Richtung gehen und die eine oder andere Seite in ihrer Argumentation stützen.
Letzendlich muss jeder selber wissen welchen Standpunkt er vertritt.
Anscheinend hängst du dich etwas zu sehr an einzelne Worte der Einträge auf.
Und wie gesagt, deine Beispiele sind eben nur diese und sprechen nicht für alle Epochen und jeden einzelnen Herrscher etc. weder sind sie eine representative Gegendarstellung für was du ins Reich der Märchen befördert sehen willst.
Ich dachte die vorigen Einträge haben das “all tolerante” schon relativiert, falls ich aber hier eine Doktorarbeit schreiben muss damit dir meine “Thesen” nicht im Raum schweben, dann schweben sie eben.
Hätte kein Problem das Thema mündlich weiterzuführen, bin nämlich schreibfaul.
Das kann euch leider niemand abnehmen. Präzise Fragen können euch sicher gerne beantwortet werden, aber pauschale Fragen ohne klare Inhalte können nun mal nur mit pauschalen Antworten beantwortet werden.
Meine eigene islamkundliche Literaturliste aus meinem über zwei Jahrzehnte zurückliegenden Studium ist heute nicht mehr aktuell, die u.a. ist eine gute Zusammenstellung und aktuell.
Wie gesagt, lesen müsst ihr selber. Auch das Denken kann ich euch nicht abnehmen. Etwas eigene Initiative ist bei jeder Recherche nun eben erforderlich. Mit der Literaturliste habt ihr ja einen guten Startpunkt.
Wer jedoch nur einen Grund zum Rumzanken und/oder zum Verbreiten wie auch immer gearteter Klischees sucht, dem kann ich nicht helfen.
ich verstehe Deine Antwort nicht. Was willst Du mit der Liste ?
Und vom Islam verstehe ich seit einer über 30 Jahre langen Auseinandersetzung genug, um mich gegen diese pauschalen und aus der Romantik der frühen Orientalistik entstandenen Behauptung zu wehren: Es hätte mal irgendwann einen toleranten Islam gegeben. Toleranter als das Christentum. Wo und wann ? Das ist man schuldig geblieben!
»Siehe Stichwort: Toleranter Islam. Ich lasse mich ja gern belehren.«
Nun, es ist nicht unsere Aufgabe, dir Vorlesungen zur Islamgeschicte oder zur Religonsgeschichte zu halten. Wenn du klare Fragen zu einzelnen Aspekten des Islams hats, kein Problem - stelle die und die Islamkenner hier werden sich gerne bemühen, deine Frage sachlich zu beantworten.
Zu so allgemeinen und eher pauschalen Floskeln wie der oben zitierte Text kann an sich nur gesagt werden: vielleicht möchtest du dich mit einigen sachlich fundierten grundlegenden Fachbüchern zu islamkundlichen Themen befassen.
Hier eine kleine Liste:
Theodor Nöldeke: Geschichte des Qorans. Göttingen 1860.
Nöldecke/Schwally: ßber den Ursprung des Qorans. Leipzig 1909.
dies.: Die Sammlung des Qorans. Leipzig 1919.
Gotthelf Bergsträsser/Otto Pretzl: Die Geschichte des Qorantextes. Leipzig 1938 (ND Hildesheim 1961 u. 1970 mit Indices)
*Rudi Paret: Mohammed und der Koran. Stuttgart 1957.
*W.M. Watt: Bell’s Introduction to the Qur’an. Edinburgh 1970.
Günter Lüling: ßber den Urqur’an. Ansätze zur Rekonstruktion vorislamischer Strophenlieder im Qur’an. Erlangen 1974.
John Wansbrough: Quranic Studies: Sources and Methods of Scriptural Interpretation. Oxford 1977.
Angelika Neuwirth: Studien zur Komposition der mekkanischen Suren. Berlin 1981.
Tilman Nagel: Der Koran. Einführung - Texte - Erläuterungen. München 1983.
ders.: Medinensische Einschübe in mekkanischen Suren. Göttingen 1995.
Stefan Wild (Hg.): The Qur’an as Text. Leiden 1996.
Hartmut Bobzin: Der Koran. Eine Einführung. München 1999.
Ignaz Goldziher: Die Richtungen der islamischen Koranauslegung. Leiden 1920. (ND 1952).
J.M.S. Baljon: Modern Muslim Koran Interpretation, Leiden (Brill) 1961.
*Helmut Gätje: Koran und Koranexegese. Zürich/Stuttgart 1971.
J.J.G. Jansen: The Interpretation of the Koran in Modern Egypt, Leiden (Brill) 1974.
Josef van Ess: Theologie und Gesellschaft im 2. und 3. Jh. Hidschra. Eine Geschichte des religiösen Denkens im frühen Islam. 6 Bde. Berlin 1991-1997.
Tilman Nagel: Geschichte der islamischen Theologie. München 1994
*Tilman Nagel: Theologie und Ideologie im modernen Islam. Zuerst in Watt / Welch III (wie oben). ND in: Peter Antes (Hg.): Der Islam. Religion-Ethik-Politik. Stuttgart 1991. S.1-57.
*Olivier Roy: La généalogie du fondamentalisme. Paris 1995.
Gilles Kepel: Jihad. Expansion et déclin de l’islamisme, Paris 2000.
Encyclopedia Iranica
Oxford Encyclopedia of the Modern Muslim World
Handbuch der Orientalistik
Watt/Welch et al.: Der Islam I-III. Stuttgart 1980ff.
Ende/Steinbach: Der Islam in der Gegenwart. München neue erweiterte Auflage 1996.
Steinbach/Robert: Der Nahe und Mittlere Osten. 2 Bde. Opladen 1988.
The Cambridge History of Islam. 2 Bde. Cambridge 1970.
Marshall S, Hodgson: The Venture of Islam. 3 Bde. Chicago 1974.
Gerhard Endreß: Einführung in die islamische Geschichte. München 1982.
Josef Matuz: Geschichte des Osmanischen Reiches. Darmstadt 1985.
I.M. Lapidus: A History of Muslim Societies. Cambridge 1988.
Albert Hourani: A History of the Arab Peoples. London 1991.
Ulrich Haarmann (Hg.): Geschichte der arabischen Welt. München ³1994.
Noth, Albrecht / Paul, Jürgen: Der islamische Orient. Grundzüge seiner Geschichte. Würzburg 1998.
Tilman Nagel: Die islamische Welt bis 1500 (Oldenbourg Grundriß der Geschichte 24), München 1998.
Th. W. Juynboll: Handbuch des islamischen Gesetzes nach der Lehre der schafi’itischen Schule. Leiden/Leipzig 1910.
Tyan, Emile: Histoire de l’organisation judicaire en pays d’Islam. Paris 1938-1943.
Joseph Schacht: The Origins of Muhammadan Jurisprudence. Oxford 1950.
N.J. Coulson: A History of Islamic Law. Edinburgh 1964.
*Peter Antes: Ethik und Politik im Islam. Zuerst 1984. Neu aufgelegt in: ders. (Hg.): Der Islam. Religion-Ethik-Politik. Stuttgart 1991. S.58-97.
Harald Motzki: Die Anfänge der islamischen Jurisprudenz. Stuttgart 1991. (Die Einleitung gibt einen guten ßberblick über die Forschungsgeschichte bis 1991).
*ders.: Die Entstehung des Rechts. in: Noth/Paul (wie oben).
Tilman Nagel: Das islamische Recht. Eine Einführung, Westhofen 2001
in der Regel ist es so: Man stellt eine These auf und kann sie bei Bedarf auch untermauern. Siehe Stichwort: Toleranter Islam. Ich lasse mich ja gern belehren. Allein, Deine Thesen schweben lediglich im Raum und es fehlt Ihnen das Fundament. Also wohl eher “TausendundeineNacht” als fundierte Auseinandersetzung. Aber genau letztere brauchen wir bei einer guten Darstellung. Die von Dir gelesene Literatur ist ja beeindruckend, aber die Verarbeitung muß anscheinend noch etwas reifen. Alles braucht seine Zeit. Auch die Illusionen und das romantische Bild über den achso “toleranten Islam”. In unserem Hobby ist man ja nie fertig, in jeglicher Hinsicht.
Ich wünsche Dir viel Glück dazu und höchstwahrscheinlich werde ich Dich irgendwann zu einem von mir geplanten “Orientlager” auf unserem “Spielplatz” einladen. Dann können wir mündlich das Gespräch fortsetzen. Isidorus
Also von wegen mangels Argumente auf das Alter des eintrages verweisen.
Das ist meine Einstellung, ich schreibe nicht nach mehreren Jahren eine Antwort auf eine wahrscheinlich in Vergessenheit geratene Frage, wenn du das machen willst, bitte schön.
Das sollte dein naja relativieren, ich habe nicht anstatt auf Roland geantwortet sondern wollte auf Rolands Eintrag antworten, so einfach ist das.
Dein Beinspiel zu mein Zitat ist auch ein Bespiel und nicht mehr, man kann immer der anderen Seite negative Beispiele vor der Nase setzen, ich für mein Teil sehe diese Disskusion abgeschlossen und verzichte auf weitere Gegendarstellungen, wer lesen kann und Interesse hat kann sich selber ein Bild machen.
ßbrigens stehe ich weiter zu meiner Argumentation.
Es ist mir bekannt das in der Omayadischen Dynastie einige Blond waren, dazu fällt mir “ Das Maurische Spanien” von Andre Clot ein, nettes Buch mit vielen Details, was aber nicht meine Anmerkung wiederlegt.
Egal wie man argumentiert, allen kan man es eh nicht recht machen..naja :)
Wenn einem in einem Forum kein Argument mehr einfällt, beruft man sich auf das Alter der Diskussion. Schon mal daran gedacht, dass Leute immer mal wieder hier reinschauen und sich Anregungen holen. Antworten kann man immer, auch nach 100 Jahren. Si, claro!
Was kannst Du am ersten Satz nicht nachvollziehen? Mir war das alles zu pauschal, zu allgemein. Wir können uns hier erlauben, genau zu sagen, wann, wo, was … ! Der Islam, der Sarazene, der Maure, der Kreuzfahrer ohgottogott !
Mit Usama sind wir uns ja schon mal einig! In Deinem Regal steht er übrigens gut, hier kommt mein naja… DAS wäre ein schöner Einsteigertipp gewesen, statt sich über Rolands Provokationen aufzuregen.
Und die Geschichte mit den blonden Omaiyaden kennst Du nicht ? Es geht ja nicht um den Mauren in Allgemeinen, den gibt es ohnehin nicht (Es handelt sich um fast 800 Jahre und eine große durch Gebirge sehr geteilte Halbinsel), sondern um Teile der arabischen Oberschicht in Córdoba.
Es gibt so viele Geschichten, so viele überlieferte Schicksale. Mögliche Darstellung:
Ein jüdischer Schutzgelderpresser in christlichen Diensten in arabischer Gewandung lebend in Toledo, meistens herumziehend in den Reinos de Taifas im 11. Jahrhundert in Geldangelegenheiten unterwegs. (wurde gekreuzigt der Gute, böser Emir!)
Was mir z.B. an Deiner Argumentation mißfallen hat … ich greife mal ein Beispiel heraus:
“Das man islamische Herrschaft nicht als pauschal tollerant hinstellen kann ist nichts ausergewöhnliches, wenn man es aber mit dem christlichen Mittelalter vergleicht, so ist es im Vergleich tollerant, ich denke so muss man es sehen.”
Nenne Beispiele ! Was ist an Córdoba zu Beginn des 10. Jahrhunderts toleranter als am Toledo am Ende des elften Jahrhunderts ? In beiden lebten Juden, Christen, Mauren. Das eine stand unter maurischer, das andere unter christlicher Herrschaft. Beides wirtschaftliche und politische Zentren ihrer Zeit. Wo ist der Unterschied ? Ich sehe ihn nicht. Warum soll Córdoba toleranter gewesen sein ? Der Erbe von Córdoba war ein blonder, blauäugiger Halbbaske,
der Erbe von Toledo ein dunkelhaariger, ziemlich aufbrausender Halbmaure. Oder zurück ins heilige Land. War Usama tolerant ? Er äußert sich eindeutig. Seine Gegner ? Gottbewahr ! Wo ist der Unterschied. Wie kannst Du Dir ein solches Urteil erlauben? Ganz schön vermessen, oder ? Also noch ein zweites: Naja …
irgendwie kann ich deine Argumentation im Hinblick auf meine und die Einträge von Roland nicht ganz nachvollziehen, und das mit dein ersten Satz teile ich überhaupt nicht.
Die Berichte des Usama bin Munqith stehen bei mir im Regal und die Ausgangsdisskusion ist, nur so nebenbei, 6 Jahre alt.
Naja..
Berufen auf die herkunft der Mutter?
Wusste nicht das Mauren wenn nicht gemischt blond waren ;)
Ich würde mir neben der etwas diff. Betrachtung des Verhaltens der Religionen (keine Religionsrichtung ist von ihrem Verhalten her tolerant, es gibt nur Gründe für tolerantes Verhalten der jeweiligen Politik aus pragmatischen Gründen) auch eine regionale Trennung wünschen. Zwar stehen Kreuzzüge und Reconquista (ein Ausdruck der nur in franz. Quellen auftaucht, in iberischen heißt es Repoblación (siehe hierzu auch Vones))in vom späten 11. Jahrhundert in einem gewissen Zusammenhang, aber die Repoblación/Wiederbesiedlung war keine Wiedereroberung, zumindest nicht in ihrer ersten Phase. Ganz einfach dadurch, dass nördlich des Duero keine islamisch Bevölkerung mehr zu fassen war. Aber das ist schon Detail. Kurz und gut: Die Verhältnisse auf der Halbinsel sind etwas andere als im Heiligen Land oder auf Sizilien (schon von Al-Ahmad gehört, ein erbarmungsloser Schlächter!)und sollten auch gesondert betrachtet werden. So viel Zeit muß sein! Wir nennen die berberisch-arabische Bevölkerung auch nicht Sarazenen, sondern Mauren (Moros). Was irgendwelche Barbaren aus dem Norden betrifft, die zu irgendwelchen Westgoten-Romanen kamen, bitte ich um einen kurzen Blick auf die asturische Präromanik und die frühen Stadtmauern des 10. und. 11. Jahrhundert in Zentralspanien, als in Deutschland noch Holz-Erde-Konstruktionen vorherrschend waren. Immer schön ruhig ! Und keine Vorurteile gegen Bergbewohner und solche, die noch dazu baskisch reden, wie die Dynastie in Navarra! Soll ich noch vom Hufeisenbogen anfangen ? Was ist mit dem Neogotismus ?
Ausgangspunkt war, was stelle ich dar ? Und wie kann ich einen Sarazenen/Mauren darstellen ? Meine Einsteigerhilfe ist ein sehr farbiger und detaillierter Bericht aus dem 12. Jahrhundert: Usama ibn Munquidh. Darin sind so viele Gestalten, Kleidungs-, Rüstungs-, Verhaltensbeschreibungen, das es eine wahre Freude ist. Auf Rekonstruktionen freue ich mich sehr !
Ach ja, blauäugig und blond, gar keine Problem, die meisten Emire von Córdoba sahen so aus. Hat man eher das Problem der Vermittlung. Das Klischee ist eben ein anderes. Immer auf die slawische oder baskische Haremsmutter berufen !
mein Beitrag unten ist ein Dank an einen anderen User, Seif-Eldien El-Awad. Was ein freundliches “Dankeschön” mit Bildzeitungsniveau oder substanzlosem Statement zu tun haben soll, entzieht sich meinem Verständnis. Ein Dankeschön ist nichts weiter als ein nettes und freundliches Posting mal so nebenbei, um sich bei einem User für ein gelungenes Posting zu bedanken. Das nennt man auch schon mal im Zusammenhang mit “gutem Benehmen”.
Auch so etwas kann gut tun, ab und zu mal ein Dankeschön.
Das man immer in bestimmten Sachen andere Meinung ist, ist doch vollkommen ok, wenn man erwachsen und sachlich disskutieren und seine Meinung darlegen kann.
Und wie gesehen, kann man bei näheren betrachten der Sache die Argumente des anderen besser nachvollziehen und in vielem einer Meinung sein.
Das ist kein Schlusspledoier weil es meiner Meinung nach keins bedarf.
..sind doch - von meiner seite aus - alle unklarheiten beseitigt, seif, volker. :-)
ich fasse zusammen, dass wir unterm strich auf einen gemeinsamen nenner kommen, wenngleich wir in nuancen vielleicht nicht einer meinung sind. das wiederum ist nicht schlimm, da man einiges aus der retrospektive, verfärbt durch seine eigene persönlichkeit und denkweise wahrnimmt und einstuft.
einzelne wenige punkte der uneinigkeit sind nicht weiter schlimm, denke ich. daher führe ich sie hier nicht mehr weiter auf, seif, volker.
schön, dass man sich konstruktiv austauschen kann, ernsthaft, das freut mich. es ist leider selten geworden, wie man in unqualifizierten, substanzlosen und persönlich motivierten zwischenrufen auf bildzeitungsniveau (hallo georg) feststellen muss.
tja, der Volker hat schon das was ich nicht hätte besser formulieren können geschrieben, jedenfalls was der Rückeroberung angeht.
Ich bin übrigens ein totaler Verfechter von sein Land zurück zu erobern ;)
Damals wie heute war es der Bevölkerung des Eroberers egal ob es ligitiem war oder nicht oder aus welchen Grund ein Krieg entstand, solange man siegreich war, war der Jubel gewiss (und natürlich Gottes wille).
Das man islamische Herrschaft nicht als pauschal tollerant hinstellen kann ist nichts ausergewöhnliches, wenn man es aber mit dem christlichen Mittelalter vergleicht, so ist es im Vergleich tollerant, ich denke so muss man es sehen.
Das die Europäer aus den Kreuzzügen sehr sehr viel mehr nützliches mitgenommen als dagelassen haben, kann wohl kaum jemand verleugnen.
Die Sache mit den Almohaden habe ich ja schon beantwortet, was die Türken/Osmanen angeht stimme ich 100% zu, betraf wie gesagt aber auch Muslime.
Die Türkeresierung der eroberten Gebiete sucht vergeblich seines gleichen in Islamischer Geschichte, erinnert mich etwas an die Franzosen im Orient und Nordafrika bis zur Zeit der Unabhängikeit dieser “Kolonien” nach dem 2. Weltkrieg.
Heute noch “festigen” Herrscher oder Regime ihre Macht durch Terroresierung und Unterdrückung, wenn sie grade nicht fest im Sattel sitzen oder jemand aufmuckt, war damls nicht anders, wer gegen die Eigenen wütet dem fällt es nicht schwer dies gegen “andere” zu tun.
Das mit den Steuern habe ich ja auch schon erläutert, Christen zahlten eine Kopfsteuer, Muslime die Zakat, kann sein das die Kopfsteuer höher war.
Und die Christen wie Juden hatten übrigens ihre eigene Rechtsprechung und Richter, das mit der Benachteiligung ist heute ja nicht anders,je nachdem wer wo lebt, Menschen eben.
Zwangmissionierung wurde, wenn, bei gefangenen nach der Schlacht praktiziert, traurig ist es so oder so.
Der Islam hatte genug heuchlerischen Zulauf aus der “eroberten” Bevölkerung, da sehr viele in einer Konvertierung Vorteile sahen.
Beispiel die Türkenstämme, welche sich im 10. Jhdt. in die Dienste des Kalifat stellten, wurden ja alle (nicht wie in Europa) Cash bezahlt, diese sah man übrigens als ein zu ertragendes ßbel an, beliebt waren sie nicht, durch ihr schlechtes und (für städtische arabische Bevölkerung) unzivilisiertes Benehmen, ihre heidnischen Gewohnheiten behielten sie noch sehr sehr lange.
Da fällt mir auch gleich ein das in Islamischen Heeren nicht nur Moslems gekämpft haben.
Ein Manuskript verfasst von einem Juden im Fatimidischen Cairo steht über ein islamisches Heer, “es bestand aus Türken, Araber, Griechen und Perser, sogar Germanen waren unter ihnen” mit Germanen wurde vermutlich Franken gemeint.
Merkwürdige Bündnisse zw. Christen und Muslime gegen die Eigenen gab es ja auch, in Spanien wie im Nahen Osten.
Zu dem netten Zitat des Franken welches dir bekannt ist, habe ich keine Arabischen Einträge zur Hand die den Kanibalismus bestätigen, die des tötens schon.
Es gibt aber mehr als dieses eine Schreiben das Kanibalismus bestätigt/beschreibt, ob es Propaganda der Franken ist, macht es nicht wirklich besser.
Jedenfalls kann ich deine im 2. Eintrag formulierte Meinung akzeptieren, kann man darüber “streiten” aber sie ist nicht beleidigend :)
Und (auch wenn umfangreicher und mehr Arbeit)liest man aus den 2. Eintrag nichts missverständliches und ist nicht pauschal sondern basiert auf bestimmte Sachen/Ereignisse ;)
@Roland: Ich glaube nicht, dass hier gerade viel pauschalisiert wird. Außer möglicherweise von Dir. Aber die Kreuzzüge oder die Reconquista ans Reaktion auf islamische Eroberungen betrachten zu wollenj ist relativ weit hergeholt, schon aufgrund der zeitlichen und räumlichen Distanzen, die dazwischen liegen. Selbst bei den spanischen Kriegen - die Eroberer von Toledo im 11. Jh. übernehmen eine Stadt, die 300 Jahre unter islamischer Herrschaft stand. Damit sind wir ungefähr im Bereich einer Rückeroberung von Boston durch die Patuxet oder von Sebastopol durch die Tataren. Natürlich funktioniert das institutionelle Gedächtnis der Kirche gut genug, um die Erinnerung daran, dass ganz Spanien einmal christlich (wenn auch nicht gut katholisch) war zu bewahren, aber das setzt die Eroberer keineswegs ins Recht. Schon gar da man sich fragt, was wohl die zivilisierten Romano-Westogoten von diesen Bergrübezahlen aus dem Norden gedacht hätten (ein ähnliches Problem gibt es auch in verschiedenen modernen Entkolonisierungskriegen, wo die siegreiche Guerilla sich oft aus den primitivsten Teilen des Landes rekrutiert, was nicht wirklich gut für ihre Beziehungen zur urbanen Bevölkerung ist). Die Kreuzzüge schließlich führen die Idee eines Verteidigungskrieges wirklich ad absurdum. Jerusalem ging im 7. Jh den Oströmern verloren. Wenn es im 11. Jh von den Franken und Normannen zurückerobert werden soll hat das etwa die Berechtigung, wie wenn eine indische Marineabteilung Mexico City von den Katholiken befreit (wozu die BJP ja auf der Basis eines gemeinsamen polytheistischen Glaubensbekenntnisses mit den Azteken sicher eine Berechtigung zitieren könnte). ßber das Verhalten der Kreuzfahrenr braucht man glaube ich nicht weiter zu diskutieren - die haben gehaust wie die Almohaden.
Womit ich nicht sagen will, dass es keine Verteidungskriege gegen islamische Eroberer gab. Jede Menge davon sogar. Der Mittelmeerraum war keineswegs friedlich. Genauso gab es relativ früh auch Verteidigungskriege gegen christliche Eroberer (allerdings anfangs seltener, da war das Kriegsglück eher mit den Muslims). Das Problem ist es aber, wenn man das Panorama in eine Bipolarität pressen will in der hie Christen, dort Muslime stehen. WEnn man sich dann einen Mann ansieht wie den Emir von Mahdia, der einem christlichen normannischen König nach byzantinischen Zeremoniell auf arabisch Treue geschworen hat und seine Stadt (mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung) gegen die Angriffe muslimischer Berber verteidigt, beginnt man zu verstehen, dass die Dinge etwas komplexer lagen. Es ist primär die stark theologisch geprägt mittelalterliche Historiographie (nicht nur, aber doch hauptsächlich die katholische), die uns hier eine falsche Perspektive aufnötigt.
Was die Frage nach der Piraterie angeht empfehle ich gern, sich einmal anzusehen, was Benjamin von Tudela über die Einwohner von Genua sagt. Der pro-islamischen Parteinahme ist der Mann ja weigehend unverdächtig.
Zur generellen Toleranz - es ist ja in keiner stark religiös geprägten Gesellschaft gut, zu einer Minderheit zu gehören, und Christentum und Islam haben da beide gelegentlich neue Tiefpunkte ausgelotet. Aber letzten Endes spricht, denke ich, die Tatsache, dass nahezu jedes muslimische Land des Mittelmeerraums am Ende des Mittelalters eine christliche Gemeinde hatte dafür, dass es hier trotz allem eine Tradition der wenn nicht Toleranz, dann zumindest Akzeptanz gab. Die muslimischen Gemeinschaften aus Sizilien, Frankreich, Kreta und Zypern waren da schon weigehend verschwunden. Auf der iberischen Halbinsel dauerte es noch bis in die Renaissance (da waren dann schon die Türken auf Zypern und Kreta - so kanns gehen).
Womit ich natürlich *nicht* der von Dir angemahntetn Pauschalbehauptung das Wort reden will, es hätte unter islamischer Herrschaft niemals nie Verfolgungen gegeben und unter christlicher immer und überall. Es ist aber doch - leider - auffällig, dass tolerante christliche Monarchen ihre Gesellschaftsentwürfe weitgehend *gegen* die kirchliche Lehrmeinung durchsetzen müssen (deren endgültige Positionierung zur Rolle andersgläubiger in der christlichen Gemeinschaft wurde erst 1215 formuliert und dann über Jahrhunderte eingefordert).
Was meine Meinung dazu angeht glaube ich versteht man die Kreuzzüge und anderen Konflikte im Mittelalterlichen Mittelmeerraum wesentlich besser, wenn man die religiöse Brille beiseite legt und sie als regionale Kämpfe liest, in denen beide Seiten sich der Hilfe von Hilfstruppen aus dem barbarischen Hinterland bedienen bzw. sich gegen Vereinnahmung durch diese zu schützen suchen. So muss man Kreuzfahrer wie Almoraviden als Störfaktoren betrachten. Der eigentliche Konflikt findet in einem kulturellen Umfeld statt, dessen Akteure sich oft wesentlich besser untereinander verstehen als mit ihren jeweiligen Glaubensgenossen.