Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Wo sind die alten Völker hin?

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Eintrag #52 vom 29. Sep. 2004 21:32 UhrRoman Grabolle Profil

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Zu dem, was im frühen Mittelalter ein "Volk" war bzw. eher ein "Volk" nicht war, empfehle ich mal einen Blick in den Artikel zu Ethnogenese in der Wikipedia, der von Roland Steinacher zur Verfügung gestellt wurde, und die dortigen
Literaturhinweise, besonders das neue Buch von Sebastian Brather:

de.wikipedia.org/wiki/Ethnogenese

Der Einwand von Georg Mackowiak war zwar recht deftig in der Wortwahl, aber traf auch in meinen Augen den Kern des Problems. Häufig und so eben auch hier in der Diskussion sind Vorstellungen von "Völkern" als ethnische Einheiten vorherrschend, die im späten 19. und frühen 20. Jh. geürägt wurden, aber nun doch so langsam einmal der Vergangenheit angehören dürften.
Viele Grüße Roman

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Eintrag #51 vom 24. Sep. 2004 22:38 UhrKurt Scholz Profil

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Also genetische Untersuchungen und historische Vermutungen fördern oft Erstaunliches zu Tage.

Bei den Angelsachsen in England ging man davon aus, dass sie mit Kind und Kegel gelandet sind und das ortsansässige Volk getötet oder vertrieben haben. Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass ihr entsprechender Einfluss auf die Bevölkerung nur 10% ausmacht. Trotzdem hat die Kultur dort ihren Namen.
Damit entspricht die Eroberung Britanniens durch die Angeln, Sachsen und Jüten dem üblichen Schema.

Inwiefern sich alte Eliten erhalten oder eliminiert werden möchte ich insofern hinterfragen. Höhergestellte Menschen haben die Möglichkeit ein einfaches, unauffälliges Leben in Demut zu führen, sie können mit transportablen Werten in friedlichere Gegenden fliehen und einigen Menschen reicht dafür ihr Know-How. Dass es selbstverständlich zu einer Aufteilung begehrter Güter zu Gunsten der Eroberer kommt, die somit die Elite des Landes bilden, steht ausser Frage. Je nach Besitzergreifung und Herrschaftsstruktur kann es als notwendig erachtet werden alte Führungskräfte auszuschalten, beizubehalten oder zu assimilieren und für alle drei Beispiele wende man den Blick Richtung britische Inseln.

In Island und Skandinavien ging man wegen der Randlage von einer genetisch homogenen Bevölkerung im Gegensatz zu Durchzugsgebieten wie Ost- und Mitteleuropa aus. Niemand hat das Ausmaß der Sklaverei durch die Wikinger ernst genommen. Genetisch ist Skandinavien das vielfältigste Gebiet Europas.

Islands genetische Bevölkerungsstruktur, die komplett erfasst ist, zeigte zum Erschrecken der beteiligten Pharmakonzerne eine sehr bunte Mischung. Es ist auf die Diskriminierung von Mischehen in Skandinavien zur Wikingerzeit zurückzuführen, welche dort ihrer sozialen Randlage entkamen. Auch religiöse Aspekte spielten mit. Mischehen waren oft christlich geprägt, politisch waren auf der Insel aber lange Zeit die alten Glaubensrichtungen dominant. Grönland entwickelte sich hingegen zur christlichen Enklave. Das geht vor allem auf den Ehestreik zurück, mit dem die christlichen Frau des heidnischen Erik des Roten sich durchsetzte. Leider von dieser Bevölkerung wenig erhalten. Was in Island noch zum tragen kommt und genetisch ebenfalls markant auftritt ist der überraschend große Einfluss slawischer Völker. Andererseits sind die ältesten gefundenen Siedlungsreste eindeutig slawischer Bauart. Man geht davon aus, dass die Wikinger versklavten Slawen so etwas nie gestattet hätten. Das führt dann zu Siedlern die von den Wikis angeheuert und kutschiert wurden. Die Insel war damals von wenigen Metern hohem Birkengehölz bedeckt. Es mußte gerodet werden um die heutige Weidewirtschaft anzulegen und mit diesem Material mußte der Holzbedarf gedeckt werden. Die öde Insel liegt am Rand der damaligen Welt.

Eine weniger umfangreiche Methode gibt auch Aufschluss über asiatische Einflüsse, durch die Blutgruppe B und AB. Beide sind in Westeuropa selten und in Asien häufig und die vielen Einwanderungen lassen durch ihre Verteilung wunderschön sichtbar machen.

Eine weitere genetische Untersuchung ist der Vergleich von Mitochondrien-DNA, die nur mütterlicherseits vererbt wird. Genau Zahlen habe ich gerade nich im Kopf aber zwischen 10-25% haben sich seit der Erstbesiedlung verändert. Das spricht für kleine aristokratische Schichten, die sich nach jedem Einfall etablierten. Vor allem große militärische Überlegenheit mit entsprechender Expansion (Hunnen, Mongolen, Normannen) wirkte sich oft wegen der sehr kleinen Herrscherschicht in rascher Assimilation aus, es sei denn, es kam zu kultureller Abschottung (Krimtataren, Mauren, Sizilosarazenen)

Die Nachfahren der Goldenen Horde (ca. 1000 Mann "Bosniakenkorps"), die auf Seiten der Preussen gekämpft haben, waren muslimische Tataren. Diese sind desertiert, als das Gerücht umging, der türkische Sultan (Kalif) würde den Preussen mit einem großen Djihad zu Hilfe kommen. Im christlich-orthodoxen Russland mit seiner Staatskirche haben sie sich nie ganz heimisch gefühlt. Aus politischen Gründen fand die Krönung des Zaren aber in ihrer Hauptstadt Kasan statt. Der Zar war somit Nachfolger des Dshingis-Khan mit entsprechenden Utensilien. Rechtlich war das abgesichert, indem ein echter Nachfahr des Mongolischen Herrscherhauses zeitweise diesen Titel tragen durfte, bis sich nach einigen Wirren der alte Zar wieder auf seinen Stuhl setzte. Der militärisch wichtige tatarische Adel mongolischer Abstammung war jetzt dem russischen Hof verbunden. Wenn Ukrainer böse nationalistisch werden, werfen sie den russen gerne vor, keine waschechten Slawen, sondern verkappte Mongolen zu sein. Das nicht verifizierbar, was sich daran zeigt, dass die Einwohner Russlands Alkohol und Milch gut vertragen, im Gegensatz zu Japanern und Chinesen.

Die ganze Geschichte, warum Moslems Preussen damals so schätzten:
www.helmut-zenz.de/hzislam8.html
Vielerlei Grüße

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Eintrag #50 vom 24. Sep. 2004 21:52 UhrWolf Zerkowski Profil

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Moin,
....und? Was möchtest du uns damit sagen?
Gruß Wolf
www.bauer-und-bonde.de

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Eintrag #49 vom 24. Sep. 2004 21:03 UhrGerhard Holzinger Profil

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tag auch,

nun ein klein wenig geschichte:

William von der normandie, herzog der N., eroberte 1066 england und wurde könig von E.
also regierte eine französisch oder normannisch (tut mir leid, aber ich weiß es nicht genau) sprechende oberschicht die angelsächsische bevölkerung.

es folgt was folgen muss, die oberschicht beeinflusst die unterschicht und umgekehrt. darum sind dem englischen soviele altenglische wörter verloren gegangen.
dann gingen die besitztümer am kontinent verloren, und es war um die normannen geschehen.
stark vereinfacht ausgedrückt.

ich glaube dass niemand irgend jemand assimiliert, man beeinflusst sich immer gegenseitig. der sieger hat dabei natürlich eine andere ausgangspostition als der besiegte.

ist doch jetzt auch so, wir sagen "campingplatz" und die engländer sagen "kindergarden".
natürlich ist das mit den anglizismen heutzutags eine andere geschichte, aber es zeigt dass wir uns immer gegnseitig beeinflussen.
kein volk schafft es für sich zu leben, ausser es lebt auf einer insel und betreibt keinen handel mit aussenstehenden. diverse natürvölker im pazifikraum leben ja heute noch wie in der steinzeit, das kann man nur schaffen, wenn keine kommunikation stattfindet. krieg mit anderen völkern zähle ich da genauso zur kommunikatuion wie das internet. man begegnet sich schließlich irgend wie und beschäftigt sich miteinander (irgendwie halt).



es noch kein meister vom himmel gefallen der dies auch überlebte!
holzi

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Eintrag #48 vom 14. Nov. 2002 07:20 UhrJoachim Meinicke Profil

nach oben / Zur Übersichtist doch spannend

Danke Lena! Ich finde es interessant. Es ist halt was anderes, ob man wie auch immer geartete Kelten im heutigen Menschen nachweisen will, oder die angebliche Abstammung des Kasper Hauser vom Hause Baden nachweisen kann. Die Gründe dafür hast Du gut erklärt. Außerdem lernten wir ja schon viel weiter unten, daß es den Kelten an sich ja gar nicht gibt.

Spannend, weitermachen!

Joachim

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Eintrag #47 vom 14. Nov. 2002 00:38 UhrMagdalena Wohlgemuth Profil

nach oben / Zur ÜbersichtImmer noch: Gen-Test???

Hallo Thomas,
Schlußstrich schön und gut, aber ganz kann ich das doch nicht auf mir sitzen lassen, und schließlich hast du mit dem Thema selber angefangen, und anscheinend interessiert´s ein paar Leute.
Ich stimme Dir zu, für Details frage man den Genetik-Professor. Deshalb wollte ich ganz oberflächlich erklären. (Die Diskussion z.B. mit x und y könnten wir gern noch ausfechten, aber das gehört wirklich nicht hierher.) Also, nur um allen Anfechtungen standzuhalten, Zitat aus meinem Biologie-Standard-Wälzer:
"Ein Mensch erbt 46 Chromosomen, 23 von jedem Elternteil."
Falls es jemand wirklich interessiert, ich erklär´s auch gern per e-mail genauer, aber auf jeden Fall sind die Gene, die jeder Mensch hat, eine (nein, nicht mathematisch genaue, aber relativ) 50/50-Mischung aus Vater und Mutter. Es kann nicht vorkommen, daß nur die Gene aus einer Richtung wirksam sind und dann auch noch nur die an die nächste Generation weitergegeben werden.
Mitochondrien sind übrigens so kleine Zellbestandteile, die was mit der Energieumwandlung zu tun haben. Der einzige Grund, warum sie für die Genforschung so wichtig sind, ist eben, daß sie nur über die Eizellen vererbt werden, kaum verändert werden und daher zur Verwandtschaftserforschung wichtig sind. Man könnte damit natürlich herausfinden, ob Angy´s Verwandtschaftslinie über die Mütter auf Kelten zurückgeht, allerdings ist immer noch die Frage, ob die Kelten an sich ein Volk waren, das genetisch irgendwie besonders, einheitlich und von den anderen europäischen Völkern unterscheidbar ist, und falls, ob das so was besonderes ist, wenn in der Abstammungslinie Kelten vorkommen (so wenige waren die ja wohl auch nicht) und ob dann das ganze andere Zeug, das in dem Haupt-Erbamterial ist (das sind die 46 Chromosomen, und die sind für so gut wie alle unsere vererbbaren Eigenschaften verantwortlich), nix zählt?
Bei all den Völkern, die durch Deutschland schon durchgezogen sind, bezweifle ich, daß man da auch nur theoretisch irgendeinen Menschen als Nachfahre genau eines alten Volkes bezeichnen könnte.
Lena

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Eintrag #46 vom 11. Nov. 2002 16:09 UhrKaren Thöle Profil

nach oben / Zur ÜbersichtMusik die zweite

Hallo Thomas, mit Deinem Beitrag hast Du bei mir wirklich was angerichtet. Nachdem ich das vorige Posting geschrieben habe, bin ich zum Mittagessen gegangen und habe immer noch darüber nachgedacht. Also gehts jetzt hier weiter.

Interessant wird es, wenn man anfängt, regionale/"nationale" (nicht ganz passend, das Wort) Unterschiede im Bereich der liturgischen Musik anzuschauen. Aber, das muß ich gleich sagen, reichlich "aber" gibt es auch hier. Zunächst der geschichtliche Abriss, dann, was es mit den Unterschieden auf sich hat, und dazu jeweils das "aber".

Zu merowingischer Zeit gab es regional unterschiedliche Liturgien: die römische, die gallikanische (im fränkischen Reich), die ambrosianische (in Mailand) und die mozarabische (in Spanien). Jede dieser Liturgien hatte eigene liturgische Gesänge. Zu diesem Zeitpunkt gab es allerdings noch keine Melodieaufzeichnungen.

Karl der Große, der sich auch in anderen Punkten stärker als die Merowinger nach Rom, zum Papst hin orientierte, ließ Kantoren aus Rom kommen, um die römische Liturgie und die Gesänge dazu in seinem ganzen Reich einzuführen. Die gallikanische Liturgie wurde dadurch vollständig ersetzt. Die nun im Frankenreich praktizierte, ursprünglich aus Rom stammende Liturgie nennt man gregorianische Liturgie (weil sie in den liturgischen Büchern auf Papst Gregor zurückgeführt wird), und die dazugehörigen Gesänge entsprechend Gregorianische Gesänge. Es gibt aber einen Forscher, der von einigen dieser Gesänge annimmt, daß sie ursprünglich Gesänge für hohe Festtage aus dem gallikanischen Repertoire gewesen sind, von den römischen Melodien aber auf einfache Sonntage verdrängt wurden und so erhalten geblieben sind. Dieser gesamte Übernahme-Prozess fand immer noch ohne jegliche Melodie-Aufzeichnung statt.

Etwa aus der Mitte des 9. Jahrhundert stammen die ältesten Melodie-Aufzeichnungen der mitteleuropäischen Geschichte überhaupt: Gregorianischer Choral, fränkisches Reich, die sogenannten Neumen, die den Tonhöhenverlauf, aber nicht die genauen Tonhöhen angeben. Bis zum Ende des Jahrtausends gibt es dann eine ganze Reihe solcher neumierten Handschriften, sowohl aus West- als auch aus Ostfranken. Es zeigt sich, daß die Melodien in den einzelnen Handschriften zumindest nicht stark voneinander abweichen.

Erst ab 1030 gibt es die Notation auf Notenlinien, erst im Vergleich mit den auf Notenlinien notierten Stücken wird es uns möglich, überhaupt zu erkennen, was mit der Neumennotation gemeint war. Ich habe jetzt nicht im Kopf, wann mozarabische und ambrosianische Gesänge aufgezeichnet wurden. Soweit ich weiß, ist es möglich, sie zu rekonstruieren. Es gibt CDs mit Aufnahmen davon, die ich persönlich nicht gehört habe. Die stadtrömischen Gesänge werden jeoch erst nach Einführung der Notenlinien aufgeschrieben, mehrere Jahrhunderte nach dem "Export" ins Frankenreich.

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Nun zu den Unterschieden. Wie gesagt, kenne ich die ambrosianischen und mozarabischen Gesänge nicht und kann dazu nichts sagen.

Zu den gallikanischen Stücken, die in der gregorianischen Liturgie überlebt haben: Wenn die These von dem Wissenschaftler stimmt, dann habe ich, wenn ich mich recht erinnere, schon welche davon gesungen, ohne daß mir ein grundlegender Unterschied zu anderen Stücken der Gregorianik aufgefallen wäre. Der Unterschied, den der Autor sieht, betrifft im Wesentlichen die Textgestalt. Frage: Kein musikalischer Unterschied zwischen den Römern und den (ursprünglich ja germanischen) Franken?

Die Überlieferung der gregorianischen Gesänge selber: Nach Beginn der Aufzeichnung mit Notenlinien stellte sich heraus, daß es zwischen west- und ostfränkischem Reich zwei unterschiedliche Überlieferungen gibt. Die typischen Unterschiede werden als "Choraldialekte" bezeichnet und zeigen sich in typischen Wendungen. Ein Beispiel: Wo in ostfränkischen Quellen die Wendung "d-a-c-a" steht, findet man in westfränkischen Quellen die Wendung "d-a-b-a". "Deutscher" bzw. "germanischer" Choraldialekt? Oder ein Zeichen dafür, daß die Verbreitung des Gregorianischen Chorals von wenigen Zentren ausging (und die eine überliefert die eine, die andere die andere Fassung), mit dem Risiko, Wendungen zufällig falsch zu erinnern (und abweichende Varianten nun ausgerechnet nach der "falschen" zu korrigieren)? Und zu dem Zeitpunkt, wo die Notenlinien den Vergleich der unterschiedlichen Fassungen möglich gemacht hätten, waren die Kontakte zwischen den beiden Reichen schon zu stark eingeschlafen, um eine Einigung auf eine der Fassungen noch wünschenswert erscheinen zu lassen?

Während aber im Gebiet des alten fränkischen Reiches die Melodieüberlieferung relativ einheitlich ist (abgesehen von den "Choraldialekten"), da ja die Neumennotation schon ein erstes Hilfsmittel der Vereinheitlichung dargestellt hatte, unterscheidet sie sich doch deutlich von der Fassung, die uns die Notation der stadtrömischen Gesänge bietet. Es läßt sich erkennen, daß zwei Stücke mit demselben Text vielleicht mal die gleiche Melodie gehabt haben. Aber ansonsten hat die stadtrömische Variante viel mehr Verzierungen, Motive werden mehrfach wiederholt, alles ist, um den Fachausdruck zu gebrauchen, viel melismatischer.

Aber: Daraus gibt es ganz unterschiedliche Folgerungen. Die eine glaubt an unterschiedliche musikalische Charakteristika der Römer und der Franken. Forscher, die diese vertreten, sagen, die ("barbarischen") Franken hätten die komplizierten römischen Gesänge nicht singen können. Die Italiener hätten quasi schon immer die geläufigeren Kehlen gehabt und deshalb besser die Koloraturen singen können. Die Franken hätten dann die Melodien vereinfacht, die Gregorianik sei also eine dem fränkischen Musikstil angepasste Musik.

Dann gibt es noch ein, die ist quasi neutral. Sie besagt, die Römer hätten damals zu Karls Zeiten die Fassung der Gesänge für klein besetzte Gottesdienste weitergegeben, das, was später als stadtrömische Gesänge aufgezeichnet worden wäre, wäre die Fassung für opulente Gottesdienste. Haut entweder in dieselbe Kerbe (die Franken haben das komplizierte Zeug nicht so schnell lernen können) oder orientiert sich daran, daß so weit von Rom weg vielleicht eine Liturgie, die mit Anwesenheit des Papstes rechnet, nicht gebraucht werden kann.

Aber was ist, wenn die Franken die unrsprünglich "richtige" Fassung hatten, und die stadtrömische Fassung zeigt, was nach zwei-, dreihundert Jahren durch fröhliches Improvisieren und den Wandel des Musikgeschmackes passieren kann. Die Franken konnten den Gesängen nichts mehr hinzufügen, die grundsätzliche Gestalt, insbesondere die Menge der Noten pro Silbe war ja schon durch die Neumennotation festgeschrieben. Soviel zur Kontinuität von Musik in nichtschriftlichen Traditionen. (Nicht daß ich behaupten wollte, die Römer wären eine nichtschriftliche Kultur gewesen, aber in Punkto Musik gab es dort jahrhundertelang nur die nichtschriftliche Tradition.)

Soviel für heute. Wer es durchgehalten hat, meine zwei Megapostings bis hierher zu lesen: Vielen Dank. Ich hoffe, es hat Euch was gebracht...

Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #45 vom 11. Nov. 2002 13:27 UhrKaren Thöle Profil

nach oben / Zur ÜbersichtVorsicht gerade bei der Musik!

Hallo Thomas!

Gerade, was Musik anbelangt, wäre ich doch eher vorsichtig. Grundsätzlich würde ich davon ausgehen, Musik, die in sog. "Rückzugsgebieten" aufgeschrieben oder aufgenommen wurde, für nicht wesentlich älter zu halten als eben dieses Notat bzw. diese Aufnahme. Auch in Kulturen, wo die Musik nicht aufgeschrieben wird, verändert sie sich. Wenn Du mir Quellen nennst von "Volksliedern" oder weltlicher Mehrstimmigkeit des Mittelalters, also Handschriften des Mittelalters aus den Gebieten, die Du meinst, dann kann man selbstverständlich anfangen, über Kontinuitäten nachzudenken - aber, methodisches Problem: Wer überhaupt Musik aufschreiben wollte, mußte an der mitteleuropäischen "Mainstream"-Musik geschult sein - also hatte Dein "Rückzugs-Gebiet Kontakt nach außen.

Ich bin deshalb so skeptisch, weil ich mich letztens mit jemandem unterhalten habe, der meinte, zum Thema mittelalterlicher "keltischer" Musik ließe sich gut vieles im Internet finden. Auf mein Nachfragen meinte es, die spielten doch auf den gleichen Instrumenten wie früher.

Allein das gleiche Instrument ist nicht das Kriterium. Ich kann auf meiner Harfe alles mögliche spielen, solange der Tonumfang und die Zahl der Vorzeichen nicht überschritten werden. Das, was ich heutzutage auf Keltischen Harfen gespielt gehört habe, zeigt mit der Aufteilung Melodie plus gebrochene Dreiklänge deutliche Spuren von Beeinflussungen durch die Musik des 18. und 19. Jahrhunderts. Der altertümliche Klang kommt durch das Fehlen von Leittönen auf dem Instrument Harfe, und es würde einen ähnlichen Effekt geben, wenn ich Mozart auf der Keltischen Harfe spielen würde. Wenn man da jetzt einen älteren Kern postuliert, muß man erstmal abstrahieren, was die neuere Beeinflussung ist und was der Kern. Und das dann für jede Epoche, in der eine solche Beeinflussung denkbar ist...

Skeptisch bin ich auch, weil es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch schon den Versuch gegeben hat, bestimmte klanglichen Elemente als "germanisch" zu identifizieren. Im 15. Jahrhundert traten gehäuft niederländische Komponisten in das vorher hauptsächlich von französischen Komponisten dominierte Musikgeschehen ein. Etwa gleichzeitig wurden Terz und Sexte zu den musikalisch wichtigsten Intervallen. Musikwissenschftler glaubten nun, das hätte was mit "germanischem" Einfluß zu tun, und beriefen sich auf das Singen in Terz- oder Sextparallelen, was u.a. typisch für die alpenländische Volksmusik ist.

Heute versteht man die Musik vor 1400 und auch diesen Wandlungsprozess besser. Die Akzeptanz der Terz und Sext hat ihre Wurzel in englischen Einflüssen, und diese Musik, die für uns heute schwelgerischer Wohlklang ist, muß für die damaligen Leute wie Jazz geklungen haben. Die alpenländische Volksmusik, die man sich damals als uralt vorgestellt, ist im 18. Jahrhundert deutlich geprägt worden durch Einmischungen irgendeines österreichischen Kaisers. Unter den mehrstimmigen Stücken Oswalds von Wolkenstein (ca. 1400) sind ein paar, wo man annimmt, daß wir einen kleinen Blick werfen können auf improvisierte Mehrstimmigkeit, wie sie damals in Tirol gebräuchlich war. Ergebnis: Nix mit "germanischen" Terzen und Sexten, statt dessen überwiegend Quintparallelen. Europäischer Mainstream, wenn auch um 1400 deutlichst altmodisch.

Sorry für das Mega-Posting, aber es gefällt mir halt nicht, wenn Leute glauben, _die_ Quelle für mittelalterliche Musik in der bretonischen/irischen/schottischen/skandinavischen Volksmusik gefunden zu haben. Es gibt genug "Mittelalter"-Bands, die genau das machen, obwohl es doch aus Mitteleuropa genug Musikhandschriften gibt, aus denen man _garantiert_ mittelalterliches Material bekommen kann.

Wenn Du das gar nicht gemeint hast, Thomas; wenn Du tatsächlich _mittelalterliche_ Musikhandschriften aus Skandinavien, Schottland o.ä. kennst, dann fände ich das sehr interessant. Aber nachdem schon Deutschland (im Vergleich zum wirklich dominierenden Frankreich) schon sehr wenig Material für weltliche oder volkssprachliche Musik bietet, kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, daß die Verhältnisse noch weiter weg günstiger sein sollen.

Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #44 vom 09. Nov. 2002 22:32 UhrThomas Butters Email

nach oben / Zur ÜbersichtX, Y und die Römer

Lena, da hast Du wohl doch nicht so ganz Acht gegeben, bei Deinen diversen Vorlesungen.

Wie schon geschrieben, DNS = Deutsch und DNA = "Chinesisch" (auch oft als Englisch bezeichnet).
Von wegen einfach nur 50% vom Vater und 50% von der Mutter. Der Mann hat ein X- und ein Y-Chromosom, die Frau 2 X-Chromosome. Da das X-Chromosom größer ist, "sitzen" darauf 3000 Gene, auf dem kleineren Y-Chromosom nur 60 Gene. Also allein die Mengenverteilung spricht doch Bände - oder? (Für die Entwicklung eines Fötus zum Menschen sind ca. 30.000 Gene notwendig, für die zum männlichen statt zum weiblichen ist aber ausschließlich nur ein einziges Gen verantwortlich, also nicht gerade sehr viel.) Hinzu kommt, daß wie schon geschrieben die M I T O C H O N D R I A L E DNS nur von der Mutter auf die Kinder vererbt wird. Also ist eine verwandtschaftliche Nachweisführung über mehrere Generationen rückwärts nur über die Mutter (= weibliche Linie) möglich.

Erst kürzlich war diesbezüglich ein wunderschönes Beispiel in einem Dokumentarfilm zu sehen. Es ging u.a. um die Identität des sog. Kaspar Hauser, dessen angebliche Abstammung vom Hause Baden nun per Gen-Test (mit einer heute lebenden weiblichen Nachfahrin der vermeintlichen Mutter) eindeutig ausgeschlossen wurde.

Um also hier endlich einen Schlußstrich unter das Thema genetische Verwandtschaft mit den "verschwundenen" alten Völkern zu ziehen, bitte ich Dich und alle anderen, wie schon geschrieben, sich an Deinen Biologieprofessor (ggf. auch Fakultät Anthropologie) an der Uni zu wenden. Genauere Erläuterungen würden wirklich gnadenlos dieses Thema sprengen und vom Kern der Sache zu weit abschweifen.

Also immer diese Römer!
Technische Überlegenheit ist wohl ein Aspekt (siehe Neuzeit - nach '45 - Vorreiter in der Elektronik und Englisch), jedoch nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ist Macht. Die Römer waren in ihren Kolonien keine Gäste, sondern die herrschende Klasse. Wer also damals was werden wollte, der mußte sich z.B. beim Militär (siehe z.B. Arminius = Hermann) oder im Beamtendienst sprachlich und kulturell anpassen (so wie es in der Neuzeit Germanisierung gab, so gab es in der Geschichte auch Romanisierung). Auch Otto Normalverbraucher kam ohne die Kenntnis der nun offiziellen Amtssprache nicht mehr in seinem Alltag klar. Nun brauchen wir nur noch zu schauen, wo sich diese italischen (extra so geschrieben) Sandalenträger am längsten rumtrieben, nachdem ihr schönes Imperium futsch war. Da gab es u.a. bis 486 das sog. "Reich des Syagrius". Und, wo lag das? Wie das Latein ("...Rekkared I. trat 589 zum Katholizismus über, und nun gingen die Westgoten rasch in den Romanen auf...") in die verschiedenen Sprachen kommt, ist nun klarer. Ich verweise diesbezüglich dringend auf die sog. "Straßburger Eide". Da ist deutliche der Unterschied zw. der Völkerschaft westl. (ehemals besetztes "Germanien") und östl. (von Römern freies "Germanien") der Grenze zu erkennen. Auch das von mir genannte Buch enthält eindeutig Angaben darüber, wann welche Völkerschaft wo "hauste".

Gebracht haben die Römer uns entgegen des immer noch propagierten Irrglaubens nichts außer ein paar Ruinen und eben den Sprachsalat bei unseren westlichen Nachbarn, so daß heute der eine Germane (siehe u.a. Salische Franken) den anderen Germanen (siehe u.a. Main-Franken) ohne Dolmetscher nicht mehr versteht. Alle sogenannten Errungenschaften der Römer sind erst in späterer Zeit WIEDERentdeckt worden (z.B. das röm. Recht, siehe 1. hist. Universität in Bologna). Es gibt keinerlei KONTINUITÄT von der Antike über das Mittelalter, dem unsere zentraleuropäische Kultur entstammt. Weder Aquädukte noch Römerkastelle (Castra Regina = Regensburg, wurde von den Germanen nur in einer kleinen Ecke bewohnt und später als Steinbruch benutzt) wurden weiter genutzt, auch nicht das Militär- oder Finanzwesen. Es ist auch in der Geschichte nie üblich gewesen, von den Verlieren etwas zu übernehmen. Und Verlierer waren sie nun einmal, als meine Vorfahren sich aufmachten, die Sandalenlatscher zurück auf ihren Stiefel zu drängen - trotz Limes. Später schauten sie sogar des öfteren auch dort vorbei (siehe Westgoten, Theoderich, Ostgoten, Langobarden usw.).

Das Aufgreifen antiker Künste und Lehren geht übrigens bereits bis auf die Renaissance zurück. Richtiger liegst Du mit den Kirchenfesten. Die sog. "beweglichen Feiertage" sind eindeutig ein Überbleibsel der ursprünglichen (Natur-)Religion unserer germanischen Vorfahren, deren Christianisierung sich ziemlich schwierig gestaltete. Die röm.-kath. Kirche besetzte daher einfach die von den Abläufen der Natur bestimmten germanischen Festtage (z.B. Sommer-, Wintersonnenwende) mit ihren (eigentlich kalendarischen) Festen und errichtete ihre Sakralbauten anstatt der heidnischen Heiligtümer (u.a. anstatt der hl. Haine und gefällter hl. Bäume). Das Zusammenwirken von Christianisierung (Zerstörung der Naturverbundenheit) und Durchsetzung des Feudalismus (Umwandlung von Gemeineigentum in Privateigentum) haben aber ansonsten gründlich mit der Kultur der Germanen als Naturvolk "aufgeräumt". Das einzig Germanische, was sich über die Jahrhunderte gerettet hat, ist daher der Ursprung unserer Sprache und bei einigen sicherlich auch ein Teil der Erbmasse dieser Volksgruppe.
Wenn wir uns aber mal rein auf die Musik als kulturellen Aspekte konzentrieren, so finden wir bei den verbliebenen keltischen Volksgruppen eine sehr charakteristische Musik, die man wohl zu Recht als Volksmusik bezeichnen kann. Auch Araber und Inder haben eine unverwechselbare Art der Musik, die uralte Wurzeln hat. Wie steht es aber mit uns Deutschen? Das, was man uns heute als Volksmusik verkauft, hat mit dem, was diesen Namen verdient jedoch nicht das Geringste gemein. Hat sich vielleicht bei unseren anderen germanischen Verwandten (die im kalten Norden geblieben sind) irgend etwas spezifisch germanisches in der Musik erhalten?
mfG - Thomas

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Eintrag #43 vom 08. Nov. 2002 20:46 UhrMagdalena Wohlgemuth Profil

nach oben / Zur ÜbersichtGen-Test?

schade, ausgerechnet der letzte link von der Seite funktioniert nicht. Hätte mich schon interessiert.
Ich hab immerhin 4 Semester Biologie studiert, zwar nicht sehr erfolgreich mangels tieferen Interesses an Chemie, Genetik und Mikrobiologie, aber ein paar Sachen weiß ich doch...
also, DNA=DNS. Soviel ist sicher.
Ich glaube allerdings nicht, daß etwas dabei herauskommen würde, wenn Angy diesen Test machen würde. So wie ich es verstanden habe, kann man evtl. ein paar gemeinsame Besonderheiten bei ganz bestimmten, sehr lange Zeit isoliert lebenden Volksgruppen ausmachen, allerdings ist wieder das Problem, daß die Individuen auch dieser Gruppen untereinander genetisch schon wieder soweit abweichen, daß sie vom Prozent der Abweichung genausogut Frosch und Heuschrecke sein könnten.
Zur Genetik: jedes Lebewesen bekommt bei seiner Zeugung genau 50% Erbamterial vom Vater und 50% von der Mutter. Ist physikalisch so. Von jeder Chromosomsorte von jedem Elternteil ein halbes.
Wenn ich mir das jetzt für mich überlege: mein einer Opa ist aus dem Bayerischen Wald, meine Oma aus der Schweiz, meine anderen Großeltern aus Schlesien und Ostpreußen. Und dann überlege man sich noch was wohl bei all den Völkerwanderungen, Kriegen usw. vorher passiert ist... bei Angy klang das glaub ich so ähnlich. Von daher...
Inzwischen studier ich Romanistik (=Romanische Sprachen), und da hatte ich grade auch was interessantes zu dem Thema:
Die Dozentin hatte die Theorie (mit der ich eigentlich nicht ganz einverstanden bin, weil ich mich weigere die Römer für einen kulturellen Höhepunkt zu halten, aber es ist einige Überlegungen wert), daß die Völker die römische Sprache so schnell angenommen haben, weil einfach die Römer technisch so überlegen waren. Sie haben die Sprache mit mit der Kultur mit der Technik übernommen. Siehe das Leben des Brian: "was haben uns die Römer gebracht, außer dem Aquädukt, dem... (weiß des nicht auswendig)?
Dafür spricht, daß in den Gebieten, wo die Griechen schon waren, die Sprache nicht oder viel weniger angenommen wurde; die Griechen waren schon ähnlich weit, bzw. den Großteil hatten sie ja selber erfunden, und deshalb hatte man es nicht mehr nötig. Ein Volk wird aber meistens über die Kultur identifiziert, und so glaube ich, daß die meisten Volksgruppen sich einfach soweit angepaßt hatten, daß von den alten Sachen nicht mehr viel übrig war, und dann wird halt noch kreuz und quer geheiratet und Fremdenlegionär gemacht usw. und man kann gar nix mehr auseinanderhalten.
Die alten Kulturen haben aber schon auch ihre Spuren hinterlassen. Siehe Zeitpunkt und Bräuche christlicher Hochfeste, und auch in der Sprache...
Das ist so meine Hoffnung, und in der Richtung werd ich weiter suchen. Bei dem ganzen Klassizismus und der Antike-Verehrung in unserer Wissenschaftsgeschichte ist, glaube ich, die Forschung an immer noch existierenden Resten der alten Kultur und Religionen in der europäischen Kultur vernachlässigt worden bzw. man wollte ja gar nichts davon wissen.
Nur ein paar Gedanken...
Lena

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Eintrag #42 vom 30. Okt. 2002 15:04 UhrRuth Hirschberg Profil

nach oben / Zur ÜbersichtDNA-DNS und Genealogie

Hallo Thomas,

daß man sich in der (und sei es nur die deutschsprachige) Fachwelt darauf geeinigt habe, daß sich der Begriff 'DNA-Test' automatisch auf mitochondriales DNS/DNA-Material beziehen soll, kann ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen, aber darüber wollen wir hier auch nicht streiten.... ;-)

Wichtig ist die Differenzierung der verschiedenen DNS/DNA-Typen allerdings für Forensik und Genealogie. Wer sich über dieses Thema informieren möchte, kann ja mal als Ausgangspunkt für eine schnelle Recherche hier hinsurfen, zumindest die links dieser Seite sind ganz interessant...

www.dna-genealogie.de/links.html

Ruth

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Arrow_upNeue Einträge oberhalb dieser MarkierungArrow_up

Eintrag #41 vom 29. Okt. 2002 22:41 UhrThomas Butters Email

nach oben / Zur ÜbersichtErklärung

Zunächst Dank ans "T-V"-team für die Löschung des mißratenen Eintrages. Der Rechner bei "T-V" verträgt keine "größer als"-Zeichen. Jedweder nachfolgende Text wird nicht angezeigt, das hatte ich vergessen.

Joachim, DNA-Test hat sehr wohl mit dem Thema zu tun. Wenn nach verschwundenen Völkern gefragt wird, dann durch Zufall mal irgendwelche Knochen bei Ausgrabungen (oder so) entdeckt werden, dann kann so ermittelt werden, zu welchem der Völker diese gehören. Darüberhinaus schlägt diese moderne Methode der Wissenschaft die Brücke zur Gegenwart. Sie gibt heute lebenden Menschen die Möglichkeit feststellen zu lassen, welchen Vorfahren sie selber zugehörig sind. Für den einen ist das von Bedeutung, für den anderen nicht.
mfG - Thomas

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Eintrag #40 vom 29. Okt. 2002 08:20 UhrJoachim Meinicke Profil

nach oben / Zur Übersichtnur was hat das mit dem eigentlichen Thema zu tun?

Das ist ja alles ganz nett, Thomas.
Das in den sog. Ariernachweisen lustig gefälscht wurde, ist kein Geheimnis.
Und ich erinnere mich auch noch genüßlich daran, wie der gute Rio Reiser zu Lebzeiten im Fernsehen ein Mitglied einer rechtsgerichteten Rockband mit der slawischen Herkunft seines Familiennamens konfrontierte.
Nur mit dem eigentlichen Thema dieses threads hat das doch nichts mehr zu tun.

Joachim

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Eintrag #39 vom 28. Okt. 2002 23:30 UhrThomas Butters Email

nach oben / Zur ÜbersichtAnmerkung Teil II

Diejenigen unter Euch, die den sog. Gen-Test für die Abk. für Genialitäts-Test halten, muß ich enttäuschen. :-)))
Selbige, welche ihre Gedanken in Richtung Vaterschaftstest lenkten, sind da schon eher auf dem richtigen Weg.

Schon die alten Judäer wußten, daß die Gewißheit über die Vaterschaft bei einer Geburt eines Kindes keine so sichere Sache ist, wie die Mutterschaft. Logisch, oder? Somit führen sie ihre Stammbäume über die weibliche, statt wie bei uns über die männliche Linie. Damit haben sie schon vor X Jahren der modernen Wissenschaft gewissermaßen vorweggegriffen.

Andreas (Beitrag 17), DNS steht sehr wohl für "DesoxyriboNucleinSäuren", da jedoch in Deutschland (nicht zuletzt hier in der "Taverne") besonders Wert auf das ach so "coole" Englisch gelegt wird, hier das gleiche nochmals in der "Ami-Sprache" - "deoxyribo-nucleic acid", daher DNA.

Um hier den Rahmen des Themas nicht komplett zu sprengen und keine Abhandlung aus der Genetik [(= Vererbungslehre) von Gen aus d. Griech. = Erbanlage (stellt ein aus bis zu 1.000 Nukleotiden bestehenden Abschnitt in der DNS dar), in Chromosomen lokalisiert] zu veröffentlichen, zum kurzen Verständnis nur folgendes:
* Die DNS (DesoxyriboNucleinSäuren) hat eine DOPPELHLIXstruktur (findet sich bei den Genen) und beim sog. "Vaterschafts-Test" hat man sich auf die Kurzbezeichnung "DNS-Test" festgelegt (nicht 100%, kann nur sagen, wer der Vater aus div. Auswahlpersonen NICHT ist, jedoch nicht wer von ihnen es 100%-ig ist).
* Es gibt aber auch sehr wohl einen sog. "Mutterschafts-Test" (Vererbung von irgendwelchen absolut charakteristischen Dingen in der weibl. Linie), bei dem die RINGFÖRMIGE "deoxyribo-nucleic acid" in den teilungsfähigen Mitochondrien untersucht wird. Daher hat man sich wohl zur besseren Unterscheidung in der Fachwelt auf die Kurzbezeichnung "DNA-Test" geeinigt.
Bei weiteren Fragen und anderen Unklarheiten wenden Sie Sich bitte an Ihren Arzt, Biologielehrer oder Uni-Professor.

Gen-Tests sind, Gott sei Dank, ein gängiges Instrument in der modernen Wissenschaft und Forschung (z.B. Paläontologie, Anthropologie) und kein Werkzeug für braun oder schwarz angehauchte Charaktere von Rassenwahnsinnigen. Abstammungslehre ist moderne Wissenschaft und keine Rassenlehre!
Zu meinem Bedauern gibt es dieses Forschungsinstrument erst seit geraumer Zeit. Es wäre mit Sicherheit schon vor ´33 von größtem Nutzen für die Menschheit gewesen. Da hätte man vielleicht rechtzeitig die Abstammung des österreichischen "Schnauzbartes" von einem tibetanischen Yak oder Yeti festgestellt, statt von irgendwelchen Pseudo-Ariern, die die Nachfahren der Bewohner von Atlantis (laut NS-Irrglaube) gewesen sein sollen. Mich erinnern solche "Glaubenslehren" an Dinge wie die Erde ist eine Scheibe, mit dem Stein der Weisen macht man Gold usw.

Stefan (Beitrag 19), so ist's recht. Warum immer so verbissen - "...its cool man".

Knut (Beitrag 21), es ist einem jeden sein gutes Recht in Erfahrung zu bringen, wo seine Wurzeln sind. Der eine tut es mittels Stammbaum, der andere mittels modernster Wissenschaft. Das hat absolut nichts mit "völkisch" oder dergleichen zu tun! Wenn der eine erfährt, daß seine Vorfahren Slawen waren und der andere, daß seine Germanen oder Araber oder Neger oder Eskimos wahren, ist das doch noch lange kein "Gütezertifikat", welches den Einen über den anderen stellt. Das ist früher auf einem völlig anderen Mist gewachsen!
mfG - Thomas

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Eintrag #37 vom 21. Okt. 2002 22:44 UhrThomas Butters Email

nach oben / Zur ÜbersichtAnmerkung Teil I

Hier ein Literaturtipp, wer wann und warum wohin gewandert ist und was er dort getrieben hat:

Der farbige Plötz
"Die illustrierte Weltgeschichte"
12. Auflage Neuausgabe 1998
Plötz Freiburg
ISBN 3-451-40509-1
mfG - Thomas

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Eintrag #36 vom 14. Okt. 2002 13:15 UhrSylvia Crumbach Profil

nach oben / Zur ÜbersichtMal allgemein.

Ich denke, dass man in dieser Fragestellung zuerst definieren sollte was den Begriff Volk im eigentlichen Sinne ausmacht. Die gleichen phänotypischen Eigenschaften und DNA-Inhalte können, meiner Auffassung nach, noch kein "Volk" definieren. Ein Volk kann aus der geschichtlichen Entwicklung verschwunden sein, obwohl es noch Menschen gibt, die genetischen Kriterien erfüllen. Das gilt sowohl für unsere Zeit, wie auch für die Vor- und Frühgeschichte.
Ein Volk definiert sich auch, für mich ausschlaggebend, durch einen lebendigen Zusammenhalt, durch Sprache, Lieder, Religion, Geschichten und Kunst (Folklore?). In der Archäologie werden Völker durch materielle Hinterlassenschaften definiert. Beispiel: Keine Trichterbecher mehr = Ende der Tischerbecherkultur. Leider sind Sprache, Kultur und eine lebendiges Gemeinwesen nicht (oder nur bedingt) durch materielle Hinterlassenschaften greifbar. Erhaltene schriftliche Überlieferungen sind meist durch fremde Autoren aufgezeichnet und geben auch bei "wohlwollender" Berichterstattung kein stimmiges Bild. Dazu kommt, dass die eigene Sichtweise einer fremden Kultur durch Sozialisation und Bildung maßgeblich mitbestimmt wird. So wie uns kein moralisches Urteil über ein fremdes Volk oder eine untergegangene Kultur zusteht, kann kein Volkszusammenhalt, keine Religion und keine Sprache rekonstruiert werden.

Ein verschundenes, untergegangenes oder sogar ausgerottetes Volk wird (leider) oft mit einer Vorliebe betrachtet oder diskutiert. Bestes Beispiel: Die Kelten. Hier sollte man die enormen zeitlichen Differenzen zwischen der La Tené Zeit und der Entstehung des Leitwerks in der Neokeltischen Kunst, dem Book of Kells betrachten. Es stellt sich die Frage was sich in diesem gewaltigen Zeitraum geändert hat und wie viel noch da ist! Die Unterscheidung der keltischen von den germanischen verdanken wir einem Römischen Autor, die Definition und Zuteilung der Funde der Archäologie. Aber woher kommt dann die romantisierenden Vorstellung der Geheimnisse hütenden Inselkelten, den letzten Boten verschwundener Weisheit. Das zieht sicht ja bis in die Darstellung Kölner Schotten-Clans mit Hörner so groß, das man damit Duschen könnte!

Die Frage warum Völker verschwinden ist vielschichtig und komplex. Jede nachfolgende Generation hat eine eigene Betrachtungsweise.

Ich würde vorschlagen zu diskutieren: Wie umgehe ich den ideologischen, romantisierenen oder tendenziösen Ballast in der Beschäftigung mit Vergangenheit?
Wie weit kann ich mich einem untergegangenen Volk annähern und mit welchen Mitteln?
Wie stehe ich zum Umgang mit der Geschichte, besonders mit der eigenen?

Sylvia
Projekt Folgari

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Eintrag #35 vom 09. Okt. 2002 21:14 UhrSilvia Ungerechts Profil

nach oben / Zur ÜbersichtKeltische Besiedlungsphasen

Tach!

Hier ein kurzer Abriß, welche Gebiete zu welchen Zeiten, von der heutigen Wissenschaft als 'keltisch' bezeichnet werden.

500vChr. ein Großteil der Alpenregion, unmittelbar nördlich davon gelegene Gebiete, Mittelfrankreich und wahrscheinlich Teile Schottlands (hallstattkultur) Handelsbeziehungen mit Griechenland hauptsächlich über Massalia (heutiges Marseille)

Beginnendes 5.Jhd.v.Chr. zusätzlich ein Gebietsstreifen, von Ostfrankreich bis nach Böhmen (Beginn der La Tène Zeit) Handelsbeziehungen mit griechenland und über die Alpen mit Etruskerstädten.

ca. 400v.Chr. Eroberung und besiedelung der Po-Ebene (Italien) um 390 vChr. Plünderung von Rom

Wanderungen über den Balkan, Angriff von Griechenland, wahrscheinlich wurde 279 vChr. Delphie von den Kelten geplündert.

Die Besiedelung der Nordbereiche (Nordfrankreich Britische Insel) hat keine schriftlichen Belege hinterlassen. Es gibt es unter den Wissenschaftlern immer noch keine eindeutige Meinung wann sie denn von den Kelten besiedelt wurden. Die meisten Wissenschaftler sind der Meinung, dass der Norden der Britischen Inseln schon seit 500vChr. von Kelten besiedelt wurden, einige wenige sind jedoch der Meinung, das die Britischen Inseln erst später besiedelt wurden. In einigen ernsthaften Büchern wird mit einem Augenzwinckern erzählt, dass die 'Kelteninsel' Irland einer der letzten Besiedlungsgebiete der Kelten war, bevor der Untergang begann, so gegen 100vChr.

Aisling

Quellenangaben:

Die Kelten in Mitteleuropa Salzburger Landesausstellung im Keltenmuseum Hallein Österreich 1980 , keine ISBN

Das keltische Jahrtausend Prähistorische Staatssammlung München 1993, ISBN 3805315147

Die Kelten und ihre Vorfahren Burgenbauer und Städtegründer von Otto Schertler 1999 ISBN 3894414243

Das Zeitalter der Kelten Simon James 1993 ISBN 382890663

Und das ultimative Buch über Kelten in Deutschland:

Die Kelten in Deutschland von Sabine Rieckhoff und Jörg Biel 2001, ISBN 3806213674

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Eintrag #34 vom 09. Okt. 2002 17:37 UhrUwe Doms Profil

nach oben / Zur Übersichtkelten-link

Hallo Oabab,
den Kelten-Link von nr.28 verschieb Bitte schnellstens in einen Spaß-Thread.
mis so hahnebüchener argumentation kann sogar ich nachweisen, daß die erde keine scheibe, sondern ne suppenschüssel ist, die von vier elefanten getragen wird, die auf dem rücken einer schildkröte stehen.
Grüßle, Moses der Köhler

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Eintrag #33 vom 09. Okt. 2002 17:14 UhrUwe Doms Profil

nach oben / Zur ÜbersichtHinkelsteinkultur

... ich meine ausdrücklich NICHT das letzte Asterixheft.
Grüßle, Moses der Köhler

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Eintrag #32 vom 09. Okt. 2002 17:10 UhrOlaf Overlander Profil

nach oben / Zur Übersicht... hab ich doch gesagt,

dass ich den rest nicht überprüft habe. auf die kürze zu den kelten ist das aber richtig. wer mehr über den anderen kram wissen will (ufo usw. - übrigens auch eine glaubenssache - nicht bewiesen heisst nicht gleichzeitig nicht existent ;-)), kann da ja noch schauen. wer nicht, klickt wieder weg.
wer's genau wissen will, lese bücher - zum zitieren habe ich's hier aber nicht am platz.
breiz da viken! Oabab

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