Du arbeitest ja auf einem super interessanten Gebiet! Ich werde Dir heute abend eine neugierige Mail schicken, jetzt muß ich gleich wieder los.
Ob es eine allgemeingültige überregionale Definition von Axt und Beil gibt weiß ich nicht. Fürs Grobe ist Ullis Einteilung sicher richtig. Der Einsatzzweck hängt aber mehr am Schliff und der Form als an der Stiellänge. Einseitiger Schliff (Breitbeil et al.) zum Glätten, beidseitiger (normaler) Schliff zum Fällen, Asten, Wegschneiden, Kerben hauen, Abschroten. Die Klinge kann zum Spalten gestaltet sein oder zum Schneiden, je nach Winkel …
Eine schlanke lange Spitze läßt sich leichter herstellen, weil man nicht so sehr quer zur Faser schneiden muß. Außerdem sind lange, spitzwinklige Spitzen spitziger, was bei einem Abwehrzaun erwünscht sein dürfte.
Das Entasten wird normalerweise am Fällort geschehen, weil ein Baum mit ßsten ungleich schwieriger zu transportieren ist. Spezielle Pfähle als Steigbäume teilweise beastet zu lassen halte ich für planvolle Auswahl von Bäumen mit günstigem Astwuchs.
Die von Dir erwähnten Kerben interessieren mich sehr. Es könnten einfach Bundzeichen sein, also eine Art “fertig”-Zeichen oder eine Arbeitsanweisung “diese Seite nach außen (z.B.)” oder Zählmarken für die Arbeitskontrolle und Organisation. Oder auch Rasten für Verbindungsseile? Da würde ich gerne mal Bilder sehen.
.. und was wird wo angewendet? Die Axt im Wald und das Beil beim zuspitzen? Weisst du auch welche Arbeiten wo stattfinden: entästen, zuspitzen, ect. Und welche Vorteile haben lang zugespitzte Pfähle im Vergleich zu kürzeren?
vielen dank erst mal für eure Berichte zum Thema Dechsel/Beil.. Ganz kurz was zum Hintergrund meiner Frage. Ich bin seit fünf Jahren hier in Holland bei den Ausgrabungen der Limes-Strasse mit den Holzfunden beschäftigt (zwischen 65 und 230 n.Chr.). Im Gegensatz zu der ‘einheimischen Bevölkerung’ arbeiteten die römischen Soldaten schon mit Säge und Breitbeil. Die Bearbeitungsspuren auf den Pfählen unterscheiden sich zwar, und ich glaub das man auch Beil und Dechsel unterscheiden kann, aber ganz sicher bin ich mir nicht.. Und was ist übrigens der Unterschied zwischen Beil und Axt? Ich arbeite selbst relativ viel mit Holz (ähmm.. altem dann), aber meine Erfahrungen mit traditionellen Werkzeugen sind (noch) begrenzt. ßber den zugespitzten Pfählen sind oft ‘Kerben’ zu erkennen, ein Beilschlag auf zwei Seiten, wozu dient diese Markierung? Und hat jemand von Euch vielleicht noch tipps bezüglich römischen Handwerks, und dann vorallem Holzbau? Na, bin gespannt..
ich glaub schon daß man einen Unterschied zwischen gedechselten und gebeilten Oberflächen erkennen kann. Ich nehme an die gedechselte Fläche ist feiner strukturiert und sauberer, glatter. Dagegen die gebeilte wird, bedingt durch die längere Schneide, breitere Bearbeitungsspuren haben.
@ Stefan
du hast recht mit deinen Vorlieben und Abneigungen zu bestimmten Werkzeugen. Ich benutze das Beil höchstens mal für grobe Vorarbeiten aber der Dechsel ist für mich Hobelersatz.
Widersprechen möcht ich dir bezüglich deiner Unfähigkeit. Warum solltest du unfähiger als einer unserer Vorväter sein. Natürlich kannst du mit deiner Erfahrung Rückschlüsse auf vergangenes Handwerk machen. Wenn du dich ( wie du es anscheinend tust) mit einfachem, seit jahrhunderten überlieferten Werkzeugen an Rundholz zu schaffen machst, ist der einzige große Unterschied jener, daß du es wohl aus Spaß daran machst und nicht den ganzen Tag als Broterwerb. Was die Technik betrifft fehlen dir vielleicht und höchstens nur die dicken Handgelenke.
Noch´n Link www.IGBauernhaus.de zwar nicht mittelalterlich aber um so wichtiger für den Bestand.
Europäische Technik im Mittelalter, Uta Lindgren (Hrsg.).
@Uwe # 31:
Daraus zwei Sätze, die Deine Frage beantworten könnten:
“Nach archäologischen Holzbaubefunden sind gesägte Bohlen und Kanthölzer seit dem 10. jh. nachweisbar. Der Brettschneider hatte nichts mit den Zimmerleuten zu tun, sondern lieferte das Fertigprodukt im Stücklohn.”
Trotzdem ist das Behauen von Balken bis in die Neuzeit die Regel.
Mein Eindruck aus Bad Windsheim: behauene Balken, mal mit Waldkante belassen, mal scharfkantig, aber durch die Bank behauene Balken mit ebenen Flächen.
Wegen der Winterpause war ich ganz allein auf dem weiträumigen Gelände unterwegs. Man kann dann zwar nicht in die Wohnhäuser hinein, aber Dachkonstruktion, verwendete Hölzer, Holzverbindungen, Wandaufbau kann man auch so beobachten. Und natürlich Flechtzäune, Bauerngarten, Strohdächer; insgesamt ein sehr schöner Ausflug, völlig ungestört bei Wind und Sonnenschein auf gefrorenem Boden.
wer im Schlachthof sitzt soll nicht mit Schweinen schmeißen.
Und: wie man in den Wald ruft, so schallt es hinaus.
Alsoo, wenn Du Dich deutlich ausdrückst, hab ich auch kein Problem sachlich zu diskutieren:-)
Wäre interessant, Berichte von frühen Siedlern zu lesen, die “Urwald” urbar machten. Denn, ob bei einer derartigen Kolonialisierung schon spezialisierte Handwerker dabei waren ist fraglich. Da diese jedoch von Adel und Klerus forciert wurde, würde es mich wundern, wenn es da keine Primärliteratur gäbe.
Ich hab mal bei uns im Museum gestöbert, aber da ist nix zu finden übers HMA (zumindestens nicht in den Ausstellungsräumen der Hesslichen Landesmuseums Darmstadt).
ich denke auch, daß unsere Ansichten gar nicht so weit auseinanderliegen. Aber das Provokative an Deinem Posting hat gut funktioniert! *grins*
Ich denke (schätze, spekuliere) daß genau da die Eigenleistung des Bauern/Bauherrn aufhört, wo es spezielle Werkezuge für braucht. Z.B. ein Breitbeil zum Glatthauen. Mit “abgebunden vom ortsansässigen Zimmermann” meine ich doch genau das: das das Aufmessen, Anreißen und Verzimmern, also Herstellen der Verbindungen (der ganze Vorgang ist der Abbund), das kann der Bauer nicht selber leisten, weil es eben keine Hütten aus krummen ßsten, sondern ordentliche Häuser waren. Aber ßxte zum Fällen,Asten, Ablängen (Schroten)und das grobe, waldrechte Behauen (dazu wird der Stamm so behauen, daß an den Ecken etwas Waldkante stehen bleibt: er trocknet schneller, rollt nicht vom Wagen/Schlitten, hat ein viertel weniger Gewicht, die Placken können später die Kinder als Brennholz auflesen. Dazu brauchst Du kein spezielles Werkzeug außer einer Axt. Sauber auf den Riss hauen kann bei Bedarf der Fachmann.
Und sicher wurde genauso rundes Holz zum Zimmermann geliefert. Aber das waldrechte Behauen als Zwischenschritt ist keine Erfindung von mir!
Ich fahre nächste Woche nach Bad Windsheim und schaue mir die Häuser in Echt an. Bis dahin will ich meine Meinung nicht weitersabbeln, sonst muß ich nachher revidieren und zugeben, daß alles aus runden oder perfekt winklig behauenen Hölzern gemacht ist.
Wie auch immer, ich schätze, in der Praxis meinen der Theoretiker Frank und der Theoretiker Stefan sogar das gleiche. Aber er hat mich echt herrlich auf Trab gebracht. :-)
kaum sagt man mal was von theorie und schon bekommt man schelte ;o) bei TV hat sich in den letzten zwei jahren nicht wirklich viel getan ;o(
also gut mein posting war etwas provokativ aber es war ja auch nur als denkanstoss gedacht. zu meiner person: wie man meiner unterschrift entnehmen kann handwerker, und seit meiner meisterausbildung nicht nur militärhistorisch interesiert sondern auch was das bauen betrifft mit schwerpkt dachdeckungen.
gut beim rechachieren über das bauen haben wir einige probleme ( stefan ich hatte ja gesagt das der bauer mit seiner familie die “handlanger” machen und ein spezialisierter handwerker die hauptverantwortung trägt. (btw ich hatte mal die ehre für den eifler familienzweig etwas zu machen und das war so ähnlich wie von stefan beschrieben, der gesamte clan hat mit angepackt und noch drei man aus dem dorf). aber fragen wir doch mal die “alten” drausen auf´m land wie um die vorletzte jahrhundertwende bei ihnen gebaut wurde!
und was anderes habe ich nie gesagt!
man sagt einem spezialisten das haus soll so und so aussehen, der sagt dann gut dafür brauchst du etc. etc. und dann legt man los. material beschaffung im umkreis, zurichten mit werkzeugen (hat da einer quellen?) vor ort (wobei meine quellen aussagen was stefan angedeutet hat, das das unter umständen im winter geschehen ist). doch was soll das den bauherrn gekostet haben wenn er es selbst machte? herstellung/beschaffung des nötigen werkzeugs (oder hatte eine gemeinde ein depot wo man das leihen konnte), dann in selbsterfahrung und anleitung verarbeiten? also bei einigen arbeiten stelle ich mir die verletztungsgefahr recht groß vor und der nötige handwerker macht´s bestimmt nicht für ein vergelts gott (wobei meine quellen aussagen das es handwerkern im winter immer dreckig ging da die großbaustellen in der schlechtwetter zeit ruhten!) und beim lernen ist der materialverschnitt riesig (wer kann sich das leisten?)
also eine menge fragen und das war gemeint mit dem letzten posting!
bei meinen recherchen sind mir diese halt eingefallen, und ich wollte euch mit dem provokativen posting teil haben
Ich liebe es, wenn Leute gleich eingangs posten, das sie den Thread nicht gelesen haben. Ich denke, wer sich in eine Diskussion einmischt, sollte sich kundig machen um was es geht, das gebietet schon ie Höflichkeit.
Ganz nebenbei sind hier durchaus keine Theoretiker zugange, sopndern Leute, die sich für historisches Bauen interessieren und Belege und Tipps austauschen.
Was den Rest Deines Postings angeht- der ist so allgemein gehalten, das er nicht total falsch sein kann, hat aber mit den letzten Einträgen 0% zu tun.
Das organisierte Ausschreibungsverfahren von dem Du sprichst trifft sicher auf jede große Baustelle, Du erwähnst Kirchen und Burgen, ich mag noch Stadthäuser und Anlagen wie Keltern und Mühlen und Brücken dazunehmen. Aber wenn Du den ganzen Thread liest, dann stellst Du fest, daß es hier um “bescheidene Hütte” und “einfaches Haus 13. Jh.” neben einer Motte, einer frühen Burgform im Holzbauweise, ging. Mitten auf dem Land. Glaubst Du wirklich, daß der Bauherr den Architekten/Baumeister gleichzeitig mit seiner Burg das ganze Bauerndorf in der Nähe designen und planen ließ? Daß er dafür Ausschreibungen in den nächsten Städten anschlagen ließ?
Das Handwerk in einer durch die Zünfte geregelten Ordnung darfst Du außerhalb der Städte im HMA nicht voraussetzen, parallel dazu gab es auf dem Land bis ins 20. Jh. einen anderen handwerksstand, der seine Dienste wie ein Saisonarbeiter anbot. Sagt Dir der Begriff “Störleute” etwas? Die Meisterpflicht als staatlich-flächendeckende Einheitsregelung wurde meines Wissens durch die Regierung in den 1930ern in Deutschland eingeführt.
Wegen der Theoretiker: ich komme aus einer Bauernfamilie, mein Vater hat 12 Geschwister, imsgesamt wurde ein Hof mit ca. 16 Personen von knapp 11 Hektar ernährt. Nachhaltig. Inkl. Wald und Ackerland. Nach dem Krieg noch mit Kühen als Zugvieh bewirtschaftet (wg. der Reparationen gab es nicht viel technisches Gerät). Das Holz für die Gebäude stammt aus eigenem Wald, abgebunden vom ortsansässigen Zimmermann. Ein Bauernhaus braucht einen Zimmermann, keinen Architekten.
Waldarbeit ist Winterarbeit für die Bauern. Fällen, Rücken, Talfahrt. Ich stelle mir für das Mittelalter nicht vor, daß die Bauern den Winter über auf ihren Sauerkrautfässern saßen um diese frostfrei zu halten und der Grundherr ihnen das Bauholz vom Händler liefern ließ. Aber vielleicht war es ja doch ein goldenes Zeitalter … ;-)
Hast Du mal Holz geschleift mit Zugpferden? Mit der Seilwinde? Bäume mit der Axt gefällt? Mit der Kettensäge im Akkord? Steine behauen? Heu mit Gabel und Rechen gewendet? Tagelang mit dem Traktor? Nicht als Späßchen, sondern weil Du so gelebt hast? Damit Dein Brot verdient, damit die Schafe gefüttert, die Du als Wurst mit auf die Baustelle nimmst? Ich schon. Nur hat mir die Lehre in Bezug aufs Mittelalter nicht viel Informationen gebracht. Der frühgeschichtliche Holzbau passt im Technologiebuch auf 5 Seiten inkl. Skizzen. Für diesen Bereich muß man eben ein bißchen zum Theoretiker werden, Bücher lesen die von Wissenschaftlern geschrieben werden, die vom Bauen an sich nicht viel verstehen. Wenn die gut sind, fragen die auch mal bei einem Handwerker nach. Wichtig finde ich, daß die Leute bei mittelalterlichen Bauernhäusern nicht an elende Hütten aus dicken ßsten und Stricken denken, sondern an solides Handwerk. Aber dann einen möglichst großen Anteil an Eigenleistung auszuschließen schießt weit übers Ziel hinaus. Ein Bauer im MA arbeitet nicht bei Daimler-Benz und stellt für seine neue Hausscheune einen Architekten an, er geht zum Zimmermann, läßt sich sagen, wieviel Holz er braucht, geht zum Vogt des Grundherrn, bettelt bei diesem um das Recht, das Holz zu schlagen, bekommt noch eine extra Aufgabe als Gegenleistung aufgebrummt. Im Winter wird das Holz unter Anleitung des Zimmermanns geschlagen, womöglich grob behauen (der Ausdruck heißt nicht umsonst “waldrecht” behauen), das spart Gewicht und Risiko bei der Abfuhr, und bei geeignetem Wetter zum Abbundplatz gefahren. Vom Fuhrunternehmer des Grundherren, das war nämlich der Bauer, der auch sonst zu Hand- und Spanndiensten verpflichtet wurde. Das verzimmerte Holz wurde dann unter Mithilfe der gesamten Familie von den Zimmerleuten aufgerichtet. Mal ein ganzes Holzhaus ohne Kran gebaut? Bei uns in der Gegend ist es jedenfalls noch üblich, daß z.B. beim Dachdecken jede Menge Verwandte und Bekannte mithelfen, das bleibt nicht allein dem Fachmann überlassen. Schwaben sind dazu zu geizig/fleißig. *g*
Und komisch, selbst bei der Großbaustelle des Burgherrn unter Architekten und Handwerksmeister mußten die Bauern frohnen. Lernt man beim arbeiten nicht arbeiten? Braucht es wirklich zwei Wochen, um Mörtel mischen zu lernen? Oder volle Wannen aufs Gerüst zu tragen? In unserer maschinierten Zeit vergessen wir die vielen Handgriffe oft, die nicht qualifiziert sein müssen, aber trotzdem nötig sind. War der Gerüstbauer mit den ganzen Stangen von Baustelle zu Baustelle unterwegs? Komm, die mußten von den Leuten des Bauherrn bereitgestellt werden.
Jedenfalls stelle ich mir das so vor. Quellen verkneife ich mir diesmal, damit es nicht so theoretisch wird.
Sorry, daß ich jetzt so vom Leder gezogen habe, aber mit dem “Theoretiker” und Deinem letzten Satz habe ich mich unschmeichelhaft angesprochen gefühlt. Und irgendwie habe ich das Gefühl, daß oft vergessen wird, welchen Anteil an der Gesamtbevölkerung die Bauern hatten, daß wir das Bild unserer mittelalterlichen Kultur viel zu sehr so gestalten, als wäre der dritte Stand tatsächlich dumm und unfähig gewesen, nur geeignet, mit einer Hacke im Boden zu wühlen und Kommandos der Herren gerade mal eben noch verstehen zu können. Dabei reden wir von ungefähr ALLEN Leuten, die es damals gegeben hat. Die paar Prozent Herren, Kleriker und Städter, die sollen die gesamte Kultur getragen haben? Na ja, die schriftlichen Quellen stammen eben von denen. Aber ist es wahr? Sind Bauern so blöd wie ihr Vieh? Ist Vieh blöd?
auch wenn ich den thread noch nicht mit allen postings gelesen habe, hier doch mal einige handwerkliche anmerkungen (so als denkanstoß für die theoretiker)
soweit bekannt ist wurde baumaterial verwendet was man im unmittelbaren umkreis der baustelle fand, daher die lustigen regionalunterschiedlichen baustile von nord nach süd und von ost nach west.
in der regel wurden “schlüsselfertige gebäude” von ortsansäßigen handwerkern/meistern und spezialisierten wandergesellen gebaut und nich vom “heimwerker”, da dieser i.d.R. seinen lebensunterhalt verdienen mußte. weshalb sonst haben bis zu 3 oder vier generationen unter einem dach gewohnt?
zum material ist zu sagen das es hier “zuliefer” gab die sich auf die herstellung eines baumaterials spezialisierte (siehe bruchsteingewinnung in der eifel, ziegelbrenner, zimmereien/schreinereien und schmiede etc.etc.)oder glaubt hier irgend jemand der häuslebauer reist erstmal zum steinbruch für´s fundament, kloppt da seine benötigte steine lädt sie auf und bringt sie zur baustelle. dann geht er in den wald fällt zirka EINEN hektar wald für´s bauholz, stellt sich dann auf seine baustelle und fängt an lustig drauf los zu bauen? und dann noch den rest(fachwerkbau in der region eifel/bergisches land)
also zur bauabwicklung: der auftraggeber heuert einen architekten an der alles organisiert … einen bauleiter sozusagen. der macht quasi eine ausschreibung und wirbt handwerksmeister an. diese haben ihre gesellen und helfer, wissen was man wo bekommt und zimmern dann das gewünschte gebäude zusammen. gut teilweise müssen sie die rohstoffe noch vor ort bearbeiten (aber mal ehrlich wer von euch hat schonmal einen ziegelstein hergestellt? reetgebündelt aus einem baum balken und bretter gemacht? etc.) und dann wird ein fachliches stabiles haus gebaut. und wer nun wilde spekulation vermutet schaue mal auf kirchenbauten eurer zeit oder burgenbau. für die befürworter des frohns sei noch vermerkt er möchte bitte bedenken als was man ihn auf einer baustelle gebrauchen könnte.
@ Ulli u. Uli: Seitenbeil wäre auch noch ein Ausdruck. ;-)
@ Hadu/Uwe: stimmt, Bretter sind völlig unabhängig von der Existenz von Sägewerken zu diskutieren. Sägewerke wurden erfunden, um die bereits vorhandene Tätigkeit des Sägens zu erleichtern. Kein Sägewerk = kein gesägtes Holz wäre eine logische Sackgasse. Henne oder Ei? Wenigstens hier ist die Reihenfolge klar.
@ Uwe: schwer zu sagen. In meinen Büchern habe ich dazu nichts eindeutiges stehen.
Die Klobsäge oder Brettsäge, also in einen Rahmen gespannte Längsschnittsäge hat sich allerdings von den Römern bis ins 20. Jh. fast unverändert erhalten (Schadwinkel, Das Werkzeug des Zimmermanns), es steht also einer Verfügbarkeit von gesägten Brettern nichts im Weg.
Die Verwendung solcher Bretter sollte man aber relativ sehen: es handelt sich bei solchen Sägen um die Ausrüstung spezialisierter Handwerker. Das grobe Behauen kann eine Bauernfamilie mit ein wenig Anleitung selber leisten, mit dem eigenen Werkzeug. Nur der Abbund bleibt am Fachmann hängen. Man sollte sich also überlegen, wer es sich leisten konnte, die Vorarbeiten in einer unnötigen Feinheit von Spezialisten erledigen zu lassen. Das Vorbereiten des Bauholzes ist eigentlich eine typische Winterarbeit für die Bauern. Aus der Sicht eines Bauern wäre gesägtes Bauholz unerschwinglich, aus der Sicht eines Herrn eine luxuriöse Ausgabe. Bestimmt wurde für die Innenausstattung einer Kirche viel gesägtes Holz verwendet (aber nicht im Dachstuhl!), oder für die repräsentative Täfelung einer städtischen Zunftstube, oder für Kaiser und König und sonstige repräsentative Zwecke. Aber die durchaus geräumigen und zweckmäßigen Gebäude der ländlichen Bevölkerung (im HMA ein recht großer Prozentsatz) stelle ich mir als solide verzimmerte Häuser vor, gesägte Bretter am ehesten bei erreichtem Wohlstand für die Wandverkleidungen in der beheizten Wohnstube. Also, wer sich einen extern befeuerten Ofen und den Luxus eines beheizten Extraraumes gönnen kann, der darf durchaus mit schönen breiten Brettern, geglättet und bemalt, gesegnet sein. Im HMA heißen solche Leute auf der Schwäbischen Alb aber immer noch Herr, Ritter, etc. Bis auf die Familie Blankenhorn natürlich, einem erfolgreichen Bauern, bei dem die ganze Bagage verschuldet war.
Das ist aber nur eine Meinung. Bauhistoriker bin ich keiner.
wieviele Sägewerke kennst Du denn aus dem 13. Jh.? die technik war wohl bekannt, aber “in unserer gegend” erst ab dem 14. Jh. weiter verbreitet: nämlich in bergbaugebieten und bei städten, wo eben ständig große mengen an bauholz benötigt werden. dort wurden sie ab dem 15. Jh. sogar die regel, weil nämlich bauholz teuflisch knapp wurde.
wo stand denn Herrades sägemühle? kannst Du mir nen link zu dem werk nennen?
@Stefan
ab wann lässt sich denn das brettersägen im zimmereihandwerk nördlich der alpen nachweisen?
Brettermachen geht in der Sägegrube…oder im Sägewerk mit der Gattersäge und automatischem Vorschub…Wasserkraft machts möglich. Siehe den Hortus Deliciarum der Herrade von Landsperg…
Eine Axt ist ein Werkzeug, bei dem die Schneide in einer Linie mit dem Stiel verläuft, beim Dechsel verläuft sie quer dazu, oder?
Ich hab was Axtartiges zuhause, was wohl zum Glätten und Brettermachen verwendet wurde. Das Blatt hat eigentlich typische Axtform, ist aber nur einseitig angeschliffen, und der stie ist ca. 10°-15° schräg zur Schneide gestellt, wohl damit man sich beim Glätten nicht die Finger am Werkstück aufreißt. Wie nennt man das Teil?
Ich muß hier leider passen. Vorstellen kann ich mir schon, daß es ein etwas anderes Bild gibt, aber im Prinzip ändert sich beim Wechsel von Beil zu Dechsel nicht die Position von Klinge zu Werkstück, sondern die Körperhaltung des Handwerkers. Mit dem Dechsel würde er im rechten Winkel zum Balken stehen, mit dem Beil spitzwinklig (richtung parallel).
Generell würde ich beim Glätten mit dem Dechsel allerdings von einem breiten Werkzeug ausgehen, wie im Werkzeugkasten vom Mästermyr. Den “normalen” Dechsel verwende ich selber lieber zum Räumen von ßberblattungen und für irgendwelche Improvisationen. Aber das kann auch eine persönliche Abneigung sein.
Vielleicht zu Deiner Frage passend: ich bin mal üpber einen Begriff gestolpert- ich glaube in Claus Ahrens: Die frühen Holzkirchen Europas, Theiss Vlg.,- wo architekturgeschichtlich der primitivere Verarbeitungsstandard als sogenannte “Schrotholzkirche” den glatteren Bauhölzern späterer Bauwerke gegenübergestellt wird.
Ich habe die Stelle leider nicht gleich wiedergefunden, deswegen kann ich Region und Datierung dieses Wechsels jetzt nicht nennen. Ich werde es bei Gelegenheit nachreichen. Das Schrotholz wurde als nur mit der Axt behauen im Gegensatz zum mit dem Beil geglätteten beschrieben, wenn ich mich richtig erinnere.
Ich werde mal testweise einen Stamm mit dem Dechsel glätten und die Ergebnisse vergleichen, aber aus nur meiner Kunstfertigkeit/Unfähigkeit läßt sich absolut keine Regel für die Beurteilung der Routine vergangenen Handwerks ableiten.
Weiß jemand mehr? Und immer noch: raus mit euren Literaturtipps!