ich möchte mal etwas zu regionalen Unterschieden bei der Verbreitung von Hozschuhen beitragen.
Meine Oma (sie ist 1921 geboren) hat erzählt dass sie als sie geheiratet hat und nach Schlitz gesogen ist (sie wohnte vorher ca. 10 km entfernt!) sie sich sehr gewundert hat, weil hier alles, also Stallarbeit, Feldarbeit und Gartenarbeit, mit Holzschuhen gemacht wurde, was sie aus ihrem Dorf nicht kannte. Sogar die Kinder sind mit Holzschuhen in die Schule gegangen und haben sie vor der Schule ausgezogen (sie hatten noch Schuhe drunter).
Regionale Unterschiede können also selbst bei solchen kurzen Entfernungen sehr extrem ausfallen.
Mal was zum tragekomfort. Wenn die holzschuhe richtig passen(nicht zu klein und auch nicht zu groß) dann ist das laufen darin kein problem. Ich habe es sogar geschafft in den dingern leicht zu joggen. Sieht zwar komisch aus weil man ja nicht so schön abrollen kann, aber mehr geschwindigkeit als normales gehen ist schon drin. Dazu müßen die dinger dann aber schon passen und der lederriemen über dem spann muß richtig sitzen. Recht eng damit der schuh nicht schlabbert, aber so das er auch nicht drückt. Ist ne sache wie man ihn befestigt und mit etwas ausprobieren findet man den richtigen sitz. Jeder fuß ist halt anders!
Der Holzschuh als schutzkleidung.
Ich für meinen teil habe auch schon mal barfuß geschmiedet was nicht so ein problem war. Wenn was runter fällt, dann sollte es höchstens abgeplatzte schlacke(pellets)vom schmieden sein, und die ist recht dünn als das sie , wenn sie unten ankommt nicht mehr soo heis ist. Wenn mal was abgeschrotet wird, dann nicht so das das teil wegfliegt. Denn ein Abgeschrotetes stück eisen ist im AUGE!! viel schmerzhafter. Man sollte nicht kommplet durchschroten sondern die restliche strecke eher mit einer zange abbrechen/knicken oder wegnehmen.
Was das schmieden angeht sind lederschuhe ,nach meiner erfahrung, ausreichend.
Auch wenn es mal SEHR matschig wird(acker) haben die schuhe bessere eigenschafften als leder. Aber auch dafür müßen sie richtig sitzen(fest am Fuß)
Ich hatte den vorteil, zu meiner anfangszeit, ein gutes paar zu finden. Und nachdem ich den riemen richtig gesetzt hatte ging das auch ohne socken. Und auch ohne scheuerstellen!!. Ich hatte das aber wohl eher glück mit der passform.
Fazit: Wenn ein holzschuh zeitlich zur ausstattung passt ist er ein sehr gutes Schuhwwerk und für fast alles geiegnet. Ich muß zugeben das ich diesem einfachen tragekomfort ein wenig nachtrauer):. Aber nun ja. inzwischen laufe ich viel barfuß(-:, das spart schuheverschleiß(-:
ich kenne min. einen (Berufs-)schmied, der Holzschuhe trägt und diese auch bei Seminaren den Kursteilnehmern vorschreibt. Desweiteren habe ich mehrfach Schmiede in Freilichtmuseen mit Holzschuhen bei der Arbeit gesehen. Sicherheitsschuh ist nicht gleich Sicherheitsschuh. Beim Umgang mit Pferden können z.B. Sicherheitsschuhe mit Stahlkappen zum Zehenkiller werden...
Hallo,
laut Richtlinie 89/656/EWG
des Rates vom 30. November 1989 über Mindestvorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen durch Arbeitnehmer bei der Arbeit sind Holzschuhe als persönliche Schutzausrüstung
zulässig
Hallo Steffi, ja die Gedankengänge amüsieren mich.
Aber eine ernsthafte Frage, sind das Erfahrungen von Hobbyschmieden oder von Profis?
Ich glaube nicht, dass die Gewerbeaufsicht das zulässt?!?
Bei vielen Tätigkeiten sind Sicherheitsschuhe vorgeschrieben, und gerade bei einem Schmied, denke ich, wird das der Fall sein.
Ich kenne den Fall das ein Berufschmied mittelalterliche Kleidung auf Veranstaltungen ablehnt, weil er darüber sowieso eine moderne Schürze tragen müsste (eine von vielen Vorschriften, neben Schutzbrille, Feuerlöscher etc.....)
Holzschuhe passen dabei meiner Meinung nicht ins Bild.
Ich spreche hier ausdrücklich von einem gelernten Berufsschmied, der eine Schmiede hat und normalerweise für Industrie und Privatkunden arbeitet.
auch wenn Dich die Holzschuhidee beim Schmieden zu amüsieren scheint, werden sie heute noch teilweise von Schmieden getragen.
Allerdings geht´s dabei weniger um das Ankokeln der Füße beim Drauftreten auf glühende Kohle, sondern vielmehr um das Hineinfallen von Kohlestückchen (oder sonstigem glühendheißem Zeugs)_in_ die Schuhe! Schuhe liegen nie so eng am Fuß/Knöchel an, daß da nichts hineinrutschen kann (selbst in enggeschnürten hohen Bergschuhen kämpft man gelegentlich mit Steinchnen im Schuh). Aus den Holzpantinen ist man schnell rausgeschlüpft, versuch mal, so schnell einen Lederschuh aufzuschnüren...
Was jetzt natürlich alles nichts über die Verwendung von Holzschuhen im MA aussagt ;-)
Komisch gute Schürzen für einen Schmied sind aus Leder, aber vielleicht sollte man mal eine Version aus Holz machen? Wegen dem besseren Brandschutz ;-)
Aber ich denke, dass Lederschuhe der bessere Schutz im Stall sind.
Sollte eine Kuh oder Pferd nach mir treten wollen, kann ich definitiv mit Lederschuhen den Fuß schneller wegnehmen oder auch weglaufen als mit Holzschuhen.
Was natürlich militärisch eine ßberlegung wert ist, ich rüste meine demotivierte Armee mit Holzschuhen, dann muß sie sich dem Feind stellen, weil weglaufen ist nicht.
Hier ist zum Thema Holzschuhe auch die wahrscheinliche bzw. belegte Nutzung angesprochen worden. Kann mir auch kaum vorstellen, dass die Dinger zum einen auf einem lehmigen Acker sehr hilfreich waren und über den ganzen Tag sicher auch nicht super bequem. Mit Fußlappen oder dicken Naalbindingsocken sind die Dinger sicher von der Wärmeisolation den normalen Lederschuhen mit Ledersohle deutlich überlegen. Kann mir aber auch noch eine andere als die ebenfalls angesprochene Schutzfunktion im Stall denken (übrigens: nicht nur ein Kuhfuß lässt einen über stabile Schuhe nachdenken - wem stand schon mal ein Pferd auf dem Pfuß ;)? ) - wenn ein Schmied an der Esse arbeitet fallen immer auch mal glühende Kohlestücke herab oder abgetrennte Eisenstücke (glühend) - wer da mit dünnen Ledersohlen draufsteht, wird schnell eine "heiße Sohle aufs Parkett legen" - ja, da sind dann hölzerne Sohlen (Trippen oder Holzschuhe) sicher sehr geeignet und angeraten.
Gruß, Ingo
Hallo Uli,
Vielleicht fehlt der Teil des Textes aus den du schließt, dass die Mönche keine Lederschuhe bekamen?
..."Jeder bekommt zwei Paar Schuhe für den täglichen Gebrauch, für die Nacht im Sommer zwei Pantoffel, im Winter dafür Holzschuhe."...
Ich interpretiere das aber so: jeder bekam 2 Paar Schuhe (nicht näher beschrieben, vermutlich Leder)für Tags. Für Nachts -zum reinsteigen und schnell in die Kirche zum Stundengebet schlurfen- Pantoffeln oder Holzschuhe je nach Witterung (könnte mir vorstellen, das Holzschuhe im Winter ganz nett sind auf dem kalten Steinboden in der Kirche).
Wie gesagt, vielleicht fehlt hier Text der deine Interpretation stützt. Der zitierte Text könnte aber auch für Trippen sprechen; ganz klassisch gegen Kälte von unten.
Guß, Laura
ich habe Deine Eintrag erst jetzt gesehen, sorry.
Die Funde aus Pisa waren in der Ausstellung "Pisa - Hafen der Wunder" vom 27.7 - 23.9.01 in Unna zu sehen.
Im Katalog zur Ausstellung sind die Sohlen abgebildet, einschl. einer Rekonstruktionszeichung der Trageweise.
"Die Schuhe werden mit zwei Holzsandalen dokumentiert - beide gleicher Strktur, wobei sie sich allein durch die Fußform und die Größe unterscheiden. Die Sohle hat eine anatomische Form, die im hinteren Teil angehoben ist. das Oberleder wurde zwischen den Zehen gehalten und die Senkel wurden durch die Löcher in der Sohle befestigt"
Sylvia
Projekte zur lebendigen Geschichte e.V. (i.G)
Zitat: "Außerdem werden jedem vier Paar Fusslappen...zugewiesen. ... Jeder bekommt zwei Paar Schuhe für den täglichen Gebrauch, für die Nacht im Sommer zwei Pantoffel, im Winter dafür Holzschuhe."
Sekundärquelle:Klosterleben im Mittelalter; Hrsg. Georg A. Narciß; Insel Verlag Frankfurt am Main 1989
Primärquelle:Monumenta Germaniae historica: Legessctio II. Band I, p.343 sqq. Capitualre monasticum
Das Mönchskapitular stammt aus dem Jahr 817. Es enthält eine ausführliche Aufzählung der vorgeschriebenen Bekleidung für Mönche. Schuhe aus Leder sind dort nicht erwähnt, weshalb ich vermute, dass mit den o.g. genannten Holzschuhen keine Trippen gemeint sind.
Was sagt denn der Rest der Holzschuhdiskussion dazu?
Gruß Uli
Mal was Vor-Mittelalterliches. Ein ZDF Bericht schilderte die Funde des Römischen Hafens von Pisa. Im Film kam auch die Italienische Archäologin Giuditta Grandinetti zu Wort :
"Durch diese Ausgrabung erfahren wir viel über das Leben der Menschen auf diesen Schiffen. Denn wir haben vor allem Alltagsgegenstände der Seeleute gefunden: Holzschuhe, Bastkörbe, Kleidung aus Leder - und sogar die Bürsten, mit denen die Matrosen die Schiffe reinigten."
Ja, es gibt, "rheinische" Holzschuhe. Jan van Bakel erwähnt Holzschuhe von Karlsruhe bis zum Niederrhein. Aber wie unten schon erwähnt, kann man grundsätzlich nicht von "dem" Holzschuh sprechen, sondern es gibt oft regionale Unterschiede. Da Du ja aus der Aachener Gegend bist, empfiehlt sich sicher etwas Recherche in den Heimatmuseen Deiner Umgebung durchzuführen.
Im Niederdeutschen Dialekt am Niedderrhein werden Holzschuhe wie im Niederländischen als Klompen bezeichnet. Die Schuhe waren/ sind hier etwas flacher als die spitznasigen "Holländer", aber wohl noch nicht ganz so flach wie die westfälischen Holschen. Niederrh. Klompen sind auch nicht so hochgezogen wie holländische. Auch in diesem Merkmal ähneln sie eher ihren westfälischen Verwandten. Allerdings wird am Niederrhein kein so großer Lederbesatz ("Liär") angefügt, wie beim Holschen, Statt dessen findet man als "Leer" am Niederrhein einen schmalen Lederriemen, der etwa dort verläuft, wo beim Holschen das "Liär" endet.
In wie weit das noch auf Aachen zutrifft ist wie gesagt noch zu klären. Aber das dürfte wohl bei Dir vor der Haustür am einfachsten sein.
Sowohl "Liär" als auch "Leer" sind niederdeutsche Worte für Leder. "Liär" ist lediglich die westfälische Dialektvariante. Im Niederländischen heißt Leder übrigens ebenfalls "leer".
Auch die Sitte mit Kindern zu Nikolaus einen Holzschuh mit Hafer oder Wurzel (Möhre) drin aufzustellen ist / war grenzüberschreitend am Niederrhein sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden verbreitet. Der Hafer oder die Wurzel waren dabei als "Futter" für das Pferd des Nikolaus gedacht.
Soweit Du als Grenzanrainer des Niederländischen mächtig bist, empfehle ich Dir noch die Seiten des oben schon erwähnten Herrn Bakel. Der Autor hat vor einigen Jahrzehnten seine Diss. über die Verbreitung der Klompenherstellung geschrieben.
Ich habe mal gehört, daß es einen rheinischen Holzschuhtyp gibt. Er soll sich deutlich vom niederländischen und westfälischen unterscheiden. Ich suche Beschreibungen und Abbildungen, brauchen sich nicht auf das Mittelalter zu beziehen. Kann mir jemand helfen?
Grüße, Ingo
Hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung der bisher im Thread gesammelten Informationen:
Die derzeit ältesten bekannt gewordenen geschlossenen Holzschuhe stammen aus dem Holland (Amsterdam und Rotterdam) des 13. Jh., sind durch die besonderen, nassen Bodenbedingungen konserviert worden und entsprechen in der Form einem noch heute in Holland gefertigten Holzschuhtyp. Ein Bild des A-dam Klomp kann bei mir via E-Mail erfragt werden (Quelle: Baart, s.u.). Beide Funde sind in den letzten beiden Jahrzehnten gemacht worden und sind daher noch nicht allgemein in der Literatur verbreitet.
Weitere Funde aus dem niederländischen grenznahen Raum zur heutigen Bundesrepublik (Twente) sind noch nicht eindeutig als Klompen oder Trippen einzuordnen sind jedoch nach den holländischen Funden untersuchenswert.
Die älteste hier im Thread bekannt gemachte bildliche Abbildung eines geschlossenen Holzschuhs findet sich auf dem Dortmunder Baegert Retabel (Link s. Posting vorher). Die Malerei ist von 1475. Die Werkstatt des Malers war in Wesel am klevischen Niederrhein, einer damals (wie zum Teil noch heute) eng kulturell und politisch mit dem Gebiet der heutigen Niederlande verzahnten Region. Der Aufstellungsort des Altarbildes ist seit jeher Dortmund. Der Träger des Schuhs stammt aus dem bäuerlichen Milieu. Er trägt die Holschen wahrscheinlich über Lederschuhen.
Pieter Aertsen hat im 16. Jh. typische "spitznasige" Holländerklompen und solche mit Stollen auf mehreren Bildern verewigt:
Da die von mir im Eintrag 24 verlinkte Gesamtansicht der Mitteltafel der Dortmunder Baegert Retabels leider aus urheberrechtlichen Gründen aus dem Netz genommen worden ist, hier noch einmal ein Link zu einer weiteren Ansicht in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung: