ich habe leider den Namen des Buches vergessen kann aber sagen das in den Badestuben des 14Jhd. Frauen ihre dienste anboten. In diesen Buch waren auch Illustrationen wie es dort herging. Der Bader war ihr “Zuhälter” und es wurde von der Kirche gebilligt.
ßber ein paar Sachen bin ich noch gestolpert, obwohl ich mich eigentlich mit anderen Dingen befassen wollte *g*:
- Abbildungen könnte es auch im Kontext der biblischen Geschichte vom verlorenen Sohn geben. Der soll angeblich sein Geld auch mit “Buhlerinnen” durchgebracht haben. Ich habe sogar mal ein Kirchenfenster (Hannover?) mit der Thematik gesehen, aber dummerweise damals nicht auf Details geachtet.
- George Duby: Frauen im 12. Jahrhundert (was sich zusammensetzt aus den Büchern von ihm, die Christoph in einem der ersten Einträge genannt hat) hat nichts wirklich deutliches zum Thema. In einem Kapitel über Maria Magdalena streift er es aber manchmal. Charakteristisch scheinen offene Haare und Schminke zu sein. (Das passt gut zum Benediktbeurer Osterspiel aus der Carmina Burana, wo Maria Magdalena sagt “Chramer gib die varwe mir…” usw.). Wenn sich das rumspricht, werden wir bald auf mehr Veranstaltungen Frauen mit Gebende sehen. *g*
- Turkey mal anders: Gründungslegende des Magdalenenordens:
“Ein Kanoniker sieht 1225 am Kreuzweg außerhalb der Stadt Worms Dirnen auf Kundschaft wartend und schlägt auf sie ein. Das Flehen der armen Frauen, ”Herr, gebt uns nur Wasser und Brot, und wir wollen in allem euren Willen tun“, läßt ihn einsichtig werden, die ökonomische Not als Zwang zur Prostitution erkennen und durch eine Ordensgründung auf Abhilfe sinnen.” Zitat aus: Ernst Schubert, Fahrendes Volk im Mittelalter, S. 322. Wann diese Gründungslegende aufgezeichnet wurde, weiß ich auch nicht.
- Noch ein Hinweis aus dem eben genannten Buch: “Rudolf von Schlettstadt erzählt Ende des 13. Jahrhunderts von der Frau eines Spielmanns, einer Edelkokotte, die auf einem Pferd von Herr zu Herr (”de domino ad dominum“) ritt.” (Schubert, Fahrendes Volk… S. 319).
Seit Monaten suche ich schon Material für die Darstellung einer “freien Frau”, aber wie du wohl gemerkt hast ist es schwierig etwas konkretes für die Zeit und den Ort zu finden, zumindest geht es mir so.
Vor allem wenn man keine Prostituierte in einem Frauenhaus darstellen will sondern wie ich eine “fahrende Frau”, dann gab es noch von Stadt zu Stadt verschiedene Kleidervorschriften, denn das hellgelbe Kleid (an dem dich auf den Märkten jeder als Hure erkennen würde) war auch nicht die Regel……
Mit Dame Venus empfehle ich dir auch nichts neues (leider wurde in diesem Buch über franz. Städte resergiert), aber einen ganz hilfreichen Teil an Informationen bekam ich durchs Internet. Wenn du mit der Suchmaschine “Google” etwas durchs Netz stöberst.
Leider ist mir die Adresse abhanden gekommen, aber such mal die Geschichte “Das ehrlose Leben der Maria Baslerin”, die ist meiner Meinung nach ganz informativ, spielt zwar leider auch nicht in der von dir gewünschten Zeit, aber es wird darin das Leben zweier fiktiver Prostituierten im Spätmittelalter erzählt.
Hoffe ich konnte dich vielleicht einen Schritt weiterbringen.
Zum Schluss muß ich aber auch noch mal anmerken, das es nicht nur die Kleidung und das Aussehen ist, was einen als Hure brandmarkt sondern auch die Körpersprache und das “Verhalten”, eben die Art wie man sich gibt, z.B. Bein zeigen ect.
Du suchst sicher auch Abbildungen. Eine Möglichkeit ist es vielleicht, die illustrierten Rechtsspiegel (Sachsenspiegel o.ä.) durchzusehen nach den entsprechenden Abschnitten, und dann zu schauen, ob da ein Bild bei ist, da kenn ich mich aber nicht so aus. Vielleicht weiß da aber jemand anders was. (Hallo? ;o) )
Du solltest aber auch mal Ausschau halten nach Bildern von Maria Magdalena. Unter diesem Namen haben sich nämlich im Laufe der Jahrhunderte verschiedene biblische und nachbiblische Geschichten angesammelt und Einfluß auf die Darstellung genommen.
Die Darstellung der Sünderin: Man hat angenommen, daß Maria Magdalena die Ehebrecherin war, die Jesus vor der Steinigung bewahrt hat, und auch die Sünderin, die ihn kurz vor seiner Festnahme mit einem kostbaren ßl gesalbt hat. Das führt dazu, daß Maria Magdalena auf Bildern oder als Skulptur oft als Prostituierte dargestellt ist.
Maria ßgyptica: nicht damit zu verwechseln. Eine andere Maria soll im 1. Jahrhundert in ßgypten in der Wüste als Einsiedlerin gelebt haben, bis ihre Kleidung total zerfallen und ihr Körper dafür von ihren Haaren bedeckt war. Auch diese Maria wurde für Maria Magdalena gehalten. Wenn Deine abgebildete Maria Magdalena am ganzen Körper behaart oder aber nackt und mit langen Haaren, die den ganzen Rumpf bedecken, gemalt ist, hast Du die Maria-ßgyptica-Darstellung.
Schlechte Nachricht: Eine passende Maria-Magdalena-Darstellung von etwa 1250 kenne ich auch nicht. Aber Du kannst ja die Augen offenhalten…
Leah Otis: Prostitution in medieval society. The history of an urban institution in Languedoc. Chicago 1987
Das Languedoc ist zwar weit weg, aber von der Zeit dürfte es Dir näher kommen. Schuster bezieht sich in seinem “vor dem 14. Jahrhundert”-Kapitel ausdrücklich auf sie.
Inzwischen habe ich das vorher angesprochene Buch neben mir liegen. Manches, was ich gesagt habe, kann ich jetzt etwas korrigieren.
“meretrix” bedeutete ursprünglich “Frauen mit einem unsoliden Lebenswandel”. Die Wortneubildung “meretrix publica” oder “publica mulier” - also das ßquivalent zu meinen schon genannten “gemeinen Frauen” - entstand um 1100, um die “käufliche” Prostituierte von Frauen abzugrenzen, die unverheiratet mit einem Mann zusammenlebten oder die ohne finanzielle Interessen wechselnde Liebhaber hatten. Die Begrifflichkeit geht aber trotzdem oft noch durcheinander. Im 13. Jahrhundert wird dann oft “fahrende Frau” als “meretrix” übersetzt bzw. umgekehrt.
Diese Gleichsetzung zeigt sich besonders bei den Gesetzestexten des 13. und frühen 14. Jahrhunderts. Wie fahrendes Volk haben die “gemeinen Frauen” manchmal gegenüber der “Normalbevölkerung” verminderte Rechte, manchmal stehen auch sie ausdrücklich unter dem Schutz des Gesetzes.
Seit dem 13. Jahrhundert scheint es aber auch seßhafte Prostituierte zu geben. Schuster nennt als Quelle eine Predigt von Berthold von Regensburg (gest. 1272, von wann die Predigt ist, schreibt er leider nicht). Die Nennung der “gemeinen fröuwelin…auf dem graben” läßt schon an Bordelle denken. Diese scheinen im deutschen Raum am Rand, aber nicht außerhalb der Stadt zu liegen. Irgendwann, ob noch im 13. Jahrhundert oder erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts, wurden dann in den meisten Städten die Prostituierten unter die Rechtsaufsicht des Henkers gestellt (er behält nach Einführung der städtischen Frauenhäuser ab etwa 1350 meist noch ein Recht auf einen Teil der Einnahmen aus dem Frauenhaus).
Nur der Vollständigkeit halber:
Die Frauenhäuser selbst (deren Gründungswelle ab etwa 1350 einsetzt) sind von den Städten eingerichtet worden, um “das Milieu” besser kontrollieren zu können. Der “Frauenwirt” sollte an und für sich auch kontrollieren, daß in seinem Laden keine Hehlerware verkauft wurde, daß nicht gotteslästerlich geflucht wurde….
Stereotypes Argument pro Frauenhäuser war, daß man verhindern wolle, daß ehrbare verheiratete Frauen oder jungfräuliche Töchter in ihrer Tugend durch Annäherungen unverheirateter Männer gefährdet wurden; verheirateten Männern war der Besuch eines Bordells verboten, wenn sie das auch nicht immer einsahen…
Die städtischen Frauenhäuser lassen sich vielleicht am besten als Wirtshäuser mit Aniemierbetrieb, überteuerten Getränken und “Separees” beschreiben. Mann konnte auch hingehen, um einfach nur einen netten Abend mit Kumpels beim Wein zu verbringen.
Das Frauenhaus war keine Idylle. Die Politik des Frauenwirtes, daß seine Frauen Kleidung und Essen nur bei ihm kaufen sollten, nutzte er meist dazu, die Preise 2-3mal so hoch wie normal anzusetzen, so daß die Frauen bei ihm Schulden hatten. Konnten sie die Schuld nicht abbezahlen, konnten sie nicht aussteigen, wenn sie nicht eine Person oder Institution (z.B. die Kirche) fanden, die diese Schuld bezahlte. Diese Abhängigkeit ermöglichte ihm auch, die Frauen an andere Frauenhäuser im Umland weiterzuverkaufen.
Und, last but not least: Mobilität bleibt üblich. Zu Großereignissen reisen auch die Prostituierten in Massen an (beliebtes Beispiel: Konstanzer Konzil, je nach Quelle 450-1500 Prostituierte vor Ort, und das bei einem Konzil…).
Bis denn
Karen Thöle
PS: Interessant für die, die immer noch an den Mythos vom gelben Kleid glauben, sind die vier Seiten (S. 147-150) Tabelle mit Zusammenfasungen von Kleiderordnungen für Prostituierte (ab 1319). Am häufigsten das Verbot, “ehrbare Kleidung” oder Schmuck zu tragen. Bei den Anordnungen, was sie stattdessen tragen sollen: Die gibts eher selten, und sie bieten wirklich kein einheitliches Bild…
Sorry, ich bin immer noch im 15. Jahrhundert, habe inzwischen das Buch von Schuster gelesen, und kann mehr zu den Namen sagen. Die städtischen Quellen benutzen meist “beschönigende” Bezeichnungen wie “gemeine Frauen” (im Sinne von “allgemein”), “öffentliche Frauen”; das Wort “Geldtöchter” taucht auch irgendwo auf. Umgangssprachlich war - zumindest im 15. Jahrhundert - das Wort “Hure” gebräuchlicher. Allerdings war es auch da schon abwertend: Wer eine ehrbare Frau eine Hure nannte, wurde für diese Beleidigung streng bestraft.
Schuster bringt auch einen kurzen ßberblick über die Zeit vor der Entstehung der “Frauenhäuser”. Ein Buch, das er da nennt, könnte hilfreich sein, wohl auch für die Zeit, die Dich interessiert:
Dame Venus : Prostitution im Mittelalter / Jacques Rossiaud; München : Beck, 1989
Was ich aus dem ßberblick bei Schuster noch im Kopf habe, ist nicht mit Daten versehen (ich habe das Buch leider auch nicht dabei), aber er schreibt, daß der lateinische Name für Prostituierte (“meretrix”) zunächst eher “fahrende Frau” bedeutete mit der Nebenbedeutung “Frau mit unsolidem Lebenswandel” in Bezug auch auf Sex. Die seßhafte berufsmäßige Prostituierte scheint (möglicherweise gerade in “Deiner” Zeit, wie gesagt, habe keine Daten mehr im Kopf) als benennbares Phänomen etwas so Neues gewesen zu sein, daß die Schreiber neue Wortkombinationen wie “meretrix communis” bilden mußten.
Was die Daten anbelangt: Ich schau zuhause nochmal nach…
danke für eure Buchvorschläge, da werde ich mich mal nach bemühen.
Allerdings bin ich schon auf der Suche nach Material über Huren in der ersten Hälfte des 13.Jahrhunderts. Da die Gesellschaft sich stets änderte ist mir mit Material übers 15. und 16. nicht wirklich geholfen, sorry.
Und den richtigen/mittelalterlichen Terminus für Huren zu finden ist sicherlich auch schon mal was, aber ist da nicht mehr drüber bekannt???
Freie Frauen ist die Bezeichnung im Titel eines Buches von Beate Schuster ueber Prostitution im 15. und 16. Jahrhundert (Die freien Frauen. Dirnen und Frauenhaeuser im 15. und 16. Jahrhundert).
meint ihr dass das hier nicht ein bisschen am Thema vorbeigeht? Einen Thread mit “darf-man-das-jetzt-so-sagen-diskussionen” im Keim zu ersticken halte ich für ziemlich albern und unproduktiv.
Im Holländischen heißt “te huur” “zu vermieten”, und auch das niederdeutsche Wort “Heuer” für Seemannslohn dürfte damit verwandt sein. Sieht also so aus, als würde “Hure” die vorübergehende Käuflichkeit der betreffenden Frau benennen. Also schlicht eine ehrliche Bezeichnung für den tatsächlichen Zustand, und sicher angemessener als das hochtrabende “Prostituierte” (danke, Stefan, für deine sozialkritischen Anmerkungen!).
ich schätze, daß sich eine Hureninitiative aus demselben Grund mit so einem deutlichen Wort bezeichnet, wie sich manche Behinderten-vereinigungen als Krüppelinitiative bezeichnen:
um Klartext zu reden und nicht schöngeredet und dann vergessen zu werden. Du kannst jemand mit Behinderung im einen Extrem als Krüppel bezeichnen, dann weißt Du, daß er Probleme hat, oder im anderen Extrem als “Person mit anderen Begabungen”, dann hast Du die Person völlig pc im amerikanischen Stil schöngeredet und brauchst an ihren Problemen keinen weiteren Anstoß zu nehmen.
Eine Hure ist eine Hure. Ein Begriff wie “Dirne” (=Mädchen) redet das gekaufte Verhältnis wieder schöner. Ein Begriff wie Freudenmädchen noch viel mehr. Die “Freude” dürfte meistens einseitig sein.
Es mag natürlich für die Umgebung angenehmer sein, ein Hurenhaus als Freudenhaus zu sehen, genauso wird es für die Geschäfte der Einrichtung positiv sein, Assoziationen mit netten “Mädchen” und “Freude” zu wecken, aber an einer deutlichen Bezeichnung wie “Hure” sehe ich nichts auszusetzen. Die anderen Begriffe könnten genauso als Beschimpfung mißbraucht werden. Und gerade fürs Mittelalter (und auch rezente Dialekte außerhalb des Schriftdeutschen)sind deutliche Begriffe eher vorauszusetzen. Das Bedürfnis, aus einem Arsch einen Hintern zu machen, sehe ich mehr aus der Abgrenzung einer “höheren” gesellschaftlichen Schicht gegenüber der allgemeinen Bevölkerung als in einer Rücksichtnahme gegenüber dem bezeichneten Objekt begründet. Analog halte ich den Begriff “Prostituierte” nicht für empfindsamer gegenüber dem Schicksal der betroffenen Frau, sondern schlicht für ein schichtinternes Kennzeichen eines wohlständigen Bildungsbürgertums. Der Schimpfwortcharakter kommt m.E. mehr vom burgeoisen Standesdünkel als von einer Ablehnung der zugrunde liegenden sozialen Mißstände.
Also, über eine solche Vereinigung kann ich nix sagen, aber dass heutzutage gern auch der Begriff “Hure” verwendet wird, könnte daran liegen, dass er doch einen etwas verruchten Beigeschmack hat und deswegen interessanter klingt als “Prostituierte” o.ä. Achtung, das war eine Mutmassung!
Aber wie stehts denn mit der Bezeichnung käuflicher Damen (und Herren? dann aber wohl kaum von Seiten der Kirche aus) im Mittelalter? Der dort verwendete Begriff wäre doch zweifelsohne der passendste, oder?
Nicht ganz die von Dir gefragte Zeit, aber vielleicht hilft Dir dieses Bucht weiter. Ich habe es selber nicht gelesen, habe aber den Autor an der Uni erlebt. Die Vorlesung war ganz spannend. Ich würd an Deiner Stelle aber eher versuchen, es als Fernleihe zu bekommen.
Das Frauenhaus : städtische Bordelle in Deutschland (1350 - 1600) / Peter Schuster
Paderborn [u.a.] : Schöningh, 1992
Umfang: 238 S. : Ill.Hochschulschrift: Zugl.: Bielefeld, Univ., Diss., 1991
Meines Wissens bezeichnen sich heutzutage Prostituierte selbst oft als Huren und das sicher nicht um sich herabzuwürdigen. So gibt es meines Wissens eine Prostituierteninitiative namens HWG (Huren Wehren sich Gemeinsam), die gegen Ausbeutungund Unterdrückung von Staat und Zuhältern vorgeht.
Erstens ist das Original im vorletzten Jahrhundert (1874) verfasst worden. Zweifelsohne wird es seitdem neue Erkenntnisse geben, sich 100% auf diese Buch berufen wird man also nicht können.
Zweitens ist es eine allgemeine Abhandlung. Das Mittelalter ist halt nur ein Teil des Ganzen.
Dennoch denke ich, daß es sich lohnt, sich mal da durchzubeißen, und seis nur, um zu erfahren, was die Leutches aus dem 19. Jahrhundert so über diese Thema dachten und wie sies angegangen sind..