Also das Marktsprech ist ja irgendwann zu Anfangszeiten der Mittelaltermärkte vor zwan(?)-zig Jahren eingeführt worden, um den damaligen Touris nicht nur durch die Kostümierung zu vermitteln, dass “man” sich in einer “anderen” Zeit befindet. Vornehmlich von Gauklern und Spaßmachern mit direktem Kontakt zum Publikum gesprochen hat es halt eine lustige Atmosphäre verbreitet und dafür wars ja auch ne Zeit lang gut. Mittlerweile trauen sich ja auch schon mal ein paar Touris, uns auch in dieser Sprache anzusprechen, was manchmal recht ungelenk und oft auch beleidigend wirkt, weil man ja jetzt - wenn man sich schon traut - besonders burschikos daherkommen muß (glaubt man). Dass wir es nicht mehr hören wollen, liegt einfach daran, dass wir es so oft mitkriegen - wir sind halt dran gewöhnt. Für uns ist das nicht mehr lustig. Also, sollte man den Menschen mal was Neues gönnen und reden wie einem der Schnabel gewachsen ist. Damit erreicht man - nach meiner Erfahrung - auch die Touris viel ernsthafter und netter. Die könnens doch auch bald nicht mehr hören, das ewige “Handgeklapper” und “höret-höret-höret”, oder?
Ich halte es auch so, daß ich in “meinem” Sprachraum schwäbisch spreche, so breit, wie es die Leute halt verstehen. Unter Freunden breiter, mit besuchern gemäsigter. Komme ich weiter in den Norden, spreche ich Hochdeutsch - so hochdeutsch, wie’s ein Schwabe halt kann ;))
Das Marktsprech mag bei jemandem, der es flüssig spricht, noch ganz amüsant sein, zuzuhören. Wenn ein geübter Alleinunterhalter eine Schar Besucher um sich zusammengeredet hat und munter vor sich hin plappert.
Aber mir persönlich ist es zu eckig und zu künstlich. Ich kann und will nicht in der Art reden.
Hiermit entschuldige ich mich bei all jenen, die ich mit meinem Eintrag verletzt haben sollte. Diese Entschuldigung ist übrigens ehrlich gemeint, da ich normalrweise jemand bin, der für Toleranz und Miteinander eintritt.
Aber wie gesagt, ich war in leicht verärgerter Stimmung, da mich das MA-Hobby grundsätzlöich sehr anzieht, aber ich irgendwei das Pech hatte bisher nur mit Leuten Kontakt zu haben, die das mit der Authentizität wohl sehr ernst nehmen.
Ich habe z. B. ein Gespräch zum Thema nähen einer Tunika gehabt. Dort teilte ich meinem Gesprächspartner mit, dass ich 6m dunkelgrünen Loden aus reiner Schurwolle günstig bekommen habe, aus dem ich mir gerne eine gugel oder sowas machen würde. Die Antwort war, dass es zwar ganz schön wäre so einen Stoff zu haben, aber wenn der nicht mit der Hand gewoben und Naturfarben gefärbt wäre, dann sei es mit der Authentizität nicht so weit her, aber für ‘n bisschen LARP würde es wochl gehen.
Ich hab’ das so verstanden: “Wir wollen Dich eigentlich nicht, wenn Du nicht 150% authentisch bist”. (Geschehen auf dem Ritterfest in Burgfarrnbach).
Ich hatte noch 2 so ähnliche Erlebnisse.
Ich schreibe das jetzt um Euch um Verständnis für meine Verärgerung zu bitten.
Wie zu sehen ist, habe ich auch meine PLZ und Ort eingetragen, obwohl ich es nicht ganz richtig finde, dass in einem Forum, das ßFFENTLICH zugänglich ist, der Realname und die Adresse verlangt wird. Gut, ich habe es getan, weil ich an das Gute und die Ehrlichkeit im Menschen glaube.
Ich hoffe Ihr könnt meine Entschuldigung annehmen.
Martin: “aber dieses sektiererisch überspitzte Beharren Mancher auf Authentizität, und damit Ausgrenzen derjenigen, die sich z. B. eben keine handgewebten Stoffe leisten können, schreckt mich ordentlich ab.” Ist ein Hammer den ich so auch nicht stejhen lassen kann. Nenne bitte konkret Ross und Reiter bevor Du hier wieder pauschal Leute verurteilst, die garantiert nicht so extrem sind wie Du es hier darstellst.
Allerdings muss ich zu Deiner Ehrenrettung sagen das ich bei meinem Allerersten besuch hier genaus so gedacht habe und einen entsprechenden Thread eröffnet habe! >;o) Leider >;o) bin ich da aber auch eines besseren belehrt worden!
Mit diesem Eintrag:“Da…. regen sich mache Leute auf, daß jemand sein Gewand aus nicht handgewebtem Stoff gemacht hat, aber alle quasseln in diesem abstoßenden, sich selbst (und damit die ganze Szene) karikierenden ”Marktsprech“.”
Hast Du mal voll in das Klo gegriffen. Da ist aber eine Entschuldigung fällig! So eine Art der Pauschalisierung trifft mich extrem hart.
“Da…. regen sich mache Leute auf, daß jemand sein Gewand aus nicht handgewebtem Stoff gemacht hat, aber alle quasseln in diesem abstoßenden, sich selbst (und damit die ganze Szene) karikierenden ”Marktsprech“.”
Martin: Leute, die ihr MA-Hobby ernst nehmen(aber mit Spaß)und Ahnung von ihrem Metier haben, reden so gut wie NIE Marktsprech.
Beste Grüße,
Achim v. Hohenberg gen. de Clavis, auch mal genannt \’der Ausdauernde\’
Martin, wie du schon selbst sagst, bist du ein Einsteiger…
Und nimm es mir nicht übel, wenn ich das jetzt so direkt sage, aber dein Posting zeigt doch recht deutlich, daß du grade von etwas schreibst, von dem du keine Ahnung hast.
Ein gutgemeinter Rat an dich:
Bevor du zu solchen Pauschalverurteilungen wie in deinem ersten Absatz schreitest, informiere dich weiter.
Desweiteren ein Hinweis von Adminseite:
Die Anforderung “PLZ und Ort” am Eingabefeld wird mit “Mittelfranken” nicht wirklich erfüllt.
…. regen sich mache Leute auf, daß jemand sein Gewand aus nicht handgewebtem Stoff gemacht hat, aber alle quasseln in diesem abstoßenden, sich selbst (und damit die ganze Szene) karikierenden “Marktsprech”.
Ich selbst bin erst absoluter Anfänger und zur Zeit noch in der Recherchephase was ich denn sein will (diverse Bücher und Foren durchstöbernd), aber dieses sektiererisch überspitzte Beharren Mancher auf Authentizität, und damit Ausgrenzen derjenigen, die sich z. B. eben keine handgewebten Stoffe leisten können, schreckt mich ordentlich ab. Ebenso abschreckend finde ich es wenn ich dauernd von irgendwelchen Leuten auf den MA-Märkten in der dritten Person Einzahl oder Pluralis Majestatis angequatscht zu werden.
Weiter oben in diesem Thread hat mal eine(r?) geschrieben, dass die jeweiligen Dialekte viel mehr Relevanz hatten als das damalige “Schriftdeutsch”, welches ja die wesentliche ßberlieferung darstellt. Ich bin der ßerzeugung, dass die Athmosphäre auf einem Markt wesentlich authentischer ist, wenn die Leute ihren jeweiligen Dialekt sprechen, anstatt diesem “Marktsprech”.
Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Wenn’s eine® versteht den mittelhochdeuschen Satzbau zu verwenden und die aus Schriften überlieferte Semantik ins Neuhochdeutsche gut zu übertragen, so soll er das bitte tun und die Märkte damit bereichern - aber wie gesagt diese inflationäre Verwendung von Pseudoaltdeutsch schreckt mich eigentlich ab mich diesem Hobby zuzuwenden.
Fei wärgli, gell! <– das soll Fränkisch sein :-)
Grüße
Martin
P.S.: Also ich wollt jetzt niemanden beleidigen oder so, aber ich habe diesen Eintrag in einer leicht verärgerten Stimmung verfasst. Außerdem handelt es sich nur um meine bescheidene Meinung.
Die sogenannte “Marktspreche” gab es in Wirklichkeit nie. Sie stellt eine reine Erfindung dar. Die “gestelzte” Wortwahl eine Aneinanderreihung von Worthülsen.
Auch glaube ich nicht, daß im MA. der Bildungsstand der breiten Masse, die sich ja auf den Märkten bewegte, auch nur annähernd dem der heutigen “deutschen” Sprache entsprach. Vielmehr neige ich zu der Ansicht, daß die jeweiligen regionalen Dialekte die vorrangige Sprache war. Der Reiz eines Marktes war es doch, daß hier die verschiedenen Dialekte des gesamten “Teutschen” Sprachraums aufeinander prallten. Der Schmied sprach bayrisch, der Pferdehändler Mecklenburger Platt, der Wagner schwäbisch, usw.
Die Vielzahl der Dialekte war es auch, daß im Schriftverkehr, bei Verträgen usw., oft die merkwürdigsten Schriftsätze auftauchten. Auch wurden die Namen der Marktbeschicker (Reisende) von Ort zu Ort anders notiert. Die jeweiligen Marktmeister schrieben eben die Namen nach Gehör. Eine allgemein gültige Sprachregelung war ja nicht vorhanden.
..heißt “Peer” upp Plattdütsch, falls du es wirklich nicht weißt :) Aber die Idee mit den “alten Dialekten” ist vielleicht wirklich nicht so verkehrt. Ist nur die Frage: was mach ich als Norddeutscher im Schwabenland? Sooo schrecklich viele Reisende gab’s im MA nun auch wieder nicht… Wie auch immer.
Mir ist aufgefallen, wenn ich mal den Sachsenspiegel oder andere alte Quellen im Nachdruck(auf der anderen Seite des Buches ist die ßbersetzung ins Moderne ; )) stöbere, das wenn ich die Worte laut auspreche, es wie der Dialekt der Region klingt.
Ich gebe zu ich verstehe nicht jedes Wort.
Aber um das fürchterliche “Marktsprech” zu umgehen,
spreche ich inzwischen einfach Hochdeutsch mit starken Dialekteinschlag.
Gottseidank kann ich noch ein bischen Platt.
Tja zum ßben quetsche ich inzwischen meinen armen alten Herrn aus.
“Vadder wat heesten ”Pferd“ auf platt??”
“?, Keine Ahnung! Gaul vielleicht?”
Man merkt ganz schön schnell wie stark inzwischen unsere alten Dialekte am Austerben sind.
Schade das ich meine Großeltern nicht mehr fragen kann?
Wie bei vielen Buchwünschen empfiehlt sich eine Suche auf Amazon…
Es gibt relativ neue, günstige und leicht erhältliche “Einführungen ins AHD/MHD” in jeder Uni-Buchhandlung und natürlich auch im Internetversand. Ernsthaft interessierte können ja auch mal die Internetseiten versch. Germanistik-Institute im Web durchsuchen, ob und was da empfohlen wird.
Aber was erzähl ich hier, wo doch jeder MA-Darsteller sowieso wissen sollte, wie man an Literatur kommt / Recherche betreibt :-)
…ein paar ambientige Einsprengsel mögen ja ihre unterhaltungswert besitzen…aber meine Beobachtung aus den letzten Jahren ist, daß diverse ehemals nette Einsprengsel durch Inflationierung zu Tode geritten worden.
Zum Bleistift
“All voll” statt “Prost”
“Seid Gegrüßt” statt “Guten Tag/Hallo”
etc.pp.
Und…ich glaube nicht, daß es ambientiger wird, wenn zwar rituell das kleine, ausreichend vorgebetete und damit “bewährte” Standardrepertoire strapaziert wird, aber darüber hinaus nicht mehr viel geht.
Wenn einer wie Hajo Dreifuß sein bewundernswertes Marktsprech drechselt, und das kann er verdammt gut, bin ich, ohne historische Brille auf der Nase, begeistert. Der Mann kann das.
Wenn ich aber die standard-Mittelalterer ihr Nachgeplappertes stammeln höre (sprich: die ollen Standardphrasen, abgedroschen, aber bewährt, und ansonsten normal-neudeutsch), zieht´s mir alles zusammen.
Ebenso bei den Löwenbannerrittern und ihren drei, vier nicht eben originelleren Epigonengruppen mit dem immergleichen Oculi-Broccoli-Seich.
Marktsprech muß nicht sein, ist keine Pflicht, und a isses schon dreimal nicht.
In der Abteilung Touriebelustigung und allgemeine Unterhaltung und Spaß hat es ja seine Berechtigung (wenn es denn taugt!), aber in der Darstellung oder Geschichtsvermittlung eher nicht.
Diese gekünstelte Sprache (Marktsprech) ist absoluter Humbug.
Aber bei Karfunkel habe ich des öfteren Einträge gelesen, deren Verfasser der Meinung waren, dass es doch schön wäre, Hochdeutsch mit Elementen des Mittelhochdeutsch zu verbinden, so dass wenigstens eine etwas andere Atmosphäre aufkommt.
Wie steht ihr dazu?
Und kann mir jemand sagen, wo ich eine Einführung in’s Mittelhochdeutsch finden kann - sozusagen MHA für Anfänger?
Und Unverbesserliche schauen vielleicht lieber auf die Karfunkel Homepage, da habe ich tatsächlich einen thread über Marktsprech entdeckt, und das, obwohl laut Forumspielregeln “bedrohende, beleidigende, pornographische, sitten- oder rechtswidrige Inhalte” verboten sind :-)
Joachim,
froh darüber, daß tempus-vivit marktsprechfreie Zone ist. Dafür ein Handgeklapper bitte! :-)
Das ganze pseudomittelalterliche Gerede, auch ‘Marktsprech’ genannt, mag zwar mal nett klingen, ist aber reiner Blödsinn.
Zuerst einmal hat Marktsprech mit Mittelalter garnichts zu tun. Dann wirken noch viele der Begriffe lächerlich, oder sind so abgedroschen (alle Männer: edler Recke, alle Frauen: holde Mais) das sie einem Großteil der Leute nur noch auf die Nerven gehen.
Mein Tip daher: Sprech ganz normales Deutsch, laß die ‘modernen’ Begriffe wie OK, cool, alder usw. raus, dann kommst du miot Sicherheit am besten an.