Das mit eingeschmolzen und in eine Typische Waffe umgearbeitet halte ich auch für unwahrscheinlich. Die Germanen haben römische Schwerter für teures Geld importiert (der begriff ist nicht im modernen sinn zu verstehen, die Dinger wurden da nicht Containerweise über den Limes gebracht sondern nur in Einzelfällen gehandelt). Sowas ist aber nur was für einen wirklich hohen Fürsten mit viel Kohle.
Oder eben, wie die In Kalkriese zurückgelassenen für die Götter.
(ich hoffe ich bin jetzt hier keinem ßberzeugungsgermanen auf den Fuss gestiegen.)
Wie wärs mit einem Germanischen Krieger, der bei einer kriegerischen Auseinandersetzung einen Legionär getötet hat, und ihm nachher die Waffe abgenommen hat? (sorry, falls es den Vorschlag schon gab… hab nur ca 1/3 gelesen)
Kann mir nicht vorstellen, dass die Waffen der Gefallenen einfach liegen gelassen wurden. (Sonst müssten ja beispielsweise bei Osnarbruck heute Tonnenweise Gladi, Pila, etc gefunden werden… Obwohl diese natürlich nachher auch einfach eingeschmolzen und als Rohstoff für neue typische Waffen verwendet hätten werden können)
Tja, bei uns in der Gruppe ist auch jemand mit langen Haaren von denen er sich nicht trennen möchte und aus diesem Grunde stellt er einen germanischen Kundschafter in römischen Diensten dar, die im Vorfeld des Limes aktiv waren und lose einer Auxiliareinheit angegliedert waren. Allerdings schleppt er keinen Gladius mit sich rum, sondern die übliche germanische Bewaffnung.
Momentan tendiere ich ohnehin eher in die asiatische Richtung und versuche mich jetzt mal über China um 250 n.Chr. schlau zu machen (daher auch der Eintrag unter “Geschichte” *g*). Falls jemand etwas dazu weiß, sei es nun Gewandung, Waffen oder Lebensweise, immer her damit. Ansonsten werde ich mal Bücher wälzen… im Netz findet sich nicht gerade viel dazu, scheint mir.
Dich halten also deine blonden Haare dein Bart und deine blauen Augen davon ab einen Römer darzustellen, und das ohne dich bei der Darstellung eines Chinesen zu stören??????
(Wenn ich mich hierbei irren sollte möchte ich mich im ügrigen entschuldigen)
Kann man da eine gewisse Lücke in der Logik feststellen?!
Wenn schon mit deinem ßusseren ins Asiatische dann würde ich die Rolle des Myura Anjin (den Englischen Namen weiß ich nicht mehr) vorschlagen.
Das war ein englischer Kapitän der im 17.Jhdt in Japan landete und es unter Tokugawa Ieyasu zum Samurai brachte.
Solltest du doch wieder zu den Römern zurücktendieren (Große Teile von Augustus’ Prätorianergarde bestanden aus Germanen), möchte ich dir diese Seite empfehlen www.larp.com/legioxx/index.html
Da findest du bauanleitungen für alles was man so braucht.
In der Tat dachte ich mir auch schon, dass Erklärungsversuche für einen aus dem Rahmen fallenden Ausrüstungsgegenstand nicht so das Wahre sind. Schätze, ich sollte vielleicht wirklich eher beim Gladius als “nicht-präsentative” Waffe bleiben. Gefallen kann ich ja auch ohne passende Darstellung daran finden. ;-)
Momentan tendiere ich ohnehin eher in die asiatische Richtung und versuche mich jetzt mal über China um 250 n.Chr. schlau zu machen (daher auch der Eintrag unter “Geschichte” *g*). Falls jemand etwas dazu weiß, sei es nun Gewandung, Waffen oder Lebensweise, immer her damit. Ansonsten werde ich mal Bücher wälzen… im Netz findet sich nicht gerade viel dazu, scheint mir.
ßbrigens danke nochmal für die Ratschläge zum Römer/Germanen-Problem so weit.
…kann ich mich meinem Vorredner nur anschließen, da es meiner Meinung nach mit einer glaubhaften Darstellung nicht vereinbar ist, das alles um eine Rechtfertigung eines primär unpassenden Gladius zu konstruieren, nur weil er dir eben so gut gefällt.
Da landet man schnell bei wildesten Erklärungsversuchen, von ererbt bis Seidenstraße…
ßberleg’ Dir lieber, welche Zeit und Kultur dich entsprechend faziniert, daß Du gewillt bist, entsprechend Recherche und Mühe in die Rekonstruktion zu investieren.
ich pers. findes es merkwürdig sich eine Darstellung um einen Gebrauchsgegenstand zu bastel.
Zudem kommt das zu einer halbwegt glaubhaften Darstellung charakteristische Merkmale einer Epoche, eines Volkes mehr zum Verständnis beitragen als “erzwungende” Importe.
Ist der Gladiuns denn nun wirklich so wichtig für deine angehende Darstellung? Oder möchtest du nicht doch lieber dir eine gute Spatha (wenn es schon ein langer Fockel sein muß) zulegen? Ein Haumesser, ein Ger oder eine Frame mit Schild wären da doch sicherlich die besseren Waffen.
Schau dir doch mal die Fundlagen von Thorsberg und/oder Illerup an. Da findet sich allerhand importiertes aus Rom, jedoch kein einziger Gladius.
Nur mal so als Anregung, die nicht zwingend eine Kritik darstellt.
Also, danke erstmal für die Informationen bislang. Es scheint ja wirklich kein sonderliches Problem zu sein, die Ausrüstung zu vermischen und trotzdem kein Fantasy-Viech zu werden. Schätze zwar, dass manche das Argument des Handels als Ausrede ansehen werden, wenn sie einen Germanen mit Gladius antreffen. Aber das dürften dann ohnehin Besserwisser sein, also was soll’s.
ßbrigens habe ich mittlerweile herausgefunden, dass mein Gladius doch etwas älter ist, nämlich der Fulham-Typ. Also die Weiterentwicklung des Mainz-Gladius… ist meiner Meinung nach schon recht schwer zu unterscheiden, aber genaue Einteilung soll ja schon sein.
der Gladius vom Typ Mainz verschwindet im Lauf des 1. Jh. u.Z. aus dem Fundgut.
Gladii gibt es im nichtrömischen Europa relativ häufig (allerdings weniger die vom Typ Mainz). Die Erklärungen sind: Beutegut (?), Handelsware, persönlicher Besitz eines Germanen, der aus gesundem Profitstreben oder wegen persönlichen Verpflichtungen (i.e. er gehörte einer Gefolgschaft an) in der römischen Armee diente.
Daneben betrieb Rom noch die Politik, daß der Feind meines Feindes mein Freund ist. Einige Germanenstämme haben massiv Militär- bzw. finanzielle Hilfe von Rom erhalten. Je weiter sie von der römischen Grenze entfernt waren, desto eher haben sie als natürlicher Feind der Germanen (i.e. des benachbarte Germanenstamm) Waffen und Edelmetalle erhalten.
Germanische Kleingruppen, die sich mit Familie als “Wehrbauer” im römischen Gebiet niederließen, lassen sich durch Grabfunde gelegentlich nachweisen.
ßbrigens: der typische römische Legionär des 1. Jh. u.Z. kam aus Norditalien bzw. Südfrankreich, aus einem Gebiet mit einer keltischen Mischbevölkerung. Die Idee des südländischen Charmeurs, der alles anbaggert, was blond ist, wäre zwar für einen gelungenen Gag bei einer Veranstaltung gut, aber leider nicht a.!
Ich wüsste ja schon, welche Darstellung ich machen würde, in den ersten Jahrzehnten nach der Zeitenwende.
Würde auch prima passen; römische Offiziere, die sich dann doch eher zu ihren germanischen Wurzeln bekannten und dann einen kleinen Hinterhalt gelegt haben, in der Nähe von Kalkriese… Naja Leute die sich besser damit auskennen sind hier zu finden:
Also, einen guten Abriß gibt Dir sicher Cäsar in seinem Buch zum gallischen Krieg (als zweisprachige Reclam Ausgabe so um die 10 Euros) und ca. 150 Jahre nach Cäsar auch Tacitus in seiner Germania (Reclam ca. 10 Euro).
Zu beiden gibt es massig Kommentare, die Zeit und Text aus verschiedenen Gesichtspunkten betrachten (Bücherei, UB, StaBi, etc.).
Außerdem kannst Du Dich im Netz ja mal nach Gruppen umschauen, die Römer darstellen, da sind sicher auch welche aus der Zeit dabei (paßt übrigens afaik ganz gut zu Deiner Frage nach der Lederrüstung).
Aber ein Wort zur Warnung: Die (guten) Römlinge sind oft extrem pingelig in Bezug auf Ausrüstung etc. Für eine gute Ausrüstung kommt man schnell in den 5-stelligen Bereich. Du kannst ja mal schauen, ob Dir irgendwann mal Dan Peterson über den Weg läuft. Der hat ein Buch geschrieben (hab’s nur mal durchgeblättert und kann weder zu Titel, noch zur Qualität was sagen) über Ausrüstung, etc mit lauter Fotos von re-enactors drinnen. Der hat evtl. auch “Leihausstattung” zum reinschnuppern.
Mein Gladius ist von der Klingenform her eindeutig als Mainz-Typ zu klassifizieren, soweit ich bisher herausgefunden habe. Diese Form war offenbar um 20 v.Chr. herum üblich, mit einer gewissen Zeitspanne vor- und nachher natürlich.
Jetzt gilt es eben noch, die Umstände zu dieser Zeit herauszufinden… wenn mir jemand einen gewissen Umriss der Zeit geben kann, umso besser. Insbesondere natürlich in Hinblick auf Germanen im Verhältnis zu den Römern.
Danke für den Ratschlag. Ich sollte in der Tat ersteinmal versuchen, die genaue Zeit der Waffe herauszufinden. Häufig habe ich diese Klingenform allerdings noch nicht gesehen… hoffe mal, ich finde etwas dazu.
Noch zum Thema Aussehen: Nicht, dass jetzt jemand denkt, ich hätte das klicheeartige (und von rechter Seite beeinflußte) Bild eines “typischen” Germanen im Kopf. Allerdings sehe ich jetzt schon die schrägen Blicke, wenn ich daran denke, einen Römer darzustellen. Das allgemeine Bild ist ja in der Tat eher das des Italieners als Römer.
Sicher, die Meinung der Allgemeinheit interessiert bei der Darstellung herzlich wenig. Allerdings käme ich mir selbst auch arg komisch vor… insbesondere was die Haare anbelangt. Eine Schere lasse ich jedenfalls nicht an mich heran, um einen überzeugenden Römer darzustellen. ;-)
Na, jedenfalls werde ich erstmal versuchen, mich zur Datierung schlau zu machen. Dann kann man ja immer noch weitersehen.