Hm, Hanf gammelt schon leichter, gerade wenn er feucht wird.
Jetzt ist die Frage wie sinnvoll es ist ein Hanfseil zu imprägnieren wenn dadurch die Zunahme der Festigkeit vermutlich wegfällt.
In der Zeitschirft CIBA-GEIGY RUNDSCHAU Heft 1971/1 ist ein Beitrag von Wolfgang Weber über Seile und SEILEREIMASCHINEN.
Darin wird auf Material, Seilstärke und Herstellung von Seilen in Ägypten hingewisen
Traité de la Fabrikque des Manoeuvres von Du Hamel du Monceau, Pari 1749 beschreibt den Anbeu von Hanf, die Herstellung von Seilen und deren Prüfung. Das Buch hat ca 450 Seiten. Am Schluss ist ein alphabetisches Verzeichnis der Fachausdrücke angeführt.
In der Zeitschrift "Bergknappe 23(1999)4 S. 19 und spätere Hefte berichtet Wolfgang Weber über die Herstellung und Festigkeiten von Hanfförderseilen im 18. Jahrhundert.
Aus dem unten erwähnten Artikel läßt sich ablesen das in Haithabu und Schleswig kein Hanf während des 9.-13. Jhs. nachweisen läßt. Allerdings _kann_ die Ursache dafür die leichtere Zersetzbarkeit von Hanf gegenüber anderen Materialien (wie z.B. Bast) sein. Also nichts genaues weiß man nicht.
Hallo Martin,
Du hast recht: ich habe eigentlich nur von Hanf als Seilmaterial geschrieben. Der Grund dafür ist, dass die von mir verwendete Literatur sich hauptsächlich mit der Herstellung von Schiffstauwerk befasst und hier wohl in der Regel Hanf benutzt wurde, da es sehr beständig gegenüber Wasser und sehr reißfest ist.
Wie aber auch im Artikel steht, können Seile aus beliebigen Fasern (insbesondere Pflanzenfasern) hergestellt werden. Außerdem gilt, je länger die Faser, desto reißfester das Seil. Wenn ein Seiler nun gerade keinen Hanf zur Verfügung hat, nimmt er halt Bast oder etwas ähnliches (aber bitte kein Sisal oder Kokos verwenden, das wächst hier nämlich nicht :-)
Aber vielleicht sollte ich wirklich noch mehr zu den möglichen Rohstoffen in dem Artikel schreiben. Danke für den Hinweis.
Grüße aus Berlin vom Ilja
die Seilherstellung ist ja eigentlich das Recherchegebiet von unserem Ilja, der ist allerdings zur Zeit nicht erreichbar, deshalb vorerst schon einmal diese Antwort von mir als Seilerei-Laiin:
Der abgebildete regionale Fund ist tatsächlich ein Baststrick.
Auch mir ist schon aufgefallen, daß im archäologischen Fundmaterial häufig Bast vorkommt.
Wie Ilja aber am Ende seines Artikels expizit schreibt, ist Literatur über das mittelalterliche Seilerhandwerk nur schwer zu finden - und konzentriert sich interessanterweise eben auf Hanf als Rohmaterial (was meiner Meinung nach vielleicht daher rühren könnte, daß die meisten Autoren eigentlich über die post-mittelalterliche Seilherstellung sprechen).
Ilja wird sich zu diesem Thema bestimmt auch noch einmal zu Wort melden.
Von den in Schleswig gefundenen Seilen und Tauen des 11.-14. Jhs. waren 77% aus Eichenbast, 10,5 % aus Ulmenbast.
Weitere 9,9% waren aus Tierhaar (Wolle, Roßhaar).
Quelle: U. Körber-Grohne; Botanische Untersuchungen am mittelalterlichen Tauwerk aus Schleswig; in: Ausgrabungen in Schleswig, Berichte und Studien 7, Das arch. Fundmaterial I; Wachholtz-Verlag; Neumünster; 1989
Ruth: In eurem Artikel ist eine Abbildung von, lt. Bildunterschrift, Baststricken. Im Text geht ihr aber nur auf das Material Hanf ein?!