"Vorgeschichte": Zeit bevor der Mensch archäologisch faßbar wird
"Urgeschichte": "Schriftlose" Zeit des Menschen (keine überlieferten Berichte)
"Frühgeschichte": "Schrift" Zeit
In West-/Mitteleuropa:
Urgeschichte bis Ende La-Tene-Zeit: Römischische Frühgeschichte von Röm. Kaiserzeit bis Ende Frühmittelalter.
In Österreich:
FrühMi: Ende Weström Reich. (476) bis erste schriftliche Nennung des Namen Österreichs (996)
Hochmittelalter bis 1278 (Schlacht bei Dürnkrut & Jedenspeigen, Habsburger)
Spätmittelalter bis 1495 (Landfriede zu Worms unter Maximillian I. ("Der letzte Ritter"))
MfG, Michael
@ andreas: ich denke dein absatz ist falsch. in solch heiklen fragen wie die einteilung der epochen würde ich mich an die experten , sprich die historiker, halten. es gibt wie hier bestimmt schon erwähnt wurde mehrere eckdaten an denen die einzelnen unterteilungen festgemacht werden können. dies sind meistens tiefgreifende zäsuren
diese sind für mich
FMA aufkommen des islams- erster kreuzzug 1096
HMA erster kreuzzug- ende der staufer ende 13es
SMA ende der staufer- entdeckung amerikas oder eroberung granadas (beides wichtig)
und in dieser meinung gehe ich konform mit den meisten meine kollegen und professoren
dies gilt jedoch nur für westeuropa. in anderen teilen der welt sind diese einteilungen alles andere als passent und in wieder anderen steckt man heut noch im mittelalter.
aber deine einteilung gehört größten teils in die neuzeit.
(dies ist meine sicht der dinge, alle angaben ohne gewähr)
gruß dennis
da ich jetzt - nach einem Jahr - wieder in diesen Thread geschaut habe, muß ich mir echt Gedanken machen: da habe ich ja mit meinem damaligen Überblick (der nichts anderes sein und keinesfalls für Darstellungszeiträume o.ä. dienen sollte) ja eine mächtige Lawine losgetreten.
Einfach abhaken und vergessen, was ich geschrieben habe, und zurück zum Thema.
Lag echt nicht in meiner Absicht, so etwas auszulösen...
Mit der Bitte um Entschuldigung
Timo aka Timotheus von Falkenbach
... Deine Definition, Andreas, nutzt niemandem, wenn sie niemand teilt.
Deine Argumentation ist im Übrigen wenig überzeugend. Das Mittelalter heißt MITTELalter, weil es ("in der Mitte")zwischen zwei anderen Zeitaltern lag, nämlich der Antike und der Neuzeit. Man könnte es auch "Zwischenzeit" nennen. Die Antike endete mit dem Ende des römischen Reiches, die Neuzeit begann mit der Entdeckung Amerikas (vgl. Eintrag 2 von Thorsten). So kommt die allgemein anerkannte Zeitspanne von ca. 500 bis ca. 1500 zustande.
Deine Definition ordnet das Mittelalter jedoch zwischen 1096 und 1789 ein und stützt sich auf Kreuzzüge, Ketzerverfolgung und Inquisition. Mit dieser Definition verliert aber der Begriff "MITTELalter" seinen Sinn. Die "totalitäre Kirchenherrschaft" kennzeichnet vielleicht den von Dir umrissenen Zeitraum, aber nicht das MITTELalter.
Was die Düsternis des Mittelalters angeht, ist das ein anders Thema ...
andreas,
erwartest du ernsthaft, daß wir jetzt alle gängigen definitionen zum zeitrahmen des mittelalters über bord werfen und deine (an den haaren herbeigezogene, denn "bösartigkeiten", auch durch die kirche gab es in großem umfang weit über den von dir umrissenen zeitrahmen hinaus - die letzten *durch die k initierten* progome fanden in rußland noch anfang des vorherigen jahrhunderts statt) in zukunft als allein gültige anerkennen? difinitionen sind ja dazu da, daß man sich über sie besser verständigen kann, und deswegen macht es sinn, daß sich nicht jeder seine eigene bildet, sondern mit dem operiert, was als allgemeingültig anerkannt ist. oder die definition für alle ändert, aber dazu bedarf es etwas mehr, als deiner argumente hier im tv.
nix für ungut.
suse sziborra
familia ministerialis - alltagsleben im mittelalter
Du hast meine Argumente vermutlich nicht richtig verstanden, da Du sie bereits bei der ersten Folgerung "Mittelalter => Keine Hexenverbrennung" falsch wiedergibst.
Zur Sache:
Die planmäßige Verfolgung der Zauberei durch die Inquisition begann in der ersten Hälfte des 14. Jhdts. (wohl eindeutig MA). Papst Johannes XXII. hatte kurz nach seinem Amtsantritt den Bischof seiner Heimatstadt Cahors verbrennen lassen, weil er sich von ihm behext glaubte. 1320 wies er die Inquisitoren der südfranzösischen Bistümer Toulouse und Carcassonne an, alle Zauberer "aus dem Hause Gottes auszutreiben", ein Befehl, den er 1326 auf den gesamten Herrschaftsbereich der katholischen Kirche ausdehnte.
Auf "Zauberei" standen im Bistum Bamberg 1472 (doch wohl auch MA) die gleichen Strafen, wie auf Kapitalverbrechen.
Die Bulle "Summis desiderantes", in der Innozenz VIII. zur Ausrottung des Hexenwesens aufrief, erschien 1484.(oder doch nicht MA?)
Der berüchtigte "Malleus maleficarum"- der Hexenhammer der Inquisitoren Sprenger und Institoris erschien als praktischer Kommentar dazu drei Jahre später.
Auszug aus der Bamberger Halsgerichtsordnung von 1507(Ha! 14 Jahre nach Columbus - also kein MA!), Grundlage und Vorbild für das Reichsstrafgesetzbuch Karls V. Artikel 131:
"Straf der Zauberei. Item so jemand den Leuten durch Zauberei Schaden oder Nachteil zugefüget, soll man strafen vom Leben zum Tode, und man soll solche Straf gleich der Ketzerei mit dem Feuer tun; wo aber jemand Zauberei gebraucht und damit niemand kein Schaden getan hätte, soll sonst gestraft werden nach Gelegenheit der Sach..."
In Artikel 55 wurden "Hexen" außerhalb des gemeinen Rechts gestellt. An die Stelle der Anklage trat die Denunziation, an die des Beweisverfahrens die Folter.
Nachdem die Inquisition ihre erste große Aufgabe, den 25jährigen Vernichtungskrieg gegen die pazifistischen Katharer in Südfrankreich zu Beginn des 14.Jhdts., gründlich erledigt hatte, befahl Papst Innozenz III. 1487 den Kreuzzug gegen die Waldenser. Die Inquisition entwickelte nun eine gefährliche Eigendynamik und suchte ihre Opfer selbst in den Reihen der gläubigen katholischen Christen.
Es ist doch deutlich zu erkennen, daß die Kreuzzüge seit 1096, die in ihrem Gefolge durchgeführten Judenpogrome, die Ketzerverfolgungen und die Hexenprozesse eine logisch zusammengehörige Reihe bilden, die immer dieselbe Kirche als Initiator hatte, eben Kennzeichen des MA ist. Daß der Höhepunkt der *betonung* massenhaften *betonung ende* Hexenverbrennungen in 16.Jhd. liegt und die letzte "Hexe" in Franken, eine 71jährige Frau, erst 1749, im Geburtsjahr Goethes, verbrannt wurde, ist daher kein Gegenargument.
Meine damit begründete Mittelaltereinteilung endet deshalb eben erst mit der ernsthaft durchgeführten Aufhebung der Kirchenmacht 1789.
Sicher kann man eine Einteilung auch nach politischen, modischen, künstlerischen oder auch technischen Gesichtspunkten vornehmen, - das sage ich ja, es kommt auf den Zweck der Definition an -, diese ist aber kennzeichnender als jede andere.
Also nochmal, gegen den Dummstellreflex:
Mittelalter => Ausrottung von Andersgläubigen und Hexenverbrennung
Frühe Neuzeit => Fortführung von beidem, als Abwehrmaßnahme der Kirche gegen den Fortschritt in Wissenschaft und Technik und die dadurch ermöglichte Emanzipation der Menschheit.
Neuzeit => allg. Menschenrechte
Rückschritt => Mittelalter
Wie du selbst erkannt hast, bist du weit ab vom Thema.
Deswegen lasse ich mal all deine Aussagen, die am Thema vorbei gehen, außer acht (kneif sie dir doch bitte in Zukunft) und konzentriere mich auf den relevanten Teil.
Dann mal los:
Zitat:
"Die tatsächlich erst im SMA und in der frühen Neuzeit massenhaft einsetzenden Hexenverfolgungen sind [...] in der rückschrittlichen Zielrichtung daher mittelalterlich."
Also Moment...
Wie soll ich diese Logik verstehen ?
Mittelalter => Keine Hexenverbrennung.
frühe Neuzeit => Hexenverbrennungen.
f.Neuzeit => fortschrittlicher als Mittelalter
Hexenverbrennung => rückschrittlich
Was du hier grade tust ist genau falschrum.
Du schaust dir nicht das an, was die Kernepoche des Mittelalters ausmacht und versuchst dann, die Übergangszeiten zu finden, sondern du hast die Klischeevorstellung "Mittelalter => dunkel und böse" und suchst dir jetzt Zeiten, wo du dein Klischee findest.
Nochmal:
Hexenverbrennung im größeren Stile beginnen gegen Ende des Mittelalters, wenn man es über Politik, Kunst, Mode uva. definiert.
Also sind sie nicht mittelalterlich.
Nur weil du der Meinung bist, der Terminus "mittelalterlich" paßt auf Folter, Inquisition und Hexenverbrennung, dehnt das das Mittelalter noch lange nicht auf die Zeit aus, in der dies stattfand.
Gruß, Ivain
während der sogenannten Kuba-Krise, wurde durch englische Vermittlung ein Atomkrieg abgewendet. Ich verstehe aber Dein Argument von der durch die Entfernung unpersönlichen Kampfweise. Knopfdrücken ist einfacher als jemandem den Spieß in den Bauch zu rammen. Ich bezweifle aber, daß ein Kommandeur lange darüber nachdenkt, wie es sich anfühlt, mit einer aufgerissenen Bauchdecke auf dem Schlachtfeld zu verrecken, ob durch Spieß oder Granatsplitter.
Ich meine aber mit "technisiertem Mittelalter" nicht einfach nur moderne Kriege, so brutal sie auch geführt werden, sondern auch strukturelle Gemeinsamkeiten wie z.B. Ersatz des Gesundheitssystems insbesondere der Zahnmedizin (für Monty Python Kenner:"... seitdem sind seine Zähne schlohweiß vor Schreck!") durch Gesundbeten und Kräutertee, Erblichkeit der Berufe (z.B. Ärzte), zunehmende Macht der Religion (Steinigung und Handabhacken!) und Verfolgung religiöser Minderheiten, Aufweichung der Schulpflicht, Untertanengeist statt Staatsbürgerhaltung, Wiedereinführung der Folter.
Ich denke, das liegt daran, daß es eine bürgerliche Schicht aus vielen konkurrierenden, selbständigen Produzenten, die im MA in den Städten zu wachsen begann und schließlich in der frühen Neuzeit im Kampf gegen den Feudaladel zur Macht gelangte, durch die weltweite Monopolisierung der Produktion einfach nicht mehr existiert. Ein Alleinherrscher hat gewiß kein Interesse an Bürgern die ihre Angelegenheiten diskutieren, sondern an dumpfen Knechten, die z.B. hohe Steuern nicht für ein menschliches Unrecht, sondern für ein schicksalshaftes Unglück halten.
Die tatsächlich erst im SMA und in der frühen Neuzeit massenhaft einsetzenden Hexenverfolgungen sind gut als Abwehrkampf der Kirche gegen das erstarkende menschliche Selbstbewußtsein zu verstehen und in der rückschrittlichen Zielrichtung daher mittelalterlich. Das stützt nur meine Definition des MA-Endes 1789.
Du hast schon recht, man soll ja vergleichen, aber doch nur, wenn man den Vergleichsgegenstand kennt.
Das kann man heute aber nicht voraussetzen, da die Herren von damals, auf gut bezahlten BRD-Politikersesseln und Aufsichtsratsposten platziert, zuverlässig dafür gesorgt haben, daß Hitler ein dunkler Mythos geworden ist, der der realistischen Beurteilung entzogen ist. Die Namen seiner Opfer sollen aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden (Wer kennt Katja Niederkirchner?). Wer sein Programm mal gelesen hat, glaubt das Märchen vom Volksverführer oder "wir ham ja von nix gewußt!" einfach nicht mehr.
Ich finde es daher schädlich, Faschismusvergleiche nur anzudeuten (so auf die Art: "dunkle, jüngere Vergangenheit", "ein gewisser Österreicher", - wen meinst Du eigentlich mit "Volkspartei") und nicht in der Sache zu ziehen (z.B. Was haben das Reichskonkordat von 1933 und die heutige Kirchensteuer miteinander zu tun?), oder es einfach als allgemeines Totschlagsetikett zu benutzen, bei dem man ohne nachzudenken reflexhaft erschauern soll.
Der häufige Gebrauch an unpassender Stelle ödet an und stumpft ab, nicht der Vergleich an sich.
So, jetzt sind wir wirklich ab vom Thema.
viele Grüße
Meiner Meinung begehst du einen Fehler in dem du das Mittelalter mit "Dunkelheit" und Barberei gleichsetzt. Genau das machst du, in dem du alle Kriegstreiberei der Moderne mit dem Begriff "Mittelalter" ansprichst. Im MA gab es ein sehr diffiziles Gebahren und eine ausgeprägte Gestensprache, bevor es zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam. Da wurde vermittelt, und teilweise in der letzten Minute Kriege verhindert. Heute werden Menschen per Knopfdruck am Computer getötet, die eigentlichen Kontrahenten bekommen sich nie zu Gesicht, da versagt jegliche Menschliche Kommunikation, egal auf welcher Ebene. Die Hexenverbrennung die du erwähnst erlebte ihre Glanzzeit auch nicht im MA, sondern in der frühen Neuzeit/ Neuzeit. Das ist geschichtlich mal Fakt.
Achso, im übrigen habe ich Angst davor wenn niemand mehr NS- Vergleiche anstellt, und alle davon "angeödet" sind! Damit sprichst du grossen Teilen einer gewissen "Volkspartei" aus dem Herzen.
Gute Nacht!
David,
familia ministerialis - Alltagsleben um 1280
@Nikolai: Wenn wir schon am Aufrechnen sind: Tausende Guillotinierte oder im Bürgerkrieg Erschossene sind immer noch erheblich weniger als Millionen verbrannte, geräderte, lebendig begrabene, ausgedärmte, garottierte, ertränkte, gevierteilte, gepfählte und sonstwie grausam zu Tode gefolterte Menschen. Ich appelliere hier an die Vorstellungskraft (schauder). Zumal noch hinzukommt, wer aus welchen Gründen getötet wurde. ("Hexen", Ungläubige und Ketzer oder schmarotzende Adlige und vom Klerus aufgehetzte Bauern).
Totalitäre (totus = lat.: all, ganz, jeder) Herrschaftssysteme verlangen von allen Beherrschten aktive Zustimmung und Teilnahme, Neutralität gilt hier schon als Feindschaft. Aktiver Widerstand gegen ein Herrschaftssystem wurde immer bekämpft. Machtausübung allein ist aber noch kein Kennzeichen für Totalitarismus. Entprivilegierte Kleriker konnten während der französischen Revolution unbehelligt vor sich hin grollen, wenn sie jedoch ihr Amt (und Geld) dazu benutzten, von der Kanzel gegen die "gottlose Nationalversammlung" zu hetzen und tatkräftig zu konspirieren, verloren sie eben den Kopf.
Was wäre wohl Martin Luther passiert, wenn ihn Friedrich von Sachsen nicht geschützt oder er seine Thesen in Rom veröffentlicht hätte?
@David: So oft NS-Vergleiche anöden, hier triffst Du den Nagel genau auf den Kopf. Der Anstreicher war erklärter Feind der Französischen Revolution und die jüngste Vergangenheit und amerikanisch geprägte Gegenwart weist viele Parallelen zum Mittelalter auf. Das ist der Gedanke, den ich darstellen wollte: Einteilung von Geschichtsepochen sollte nicht stur nach Jahreszahlen erfolgen, sondern nach strukturellen Gemeinsamkeiten. Daher kann man die Gegenwart durchaus bald wieder als technisiertes Mittelalter ansprechen.
@Joachim: Ich blicke erst einmal nicht überheblich auf Zeitepochen herab, sondern vergleichend. Daß ich dann Sympathie oder Abneigung für bestimmte Zeiten entwickle, ist meine Wertung, die natürlich von meinem persönlichen Interesse geleitet ist. Ich finde, die Erklärung der Menschenrechte, Abschaffung der Leibeigenschaft und der Folter, die Gleichstellung vor dem Gesetz, insbesondere der Juden, das bürgerliche Gesetzbuch, die Zivilehe und Ehescheidung, weltliches Bildungswesen, Trennung von Kirche und Staat usw. ist schon einen Feiertag wert.
Thema ist aber eigentlich nicht die FR, sondern die Einteilung von Geschichtsepochen, hier von FMA, HMA und SMA, ohne mit unzähligen, verschiedenen Lexikondefinitionen zugeworfen zu werden. Sicher sind Jahreszahlen verbindlich, aber mit einem Oberbegriff weiß auch jemand ohne Kenntnis des einzelnen Ereignisses, worüber gerade gesprochen wird.
Mit dem Begriff Investiturstreit können bestimmt mehr Leute inhaltlich etwas verbinden, als mit der Jahreszahl 1077.
Um es nochmals auf den Punkt zu bringen: Eine Benennung sollte sich nach dem Zweck des Vergleichs und der Charakterisierung einer Epoche richten und praktischen Erwägungen folgen.
Viele Grüße
Tjall
Tjall
Es liegt in der Natur der Menschen einer jeden Epoche, mit Überheblichkeit auf die vorangegangene(n) zurückzublicken. Ich bin mir sicher, daß man in ein paar Jahrhunderten auch recht verächtlich auf uns zurückschauen wird. Aber warum so lange warten? - Waren wir nicht alle stolz, in den 80ern leben/aufwachsen zu dürfen. War nicht alles neu, besser, schöner, schneller und roch besser. Und heute, gerade mal 2 Jahrzehnte später blickt man schon eher distanziert und kritisch auf diese "Kohl-Ära" zurück (nicht nur wegen der Frisuren :-) ).
Wer bitte in dieser Gesellschaft beschäftigt sich schon konkret mit der Vergangenheit. Und die wenigen, die es wirklich tun, bekommen recht schnell Respekt für die Errungenschaften der Vergangenheit. Und die, die sich dann noch mehr, mit ihr beschäftigen, sind dann schon wieder heilfroh, genau im heute zu leben :-) ...
Was aber den Begriff MA und die zugehörige Zeiteinteilung betrifft. Schlägt man den Begriff z.B. im Lexikon des MAers nach wird man allein schon dort mit unzähligen (Denk)ansätzen dazu zugeworfen. Schon die Zusammenfassung wäre hierfür zu lang. Das ist kein starrer, normgerechter Begriff. Wozu auch? Wollen wir konkret werden, können wir einfach Jahresangaben machen. Die sind (mehr oder weniger) verbindlich.
Gruß aus der finsteren Mark
Joachim,
der auch nie versteht, warum man den Jahrestag der frz. Revolution feiert
... und nicht zu vergessen die Zeit der Industrialisierung in Europa, schlechter ging es einfachen Menschen in wenigen Epochen. Ausserdem wurde es im ausgehenden MA, und in der frühen Neuzeit erst so richtig hell, durch die enorme Zunahme der "netten" Feuerchen.
Achso, dann gab es in sehr "hellen" Zeiten auch noch so einen Herren, der war der Meinung, besser zu sein als alle anderen. Wie sich das manifestierte weiss wohl jeder, ist noch gar nicht so lange her...
Und wenn man sich die Geschehenisse der jüngsten Geschichte anschaut, oje...
Sorry, o.t., aber das zum düsteren MA!
soviel heller und weniger totalitär?
Die Tausende Geköpften der glorreichen Französischen Revolution und die Hingemordeten in vielen Ecken Frankreichs dürften ja eine etwas andere Meinung haben.
Und die Nachfahren der Bauern der Vendée und der Bretagne, die dem Licht der "Freiheit" geopfert wurden,haben bis heute nicht vergessen, was ihren Ahnen die herrliche Revolution an Zerstörung und brutaler Unterdrückung brachte ...
Jedenfalls hat die Schreckensherrschaft der Advokaten und politisierenden Unternehmer Frankreich in einer kurzen Zeitspanne mehr Hingerichtete abgefordert als manche Jahrhunderte des so genannten "Finsteren Mittelalters".
Man sollte mit klischeehaften Geschichtsbetrachtungen vielleicht etwas vorsichtiger sein.
Gruß Nikolaj
eine Klassifizierung oder Definition dient in erster Linie, nicht "lediglich" der Einigung über den jeweiligen Diskussionsgegenstand, und ist daher immer eine künstliche Einteilung im Gegensatz beispielsweise zum natürlichen System der Pflanzen oder dem Periodensystem der Elemente.
Um dies auf die Einteilung von Geschichtsepochen anzuwenden, verwendet man klarerweise keine kleinen, unbedeutenden Ereignisse als Eckdaten, wie z.B. die Geburt des Dorfbarons Rülps von Knullrich sondern große, umwälzende, wie z.B. die Eroberung Englands 1066 oder die (wirtschaftliche) Entdeckung der Neuen Welt. (Für die Lokalgeschichte allerdings mag auch besagter Baron wichtig sein.)
Jetzt muß man sich nämlich nicht mehr um (menschengemachte) Kalenderdaten streiten, sondern sich auf die jeweiligen, wesentlichen, gesellschaftlichen Umstände einigen, die man zur Klassifizierung heranziehen will.
Angewendet auf die großen Epochen Antike, Mittelalter und Neuzeit (und feinere Unterteilungen in klassische Antike, Spätantike, Früh-,Hoch-,Spätmittelalter, Renaissance, Aufklärung, Moderne usw.) in Europa ist also zu fragen: Welche grundsätzlichen Unterschiede lassen eine solche Einteilung sinnvoll erscheinen?
Die Antike endet mit dem Untergang Roms als dominierendem Weltreich im 4.Jhdt.
Kennzeichen des Mittelalters ist die totalitäre Herrschaft der katholischen Kirche und die dazu gehörende Gesellschaftsform des Feudalismus und es deshalb zu recht "finster" genannt (Was war im Mittelalter bitteschön hell außer brennenden Scheiterhaufen?). Ende also Reformation (eigentlich erst Französische Revolution, aber dazwischen gab es noch einige einschneidende Ereignisse).
Es ist sicher sinnvoll, noch in FMA, HMA und SMA zu unterteilen, da 1000 Jahre doch Unterschiede hervorgebracht haben. Wir reden hier über Europa, woanders sieht diese Einteilung natürlich anders aus.
Kritisieren kann man, ob ein historisches Ereignis wichtig war oder nicht, aber gleich das ganze System als "deutschen Ordnungswahn" zu diffamieren, stiftet bloß Verwirrung und behindert die Übersicht, um die es letztendlich geht.
der Begriff Mittelalter wurde anfänglich von Humanisten des 14. und 15. Jhdt.verwendet. Dies sollte einer ästhetischen Einteilung der Weltalter dienen, und bezog sich auf die drei christlichen Perioden. Als allgemeiner historischer Begriff bürgerte sich "Mittelalter" seit dem Leidener Historiker Georg Horn (1666) und dem Hallenser Christoph Cellarius (1680) ein. Erstmals wurde die Geschichte in das drei - Perioden- System (Altertum, Mittelalter, Neuzeit)eingeteilt.Ob man von einer dunklen Zeit sprechen kann, ist ja nun von der jeweiligen Intention sowie des Blickwinkels abhängig. Im allgemeinen gehen Historiker/Innen derzeit davon aus das, daß Fma etwa zwischen 500 und 1000 liegt, das Hma endet etwa 1250, aber spätestens mit der Herschaft von Rudolf dem Habsburger (Ende des sog. Interregnums).Der Beginn der Neuzeit ist mit der Endeckung der Neuen Welt anzusprechen. Allerdings sind das nur künstlich geschaffene Grenzen die im einzelnen verschwimmen können. Die Einteilung dient lediglich der besseren wissenschaftlichen Kommunikation und schafft eine gemeinsame Plattform.
Quellen:
LexMa 6, 684-685; Verlag J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
U. Knefelkamp "Das Mittelalter- Geschichte im Überblick" Paderborn, 2002
herzliche Grüsse,
David, familia ministerialis- Alltagsleben um 1280
Wir sollten nicht vergessen, daß der Begriff Mittelalter sehr geprägt ist durch das 19. Jh., ebenfalls bekundeten schon die Gelehrten der Renaissance, es gab vor ihnen ein finsteres Mittelalter. Für mich ist die Bezeichnung Mittelalter generell falsch. Läßt sich auch in Europa eine solche Zeit schemenhaft definieren, so fehlt sie für den Nahen Osten gänzlich, es seih denn, daß Mittelalter ging dort bis zum Ende des 2. WK.(1945) Da es aber allgemein üblich ist, die Zeiteingrenzung von 491 bis 1492 neuerdings zu sehen, denke ich sollte man der Zubemessung des Namens Mittelalter nicht diesen Stellenwert zu ordnen, wie wir es manchmal haben möchten. Es gibt vielmehr Begriffe, die weniger Sinn ergeben, doch die wir auch täglich gebrauchen.
Ich weiß, es ist keine große Hilfe, mein Geschriebenes, aber sollte auch zum Nachdenken dienen!
Ingolf Thiel
hier tut sich ja einiges. Ich danke Euch für Eure ausführlichen Beiträge!
Also den Anfangspunkt des FMA habe ich immer auf 468 gesetzt (Gründung des Frankenreichs durch Clodwig). Über den Endpunkt 1493 scheint man sich ja allgemein auch recht einig zu sein.
Leider scheint es aber eine halbwegs "allgemeingültige" Aussage für die zeitlichen Abgrenzung der Epochen innerhalb des MA (selbst wenn man ausschließlich von "Deutschland" ausgeht)wohl nicht zu geben.
Wie auch immer, Eure Beiträge waren sehr anschaulich und haben mir schon viele Denkanstösse geliefert - vielen Dank dafür.
Die Dreiteilung ist nicht nur regional, sondern auch in den verschiedenen Wissenschaftszweigen (Soziologie, Politik, Geschichte, Archäologie etc.) unterschiedlich. Ulli (Eintrag 11) hat letzlich die einzig akzeptable Grobdatierung bereits erwähnt: Angabe des Jahrhunderts, präzisiert durch Hälften, Quartale oder Dezenien. Alles andere der MA-Phasen ist wenig hilfreich und somit überflüssig.