jeder hat so seine Grundsätze und diese zu distutieren ist meißt so eine Sache. Wenn jemand eine andere Auffassung hat - bitte. Ich bin in erste Linie viellesender Hobbist und habe mir so eine Meinung bebildet, ohne Ansprüch auf Maßgeblichkeit.
Die erste Nachricht zum Vorfall hat mich spontan und stark an dieses ausgeraube Reihengräberfeld im Maisfeld (Süddeutschland) erinnnert, ein Paradefall wie es nicht sein sollte, meiner Meinung nach.
Ich habe einen interessanten Artikel gefunden, der auch auf die Gegebenheiten in NRW eingeht, deshalb dieser Eintrag.
Archäologie in Ostwestfalen
Band 7, 2002
Beitrag Metalldetektoren, Metallsondengänger und Schatzsucher in OWL - Wie geht man damit um?
Lesern, die eine detaillierte und sachliche Abhandlung über das mitunter problematische Verhältnis zwischen Archäologen und Sondengängern lesen möchten, sei folgende Schrift empfohlen. Sie gehört zu dem Genauesten und Besten was ich zu dem Thema bisher gefunden habe. Weder Autor noch Publikation werden im Verdacht stehen über Gebühr sondengängerfreundlich zu sein.
Viele Grüße,
Thorsten
Bericht der Bayerischen Bodendenkmalpflege 39/40 von 1998/99 (München 2001)
Werner Zanier, Metallsonden - Fluch oder Segen
für die Archäologie? Zur Situation der privaten Metallsucherei unter
besonderer Berücksichtigung der bayerischen Verhältnisse. S. 10-55
genau so habe ich Sylvias Aussage auch aufgefasst.
Die Aussage war gezielt auf ‘ich zitiere’
–>Spaziergänger die Münzen aufsammeln<– ausgerichtet.
Da ich die Gegebenheiten um die zerstörten Särge genau kenne (da ich selbst für das Amt f. Bodendenkmalpflege Nideggen Wollersheim Ehrenamtlich tätig bin), ist damit zu rechnen das nicht Sondengänger die Särge geplündert haben, sondern die Verdächtigungen eher in andere Richtungen weisen.
Laut den WDR Nachrichten vom 07.09.2003 fordert die Stadt Weilerswist nun Schadenersatz von der Grabungsfirma sowie vom Amt für Bodendenkmalpflege. Ein Teil der Forderung der Grabungsfirma wurde vorsorglich einbehalten. Weiter heisst es, daß die Sarkophage geplündert wurden, nachdem vertrauliche Informationen über die Lage der Sarkophage aus dem Rat der Stadt an die ßffentlichkeit gelangten.
@ Sylvia
klar wird bei Ebay mit antiken Münzen/Objekten gehandelt, das wird auch nicht zu verhindern sein solande es Intressenten/Sammler auf diesen Gebieten gibt.
Ach ja Augustus war auch Sammler, er sammelte Münzen der Republik.
Napolenon war Sammler, er sammelte Münzen der römischen Kaiserzeit.
Juergen Ritter ist auch Sammler, er sammelt Münzen und Objekte der römischen Kaiserzeit.
Juergen Ritter ist ausserdem Sondengänger, der offiziell mit Genehmigung sucht und keinerlei probleme mit den ßmtern hat.
Was ich aber ganz stark verurteile ist:
Das alle Sondengänger über einen Kamm gezogen werden!!
Es gibt gute und schlechte Sondengänger, so wie es auch gute und schlechte Archäologen gibt.
Was ich aber noch viel stärker verurteile ist, dass es Menschen gibt die nicht die geringste Ahnung von einer Materie haben und sich trotzallem dazu äussern, wie wäre es mit einer “Vorabrechchere” zum Thema!!!!
Es sind zwar harte Worte, aber das musste leider sein.
deinen letzten Beitrag kann ich leider nicht ganz nachvollziehen. Im ersten Beitrag verlinkst du auf die seltsamen Vorgänge in Weilerswist/Dr. Berenger und machst den Hinweis auf die spazierengehenden Münzsucher. Wenn nicht die Sondengänger wer war denn dann gemeint?
Zu den Vorgängen in Weilerswist möchte ich auch darauf hinweisen das ich jede Art der Raubgräberei zutiefst verurteile. Gleichzeitig sollte man darauf hinweisen das hier evtl. von seiten der Behörden nicht nur grob fahrlässig (Aussage eines Archäologen) sondern vielleicht auch mit Vorsatz gehandelt wurde. Ich unterstelle einmal das die Beteiligten der ersten Suche und der Auffindung evtl nicht so unschuldig sind wie sie sich darstellen.
Die Steinsarkophage lagen angebl. 3 Meter tief (Metalldetektoren sprechen nicht auf Stein und auch nicht 3 m tief an). Die “Raubgräber” sollen die genaue Stelle UNBEMERKT entdeckt, ausgegraben, beraubt und wieder zugeschüttet haben.
Für mich heisst das nur eines: Einer oder mehrere an der Ausgrabung Beteiligten (egal ob Archi oder Grabungsfirma) hat sich sein Wissen zunutze gemacht. Auffällig ist ja auch das nur an den Kopfenden der Sarkophage gebuddelt wurde (lt. Presse). Im Nachhinein den bösen Schatzsuchern (blöder Begriff) sprich Sondengängern diese Vorgänge in die Schuhe zu schieben ist ja relativ leicht. In der jüngeren Vergangenheit haben diese eine derart schlechte Presse (vorwiegend absolut überzogene und schlecht recherchierte Artikel) das wohl von Stimmungsmache gesprochen werden kann. Nur so ist wohl zu einem Verbot der Sondengänger zu kommen.
Zu den Beiträgen bzgl. der Nötigung (festhalten von Personen die sich dem richtigen Personenkreis gegenüber ausweisen und auch eine Suchgenehmigung vorzeigen) kann ich nur eines sagen:
Ich würde auf ein derartiges Verhalten sehr sehr grob reagieren und mich einem derartigen Freiheitsentzug mit Gewalt erwehren (den Spaten habe ich noch in der Hand). Nochmal zur Klarstellung: Ich verurteile Raubgräber und bin auch für eine Zusammenarbeit mit den Archäologen. Leider ist es für die aber nicht möglich jede Baugrube und jeden Acker der gepflügt wird abzusuchen. Somit würden ohne die Arbeit der Sondengänger noch mehr Funde zerstört. Natürlích gibt es auf beiden Seiten schwarze Schafe und mit manchem Archi und Sondengänger ist keine Zusammenarbeit möglich. Aber deshalb alle Sondler über einen Kamm zu scheren und zu verurteilen halte ich für falsch. Auch die jüngsten Aussagen von Dr. Berenger halte ich nicht für fördernd. Bisher hatte ich von diesem nur Gutes gehört.
Ich habe die Hinweis hier gepostet, da bei diesem Verbrechen antike Gegenstände von Personen an sich genommen worden sind. Wie man Gegenstände in seinen Besitz bringt ohne die Funde zu melden, ist mir persönlich Einerlei.
Tatsache ist, daß das Ebay (Beispiel für Kunsthandel) voller Gegenstände ist, die nicht alle aus Altsammlungen stammen können. Wo auch immer das Zeug herkommt, ich sehe das mit gemischten Gefühlen.
Ich will mich aber bei Thorsten bedanken, der hier “auf verlorenem Posten” und trotzdem sachlich und nachvollziehbar argumentiert!
Vielen Dank, ich finde Deine Ausführungen interessant.
Ich habe für meine Magisterarbeit ca. 15.000 angelsächsische Münzinschriften der Zeit von 590 - 1100 n.Chr. untersucht und ich weiß nicht, wie viele Inschriften ich untersuchen hätte können, wenn in GB nicht so viele VERANTWORTUNGSBEWUßTE Sondengänger unterwegs wären, die ihre Funde auch dokumentieren, kartieren und vor allem abliefern!!!
Diese Münzfunde (sog. “single coin finds” im Gegensatz zu “Hortfunden”) wären durch die klassische Archäologie nie gemacht worden - vgl. Thorstens Argument Fläche:Personen.
Gerade diese Funde erlauben es aber Forschern wie Metcalf, Loyns, etc. neue Erkenntnisse zum Münzwesen zu gewinnen und daraus Rückschlüsse auf Verwaltungsstruktur, Handelsbeziehungen, ökonomische Systeme, etc. zu ziehen, sowie die relative und absolute Chronologie der GESAMTEN angelsächsischen Geschichtswissenschaften große Schritte weiterzubringen (Münzen sind immerhin eines der besten Datierungskriterien in Fundkomplexen).
Soweit mein Plädoyer für die Daseinsberechtigung von Hobbyarchäologen und Sondengängern.
Mein Argument gegen sie ist offensichtlich: ebay und Flohmärkte.
Dazu wurde schon alles gesagt, glaube ich.
Nur werde ich den Teufel tun und wegen einiger (vieler?) schwarzer Schafe dafür zu plädieren, alle Sondengänger in die Illegalität zu wünschen - mir würde es ja auch nicht gefallen, wenn mir Geschichtswissenschaftler mein Hobby der FMA-Darstellung verbieten würden, nur weil so viele GroMis “da draußen” rumlaufen und die Bevölkerung verdummen…
Angst wollte ich dir nun wirklich nicht machen. Auch gibt es meiner Meinung nach dafür keinen Grund, für keine der beteiligten Parteien.
Vorweg: Ich werde ab dem 15.9. für einige Wochen offline sein und nicht ins Forum schauen können. Etwaige weitere Beiträge werde ich natürlich nach meiner Rückkehr lesen und, sofern gewünscht oder notwendig, darauf antworten. Aufgrund dieser Forumsabstinenz schreibe ich heute noch mal sehr ausführlich, auch wenn lange Beiträge viele Leser eher abschrecken mögen.
Holger, ich weiß, es war ohnehin nicht ernst gemeint, aber Sondengänger werden England nie flächendeckend abgesucht haben. Und selbst wenn, denn würde das Archäologen noch lange nicht überflüssig machen. Sondengänger können natürlich nicht die Arbeit der Archäologen übernehmen. Ziele, Methoden und Arbeitsergebnisse der Interessengruppen sind z.T. deutlich verschieden.
Mir ist durchaus klar, worin die Arbeit der Archäologen besteht, und ich stimme deiner Beschreibung ihrer Tätigkeit zu. Ich stimme auch zu, dass ein Sondengänger, der einem Areal alle Metallteile in Ortungstiefe entnimmt, die Aussagekraft dieses Areals schwächt und damit der Wissenschaft schadet. Das Anliegen der Archäologen, dass von ihnen sorgfältig untersuchte Flächen nicht von Sondengänger abgesucht werden sollten, ist daher legitim. Ich käme nie auf die Idee, eine Fläche abzusuchen, von der ich weiß, dass dort eine Grabung geplant ist. Soweit ist alles völlig unstrittig.
Vielleicht hilft es dem Leser bei der Einordnung meiner Beiträge, wenn ich etwas über mich und die “Sondengänger” schreibe.
Innerhalb der Gruppe der Sondengänger gibt es verschiedene Untergruppen mit sehr verschiedenen Motiven.
Einigen Leute geht es ausschließlich um finanzielle Vorteile und sie gehen soweit, von den Archäologen entdeckte Plätze zu plündern. Jüngstes Beispiel sind die Vorgänge in Weilerswist. Mit solchen Leute haben weder ich noch die Leute, die ich kenne, etwas zu tun und wir wollen mit denen auch nicht in einen Topf geworfen werden.
Die vermutlich größte Gruppe hat weder finanzielle Interessen noch große wissenschaftliche Ambitionen sondern empfindet einfach eine Faszination für Geschichte. Fundkarten werden nicht gezeichnet, man freut sich über jeden patinierten Reichspfennig und das ist es dann. Man erfreut sich am spielerischen Lernen der Geschichte anhand der eigenen Funde, die man durchaus engagiert zu bestimmen sucht.
Ich selber gehöre zur Gruppe der Hobbyarchäologen. Mit den Amtsarchäologen verbindet uns der Wunsch, die Geschichte eines definierten Areals durch Bodenfunde zu rekonstruieren und sehr wohl auch eine wissenschaftliche Geisteshaltung. Wir wenden durchaus - unsäglich primitive, keine Frage - wissenschaftliche Methoden an. Das Erstellen der Fundkarte kostet mich teilweise oft genauso viel Zeit wie das Schwenken des Detektors. Die Vorbereitung und Nachbereitung der Suche ist zeitlich wesentlich umfangreicher als die Suche vor Ort. Unsere Funde sind meist materiell wertlos und häufig auch nicht besonders alt. Wir respektieren die berechtigten Interessen der Archäologen und halten uns von gewissen Arealen fern. Aber eben nur von diesen. Einen Monopolanspruch der Amtsarchäologen auf alle Bodenuntersuchungen lehnen wir ab. Die Geschichte gehört allen, die sich um sie bemühen, und nicht exklusiv den Angehörigen eines bestimmten Berufsstandes. Da wir wie die Archäologen die Ressource des artefakthaltigen Bodens brauchen entsteht eine Konfliktsituation.
Soviel zum Hintergrund. Jetzt zurück zu der Diskussion. Ist gleich vorbei, danke für die Geduld.
Holger, dass wichtige Artefakte *nur* durch Sondengänge gefunden werden können, habe ich nicht gesagt und genügend spektakuläre Funde der deutschen Archäologen belegen das Gegenteil. Meine Aussage war lediglich, dass a) der Einsatz der Metallsonde der schnellste Weg ist, in Ortungstiefe verborgene Metallteile in einem Areal aufzuspüren und b) dass von Privatleuten mit ihren Sonden Woche für Woche viel mehr Fläche untersucht wird als von Archäologen. Das ist natürlich kein Vorwurf an die Adresse der Archäologen, nur eine logische Folge der Vorgehensweisen und Zahlenverhältnisse der beteiligten Personengruppen.
Sondengehen ist weder in RLP überall verboten noch in Bayern überall erlaubt. Das Suchen auf bestimmten Flächen ist in beiden Ländern ohne Erlaubnis eine Ordnungswidrigkeit.
Dass die Archäologen zunehmend Verfahren entwickeln, ohne Grabung Erkenntnisse über den Bodeninhalt zu gewinnen, ist sicher richtig. ßbrigens ein hochinteressantes Thema. Insbesondere für die bildgebenden Verfahren kann ich mich begeistern. Wer sich für den Magnetometereinsatz interessiert, bei dem das LDA München übrigens weltweit führend ist, sollte sich mal die einschlägigen Publikationen ansehen. Und für das sehr wichtige Verfahren der Luftbildprospektion war das Jahr 2003 aufgrund seiner Trockenheit höchst ergiebig.
ABER: Alle diese technischen Entwicklungen ändern nicht das geringste daran, dass in den nächsten tausend Jahren nur ein winziger Teil der Fläche Deutschlands von Archäologen untersucht sein werden. Das ist ein ganz fundamentaler Zusammenhang für diese Diskussion. Wer tatsächlich glaubt, spätestens in 50, 100 Jahren hätten die Archäologen ganz Deutschland abgesucht und damit zwangsläufig auch die Scheibe von Nebra gefunden, ist völlig auf dem Holzweg. Auch die Vorstellung, zumindest alle 30 cm Bronzescheiben werden gefunden sein ist völlig illusorisch. Wer kann, bringe mit Quellenangabe nur eine einzige derartige Aussage von einem renommierten Archäologen.
Darauf aufbauende Argumentationen können daher nicht überzeugen.
Genau diese Zusammenhänge sind allerdings auch der Grund, warum Sondengänger im Allgemeinen und Hobbyarchäologen im Besonderen aus meiner Sicht nie eine wirkliche Gefahr für die Amtsarchäologen sein werden. (Lokal auftretende ßrgernisse hingegen schon.) Archäologen brauchen kleine, hochkarätige, und möglichst von Sondengängern unabgesuchte Flächen. Ein Mangel daran ist aber nicht vorhanden und auch zukünftig nicht zu befürchten. Alleine in den Archiven des LDA München ist eine fünfstellige Zahl von nur aus der Luft unter bestimmten Bedingungen erkennbare Bodendenkmäler enthalten, deren Lage nicht publiziert ist. In den anderen Bundesländern wird es auch Befliegungen geben.
Einzelne, auch empfindliche Störungen der archäologischen Arbeit durch insbesondere der kriminellen Variante der Sondengänger oder Reliktesucher wird es immer geben und die Verärgerung darüber ist nur zu verständlich. An Arbeitsgrundstoff jedoch mangelt es den Archäologen nach meiner ßberzeugung nicht, weder heute noch morgen noch in hundert Jahren, Sondengänger hin oder her.
heißt das jetzt, dass in ein paar Jahren ganz England von Sondengängern umgegraben sein wird?
Dann kann man die Archäologie ja gleich abschaffen … die Sondengänger übernehmen das schon.
Sorry, aber du scheinst nicht verstanden zu haben um was es geht. Archäologen suchen keine Schätze sondern ihnen ist der Besundzusammenhang genau so wichtig wie das Fundstück (vielleicht noch wichtiger). Und gerade dieser Befundzusammenhang wird durch grabende Sondengänger zerstört.
Das wichtige Artefakte nur durch Sondengänge gefunden werden kann ich als Argument nicht gelten lassen, gut, sie werden FRßHER gefunden, denn Archäologen brauchen für eine ordentlich Ausgrabung ziemlich viel Zeit und Geld. Aber in der Archäologie kommen neue Methoden (Geologische Meßtechniken) zum Einsatz, die ein Graben “auf gut Glück” nicht mehr notwendig machen. Also ist es nur eine Zeitfrage - die Scheibe von Nebra hätte gewiß auch noch einige Jahre länger im Boden ohne größere Schäden ausgehalten. Diese Dinge sind vielleicht für die ßffentlichkeit spektakulär, für die Archäologie aber nur zum Teil.
Nur mal als Beispiel: Für Schliemann waren nur Mauern und Metallgegenstände wichtig (vielleicht noch ein paar Keramiken) aber er wußte noch nicht, daß auch verrottetes Holz und zugefallenen Gräben im Bodenschnitt sichtbar sind. Archäologen achten heute auf sowas.
Gut, mag sein das Sondengehen in Bayern erlaubt ist. Das muß ich akzeptieren. In RLP ist es nicht erlaubt und ich bin froh das es so ist.
die Scheibe wurde nicht kaputt gemacht und sie wäre nicht “vielleicht” sondern wahrscheinlich nicht von Archäologen entdeckt worden. Wie ich in einem anderen Beitrag schrieb werden nur 2 bis 5% aller Bodendenkmäler vor ihrer Zerstörung untersucht (Quelle aus der archäologischen Fachliteratur auf Wunsch).
In England, was ich als Beispiel anführe, weil dort viel mehr verlässliche Daten verfügbar sind als hierzulande, wurden 90% aller in den letzten 10 Jahren entdeckten Münzschätze aber auch zahlreichen bronzezeitliche Horte von Sondengängern entdeckt und - dank einer seit kurzem an den Realitäten orientierten Gesetzeslage - auch gemeldet. Diese Zahl wird sich nicht ohne weiteres auf Deutschland übertragen lassen weil es dort viel mehr Sondengänger als hier gibt. Ein hochrangiger englischer Archäologe sagte in einem Buch (Quelle auf Wunsch), dass die Sonde das optimale Mittel sei Schätze zu finden. Berücksichtigt man dazu den enormen Zeiteinsatz (100.000 Leute x 8 Stunden pro Woche in England), so wird einem das enorme Fundpotenzial dieser Personengruppe klar.
De facto haben die Archäologen das Untersuchungsmonopol für den Boden längst verloren. Gesucht und gegraben wird draußen jeden Tag. Ich verstehe, dass das aus der Sicht der Archäologen eine unerwünschte Entwicklung ist. Genau wie das Bauwesen oder nitrathaltiger Dünger. Sie ist aber bereits eingetreten und nicht mehr rückgängig zu machen. Die Archäologen können nur noch versuchen, sie etwas zu beeinflussen und ansonsten, so es irgend geht, für ihre Zwecke zu nutzen. Z.B. beim Aufspüren neuer Bodendenkmäler.
Aber gut, belassen wir es dabei. Beenden wir unseren Disput mit der Feststellung, dass wir anderer Meinung sind.
diese Ansicht kann ich nicht teilen. Dass etwas Spektakuläres “vielleicht” nicht gefunden wird (in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten oder nie - oder wer weiß? Vielleicht doch?) rechtfertigt für mich noch lange nicht den Umkehrschluß, dass “drauflosbuddeln” richtig sein soll.
Eintrag #43 vom 10. Sep. 2003 18:57 Uhr
Thorsten Straub
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a) Erste Urteile im Himmelsscheibenprozess b) Schaden durch unfachmännische Bergung
Hallo Claudia,
danke für deine Antwort.
Vorweg aus aktuellem Anlass: Die ersten Urteile im Prozess um die Himmelsscheibe sind heute ergangen. Ohne Gewähr gebe ich folgendes weiter.
Der Finder wurde wegen Unterschlagung zu einer Haftstrafe von vier Monaten auf Bewährung plus 250 Stunden Sozialarbeit verurteilt.
Sein Kollege bekam wegen sogenannter Absatzhehlerei eine neunmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung plus eine Geldstrafe von 2000 Euro.
Gegen die beiden anderen wegen Hehlerei Angeklagten wird der Prozess am 19. September fortgesetzt.
Die Fundunterschlagung eines der spektakulärsten Funde, die jemals in Deutschland gemacht wurden, mittlerweile mit 7 Mio. Euro versichert, wurde also mit der o.g. Strafe geahndet. Der Richter war offensichtlich nicht der Meinung, das hier etwas sehr Schlimmes passiert war. Das hebe ich hervor, weil es regelmäßig in Prozessen geschieht, dass Richter die Dinge anders sehen als die Archäologen. So regelmäßig, dass es auffällt. Weitere Beispiele auf Wunsch.
Soviel zum Prozess.
Claudia, ich bin völlig deiner Meinung, dass es für die wissenschaftliche Auswertung des Fundes erheblich besser gewesen wäre, wenn ihn Archäologen gemacht hätten. Keine Frage, niemand kann aus der Untersuchung eines Areals so viele geschichtlichen Informationen gewinnen wie der darauf spezialisierte Berufsstand mit seinem weitentwickeltem Instrumentarium. Z.B. ist die relative Lage der Bestandteile von bronzezeitlichen Horten wichtig. Solche Horte wurden in Deutschland weit über einhundert Mal gemacht (freilich ohne Scheibe), nur leider ging die Information der Lage der Teile zueinander meist verloren. Diese jedoch wird sich der Finder bestimmt nicht notiert haben. ßberhaupt sind vielen Sondengängern wissenschaftliche Vorgehensweisen wesensfremd, wie ich leider feststellen muss. Doch zurück zu unserer Scheibe.
Die entscheidende Frage aus praktischer Sicht ist also, ob Archäologen dort jemals gesucht hätten. Bis zur Nennung des Fundortes durch die Finder wurde dort kein Untersuchung begonnen und höchstwahrscheinlich auch nicht geplant. Ausschließen kann man es zwar nicht, aber rein statistisch gesehen wäre es sehr unwahrscheinlich. Höchstwahrscheinlich läge die Scheibe ohne Sondengänger, Zufallsfunde etc. bis in alle Ewigkeiten dort oben.
Daher sollte man die Bergung durch Privatleute nicht nur mit der Bergung durch Archäologen vergleichen, sondern vor allem mit der Nichtentdeckung. Und da bin ich, wie gesagt, der Meinung, dass die Schäden durch unfachmännische Bergung ein kleiner Preis sind für all den Segen, den dieser Fund über die archäologische Welt Deutschlands brachte. Kurz: Besser angekratzt als gar nicht.
Sorry, Thorsten, ich komme erst jetzt wieder dazu, dir auf deine Frage zu antworten.
Erst mal herzlichen Dank für die ausführlichen Informationen.
Der Schaden, der angerichtet wurde liegt meiner Meinung nach darin, daß der Fundort erst einige Jahre später angegeben wurde. Es wurde wohl auch nicht dokumentiert, wie die Scheibe gefunden wurde, wo genau, wie tief ind er Erde, in welcher Richtung lag sie, in welchem Zusammenhang? Welcher “Schrott” wurde denn vielleicht noch weggeworfen, der einem Experten vielleicht noch was gesagt hätte? Natürlich keiner, klar, glaub ich gerne…Außerdem halte ich das Abschmirgeln mit Spüli und Ako-PAds auch nciht für so toll, oder? Und mir persönlich geht es nicht um die vordringliche Vermarktung der Fundstücke sondern um den historischen Wert und das was man vielleicht daraus hätte lernen können, wenn man wissenschaftlich vorgegangen wäre. ich weiß von Archäologen, die der Meinung sind, die Dinge lieber in der Erde zu lassen,wenn man noch kein Geld hat, diese vernünftig zu untersuchen, was 3600 Jahre überdauert hat, wirds vielleicht auch noch 50 Jahre länger schaffen. Ich finde das ist ein guter Gedanke. Trekker-Unfälle sind genannt worden. Okay, Schade, aber das rechtfertigt nicht jedes ziellose Buddeln. Ich weiß auch von einem Fall, wo jemand eine Statue aus dem Mittelalter auf einem Dachboden “gefunden” hat und erst mal die “quietschbunte” Farbe abgebeizt hat, weil “in Natur” sieht sowas ja viel schöner aus! Ich will niemanden persönlich angreifen, versteh mich nicht falsch. Ich mag nur einfach keinen Dilletantismus.
sowohl die Genehmigungspraxis als auch das entstehende Verhältnis zwischen Sondengänger und Denkmalschutzbehörden sind derartig mannigfaltig, dass eine allgemeingültige Aussage nicht getroffen werden kann. Alles hängt vom Bundesland und natürlich von den Beteiligten und ihrem Verhältnis ab.
Zur Praxis der Genehmigungserteilung kann ich nur aus Bayern berichten, da ich nur hier Genehmigungen beantragt habe: Du schreibst einen formlosen Brief in dem du erklärst warum du wo mit einem Metalldetektor suchen willst. Das Gebiet ist auf einer topographischen Karte einzutragen. Das schickst du an die untere Denkmalschutzubehörde im Landratsamt des Landkreises in dem das Suchgebiet liegt. Dann wartest du im Schnitt 3 Monate und bekommst dann eine Antwort. Im positiven Fall ist dies eine auf ein Jahr beschränkte Genehmigung, manchmal mit irgendwelchen Auflagen oder mit ausgenommenen Gebieten. Da du nicht in Bayern wohnst werden dich weitere Details wohl nicht interessieren. In anderen Bundesländern liegen die Dinge anders, z.T. wird eine Genehmigung für einen ganzen Landkreis erteilt. In wieder anderen Ländern werden dem Vernehmen nach überhaupt keine Genehmigunmgen erteilt.
Neben der denkmalschutzrechtlichen Genehmigung brauchst du theoretisch auch die privatrechtliche des Grundeigentümers.
Ich kann dir und jedem Interessenten nur raten sich, am besten zunächst telefonisch, an die örtliche Denkmalschutzbehörde zu wenden. Ich habe meine erste Genehmigung beantragt bevor ich meinen Detektor hatte.
Als Zusammenarbeit würde ich die meisten mir bekannten Verhältnisse von Sondengänger und Archäologen nicht bezeichnen. Vermutlich sind die Interessen dafür zu unterschiedlich. Ich würde eher die Bezeichnung modus vivendi wählen. Man arrangiert sich.
Eine vermutlich recht große Gruppe von Sondengängern, und dazu gehöre mittlerweile auch ich, beantragt z.B. wegen der langen Bearbeitungszeiten keine Genehmigung und sucht dafür nur auf Arealen, wo sie dieser nicht bedarf. Dieses Vorgehen ist natürlich nicht ganz unumstritten (einige Archäologen sind der Auffassung das man ihrer immer bedarf), funktioniert in der Praxis aber recht gut. Wenn ich eine Sache finde, die den Meldekriterien meines Ansprechpartners bei der Behörde genügt, dann melde ich sie mit genauer Ortsangabe. Der Informationsfluss geht meist von mir zur Behörde. Ausnahmen bilden ggf. Bestimmungshilfen. Suchtipps erhalte ich nie, was auch nicht nötig ist. Etwas wirklich Weltbewegendes habe ich noch nicht gefunden, aber immerhin hat man sich hin und wieder bedankt. Ein dezenter Hinweis, dass ich mir doch vielleicht besser ein anderes Suchrevier suchen sollte, kam auch noch nicht.
Wenn du noch irgendwas wissen willst, frage bitte spezifisch.
Vielleicht sollte man als Schlusswort anfügen, dass die meisten Bodendenkmalpfleger sich bewusst sind, dass sie wirklich größere Probleme als den Durchschnittssondengänger haben, der froh ist, wenn er mal eine Münze aus dem 18. Jhd. findet.
Nach Schätzungen aus Archäologenkreisen, Quelle liefere ich auf Wunsch, werden bestenfalls 2 bis 5% aller Bodendenkmäler vor ihrer Zerstörung wissenschaftlich untersucht, nach Aussage eines mir bekannten Archäologen aus dem benachbarten Ausland ist diese Zahl noch zu hoch gegriffen.
Natürlich gibt es den als Schreckgespenst durch die Medien geisternden, ausschließlich monetär orientierten Sucher und es gab ihn schon immer, schon lange vor den Archäologen. Allerdings ist es mir derart schleierhaft wie jemand von seinen Funden leben soll, dass ich vermute, dass diese Schicht sehr dünn ist.