Nun könnte ich sagen, daß Thema geht mir am Afterballen vorbei (das wäre dann sogar sehr treffend.
Man könnte sagen, laßt doch die geistig Verwirrten auf die Märkte und an allen möglichen und unmöglichen Körperteilen Schellen tragen, im MA kennzeichnete man sie genau so.
Nun könnte man also sagen, was kümmern mich noch (KZK)-Märkte, das ist nicht mehr meine Welt.
Wenn ich dann aber wiederholt Leute von Veranstaltungen der I.G. Wolf im Museumsdorf Düppel negativ reden höre, so in dem Sinne:
- da waren ja gar keine Ritterkämpfe
- das war ja voll langweilig für unsere Kinder
- was, so armselig soll man in MA rumgelaufen sein? - Bestimmt nicht
dann spätestens weiß ich, daß da was GEWALTIG SCHIEF LßUFT.
Solche Märkte wie in Dahlem oder sonst wo VERSAUEN alles. Punkt.
Dann sind wir uns ja in vielen Punkten einig. Mein Gedanke dazu ist aber nur, das der Begriff Mittelalter als solches der reinste Schwamm ist und das es irgendwo immer welche geben wird, die mit einfachsten Mitteln und geringsten Aufwand das betreiben, was man selbst gerade macht.
(Wobei KZK hier kein gutes Beispiel ist, ihr Marketing und das Vermögen so viele Leute zu mobilisieren spricht einfach dagegen und zeugt von einer durchdachten Unternehmung)
Dabei ist es nur natürlich sich absetzen zu wollen und die anderen auszugrenzen.
Aber bei genauen hinsehen ist es einfach nicht möglich/sinnvoll (lächerlich?) sich den Begriff “Mittelalter” schützen zu lassen.
Wir hätten dann das Risiko ob es sich durchsetzen würde, also über die Annerkennung oder die Versenkung des Zertifikates.
Aber die Konkurrenz wird garantiert sich ähnliche Sachen einfallen lassen und es wird die breite ßffentlichkeit nicht wirklich interessieren.
Wer bezeichnet schon seinen Fön als Haartrockner?
Also warum sich überhaupt Gedanken machen darüber?
Die leben davon und das auch recht gut und wenn wir Mittelalter schützen lassen , dann heißt das ganze demnächst nur “historisch” .
P.S. ich habe schon beim Reenactment darauf aufmerksam gemacht, das Ebay dies als Sparte aufgenommen hat.
Gerade weil es nix neues ist, ist es umso schlimmer.
@ Sascha: meinst du nur weil jedem “halbwegs gebildete Mensch” klar sein muss das Schneeballsysteme und Haustürgeschäfte nicht zum Geldverdienen taugen, sondern ganz im Gegenteil der reinste Betrug sind, diese legalisiert werden sollten?
Ausserdem glaube ich nicht das jeder Marktbesucher unbedingt was lernen will. Aber er bekommt ja dennoch was vermittelt, ob er das will oder nicht. Jeder der ernsthaft etwas über das Mittelalter erfahren möchte, geht ins Museum. Da hast du völlig recht. Auch wer sich auf Märkten nur amüsieren will bekommt trotzdem eine ordentliche Portion Klischees mit. Und das mit voller Absicht, oder aus fehlender Umsicht.
ßbrigens bin ich mit dir völlig einer Meinung, daß unser Hobby oder das was wir da machen nicht als Mittelalter bezeichnet werden kann. Absolut klar! Das MA ist seit einigen Jahrhunderten vergangen und unser momentaner Wissenstand zur Zeit ist jener, daß sie linear ist. Aber manche bemühen sich anderen ein möglichst korrektes Bild der Epoche zu vermitteln. Dabei versuchen sie nicht wissentlich “falsche” Sachverhalte hinzunehmen. Sei es auch im noch so kleinen Detail. Applaus!
Ich glaube all jenen ist ein “Markt” einem Schlag ins Gesicht ihrer Bemühungen gleichzusetzen.
Mir stellt sich auch die Frage wo mehr die Illusion “ wir befinden uns im Mittelalter” erzeugt wird? Auf einem Markt, auf dem mit Pöbeln, Spucken, Marktsprech, Furzen, und brüllen( ja, ja so waren die im Mittelalter!)dieses dezent unterstrichen wird, oder auf einer z.Bsp. Museumsveranstaltung auf der ambitionierte Menschen in Hochdeutsch mit den Besuchern kommunizieren?
Mal abgesehen davon, daß sich ja jetzt alles mit Kennermiene auf KZK und Kaltenberg einschießt…das Gesaller von Brauchtum, Trditionspflege, kulturhistorischer Arbeit, Experimentalarchäologie und schwerer Recherchearbeit etc. steht auf ca. jeder zweiten Homepage von Gruppen, die sich irgendwie “mit dem Mittelalter beschäftigen” (Sprich: Kostümcampen und Schwerterschwingen und ansonsten wachsam den Minimal-1×1-Mittelalterkodex in puncto Gelb und Hörner einhalten, den aktuellen Mindeststandard erfüllen und Kommerz und Kaltenberg verdammen).
Is halt so, und wird sich zumindest auf breiter Front nicht reformieren lassen, weder durch Dachverbände noch durch TV-Diskussionen oder Mailinglisten.
Durch Vorschriften eh nicht, weil ja alle so frey sind.
Und aus der “Szene” heraus schon dreimal nicht, weil nach wie vor Klüngel und Individualinteressen den größten Themenschwerpunkt ausmachen.
Das sieht man auch recht schön an diversen Marktforschungsthreads. Die Kernfrage war weniger “wie wirds besser”, sondern “Bis zu welchem Punkt kann man seinen Besuchern K.O.-Kriterien zumuten, daß einerseits genug Volk aufbauen kann, aber man andererseits möglichst mit einem prestigeträchtigen Gesamtergebnis hausieren gehen kann?”
In fast allen Diskussionen waren der Hauptertrag eigentlich nur K.O.-Kriterien zum oder der Versuch, eine verbindliche “Mindest-Authentizitäts-Kriterien zum nicht-mehr-Fuzzy-sein” auszuformulieren.
Vor diesem Hintergrund sehe ich eigentlich niemanden, der den Begriff Mittelalter schützen sollte oder könnte.
Ich habe nur die Hoffnung, daß ein paar Leute Hollywood und Markttraditionen den Rücken kehren, um dem Leben unserer Vorfahren auf die Spur zu kommen, etwas mehr Sorgfalt walten zu lassen und so ihren Spaß zu finden. Die Mehrheit wird eh das dünnere Brett bohren.
Schade ist nur, daß sich die ernsthaft bemühten (verständlicherweise) immer weiter vom Geschehen zurückziehen. Denn so blühen diese Blüten eher im Verborgenen, und das Gros der neuen Hobbyeinsteiger wird wieder im Marktmittelalter landen, im guten Glauben, Samtschnürhemden und Schaukampf brächten dem Publikum seine eigene Geschichte näher.
Schade, es beißt sich alles immer wieder in den eigenen Schwanz. Und ich glaube nicht, daß sich auf breiter Front daran so bald was ändert- außer im kleinen Kreis.
Aber warum will jeder Besucher unbedingt was lernen? Wenn ich mir das aktuelle Fernsehprogramm anschaue ist das meist auch nur Entertainment vorzufinden, wenn ich RTL 2 anschalte, erwarte ich nicht, das ich in der Uni bin.
ßhnlich sieht es bei KZK aus. Wenn sich einer bilden will, kann er ins Museum, so ein Ding hat jede Stadt.
Jeder halbwegs intelligente Mensch wird sich im klaren sein, das bei einer Veranstaltung, die Spektaculum, Markt etc. heißt es sich nicht um ein Museum handelt, sondern einen Zirkus in abgewandelter Form.
Außerdem finde ich das “gute” Veranstaltungen kein Mittelalter sind. Nein man kann Aspekte beleuchten und Dinge nachbauen, wie sie waren, aber dann ist es eine Bildungsveranstaltung, aber immer noch kein Mittelalter! Ich kann doch nicht ins Archeon fahren (so schön es auch ist und wie gut die Darsteller dort sind) und behaupten ich bin im Mittelalter!
So gesehen ist die Bezeichnung ohnehin der größte Blödsinn den es gibt.
Klar es gibt Unterschiede in der Qualität, aber jeder, der sich ein wenig länger damit auseinander setzt, der weiß das er nie im Mittelalter ankommt, nur ein wenig in die Richtung gehen kann.
…das, was da ist, ist sicher genau erforscht - aber es gibt jede Menge Lücken, nicht zu schweigen von den unterschiedlichen Interpretationen des Rohmaterials durch Experten und Laien!
Das rechtfertigt sicher keine freizügige Interpretation im Sinne von Schrott, aber ganz so einfach ist die Lage nun auch wieder nicht.
Es wäre zu schön, wenn irgendwann beispielsweise ein Vater, dessen Sprößlinge zu Weihnachten kindgerechte Einsteigerliteratur zum Thema (eine dieser vielen bunten Publikationen zum Thema “Burg” oder “Ritter) bekommen haben, auf der Suche nach Veranstaltungen und Anlässen, die das Interesse vertiefen auf einer Veranstaltung landen würde, die sich tatsächlich mit dem Mittelalter befasst. wo die Kids tatsächlich etwas lernen können, anfassen, ausprobieren, beschnuppern, kosten und einen Eindruck davon bekommen, wie es tatsächlich gewesen sein könnte.
Die Realität sieht leider im Moment so aus, daß unser Vater, wenn er (mit eben diesem Wunsch) in der regionalen Presse, anhand von Plakaten und Ankündigungen nach einer Veranstaltung zum Thema ”Mittelalter“ sucht, auf einem dieser Fantasie-Märkte landet. Lerneffekt null, und daß der Spaßeffekt für die Kinder größer ist, daran wage ich auch zu zweifeln.
Und allein DAS stört mich an der inflationären und vorsätzlich falschen Verwendung des Begriffes Mittelalter (und was Mittelalter ist, ist eben keine Meinungsfrage, die sich mit ein bisschen Toleranz leicht lösen ließe - es geht um einen relativ klar umrissenen Zeitraum, der ziemlich genau erforscht ist, so daß es sehr objektiv zu bewerten ist, was ”mittelalter“ ist, und was nicht).
ich gönne jedem erwachsenen seinen rustikalen ”Ambienteschmaus“ und jedem Kind seine bunten Märchenfiguren, aber gerade im Interesse derer, die eben nicht ”drin" stecken und vorher abschätzen können, was sie erwartet, träume ich meinen Traum enthusiastisch und engagiert weiter!
ich denke, wir sollten nicht so pessimistisch sein. Meiner Meinung nach gibt es mittlerweile 2 Richtungen: “Kommerz” und “historisch korrekt”, die parallel laufen. Meiner Meinung anch ist die Kommerz-Schiene eine Mode-Erscheinung, der die Menschen irgendwann überdrüssig werden. Ich denke, das historisch korrekte Arbeiten wird die Kommerz-Schiene überdauern, weil es hier nicht auf die schnelle Mark ankommt und dementsprechend andere Menschen mit anderen Ambitionen daran beteiligt sind. Es mag an dem liegen, was ich im Mittelalter zeige, aber ich hab auch wirklich schon oft von Besuchern gesagt bekommen: “Endlich mal was anderes, ich kann den Riddä-Kram nicht mehr sehen.” Und sowas läßt doch letztendlich hoffen, oder wie seht ihr das?
Indy, ich glaube du hast das ganze Dilemma auf den Punkt gebracht. Ich freue mich darüber, daß noch jemand die Probleme sieht und sich ebenfalls darüber ärgert.Jede Kommerzialisierung unseres Hobbys führt unweigerlich zum Tode der “echten” und ambitionierten Mittelalterdarstellung. Schade ist es schon, daß es scheinbar keinen Weg gibt das zu verhindern oder die “Szene” an einen Tisch zu bekommen.
Wobei ich denke das in den nächsten Jahren diesbezüglich etwas passieren muss, und auch wird.
Im Grunde genommen stören mich KZK & Co. gar nicht. Leider führen solche “Mittelalter-Veranstaltungen” dazu, daß viele “Darsteller” und Händler ihr Niveau niemals verbessern werden. Warum auch, es gibt genug GroMi für alle. Jeder kann aufbauen, die Besucher verdummen und mit historischen Produkten des ausgehenden 20. Jhdts abzocken. Solange sich der Schmarrn für den Veranstalter lohnt, solange wird er nix ändern.
Is ja grundsätzlich nicht weiter schlimm - “ernsthafte Hobbyisten” (= die aus der Spaßverderber- und Besserwisserfraktion) wissen Bescheid und bleiben fern, der vielgeschmähte Touri vulgaris ist allein unter edlen Recken, holden Maiden, schwäbischen Wiggingan und bayrischen Highlandern, darf Holzschwerter für die quengelnden Gören kaufen, seinen Frust mit der Biermarke des Marktsponsors ersäufen und eine Riddäkartoffel essen - was stört es uns?
Mich stört dabei, daß:
- wer Geld für eine schlechte Leistung bekommt glaubt, daß die Leistung in Ordnung ist (warum bekommt man sonst Geld dafür…)
- derjenige dann glaubt, daß dieses Geld ihm zusteht und gleichzeitig seinen Standard als ausreichend bestätigt, sich also nicht verbessert (ok, ab und zu ein neues Flacheisen für den Waffenständer und ein neues Zelt von Süd-West für die optimale Ausnutzung von Lagerplatz…)
- der “Gewandungstouri” mit Mamis Schottenrock und Papis Lammfellschonbezügen, der bei solchen Märkten als “Ambienteverstärker” billiger reinkommt, glaubt, dieses “Recht” stünde ihm (is ja von einem Veranstalter “historischer Feste” gebilligt) ab sofort überall zu
- Das Publikum vom immer lauter und bunter gewordenen “Bild des Mittelalters” so abgestumpft wird, daß die leisen Töne und langsamen Arbeiten des ernsthaften Versuches in den Hintergrund treten und übersehen werden.
Kurz: alles, was hier immer wieder an Märkten kritisiert wird, ist ein Produkt des Etikettenschwindels und der faulen Geldgier von Veranstalter und Aktiven solcher Kommerzlügen.
Was kann man dagegen tun?
Bei der zerstrittenen und zersplitterten “Szene” in Deutschland - gar nix!
Jeder Hansel hier gründet sofort nach (oder schon lange vorher) Fertigstellung der ersten Klamotte eine IG, einen e.V. oder sonstwas, schart dann eine Handvoll “Gleichgesinnte” (= Leute mit kleinstem gemeinsamen Nenner, bzw. Leute mit kleinstmöglicher Meinungsinkompatibilität), erklärt sich zum Mittelpunkt des Universums, verkündet auf einer graphisch ansprechenden Homepage, daß der eigenen Gruppe die Sonne aus den Afterballen strahlt und reagiert auf Kritik von außen durch
a) Exkommunikation
b) Lächerlichmachen (sich und den Kritiker)
c) Umbenennen der IG/des e.V. in ein lateinisches Kunstwort, den Austausch von ein paar Mitgliedern und
d) sonst ändert sich nix außer
e) stiller Adaption des Kritisierten Sachverhaltes, der anschließend allen anderen (leicht modifiziert) aufgezwungen wird.
Kurz: Es gibt hier leider zu viele Druckluftegos (und ich nehme mich da ganz bestimmt NICHT aus!!!), GroMi-Altlasten (hat ja alles mal Geld gekostet!) und deutsche Kleingartenvereinmentalität, als daß ein Dachverband wie English Heritage entstehen, geschweige denn bestehen könnte.
Ohne eine solche übergreifende, unabhängige und einflußreiche Organisation kann und wird sich aber ein kontrollierter Mindeststandard für Veranstaltungen (und damit auch Darsteller und Händler) niemals etablieren können.
Fazit: wir werden halt so weitermachen müssen wie bisher - viele verschiedene Hobbies, ein Name: MITTELALTER.
Mir gefällt das nicht, aber viele Jahre TV, TB, HZB, FF, etc. haben mir gezeigt, daß “richtiges Mittelalter” nur im kleinen und unkommerziell funktionieren kann. Ich mache mein Hobby und werde auch nur noch dann grantig, wenn irgendwelche “%*#§” öffentlich behaupten, daß ihr “Freestyle” in Wirklichkeit Mittelalter ist…
So ähnlich war es doch auch mit dem Begriff “Bio” oder “ßko”: Zu schwammig, um “Nichterfüllung” zu verklagen, bei allen möglichen und unmöglichen Produkten auf der Verpackung. Ein paar Erzeugergemeinschaften haben sich dann auf gemeinsame Qualitätskriterien geeinigt und den Begriff “k.b.A.” beziehungsweise “kontrolliert biologischer Anbau” schützen lassen. Zumindest für “Eingeweihte” also eine Möglichkeit, die “echten” Bio-Produkte von den vorgetäuschten zu unterscheiden.
Der inflationär werdende Gebrauch von Begriffen wie “Reenactment”, “Living History” u.ä., der dann zur Aufweichung der Begriffe führt, scheint zu zeigen, daß es ein Bedürfnis nach einer Art von Gütesiegel gibt. Desgleichen die Diskussion über Kitguides.
Was mich aber skeptisch macht, ob man sich jemals auf gruppen- und epochenübergreifend formulierte Qualitätskriterien einigen kann, ist nicht so sehr das Rechtliche, sondern das Persönliche. Leute, die prinzipiell das gleiche Ziel vor Augen haben, streiten sich hier bei Tempus vivit um Dinge, die selbstverständlich wichtig sind, um den 100% näher zu kommen, aber die mir als winzige Unterschiede vorkommen, wenn ich mir die 08/15-Kommerz-Märkte anschaue, die außerhalb dieses Forums das Bild der Leute entweder vom Mittelalter oder aber von der “Mittelalter-Szene” prägen.
Ich würde mich freuen, wenn es in Zukunft ein Label geben würde, das nachprüfbar anzeigen würde, welche Veranstaltung sich für mich lohnen würde. Und wenn die Inflation von Schlagworten wie “Mittelalter”, “Living History” u.ä. wirklich den Wunsch eines Publikums ausdrückt, “echte” Geschichte zu erleben, dann werden sich vielleicht sogar Veranstalter und Gruppen anstrengen, sich das Gütesiegel zu verdienen, statt billig moderne Schlagwörter aufs Plakat zu drucken.
Ich befürchte aber, daß daraus nichts wird. Daß es dabei bleiben wird, daß Gruppen interne Kriterien entwickeln, was zu begrüßen ist, aber nichts nützt, wenn ich nicht weiß, welche Gruppe auf einer Veranstaltung ist. Und so bleibt es dabei, sich an Erfahrungswerten zu orientieren und so zu wissen, was einen bei einem KZK- oder Hiller-Markt erwartet, was bei den meisten Stadtfesten mit “Mittelalter”-Bezug, oder was ich erwarten darf bei Veranstaltern, die ich hier in der Taverne kennen- und schätzengelernt habe.
Bis denn
Karen Thöle
PS: Und ich hoffe, daß dieser Thread nicht wieder in eine Schlammschlacht ausartet.
Zunächst mal der Begriff Mittelalter ist bestimmt nicht zu schützen, er ist zu allgemein:
Es ist doch nicht mal klar von wann bis wann es das Mittelalter war!
Der Eine beginnt mit den Fall Roms, der andere mit der Krönung Karls. Es endet mit der Entdeckung Amerikas oder wenn man
christlicher Fanatiker ist, dann lebt man noch immer im Mittelalter, weil der Heiland ist noch nicht wieder erschienen und somit leben wir in der Mitte der Zeiten!
Dann entnehme ich hier aus dem Forum doch undurchsichtige und zumeist nur von “Fachidioten”(Sorry, aber ein Laie wird uns, mich eingeschlossen, so bezeichnen) nachvollziehbare Grenzen, was historisch ist oder was nicht.
Mein Tipp: Verein/Stiftung gründen, sich einen Begriff schützen lassen und Zertifikate verteilen. (Tempus-vivit-Stempel für die beste Darstellungsqualität), den Tipp habe ich schon mal hier irgendwo gegeben…
Markt?
Klar sogar ein Marktsegment mit einer klaren Zielgruppe ist bei KZK vorhanden! Leute die Unterhalten werden wollen, dabei ein Bier trinken und Souvenirs kaufen.
Das diese bereit sind mehr Geld auszugeben, als andere zeigen z.B. Eintrittspreise vom Kino und Spaßbädern.
Alternativen?
Klar jede Menge. Und oft sehr günstig, Veranstaltungen in Museen z.B….
Leider ist hier der Nachteil, das oft wegen der wenigen zur Verfügung stehenden Mittel kein gutes Marketing betrieben werden kann.
Hier ist aber auch eine andere Zielgruppe angepeilt, Leute die neben der Unterhaltung auch akut Bildungsgefährdet sind.
Diese Personen findet man oft nicht auf den KZK Märkten.
Andersrum ist nichts für den KZK-Besucher langweiliger, als wenn man ihm die Anzahl und den Aufzug der Brettchen beim weben erklärt, wenn er doch den edelsten Recken hoch zu Pferd Heldentaten vollbringen sehen könnte.
Also Leute seht es so:
Der Markt hat für jeden genug Angebot, wie jemand nachfragt muss er selber wissen.
Auch wenn man einmal mit KZK falsch ausgewählt hat, mit ein wenig Forschung findet man das für sich richtige, der Markt ist so transparent!
Ich freue mich schon auf den nächsten absolut unterhaltsamen Weinnachtsmarkt in Siegburg! Dort weiß ich was ich bekomme und das zum günstigsten Preis, freier Eintritt auf dem Marktplatz.
P.S. Hat jemand mal eine Alternativkostenrechnung zwischen KZK und Museumsbesuch gemacht (Bitte mit Kurve)?
Ich bin ein recht toleranter Mensch und lasse die Menschen in der Regel tun und lassen, was sie für richtig halten. Allerdings wenn es niemandem anderen schadet. Aber hier wird m.E. der Besucher betrogen, und geschröpft. Wenn von vornherein fest steht was einen erwartet kann man sich ein Urteil bilden ob sich ein eventuell kostspieliger Besuch lohnt. Werden aber Erwartungen geweckt die dann nicht im geringsten bedient werden, nenn ich das einfach Bauernfang. Es ist sogar noch schlimmer, dort wird den Menschen etwas für bare Münze verkauft was schlichtweg falsch ist. Der “Traum vom Mittelalter” jedes einzelnen sei ihm durchaus gegönnt. Aber von wem wird dieser Traum den projeziert? Ausserdem werden diese “Träume” auch noch schamlos kommerziell ausgenutzt. Warum soll man Eintritt berappen wenn innerhalb der VA sich lediglich ein “verkleideter” Wochenmarkt befindet?
In anderen Bereichen unseres Lebens und der Gesellschaft nehmen wir solche Dinge doch auch nicht hin. Jeder regt sich über fingierte Werbebotschaften (z.Bsp. angebliche Gewinne)oder Butterfahrten auf wo zum Beispiel alte Menschen über den Tisch gezogen werden.
Sollen sie doch machen, ja warum nicht! Aber doch bitte nicht unter der Botschaft “Mittelalter”.
Wie beim Naturschutz, ist es auch mit dem Verständnis der Menschen für beispielsweise archäologische Grabungen oder Erhaltung alter Bauwerke. Nur wer darüber Bescheid weiss und aufgeklärt ist über die Zusammenhänge wird ein Interesse daran haben etwas zu schützen.
Ich bin auch der Meinung, daß ein Blick in das beschwerliche Leben unserer Vorfahren den Leuten des 21.Jhd. verhilft ihr Leben in einem anderen Licht zu sehen. Vieleicht schätzen sie die eine oder andere “Selbstverständlichkeit” etwas mehr.
Dieses Bewusstsein wird sich auf Krawallmärkten nicht einstellen. Vieleicht hilft die Beschäftigung mit unserer älteren Vergangenheit auch zu weniger Rassismus, Intoleranz, Gewalt gegen Minderheiten. Wer seine Vergangenheit nicht kennt wird nie Wissen für die Zukunft erlangen.
Natürlich hindern uns Märkte nicht daran ernsthafte VA durchzuführen, aber die haben es halt etwas schwerer die Leute zu erreichen. Sie sind verwöhnt und verblendet vom Markt-trubel. Und ohne (bereitwillig zahlende) Besucher sind solche VA eben auch kaum machbar. Die enstandenen Unkosten sollten gedeckt werden, schliesslich wird ja auch kein kommerzieller Handel betrieben.
ßbrigens ist der Begriff “Markt” für solche VA auch volkswirtschaftlich absolut korrekt, nämlich das Zusammentreffen von Nachfrager und Anbieter. Es fragt sich nur ob der Anreiz Nachfrager auf den Markt zu werben nicht blanker Schwindel ist. Und das beschreibt die ganze Misere “Markt”. Ein mittelalterlicher Markt ist einem heutigen Bauernmarkt wahrscheinlich nicht sehr unähnlich, zumindest im Bezug auf die gehandelten Waren (modernes Gemüse z.Bsp. mal ausgenommen).
Also, auch wenn das, was die Veranstalter da machen, auch meiner Meinung nach oft unter Volksverdummung läuft (Zeitungsartikel über Kaltenberg: “es wird bei den Teilnehmenden Gruppen darauf geschaut, daß auch alles historisch korrekt ist”… ja klaaar…) denke ich doch immer noch, daß jeder Mensch mit einer normalen Allgemeinbildung von sich aus erkennen müßte, daß das da nicht Mittelalter ist. Und bei den allermeisten von denen, die das glauben, ist eh schon alles zu spät.
Wär natürlich schön wenn´s anders laufen würde, aber dazu wäre ganz einfach ein Haufen ßffentlichkeitsarbeit nötig.
Mir fällt dazu jetzt grad die BSE-Krise ein: ich fand es damals ziemlich amüsant, daß die Leute ganz plötzlich festgestellt haben: waas, die aarmen Tiere werden mit Tiermehl gefüttert? Das ist ja furchtbar! Wie kann man das den armen Viechern antun! Ja, über was haben sich denn die Tierschutzorganisationen schon seit Jahrzehnten den Mund fusslig geredet?
Nun ich denke, man kann einen KZK-Markt nicht mit den anderen Märkten vergleichen, da sich dieser Betrieb schon vor ca. 10 Jahren radikal von der Szene abgenabelt hat und ein eigener Kosmos ist der sich nur um sich und seine Rendite dreht. Kann ich bei anderen grottenschlechten Märkten meistenteils noch irgendwo etwas finden, dem ich wenigstens den Willen zugestehen kann, etwas mit echtem Herzblut getan zu haben, fehlt mir dies bei KZK vom Anfang bis zum Ende.
Ich war vor ein paar Jahren (ca.3 glaube ich) in Darmstadt auf einem KZK-Markt und mich durchtosten ähnliche Gedanken wie David in Berlin.
Die Vorstellung, bei Gericht Klage einzureichen, weil im Begriff “Mittelaltermarkt” das Wort “Mittelalter” falsch verwendet wird, hat auf jeden Fall etwas Originelles.
Ich empfehle, das noch etwas zu steigern, in dem man als Nebenkläger einen cholerischen VWL-Studenten dazunimmt, der sich beklagt, dass seiner Meinung nach auch das Wort “Markt” falsch verwendet wurde. :-)
Jetzt aber im Ernst: Ich hatte mich halt an dem meiner Einschätzung nach völlig übertriebenen Vorwurf der “Volksverhetzung” gestört, bei dem mir im Verhältnis zum tatsächlich sachlich vertretbaren Vorwurf jedes Maß verloren schien.
Aber das soll mir jetzt als geklärt gelten und es war ja auch nicht der eigentliche Gegenstand deines Postings, lieber David.
Deine Fragen will ich aber gern noch aus meiner rein persönlichen Sicht beantworten:
> Rege ich mich umsonst auf?
Ich denke: Ja. Andere Leute haben andere Vorstellungen, was ein “Mittelaltermarkt” ist und es schadet niemandem, auch andere Vorstellungen gelten zu lassen; man muss sich ihnen ja nicht anschließen.
> Habt ihr schon resigniert?
Ich habe nicht resigniert, weil ich noch nie versucht habe, anderen Leuten meine Meinung als die einzige Wahrheit aufzuzwingen; wenn zum Beispiel jemand glaubt, es ist gesund, sein eigenes Urin zu trinken, dann darf er das von mir aus gern glauben. Ich pflichte ihm halt nicht bei und werde mich vor allem hüten, ihm nach zu eifern. Jeder ist für seine Gesundheit selbst verantwortlich - genau so wie für seinen “Traum vom Mittelalter”.
> Sollte man das so hinnehmen?
Klar doch. Die Leute, die Märkte verantstalten, hindern doch auch niemanden daran, Veranstaltungen anderer Art zu machen.
Ist ein altes und ewig ergebnislos diskutiertes Thema, nicht wahr? Darum höre ich jetzt auch wieder auf damit.