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Eintrag #9 vom 29. Mrz. 1999 14:38 UhrThorsten Piepenbrink Profil

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Moin Gabriele, gegenteilig kann ich wieder nu den guten Neidhard v. Reuental anführen, der - exakter als in meinem vorherigen Posting - davon gesprochen hat, daß sich die Bauernburschen mit lange Schwertern "gürten". Wie soll man denn auch sonst den Prügel mit sich rum schlören - speziell in Kampfsituationen. Den Rittern waren aber zumindest die weißen Gürtel als Zeichen Ihres Standes vorbehalten. Außerdem wurde IMHO das Schwert als "Standes"zeichen eh´ nicht gegürtet, sondern getragen - wie z.B. die Stifterfiguren am Naumburger Dom. Bis dann Thorsten

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Eintrag #8 vom 29. Mrz. 1999 14:15 UhrGabriele Klostermann Profil

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Hallo allerseits, es gehört zwar nicht wirklich zum Thema, aber da es hier gerade angesprochen wurde: In meinem Kopf spukt irgendwie die Information ´rum, daß das Schwertführen/kämpfen zwar allen erlaubt war, die es sich leisten konnten, das Gürten des Schwertes am "Gürtel" jedoch den Rittern vorbehalten war (fragt mich jetzt bitte nicht nach der Quelle). Weiß da jemand etwas genaueres, vielleicht sogar eine Quelle? Gabriele

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Eintrag #7 vom 29. Mrz. 1999 13:45 UhrThorsten Piepenbrink Profil

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Haben sich Jörg und ich mal wieder überschnitten. Einen habbich abba noch. Der Vollmetallstreitkolben trat meines Wissens erst im letzten Viertel des 14. Jhdts. auf, als die Rüstungen entsprechend vollständig wurden. Thorsten

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Eintrag #6 vom 29. Mrz. 1999 13:42 UhrThorsten Piepenbrink Profil

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Moin Matthias, meines Wissens nach diese Beschränkung des Schwerttragens auf den Adel nicht gegeben (und wenn, dann ist es so weit durchgesetzt worden, wie die Verbannung der Armbrust >>-->). Wenn Du Dir z.B. die Lieder Neidhardt (gg. 1220) durchliest, so beschwert er sich, daß die Bauern, um anzugeben, große Schwerter mit sich rumschleppen. Er beschwert sich auch, daß er keine Schnitte bei den Bauernmädchen hat aber das gehört in den Thread "Der edle Bauernstand" :-). Die Illustrationen sprechen da auch ´ne andere Sprache. Der Morgenstern - also die nagelgespickte Keule und nicht der Flegel - war eher eine Waffe des einfachen Mannes, während der kurze Reiterstreitkolben eher bei dem Reisigen, sprich gut bewaffneten, berittenen Berufskämpfer (NICHT zwingend Ritter) beliebt war. Man neigte als Fußkämpfer auch eher zu den zweihändigen Varianten, man brauchte ja auch nicht noch´n Pferd zu führen (z.B. der Goedendag - auch wenn´s da verschiedene Interpretationen gibt). Spätestens mit den Hussiten wurden die Kriegsflegel auch als nicht improvisierte Waffe populär. Das war´s erstmal, muß wieder arbeiten. Bis dann Thorsten

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Eintrag #5 vom 29. Mrz. 1999 13:36 UhrJörg Bellinghausen Profil

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Hallo Matthias! Wie Kleidung und Rüstung, waren auch Waffen dem Diktat der Mode unterworfen. Als gute Referenz für den Einstieg empfehle ich Dir zwei Bücher: "Arms and Armor of the Medieval Knight" von David Edge,ISBN: 0517103192 und "The Archaeology of Weapons : Arms and Armour from Prehistory to the Age of Chivalry", von R.Ewart Oakeshott, ISBN: 0486292886 Ich weiß nicht, wo Du die Story mit dem Schwert als Privileg des Adels herhast, aber das ist meines Wissens nach Blödsinn. Es gibt wohl eine Quelle, wonach *Unfreien* das Tragen von Schwertern verboten war. Von einer weitergehenden Einschränkung ist mir nichts bekannt. Es gibt Aufzeichnungen aus alten Stadtchroniken, die z.B. einem Handwerksmeister vorschreiben, daß er Rüstung *und* Schwert zu besitzen hatte und diese bei öffentlichen Musterungen auch vorzeigen mußte. Bauern und Freie, die der Heerfolge unterlagen, mußten sich selbst um Ihre Bewaffnung kümmern und es gibt auch alte Ordonanzbücher, in denen Schwerter als vorgeschriebene Ausrüstung erwähnt wurden. Schwerter waren nicht billig, deshalb konnte sich vielleicht nicht jeder eins leisten, ´verboten´ waren sie aber nicht. Wie gesagt, nur meines Wissens nach, sollte es anderslautende *Quellen* geben, lasse ich mich gerne eines besseren belehren. Was den Streitkolben als Waffe des gewöhnlichen Soldaten oder Bauern anging, so würde ich sagen, nein. Der Streitkolben war eine Waffe, die primär von Berittenen gegen andere Berittene eingesetzt wurde. Einfache Fußkämpfer führten für gewöhnlich als Hauptwaffe eine Stangenwaffe (Speer,langstielige Axt, Halmbarte oder Pike); als Zweitbewaffnung meist einen Dolch, ein Schwert oder einen Malchus. Für einen Bauern wäre ein kräftiges, einschneidiges Messer mit so ca. 45 cm Klingenlänge eine ganz gute "Standardbewaffnung". Gruß Jörg

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Eintrag #4 vom 29. Mrz. 1999 12:32 UhrMatthias Doettlaff Profil

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Danke Jörg und Thorsten! Ich weiß, daß aus dem Streitkolben Szepter und Marschallstab hervorgegangen sein sollen, was mir auch nicht unlogisch erscheint. Was die Formen des Streitkolbens angeht, so sind die wohl so mannigfaltig, wie die Benutzer wohlhabend - also von der nagelgespickten Keule bis zum verziert vielblättrigen Panzerbrecher. Mich interessierte halt, welche Formen zu welcher Zeit belegt sind, und ob man da von einer Art Mode sprechen kann, vergleichbar wie bei den Rüstungen. Wann etwa sind die Leute af die Idee gekommen, sowas komplett aus Metall zu gestalten, statt Holz zu beschlagen? Soweit ich weiß, gab es im HMA, so ab 1200 etwa, im Zuge der Einschränkungen, Ritter werden zu können, eine Beschränkung des Schwertes auf den Adel (in Deutschland), was aber nicht auf andere Waffen zutrifft, wie etwa den Streitkolben. Wie weit ist der eine Waffe des gewöhnlichen Soldaten oder Bauern geblieben? Liebe Grüße, Matthias

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Eintrag #3 vom 29. Mrz. 1999 09:40 UhrThorsten Piepenbrink Profil

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Moin Matthias, habe natürlich meine Unterlagen nicht auf der Arbeit, doch weiß ich, daß der Streitkolben z.B. bei den Normannen als eine Art Marschallsstab beliebt war. Es kommt ein bißchen darauf an, was Du Dir unter einem Streitkolben vorstellst. Der klassische, den wir aus den vielen Filmen kennen (6-fach aufgeblättert mit verschiedenen Formen) wurde tatsächlich erst im SMA populär - d.h. mit Aufkommen schwererer Rüstungen ab dem 14. Jhdt. Im Tower von London gibt es aber z.B. einen Plancon á Picot (nagelt mich nicht auf die Schreibweise fest :-) aus dem 12. Jhdt. Das ist im Grunde nichts andereres als ein etwa 70 - 80 cm langer Holzstab, der im Kopfbereich verdickt ist (Baseballeffekt) und auf dem eine schwere Metallplatte und Spitze aufgesetzt ist. Das Foto ist leider ein Dia, ich werde mal gucke, daß ich´s Dir hier auf der Arbeit einscanne. Weiterhin vermute ich, daß dicke Stöcke mit Spitzen das ganze Mittelalter beliebt waren - eine freundliche kleine Waffe, die selbst der heimische Grobschmied ohne Schwierigkeiten herstellen konnte und die bei den Herren Kettenhemdträgern garantiert nicht beliebt war. Ich schau auf jeden Fall zuhause in meinen Unterlagen nach, vielleicht finde ich noch etwas scanbares für Dich. Welche Zeit willst Du eigentlich darstellen? Bis dann Thorsten

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Eintrag #2 vom 29. Mrz. 1999 09:20 UhrJörg Bellinghausen Profil

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Moin Matthias! Auf dem Wandteppich von Bayeux ist eine Figur (Bischof Odo) dargetellt, der eine keulen/kolbenähnliche Waffe führt. Der Streitkolben als ´verfeinerte´ Keule ist aber m.W. keine Erfindung des Spätmittelalters. In der Maciejowski Bibel (ca. 1250) gibt es eine Abbildung, in der ein Kämpfer Helm und Schädel seines Gegners mit einer Art Streitkolben einschlägt. In dem Osprey Buch "German Medieval Armies AD 1000 - 1300 ist auf einer Farbtafel ein Kämpfer mit einem vierfach aufgeblätterten Streitkolben dargestellt. Gruß Jörg

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Eintrag #1 vom 28. Mrz. 1999 23:13 UhrMatthias Doettlaff Profil

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Hallo alle! Ich höre immer wieder, daß der Streitkolben eine Entwicklung des Spätmittelalters sei, bekomme aber keine Quellen hierzu genannt. Das kommt mir allerdings sehr unwahrscheinlich vor. Wer weiß, welche Formen zu welchen Zeiten populär waren und kann mir Quellen dazu nennen? Liebe Grüße, Matthias

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