Moin zusammen Die Herstellung von Holzscheiden ist unten bereits hinlänglich geklärt worden, außer der Tatsache, daß man das Wollfutter prima mit Waffenöl (Balistol etc.) tränken kann, sodaß jedes Ziehen und wieder einstecken der Waffe zu einem Akt der Waffenpflege wird. In früheren Zeiten hat das natürliche Wollfett diese Aufgabe übernommen. Lederscheiden für Dolche und/oder Schwerter mögen vielleicht nicht ganz A sein sind aber leichter und praktischer. Und richtig gemacht sehen sie auch nicht un-A aus. Dazu muß man das Leder nur richtig härten. Man nehme also 3-4 mm dickes Rindleder (Gürtelleder),lege es eng um die Schwertschneide und nähe es der Länge nach zu (soweit nix neues). Dann ziehe man das Schwert heraus und wässere die Scheide mehrere Stunden lang, bis das Leder völlig durchgezogen ist. Anschließend stecke man das (gutgeölte) Schwert wieder ein, allerding so, daß die Naht nicht mehr entlang der "Schneide" verläuft, sondern auf der Breitseite/Rückseite der Klinge. Danch tauche man das ganze in kochendes Wasser oder schütte ebensolches reichlich darüber (falls man keinen genügend großen Kochtopf zum eintauchen findet;o). Dann lasse man das ganze gut austrocknen (dauert je nach Leder zwischen 5 Stunden und 5 Tagen). Danach hat sich das Leder paßgenau um die Klinge gelegt und ist ausgehärtet. im Idealfall ist es nun genau so hart wie Holz oder Hartplastik und schlackert nicht mehr so unschön in der Gegend rum mit Ortband und Mundblech versehen ist es von einer mit dünnem Leder überzogenen Holzscheide kaum noch zu unterscheiden. Zur Chemie: Durch die Hitze des kochenden Wassers brechen die Hauteigenen Kollagene auf und verbinden sich mit dem Wasser zu einer Art Polymer (genaueres bitte von einem Chemiker erläutern lassen). durch die Hautfasern des Leders haben wir dann das mittelalterlich Äquivalent eines modernen faserverstärkten Verbundkunststoffes. Das Material kann natürlich brechen (wie Plastik) bleibt aber durch die Fasern anschließend trotzdem meist noch in Form. Deshalb nimmt man auch Rindleder, da die Fasern da länger sind als in Schweinsleder. Schwein splittert bei Bruch genauso weg wie Hartblastik. Ach ja, bitte achtet auf naturgegerbtes Leder, am besten Eichenlohe, da moderne Chemiegerbung, vor allem die allseits beliebte Chromgerbung die innere Chemie des Leders so kaputt macht, daß sich nix mehr tut. Hat sich was mit Härten. Während des Trocknens kann man die Scheide noch mit Prägen o.ä. verzieren. Selbstverfreilich muß man die Klinge anschließend ordentlich pflegen, da sie sonst anfängt zu rosten (wasser und Stahl, gelle) Viel Glück bei euren Versuchen damit, man braucht etwas Erfahrung, um das Härten richtig hinzubekommen, außerdem ist Leder ein lebendiges Material, daß immer wieder etwas anders reagiert. Wolfhardt
Ich sehe das aus rein praktischen Erwägungen genauso wie Hartmut - und somit unsere Hertren Kämpfer (ich verkneife mir jetzt mal den Ritter) ;-)) im Mittelalter. Die Schwertscheide sollte günstig, schlicht und relativ schnell herzustellen sein. Es ist ein reiner Gebrauchsgegenstand (wie z.B. auch ein Brillenetui - NEIN keine neue Brillendiskussion, hehe) Meine Schwertscheiden haben einen Materialwert von ca. 7,50 DM! Die Holzlatte (daraus bekommt man ca. 1,5 Schwertscheiden) kostet im Baumarkt so um 5-6DM, Holzleim hält recht lange und das Leder zum bespannen bekomme ich aus einer Taschenfabrik für ein freundliches Lächeln (Abfall, Reste). Mit ein wenig Übung arbeitet man an einer einfachen Scheide ca. 2-3 Stunden. An einem Samstag Vormittag und mit rund 10,- DM in der Tasche hat man sich also schnell etwas neues gemacht... Gruß Andreas
Hallo Kollegen! Zum Thema Kampf und Scheide: soviel ich herausgeforscht habe, warfen unsere Vorbilder (HMA bis SMA) die Scheiden in der Regelim Kampf weg. Macht ja- wie wir alle selbst herausgefunden haben sehr viel Sinn. Überleben war wichtiger als ein "Pfennigartikel" Schwertscheide (ich meine nicht die Prunkexemplare!). Hussa Hartmut
Moin Pascal, Lutel baut - nach Peppos Bekunden - nur noch Scheiden für ihre eigenen Waffen, auch aus Holz (habe selber ´n HMA-Schwert von ihnen mit Holzscheide). Hier noch ´ne Adresse für ´nen Scheidenbauer - ich kann aber nichts über seine Qualität sagen, habe selber noch keine Scheiden von ihm gesehen. LUTREN Lutz Schmidt Reenactment Rud.-Breitscheid-Str. 6 67655 Kaiserslautern 0177/3022301 Nach seinem Bekunden kosten Scheiden bei ihm zwischen 150,- - 200,- DM. Bis dann Thorsten
Hi, ich verwende zur Zeit reine Lederscheiden. Der Nachteil, nicht sonderlich historisch. Der Vorteil, keine Behinderung beim Kämpfen (z.B. bei einem Sturz). Die Tschechische Firma Lutel bietet sehr gute Lederscheiden für 100,- DM bis 150,- DM an. Die Firma trifft man regelmäßig auf der Ronneburg. Gruß Pascal
Moin Vorschlag , und nicht mal un-A Nehmt einfach Buchen - Multiplex für die Scheiden . Könnte zwar bedeuten , dass der dremel- Fräser abkotzt , aber die Scheide bricht NICHT , ausser man nimmt zu dünnes Material . Und Leimholz war auch schon damals bekannt - Schildbau !!! Alexander
Hallo Joachim! Die Dinger brechen immer! Die kannst Du so dick machen wie du willst. Ich stehe auch gerade wieder vor meiner Schwertscheide mit zerbrochenem Holzkern. Die mach ich jetzt schon zu x ten mal neu. Wenn Du hinfällst (Sterben im Kampf) und dumm drauf fällst ist sie hin. Ich habe sogar schon Schwerter in Scheiden brechen (nein nicht kotzen) sehen, bei einem Sturz an 2 (!) Stellen. Mein Tip: sein un-a und mache sie nur aus Leder. Oder sei "halb-a", und mache den Holzkern so wie er hier schon beschrieben wurde. Nur nimm nicht Holz sondern extrem dickes hartes Leder. Dann hat die Scheide die gleichen Eigenschaften wie eine korrekte, aber sie bricht nicht. Grüße Sir Henry
Hallo! Was für Holz verwendet man den am Besten? Welche Stärke bzw. Dicke sollte man verwenden? Gibt es Erfahrungen, ob oder wie schnell so eine Holzschneide bricht, z.B. wenn jemand aus Versehen rauftritt? Dank Euch + Gruß Joachim von Rudow
Also das mit der Schwertschiede aus Holz gestaltet sich eigentlich recht einfach... Wie Thorsten schon sagte, tun es zwei gegeneinander geleimte Holzlatten. Vor dem zusammen leimen, verwende ich immer einen Drehmel um die Schwertform exakt in die Scheide zu fräsen. Damit hast Du eine passgenaue Scheide ohne "rumgeschlackere". Ausfüttern mit Wolle oder ähnlichen Stoffen ist (wenn man von der Nachahmung bekannter Quellen mal absieht) reine Geschmackssache. Meine Holzscheiden sind ohne Futter, und trotzdem funktionell. Das Leder kann auch im normalen (trockenen) Zustand um die Scheide genäht werden. Ich habe dazu das Leder links herum direkt an der Scheide stramm zusammengenäht. Danach wird das Leder von der Scheide abgezogen, gewendet und richtig herum wieder aufgezogen. Diese Arbeit ist etwas schweißtreibend und manchmal kommt man an den Punkt, wo man denkt sie ist nun doch einfach zu eng - aber es hat bisher immer funktioniert ;-)) Denke daran zum verleimen der beiden Hälften der Schwertscheide wasserfesten Holzleim zu verwenden. Falls Du noch fragen hast, sende mir ruhig ein E-Mail. Die Scheiden die ich bisher gebaut habe sind in erster Linie funktionell für die ordnungsgemäße Aufbewahrung von Schaukapmfwaffen etc. gemacht worden. Wenn es unbedingt sehr a... sein soll, müßte man sicher einige Details abändern. Ich habe allerdings auch schon mal daran gedacht, das überzogene Leder zu prägen und anschließend mit Blattgold zu einer Prunkscheide weiter zu verarbeiten. Schaun mer mal ;-)) Gruß Andreas
Moin zusammen, wäre interessant, mehr über reine Lederscheiden zu erfahren. Ich denke mir jedoch, daß sie dann eher aus einem steifen Leder gemacht worden wären. Obwohl natürlich andererseits die Katzbalger der Landsknechte in eben jenem dünnen Fell getragen wurden. Mein eigenes Falchion trage ich selber auch in einer Lederscheide aber das hat mit seiner Form zu tun. In einer Holzscheide würde es halt auch in der Gegend herumschlackern. Weiß vielleicht jemand, wie´s mit "Fütterungen" von Scheiden des SMA´s aussieht? Vieleilcht Hartmut oder Dietrich? Bis dann Thorsten
Soweit ich informiert bin, hatten Schwertscheiden zeitweise keine Holzverstärkung. Hat jemand (möglichst belegbare) Informationen, ob und bis wann Scheiden ohne Holzverstärkung getragen wurden? Philipp der 1350 fälschlicherweise (Manesse) immer noch mit schlaffer Lederscheide rumläuft
Moin Thorvald, ich habe zwar selber noch keine gebaut aber es mir zumindest gelgentlich erklären lassen, bzw. mitgeholfen. Am besten benutzt Du als Basis zwei Holzplatten, zwischen die zwei rechteckige Holzstangen geleimt werden, so daß in der Mitte genügend Platz für die Waffe is´. Beim Schwertort weiß ich jetzt nicht mehr so genau bescheid, vielleicht weiß da sonst jemand ob der Ort aus Vollholz ist. Dann den ganzen Krempel in Form feilen und schleifen. Die nächste Stufe wäre dann alles mit feuchtem, dünnem Leder zu überziehen und, bei mitteleuropäischen Waffen auf der Rückseite zu vernähen. Wenn das Leder getrocknet ist, liegt alles spack um die Holzscheide. Danach Überstände von den Nähten abschneiden. Metall Ort- und Mundblech von einem Schmied Deines Vertrauens anfertigen lassen. Die ganze Scheide sollte genug Platz haben, um einen Innenbelag von Schafswolle aufzunehmen. Tim Schneider müßte Dir, soweit ich weiß, mehr sagen können. Nach meinem Wissen waren von den paar HMA-Scheiden, die gefunden wurden, fast alle mit Wolle "gefüttert", könnte das aber vielleicht noch mal nachfragen. Wie´s exakt mit anderen Zeiten aussah, kann ich nicht sagen. Am Mundblech kann dann noch ein Regenschutz aus Leder angebracht werden. Am besten schaust Du Dir dazu ´n paar Illustrationen aus der Zeit an. Wenn ich das noch so richtig im Kopf habe, waren die Scheiden aus dem HMA vergleichsweise breit (Stifterfiguren Naumburger Dom, Manesse), vielleicht lag´s ja daran, daß noch die Wolle rein mußte. Ich hoffe, ich konnte zumindest ansatzweise helfen, da ich selbst nicht so viel Kenne auf diesem Gebiet habe. Bis dann Thorsten