Hallo! Ich wollte an dieser Stelle nur ienen Hinweis geben, da der Thread ja "Krankheiten" im Mittelalter heisst: Es gab natuerlich noch eine Reihe anderer Gebrechen, unter denen die Menschen gelitten haben. Hierzu lohnt sich ein Besuch (und ueberhaupt) des Haithabuh-Museums in Schleswig (zwar Wikingerzeit - aber doch allgemein sehr interessant). Hier weden z.B. Schaedel mit Kopfverletzungen, die am Knochen zu sehen sind gezeigt, Kiefererkrankungen (wie Zahnwurzelentzuendung), die Folgen aus der Ernaehrung von mit Mahlsteinen grobgemahlenem Getreide (Abnutzung der Zaehne) und weitere interessante Details, die Aufschluss ueber die Schmerzen geben, die die Menschen oft ihr Leben lang aushalten mussten. Viele Gruesse, Eydis
...ach so, wegen "Infektion"... Brand war bei Wunden seit jeher bekannt (das ist aber sicher allen klar). Ich denke mir, die Bezeichnung Infektion läßt darauf schließen, daß den ßrzten bewußt gewesen sein muß, das es sich um eine "externe" Ursache handeln mußte (verschmutzung, Viren, Bakterien) daher denke ich mir, daß die Bezeichnung "Infektion" erst sehr spät Verwendung fand. Wie gesagt, ich denke mir das so - aber das hat ja nix zu bedeuten ;-)) Gruß Andreas
ähem... wegen dem Zeitraum für die Pest... Ich weiß nicht, wann sie das erste mal auftrat aber meines wissens war die letzte (als solche erkannte) Pest, an die man sich im Mittelalter noch "erinnerte" ca. im 8 Jhdt. und tauchte dann bis zum 14 Jhdt. als "Pest" nicht mehr auf. Laut dieser Quelle kann man sich auch heute noch nicht genau erklären, woher die Pest damals genau kam bzw. weshalb im Mittelalter die Pestwellen häufig ebensoschnell endeten, wie sie ausgebrochen sind. Sicher kannst Du dazu mehr sagen, FeliX Gruß Andreas
Tach zusammen, in diesem Zusammenhang: Die Quarantäne ist im Duden als "Anzahl von 40 (Tagen)" aus dem lat.-vulgärlat-frz. erklärt. ich hab mal gehört, es käm aus dem italienischen. Die Stadt Venedig schickte Kranke für 40 Tage auf eine der Stadt vorgelagerte Insel. Wer dann (noch) gesund war durfte die Stadt wieder betreten. Frank
Hallo Felicitas, btw, seit wann ist eigentlich die Infektion als solche bekannt, z.B. Infektion bei Wunden oder auch wie beschrieben, die Pest. Auch das Aufkommen des Wortes "Infektion" interessiert mich hier. Bis dahin Hilmar
MoiN! Jetzt isse wieda da... Mein Provider hat mich tagelang schmoren lassen und mcih nicht über Gießens Staadtgrenzen hinaus ins WWW gelassen. ;-) Zur Pestillenz: So wurden tatsächlich viele sich epidemieartig ausbreitende Krankheiten genannt. Was die Pest - also die Infektion mit Yersinia pestis angeht, so ist sie wohl über verschiedene Populationen in einer fühen Zeit von Asien nach Europa gewandert. Ich werde die Tage noch mal nachlesen, in welchem Jhd das stattfand. An der Pest sterben unbehandelt 90% aller Infizierten. Mit den heutigen Methoden (einfaches Penecillin langt da schon) behandelt, _überleben_ 90% aller Infizierten. Das Reservoir für den Erreger Y.pestis sind höhlenbewohnende Nagetiere. Nicht die Ratten, denn diese sterben an der Infektion. Ein erreger kann sich nicht in einer Population _halten_ wenn er diese ausrottet! ;-) Diese höhlenbewohnenden Nager infizieren sich mit der Pest, sterben aber _nicht_ zu einem so hohen Prozentsatz an der Krankheit. Nur so kann sich der Erreger über die Jahrhunderte überhaupt halten. Durch Flöhe, die die falshcen Wirte gebissen haben, wird der Errger mit dem Blut aufgenommen. Die Flöhe kotzen nun regelrecht beim nächsten Biß herum und so kommt der Erreger in den nächsten Wirt hinein. Wenn es dabei Hausratten als Fehlwirte trifft, so erkranken diese Tiere und die betroffene Sippe würde wahrscheinlich unbeachtet ausgerottet werden, wenn.... ja, wenn da nicht der Lebensraum wäre... Dadurch, daß sie oft in der Nähe des Menschen leben, hüpfen die arbeitslos gewordenen Rattenflöhe wiederum auf Fremdwirte - den Menshcen. Jetzt wird es noch etwas medizinischer, aber ich hoffe, nicht uninteressanter: Die Lymphknoten oberhalb der Bißstelle kriegen die Keime ab. Und wie man z.B. dicke Hals-Lymphknoten kriegt bei einer deftigen Halsentzündung, so schwellen diese betroffenen Lymphknoten dann auch an. Und in ihnen entstehen Hämatome, blaue Flecken. Unterhalb der Haut imponieren sie dann als lila-blaue, dicke, harte, große Knubbel, die Beulen, auch Bubonen genannt. Das ist die Beulen- oder Bubonenpest. diese Bubonen wurden zum Heruaslassen des Eiters von den ßrzten aufgeschnitten. Geholfen hats aber niX. Wenn die Infektion weiter fortschreitet, brechen die Keime ebenso in die Lunge ein und werden ausgehustet. Hier findet ein Wechsel in dem ßbertragungsweg statt: Aus der Infektionskette Ratte-Rattenfloh-Mensch wird jetzt die ßbertragung durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Die Lungenpest läuft hochdramatisch mit heftigem Fieber und in einer atemberaubenden Zeitspanne von ersten Krankheitssymptomen bis zum Tod (unbehandelt) ab. Die letzte Pestepidemie der Welt liegt schon einige Jahre zurück: Indien. nach einem Erdbeben wurden viele Leichen nicht gefunden und unter den Trümmern belassen. Die Population der Hausratten wuchs daraufhin sprunghaft an. In diese große, dichte Population brach die Pestinfektion ein und ging auch auf den Menschen über. Nachdem die Rattenpopulation zusammengebrochen war und durch drastische hygienische und Quarantäne-maßnahmen die infizierten Menschen gesundeten, ist die Pest schnell unter Kontrolle gewesen. Jahr für Jahr gibt es immer einige (ENdemische) Pestinfektionen an der Ostküste der USA. So lonG! FeliX
Tach Martin, ...und mit der Reise auf den Landsitz haben die Atelichen nicht zuletzt auch zur Verbreitung der Seuche beigetragen. ...überdem wurden die Lappen in den Masken der ßrzte mit stark riechenden Essenzen getränkt... Frank
Danke euch allen, als Zusammenfassung bleibt für mich erstmal: a) Pest gab es schon länger, als ich dachte (schauder) b) jedwede andere Krankheit, die epidemisch und unheilbar war, könnte auch gemeint sein c) erst durch vermehrte Reisetätigkeiten wurden diese Krankheiten wirklich tückisch Wie gut, dass heutzutage mehr Wissen herscht, bei meiner Tendenz jede aber auch jede Erkältung mitzunehmen, die im Winter auftritt, hätte ich sonst einen schlechten Stand (*grummel* die jetzige stammt von der Cebit, die Prospekte wurden aber immer noch nicht geliefert) Zu Hilde: eine guter Teil ist geschafft, nur das Hochzeitskleid ist noch ein Problem. Da ich im Moment zu fertig bin, um einen Stadtbummel zu machen, werd ich wohl was bestellen müssen. Da ich das Kleid auch noch später verwenden will, wird es wohl was Dirndl-ähnliches, nur weniger kitschig. Mal sehen ;-) Carmen
Reiche Leute (Adelige und Kaufleute) haben sich bei Ausbruch der Pest auf ihren Landsitz zurückgezogen. Im Mittelalter war man der Meinung, daß der Erreger über die Luft übertragen wird, so daß die behandelden ßrzte diese langnasigen schwarzen Masken trugen. Unter der Maske befanden sich feuchte Tücher, um die Luft zu filtern. Gruß Martin
Carmen, Deine Vermutung ist richtig. Nach meinen Quellen wurden tatsächlich diverse epidemieartige, tödlich verlaufende Krankheiten im Mittelalter als Pestilenz bezeichnet. Darunter fallen dann z.B. Pest, Pocken, Mumps, diverse heutzutage geläufige Kinderkranken und selbst einfache Grippeepidemien, die damals oft tödlich verliefen, wenn sie mit hohem Fieber einher gingen. Gruß Andreas
Tach zusammen, außerdem trug die steigende Mobilität (Handel, Pilger etc.) der Leute, entscheidend zur Verbreitung der Krankheiten bei., sodass es zur Epidemie nicht nur an einem begrenzeten Ort kam. Frank
ßäääh, die eigentlichen ßberträger der Pest sind die Rattenflöhe! Und Beulen- und Lungenpest sind keine zwei verschiedenen Epidemien, sondern die eine entwickelt sich aus der anderen! Gruß, Scorpia
Hallo Carmen! Na, wie laufen die Hochzeitsvorbereitungen? *ouch* falsche Frage! Die Pest, oder sagen wir mal, die verschiedenen Erreger, die die Test übertrugen, sind schon recht alt, auch schon bei irgendwelchen Mumien in ßgypten nachgewiesen worden. Problematischer (da epedemieartig) wurde das ganze erst, als die Menschen einander immer näher auf die Pelle rückten, die Siedlungen größer und ein Armut/Rechtum-Gefälle krasser wurde. Und dann ging alles von Stellen aus, an denen Menschen und ßberträger, in unserem Falle wohl zumeist Ratten, eng zusammenkamen. Frage geklärt? sonst mail ruhig mal! Gruß Kerstin
Moin Carmen, neben einigen Leuten, die mir auch die Pest sind, wurden tatsächlich verschiedene Krankheiten als Pest bezeichnet. Ich habe gerade zuhause ein Buch über die große Pest (schließlich stellt unsere Gruppe ja die Zeit um 1350 dar) und kann das noch mal genauer nachschlagen. Selbst die große Pest 1348 - 1352 waren eigentlich zwei verschiedene Epidemien, Beulenpest und Lungenpest. Bei Romanautoren muß ich dazu sagen, daß ich eher glaube, dasse mal was davon gehört haben, daß die Pest ein großer Schrecken des MA´s war und sie deshalb nach Belieben verwenden. Ich habe von der bellletristischen Zunft keine allzu große Meinung, was historische Genauigkeit angeht ;-) Wie gesagt, hoffentlich kann ich Dir morgen genaueres sagen. Bis dann Thorsten
Schmökere gerade in einem Buch von Lindsey Davis (spielt z.Z. der Römer, ca 70 n.Chr.) und dadrin erwähnt sie die Pest. Desgleichen steht auch in einigen andren Büchern (Titel nicht auf Anhieb nennbar, aber Romane im historischen Umfeld) die definetiv *vor* dem MA spielen. Nun dachte ich immer, das gerade die Pest die Krankheit wäre, die zum *ersten* mal im MA aufgetreten war und darum so verheerende Wirkung hatte. Da ich meine historischen Roman danach aussuche, ob die Autoren wenigstens einigermassen Kenntnisse der Geschichte haben, wundert mich das. Oder wird da jede Pestilenz (unerklärliche epidemische Krankheit) mit der Pest gleichgesetzt? Carmen, die langsam denkt, die grösste Pestilenz ist eine verschleppte Erkältung *schnief* *hust*