Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Möglichkeiten der Darstellung einer Messe

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Eintrag #13 vom 26. Dez. 2003 23:00 UhrSebastian Fricke Profil

nach oben / Zur ÜbersichtIch gebe mich geschlagen

Ja ihr habt recht, ich sehe das genauso.

Vergebt mir meine vorlaute Zunge!
Bruder Gilbert von Bärenfels

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Eintrag #12 vom 25. Dez. 2003 22:48 UhrDr. Frank Dierkes Profil

nach oben / Zur ÜbersichtBeachtung der Weihegrade bei Klerikaldarstellern

Vielleicht schieße ich über das Ziel hinaus, aber mir ist es in meiner Darstellung sogar wichtig, dass ich mir meines dargestellten Weihegrades und meiner damit verbundenen Rechte und Pflichten (wie auch Kenntnisse) bewusst bin.

Dabei existieren bis hin zum Presbyter mehrere Weihegrade, die zum einen entweder "Zwischen-stufen" auf der Entwicklungsleiter vom Laien hin zum Priester darstellen, aber auch Endpositionen sein konnten.

Sieben Weihen
Davon:
4 niedere Weihen

=> Ostiarius (Pförtner)
Ihm obliegt die Aufsicht über das Kirchengebäude/die Pforte der Abtei. Ohne ihn kann kein Mensch eintreten oder hinausgelangen. Seine Aufgabe war es u.a. die Kirche rechtzeitig auf- und verlässlich zuzuschließen, Besucher zu empfangen und weiterzumelden, die Zeiten des Gottesdienstes anzukündigen und nebenbei dafür zu sorgen, dass nur solche zum Gottesdienst zugelassen werden, die auch dazu berechtigt waren. Sein Zeichen ist der Schlüsselbund.
=> Lector (Vorleser)
Ihm oblag es früher, bei Gottesdienst die verschiedenen Lesungen aus der hl. Schrift zu halten (wie es heute bei Hochämtern oft von Diakonen oder gebildeten Laien erledigt wird). Auch die Segnung von Brot und Früchten gehört zu seinem Amt. Sein Zeichen ist das Epistel- und Evangelienbuch.
=> Exorcista (Beschwörer)
Da jeder Priester durch sein Durchlaufen auch der niederen Weihen das Amt des Exorcisten inne hat, ist die Weihe zum Exorcisten nur als Übergang zu sehen bzw. als Erlangung einer weiteren Befähigung, nicht aber unbedingt als eigenes Amt. Exorcisten haben das Recht erteilt bekommen, über die von bösen Geistern Besessenen die kirchlichen Gebete zur Austreibung zu sprechen, wobei hier SEHR viel Wert auf großen Glauben und Reinheit des Gewissens des Exorcisten gelegt wird. Sein Zeichen ist das Buch der Beschwörungen.
=> Acolytha (Leuchterträger)
Akolythen werden auch Begleiter, Lichtträger oder Ministranten genannt. Amt des Akolythen ist es, die Lichter für den Gottesdienst zu entzünden und zu versorgen, bei der hl. Messe Wein und Wasser heranzutragen und die Weiheglöckchen zu läuten - prinzipiell das, was heutzutage Messdiener erledigen.
Sein Zeichen ist der Leuchter bzw. eine Kerze.

3 höhere Weihen. Erst ab hier traten die für das ganze weitere Leben bindenden Entscheidungen zur Ehelosigkeit und die Verpflichtung zum Breviergebet ein.
=> Subdiaconus (Unterdiener)
Die Subdiakonatsweihe ist ein Sakrament, das den Empfänger berechtigt, dem Diakon bei seinen Tätigkeiten in der hl. Messe beizustehen. Schon ab dem Subdiakonat besteht die strenge Verpflichtung zur Teilnahme am Opfer- und Gebetsleben, lebenslängliches Zölibat und das Breviergebet. Einer seiner Hauptdienste ist der Dienst am Altar und die Lesung der Epistel bei Levitenämtern. Sein Zeichen ist der Kelch, die Patene und das Epistelbuch (und andere, beim Messopfer benötigte, Gegenstände).
=> Diaconus (Diener)
Der Diakon erhält mit seiner Weihe die Vollmacht, dem Priester oder Bischof bei der Feier der hl. Geheimnisse Dienst zu leisten, das Evangelium zu lesen, Taufe zu spenden, zu predigen und die hl. Kommunion auszuteilen.
Sein Zeichen ist das Evangelienbuch. Ein deutliches Kennzeichen auch dafür, dass der Diakonstatus dem Priesterstatus direkt vorausgeht, ist auch die Annäherung der Bekleidung vom Subdiakon über den Diakon bis zum Priester.
=> Presbyter (Priester)
Der Priester erhält durch seine Weihe die Vollmacht, das Messopfer darzubringen und Sakramente zu spenden. Ein eigenes Zeichen hat dieser Stand nicht.

Warum ich mich hier so ausführlich auslasse, liegt daran, dass sich JEDER Klerikaldarsteller bewusst sein sollte, dass er, wenn er z.B. einen Priester darstellt, prinzipiell über die Kenntnisse der seinem Status gegenüber niederen Weihen haben müsste. So ist ein Subdiakon also zugleich ein geweihter Ostarius, Lektor und Exorcist. Jemand, der aber mur Lektor ist, kann sich nicht das Amt des Diakons anmaßen.

Das nur hierzu.

Grüße

Frank
+Pax. Pater Hermann ab Monastre Werdensis (OSB)

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Eintrag #11 vom 23. Dez. 2003 19:49 UhrSebastian Fricke Profil

nach oben / Zur ÜbersichtHmmm...

Ich steinige dich nicht, weil ich es weiß wie schwer es ist. Denn wer unter euch ohne Sünde ist der Werfe den ersten Stein.
Jedoch muss ich eins sagen lassen, dass ich Liturgie kenne. Gregorianische Gesänge ist schon mein Hobby gewesen bevor ich überhaupt mit dem MA angefangen habe!
Ich habe recherchiert und ich werde auch noch an mehreren Seminaren teilnehmen bezüglich der Rolle!
Bruder Gilbert von Bärenfels

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Eintrag #10 vom 23. Dez. 2003 19:10 UhrDr. Frank Dierkes Profil

nach oben / Zur ÜbersichtHustHust

EVANGELISCHER ABLAUF EINES HMA-FELDGOTTESDIENSTES!?!

Wie schon im Chat erklärt:
1. Recherchiere HMA-Messtexte im Net, in der UB, in Priesterseminaren und Abteien.
2. Lies die Summa Theologicae von Thomas von Aquin und schau auch mal beim Caesarius von Heisterbach nach, was pastorale Liturgie angeht.
3. Befolge den Ablauf der einzelnen Phasen einer HMA-Messe (steht im Threat unter diesem).
4. Schaff dir das Breviarium Romanum, das Graduale Romanum und das Vesperale Romanum sowie die besonderen Messtexte für die Hochfeste an (gibbet in jeder guten Abteibuchhandlung).
5. Besorge dir die Altarwäsche und -geräte und - für die korrekte Durchführung eines Gottesdienstes - Messdiener und Akolythen, die die Zelebration unterstützen.
6. Denk daran, welchen Platz du im HMA eingenommen hättest, nämlich die eines Soldaten Christi ohne Waffen, der stellvertretend für die Menschen zu Gott spricht => daher auch die Handlungen von der Gemeinde weg.
7. Lesen, Lesen und nochmals: Lesen.

Ich kann mir nicht helfen, aber ich bekomme immer rote Nackenhaare, wenn jemand, der die Rolle erst sein einigen Monaten einnimmt, schon einen Pater darstellen will, ohne die Liturgie zu kennen.

So. Nun steinigt mich meinetwegen.

Frank
+Pax. Pater Hermann ab Monastre Werdensis (OSB)

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Eintrag #9 vom 23. Dez. 2003 15:11 UhrSebastian Fricke Profil

nach oben / Zur ÜbersichtFeldgottesdienst intern

Also ich muss eines Sagen, einen richtigen MA-Gottesdienst habe ich zwar nicht auf die Beine gebracht weil das has relativ kurzfristig war, aber dafür einen, nach der Resonanz, guten Feldgottesdienst.
Lateinisch das Ave Maria gesungen und die passende LEsung dazu auf Latein. Auch gesungene Parts dabei, wobei der Ablauf mehr oder wenig am evangelischen Gottesdienst lag...
Bruder Gilbert von Bärenfels

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Eintrag #8 vom 20. Dez. 2003 16:48 UhrDr. Frank Dierkes Profil

nach oben / Zur ÜbersichtErfahrungen

Die Art der Erfahrungen ist immer streng von der Umgebung abhängig, in welcher man seine Klerikaldarstellung aufzieht - die weitgehend korrekte Zusammenstellung des Offiziums, der Messe, Taufe, Beichte etc., den respektvollen Umgang damit, Wissen um die sakramentale Lehre, Katechismusfestigkeit etc. setze ich mal einfach voraus.

Ich habe Gelegenheiten erlebt, wo ich dank der widerwärtigen Gromis diese Dinge abgebrochen bzw. erst garnicht mit der ernsthaften Durchführung klerikaler Handlungen begonnen habe.
Andererseits habe ich auch sehr schöne und durchaus bewegende Momente in dieser Darstellung erlebt, die mir deutlichen Auftrieb gaben.
Man kann fast sagen, dass der dargestellte Kleriker mit der Zeit gewachsen ist, denn ich habe mit einem einfachen Fratre conversii 1999 angefangen, habe mich dann zum Vollmönch hochgearbeitet (klerikale Darstellung ist soviel mehr als nur Liturgie) und traue mir erst seit Anfang diesen Jahres überhaupt den Presbyter zu.

Für mich gehört in die klerikale Darstellung:
1. Wissen um die dargestellte Zeit
=> wer war Bischof in der Region, wer war Papst, welche Glaubensfragen wurden gerade diskutiert, welchen Stand hatte Liturgie und Theologie;
2. Wissen um den korrekten Habit
=> da sind die Klostergewandarchivare DIE Ansprechpartner;
3. Kenntnisse der Fähigkeiten, Fertigkeiten, Rechte und Pflichten des klerikalen Standes, den man darstellt
=> für den Kopisten: div. Schrifttypen der Zeit incl. Tintenherstellungs- und Farbenkunde etc.,
=> für den Presbyter: HMA-Liturgie, tieferes Verständnis pastoraler Tätigkeiten etc.,
=> für den Cellerar: Schreibkunde, Rechenkunde, Kenntnisse aus Küche und Keller,
==>> diese Liste ist beliebig erweiterbar;
4. Kenntnisse der Rechtslage seitens des modernen Kirchenrechts und des Katechismus
=> damit man weiß, was man darf und wovon man die Finger lassen sollte;
5. Feingefühl im Umgang mit der Rolle
=> mir wird regelmäßig schlecht, wenn ich noch einen der unzähligen Lotterpfaffen sehe, die sich innerhalb der Rolle mit Frauen abgeben, das Maß der Speisen und Getränke überschreiten (Völlerei = Sünde!), mit bewaffneten auf Du-und-Du herumhängen und auf den korrekten Gruß nur ein "Ja-du-mich-auch" zu sagen wissen.

Klar ist es schwer, ggf. der einzige am Freitagabend zu sein, der anstelle Unmengen von -oft auch noch unauthentisch mit Tomatenderivaten mariniertem - Fleisch seinen Fisch verzehrt. Klar ist es schwer, sich zur Matutin aus dem Bett zu quälen und das Morgenlob zu singen - zumal man nur auf wenig Gegenliebe bei benachbarten Darstellern stößt.
Klar ist es noch schwerer, die Rolle auch den gesamten Tag durchzuhalten - incl. Offizien und sonstigen Tätigkeiten - auch, weil es den Darsteller in einen gewissen Abstand zu den anderen Gruppenmitgliedern bringt.
Auch das - in der Szene wohl zur Pflicht gewordene - Samstagsbesäufnis ist verlockend, der Darstellung der Rolle aber nicht angemessen.
Und was ein Klerikerdarsteller auf Reisen in einem Zelt verloren hat, hat mir bislang auch keiner mit bleibendem Erfolg erklären können.

Soviel im Augenblick.

Grüße

Frank
+Pax. Pater Hermann ab Monastre Werdensis (OSB)

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Eintrag #7 vom 20. Dez. 2003 04:36 UhrAlexander Klenner Profil

nach oben / Zur ÜbersichtMal als Gedankenkette...

Meine Darstellung hat einen historischne Hintergrund, ja.
Aber:
Ich stelle eine fiktive Person dar.
Meine sozialen Bindungen (Familie, Vorgesetzter, Untergebene) sind fiktiv.
Ich agiere zumeist in einer fiktiven Situation.
Interaktion in Rolle ist ebenfalls größtenteils fiktiv, 'Tote' stehn nach der Schlacht auf, ich 'Ihrze' einen meiner besten Freunde, etc.
Den Beruf meiner Rolle habe ich nie gelernt, er gehört nur zu meiner fiktiven Lebensgeschichte und ich mache das beste draus.

Ein Deutschlehrer würde mir jetzt ankreiden, daß ich das Wort "fiktiv" zu oft verwendet habe.
Aber die Intention sollte klar werden:
Eigentlich alles, was wir tun, ist nicht real. Gut, der ein oder andere führt sein Familienwappen oder übt die mehr oder weniger historische Version seines wirklich gelernten Berufs aus.

Aber so, wie ich die Anstellung bei meinen Truchseß und die Befehlsgewalt über die Wache spiele, genauso und nicht anders würde ich die Messe spielen wollen.
Mit dem gebührenden Respekt, dem solch einem Thema zukommt (so nebenbei mit ein Grund, warum ich nicht an 'Schlachten' teilnehme) aber trotz allem fiktiv.

Da ich im normalen Leben nicht an einer Messe teilnehmen würde, würde ich eine reale, 'mittelalterlich' verpackte Messe innerhalb der Darstellung ablehnen.

Eine seriös gestaltete Darstellung sollte niemandes religiöse Gefühle verletzen. Falls doch, tut es mir leid, aber dann sehe ich das Problem eher bei dieser Person, und die darf dann auch gleich mal bei Film und Fersehn anklopfen.
Die Teilnahme eines Nichtchristen welcher Art auch immer aus rollentechnischen Gründen an einer echten Messe halte ich für viel problematischer.
Ich würde mir in dem Fall wie ein Lügner vorkommen, und der echte Christ neben mir könnte sich nicht ganz zu unrecht verarscht vorkommen.

Deshalb mein Fazit:
Seriöse und fundierte Darstellung einer historischen Messe durch einen nur in Rolle Geistlichen:
Gerne, bereichert die Alltagsdarstellung ungemein.

Eine reale Messe durch einen echten geistlichen, das ganze auf Mittelalter getrimmt:
Wers mag, bitte, aber dann auch nur für echte Christen, finde ich aber unnötig.

Und vor allem:
Macht bei beiden Formen _sehr_ _deutlich_ klar, was das jetzt ist.
Das ist nämlich die größte Gefahr.
Sobald jemand das eine für das andere hält, können daraus unliebsame Situationen entstehen.
Gruß, Ivain

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Eintrag #6 vom 20. Dez. 2003 03:09 UhrNele Bübl Profil

nach oben / Zur Übersichtkomisch komisch

Also:
Für das Thema interessiere ich mich ja jetzt auch seid ein paar Monaten. Habe mit einigen schon drüber gesprochen und Christine, die sich damit wesentlich länger beschäftigt hat, erzählte mir, dass sie teilweise auf arge Anfeindungen stieß und gar gebeten wurde, mit der Darstellung der christlichen Handlungen aufzuhören (etwa weil die Frage bestand, in wie weit Nicht-Kirchen-Leute Andachten halten dürfen etc. etc.)

Ich für meinen Teil kann sagen
1. Studiere ich Theologie auf KirchenExamen
2. War ich auf einer katholischen Ordensschule und habe weit mehr als nur einen Gottensdienst gestaltet
3. Weder Profs, noch Lehrer, noch Patres, noch Schwestern hatten Einwände, als ich sie ausfragte zwecks "Darstellung" von Religion (etwa katholischer, obwohl ich evangelisch bin etc. etc.)

Die Frage besteht weiter : Soll etwa einer, der überhaupt nicht glaubt nur weil es zur Darstellung gehört, dass Glaubensbekenntnis "runterbeten"???
Ich persönlich habe damit kein Problem. Kann aber so wohl die verstehen, die nicht glauben und es deswegen nicht machen wollen und zweitens die, die sich evtl. "verarscht" vorkommen.

Nur sollte man sich dann eien Darstellung suchen, bei der solche Handlungen vermieden werden können, ohne dass sie das Bild störren. Jemand der mit Glauben nichts am Hut hat KANN keinen Mönch, Priester, Bischof was auch immer darstellen.
Für die meisten weiteren gilt einfach als absolutes Minimum : zumindest den nötigen Respekt dargestellter Ordens- und Glaubensleute entgegenbringen (da müsste man sich für die entsprechende Zeit und den entsprechenden Stand informieren, was nötig ist).

Für meine angestrebte Darstellung einer Begine ist es nochmal etwas differenzierter - es gibt einige Quellen, wo über die eigenen Andachten ohne dem ihnen vorgestellten Ordensmann gesprochen wurde. Oder auch, dass sie Schriften selbst übersetzt und ausgelegt haben etc. etc.
Da ist mir dann ein etwas größerer Spielraum für die Darstellung von Religion gegeben (den ich auch durchaus wollte). Ich recherchiere meine Darstellung nach besten Wissen und Gewissen.

So weit fürs erste, LG, Nele

Achja - von wegen Unpassenheit: Über "Odin Odin" gegröhle met-trunkener-gromi-hörnerhelm-kostüm-camping-wikis während einer andacht möchte ich jetzt lieber nichts weiter verlieren......

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Eintrag #5 vom 18. Dez. 2003 16:38 UhrDavid Seidlitz Profil

nach oben / Zur ÜbersichtKirche

Hallo,
auch auf die Gefahr hin das mein Eintrag als Themenfremd betitelt wird (da nicht direkt Messe), möchte ich mal meine Erfahrungen mit der Kirche und unserem Hobby darlegen. Eins vorweg, ich bin kein Kirchengegner.
Wir sind im Jahr 2001 mit einer Kirche in Wernigerode in Kontakt getreten um über eine Veranstaltung (von beiden Seiten gewünscht!)zu reden. Allerdings gestaltete sich das nicht so einfach wie man denken mag. Seitens der Kirche wurden wir vor zig Ausschüße und Kommissionen geschleppt wo wir Rede und Antwort stehen mussten. Letzten Endes scheiterte die gesamte Planung an den Bedenken der Kirchgemeinde sowie durch die Verhandlungen entstandene Zeitnot. Ich habe selten solche Bürokratie erlebt. Man bedenke das die Veranstaltung von den Kirchenleuten gewollt war. Aber unter diesen Bedingungen wird sich wohl kaum eine Gruppe finden die eine solche Veranstaltung durchzieht.Beispielsweise wurde uns untersagt während des regulären Gottesdienstes in (O-Ton)"Kostüm" zu erscheinen, und überhaupt uns den "normalen" Schäfchen zu zeigen. Man hatte Angst um den Ruf. ?????. Im Rahmen dieser Va sollte auch eine MA Messe stattfinden, dies scheiterte schon daran das der Pfarrer Evangele war und sich nicht erweichen ließ eine katholische Messe zu veranstalten. Das mag man vielleicht verstehen. Allerdings verstehe ich die Motivation dieser Leute, eine MA Veranstaltung zu organisieren, dann nicht. Dies nur als kurzer Abriss. Angemerkt sei noch das es keine Markt - Gromi Veranstaltung werden sollte. Ich hoffe das es andernorts nicht solche Probleme gibt.

Weihnachtlichen Gruß,
David
familia ministerialis - Alltagsleben um 1280

www.familia-ministerialis.de

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Eintrag #4 vom 18. Dez. 2003 13:56 UhrKaren Thöle Profil

nach oben / Zur ÜbersichtErfahrungen Teil 2

In diesem Jahr habe ich angefangen, Stundengebete (nach dem Antiphonale monasticum) zu singen. Da dies etwas ist, was keinen Priester/Pastor erfordert und jeder auch zur privaten Andacht durchführen kann, war für mich von kirchlicher Seite keine Legitimation erforderlich.

Auf den Veranstaltungen in diesem Jahr, auf denen ich war, habe ich allerdings auch Stücke gesungen, die eigentlich in die Messe gehören, aber außerhalb des liturgischen Kontextes. Wenn Außenstehende gefragt haben, was ich da singe, habe ich entweder die historische Information geliefert ("Das war aus dem Codex Calixtinus, 12. Jahrhundert") oder (wahrheitsgemäß!) die Auskunft gegeben, daß ich am Abend in Göttingen in einer Messe mitsingen soll und vorher noch üben wollte.

Ich habe Kontakt zu einem evangelichen Pastor (ohne Berührungsängste zur katholischen Kirche), der sich bereit erklärt hat, auch mal auf einer Veranstaltung einen evangelischen Gottsdienst abzuhalten, in dem alle Lesungen und Gebete durch die entsprechenden lateinischen ersetzt sind und die zum jeweiligen Sonntag gehörigen Gregorianischen Gesänge gesungen werden, unter Heranziehung mittelalterlicher litugischer Bücher. Aus Termingründen hat das bisher leider noch nicht geklappt, also weiß ich nicht, welche Schwierigkeiten bei der Umsetzung sich ergeben hätten.

Resonanz:

Die Leute, die mich erlebt haben, fanden es durchweg gut. Womit ich allerdings inzwischen gelernt habe zu rechnen, waren Fragen nach meinem Glauben oder (von Besuchern) ob ich eine "echte" Nonne wäre. Da hab ich dann wahrheitsgemäß antworten können, daß ich auch zuhause in einer Gregorianik-Schola ( www.cantando-praedicare.de ) sowie im Posaunenchor in der Kirche Musik mache, und daß ich die Rolle der Kanonisse gewählt habe, um Gregorianik bzw. die Stundengebete auch auf Mittelalter-Veranstaltungen singen zu können.

Die Leiterin besagter Schola hat mich bisher auf keiner Veranstaltung erlebt, aber als ich ihr zum ersten Mal von meinen Plänen erzählt hatte, müssen ihr meine leuchtenden Augen aufgefallen sein, und sie hat mir sofort geholfen, mich im Antiphonale monasticum zurechtzufinden. Sie findet es gut, was ich mache.

Ich hatte allerdings auch ein eher unangenehmes Gespräch mit zwei katholischen TheologInnen, denen ich von meinem Plan eines evangelischen Gottesdienstes im "mittelalterlichen Gewand" erzählt hatte. Sie schienen bei "Mittelalter-Veranstaltung" sofort an "Spectaculum" zu denken, und der Gedanke, an einer liturgischen Handlung in "Verkleidung" teilzunehmen, weckte bei ihnen eher die Assoziation "Karneval". Sie meinten, es wäre dann doch nicht Ich, die an der Handlung teilnähme, sondern meine Rolle, und sie kritisierten, daß Leute an einem solchen Gottesdienst teilnehmen würden, für die das normalerweise kein Bedürfnis wäre. Daneben fragten sie mich, ob ich mit der Übernahme mittelalterlicher Formen auch zum mittelalterlichen religiösen Gedankengut zurückwollte (was sie störte).

Soweit von mir. Jetzt freu ich mich auf Eure Erfahrungen!
Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #3 vom 18. Dez. 2003 13:32 UhrKaren Thöle Profil

nach oben / Zur ÜbersichtMeine Erfahrungen Teil 1

Letztes Jahr in Herzberg:
Zuerst hieß es, es würde doch keinen Gottesdienst geben, deshalb haben wir am Samstag abend eine Andacht für den Sonntag morgen "aus dem Boden gestampft". Jemand hielt eine kurze Ansprache und sprach ein Gebet und das Paternoster (letzteres auf Latein), ich habe vorweg und danach Gregorianik gesungen. Von der Form her also keine Messe. Teilnehmer: hauptsächlich Ars militia und Freundeskreis. Resonanz: weiß ich nicht mehr.

Ebenfalls letztes Jahr Herzberg:
Es gab dann doch einen Gottesdienst, allerdings einen erkennbar modern-evangelischen. Wenn ich mich richtig erinnere, ist der Zelebrant auch im wirklichen Leben Pastor oder zumindest im Vikariat gewesen. In Anpassung an die mittelalterliche Praxis trug er eine Albe und eine Stola, allerdings keine Kasel. Gesprochene Teile (Lesung, Gebete) auf Deutsch, gesungene Teile auf Latein, allerdings mit Melodien aus dem 20. Jahrhundert aus Taize. Teilnehmer: Aktive und Besucher; ich hatte den Eindruck, vor allem Leute, die auch im "täglichen Leben" in die Kirche gehen würden.

Teil 2 folgt hoffentlich gleich.
Karen Thöle

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Eintrag #2 vom 18. Dez. 2003 10:53 UhrRanes Haduwolff Profil

nach oben / Zur ÜbersichtJa, machbar...

Moin zusammen,

machbar ist alles, was BELEGT und nachvollziehbar ist. Unsere Erfahrungen, an denen auch Karin nicht ganz "unschuldig" ist, sind die Besten. Allerdings machen wir "unser" Mittelalter inzwischen weitgehend weg von den Märkten, und geraten daher nicht mit der Öffentlichkeit in Kollision.
Die heutige Amtskirche hinzuziehen, ja gerne - als Gast, Beratung und auch im Falle des Darstellungsortes als Liegenschaftsbesitzer. Immerhin zeigt es auch deren Geschichte, und ein gutes Verhältnis ist da immer segensreich. Aber - und das sollte alle Darstellungen einschliessen - in Umfang und Inhalt der Darstellung hat sich kein Aussenstehender einzumischen. Dafür aber ist auch die Verantwortung des Darstellenden für das Gezeigte entscheidend.
Wer hier Mist macht, tut sich und anderen nichts Gutes.
Arws Militia - Euer Haduwolff

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Eintrag #1 vom 17. Dez. 2003 19:21 UhrKaren Thöle Profil

nach oben / Zur ÜbersichtWas gibts? Was könnte man tun?

Parallel zum Thread "Die mittelalterliche Messe" (gleiche Rubrik) möchte ich in diesem Thread nach Erfahrungen und Meinungen darüber fragen, wie heute auf Mittelalter-Veranstaltungen Messen oder Andachten in Annäherung an mittelalterliche Vorbilder durchgeführt oder dargestellt werden können.

Dabei möchte ich nicht, daß auf Leute, die von eigenen Versuchen berichten, hier eingedroschen wird, weil ihre Verwirklichung nicht 100% "a" ist. Andere Threads haben hier zur Genüge gezeigt, daß Probleme, das eigene Handeln, die Durchführung einer liturgischen Handlung, vor sich selbst oder kirchlichen Außenstehenden zu legitimieren, durchaus vorhanden sind und auch entsprechend ernstgenommen werden sollten.

Abweichungen vom mittelalterlichen Ritus, die allein auf Nicht-Wissen basieren, müssen allerdings nicht mehr lange sein; im Zweifelsfall also bitte nicht polemisch werden, sondern auf den entsprechenden Thread ("Die mittelalterliche Messe") verweisen.

Deshalb:
Welche Formen habt Ihr gewählt?
Bemüht Ihr Euch um Anerkennung von kirchlicher Seite, und welchen Einfluß hat das auf die gewählten Formen?
Welche Reaktionen habt Ihr erfahren: von Mittelalter-Aktiven, von Außenstehenden?

Auf fröhlichen Erfahrungsaustausch freut sich
Karen Thöle

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