Im letzten Jahr haben ich und mein Freund eine Grundschule mit mittelalterlicher Musik beglückt. Anlaß war ein "Musiktag", zu dem auch der örtliche Gesangverein und noch ein paar andere örtliche Musikgruppen eingeladen worden waren. Wir hatten jeweils 45 Minuten eine Klasse.
Die Planung dieser Sache war nicht ganz einfach. 45 Minuten "Konzertberieselung" bei Kindern in diesem Alter klappt nicht, oder wenn, dann nur mit Showeffekten, die ich nicht hätte haben wollen. Mir war es wichtig, daß die Kinder in irgendeiner Form mitmachen konnten oder zumindest den Texct verstanden.
Leider sind mit Melodien überlieferte deutschsprachige Lieder des Hoch-und frühen Spätmittelalters ja sowieso selten, und dabei etwas "kindgemäßes" zu finden, gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Mein Freund, der sehr gut mit Kindern umgehen kann, versuchte immer wieder, mich zu Kompromissen, also Liedern und Musikstücken aus späterer Zeit zu überreden. Ich habe ihn dann aber überzeugt, mir Zeit zu lassen, um die die "Nadel im Heuhaufen" doch noch zu finden. Und letzten Endes denke ich, habe ich eine Auswahl an Stücken gefunden, zu denen ich stehen kann, auch wenn das früheste aus dem 12. Jahrhundert (aus dem "Codex Calixtinus") und das jüngste aus dem 15.Jahrhundert (Oswald von Wolkenstein) stammte. Wir haben verschiedene Instrumente vorgestellt (u.a. Harfe, Laute, Portativ), und den Kindern hat es gefallen.
Bis denn
Karen Thöle
PS: Wer "kindgemäße" Lieder des 13. Jahrhunderts kennt, möge sich bitte bei mir melden!
Also mein persönliches Resümee zur heutigen VA in einer lokalen Grundschule war: sie waren sehr interessiert, habe gefragt noch und nöcher, und hat echt Spass gemacht.
Leider mussten wir uns auf ein relativ enges Gebiet begrenzen, und haben das vor allem benutzt, um mal ein paar Vorurteile auszuräumen.
Das ganze war eine kurze Einführung mit der Problematik "im Mittelalter" bzw. dass man schon konkret Zeitangaben machen muss, über ne Vorstellung unserer Charaktere und der Erklärung des sozialen Umfelds und einiger Gegenstände, sowie Kleidung.
Da es allerdings von 8-12h jeweils ne Dreiviertelstunde war, konnte man jeweils nicht so viel unterbringen.
Ich denke aber, es hat schon einiges an Interesse und Bewusstsein geschaffen, und nicht jeder mitn Schwert is jetzt ein Ritter mehr ;)
Gruss, Esca
keine Schlammschlacht - Klar. Und vor allem kein: Das hätten wir besser gekonnt.
Es gibt zum Thema fachlich kritische Literatur, das Sonderheft der Zeitschrift "Experimentelle Archäologie" mit Schwerpunkt Museumspädagogik. Darin besonders ein Erfahrungsbericht von Steinzeitaktionen in Schulen. Das mal wirklich als Lesetip.
Aus eigener Erfahrung kann ich von zwei Aktionen berichten. Das eine war eine Grundschule mit einen Unterrichtsschwerpunkt Mittelalter über eine längere Zeit. Die wirklich bemühte Lehrerin hatte zusammen mit dem Domfest Komitee Aachen 2000 eine Aktion angeplant und auch Material bekommen, das Ergebnis, auf diesem Fest eine ganze Klasse Kinder mit Handspindel vorzustellen, konnte, glaube ich, nicht realsiert werden. Angereist war ich auf eigene Kosten mit einem großen Korb Anschauungsmaterial und normaler Kleidung. Die Kinder hatten Spaß, den pädagogischen Nutzen kann ich nicht einschätzen, dazu fehlt mir das Fachverständnis, die Lehrerin war jedenfalls zufrieden.
Die zweite Aktion war ein Gastauftritt mit der Wikingergruppe von Konrad Schaumkessel, Düsseldorf, im Rahmen eines Kindergartenfestes. Wir hatten Freude, Eltern und Kinder auch. Aber ein Fest ist kein Unterricht...
Resümee:
Ich traue mich nur sehr begrenzt an solche Aktionen, obwohl ich im Handwerk Lehrlinge mit ausgebildet habe. Dazukommt, daß ich voll berufstätig bin und so eher weniger Gelegenheit zu solchen Auftritten habe.
Trotzdem bin ich der Meinung, daß es eher zweifelhaft ist eine (umsonst oder billig) zu beschaffende wie auch immer geartete Hobbygruppe (oder Hobbyverein) auf Schulen loszulassen. Gut, ein Ausfug nach ins Neanderthalermuseum zur Museumsschule kostet vielleicht Geld, aber dafür ist das was geboten wird auch eine runde und von Fachleuten gemachte Sache.
Sylvia
Projekte zur lebendigen Geschcihte e.V. (i.G.)
PS.
Wer haftet wenn dem finsterem Ritter das Schwert ausrutscht, sich ein Kind verbrennt oder ähnliches.....
Hallo,
Ich hab leider bezüglich Kinder-/Schulveranstaltungen und Mittelalter bisher nur Erfahrungen aus meiner Zeit als "Ferienlagertante" abzugeben, denke und plane aber seit einiger Zeit auch an einem Konzept herum, das zu uns passt (und plane die Klasse meiner Tochter als "Versuchskaninchen ein), und habe daher ein paar Ideen anzubieten, die ich bisher hier noch nicht fand. Ich finde eines der größten Mankos von Schulbildung ist die fehlende Vrmittlung von Kompetenzen. Themen wie Quellenrecherche tauchen im gymnasialen Geschichtsunterricht wohl am Rande auf, aber es macht auch deutlich kleineren Kindern Spaß, Wissen "selbst" zu ermitteln. Insofern wird für mich die Quellenbetrachtung und -bewertung im weitesten Sinne zu einem sinnvollen Prjektunterricht dazugehören. Kinder müssen lernen nicht alles zu glauben, was jemand daherquatscht (sei er nun Lehrer oder staatlich ausgewiesener Mittelalter-Spezialist), sie sollten sich auf sich selbst verlassen, Forscherdrang entwickeln, und dabei kann man sie dann prima mit Experimenten wie dem Feuermachen oder dem Kochen von Getreide im Kugeltopf nebst anschließendem Verzehr unterstützen. Thematisch muss man dann eben so flexibel sein, sich auf vorhandenen Quellen (...Museumsexponate...Realien... Abbildungen... Statuen..etc) beziehen zu können. Das ist natürlich etwas, was an nur einem Projakttag schwierig zu leisten sein wird, aber auch da kann man mit dem Suchen und Erarbreiten von Quellen beginnen, bevor man mit den Kindern das Erarbeitete anhand der Beispiele aus der eigenen Darstellung auswertet. Um das ganze plastisch darzustellen (David erklärte mir gerade, das sei schwer verständlich) ein Beispiel: Projekt zweite/dritte KLasse "Kleidung im 13. Jahrhundert". Als erstes sollte man mit den Kindern besprechen, was sie für Vorstellungen von Kleidung dieser Zeit haben (bei entsprechend vorhandener Zeit macht sich bei Kindern dieses Alters immer gut, wenn man sie etwas zeichnen lässt), und dann gemeinsam überlegen, wie und wo man diese Vorstellungen verifizieren oder revidieren kann (Museum, Abbildungen, Bildbände, Internet - je nach ALter), um dieses dann je nach Ort (Museum oder KLassenraum, oder Dom oder...) in Gruppen zu tun. Anschließend wird das dann gemeinsam ausgewertet, Beispiele aus dem eigenen Fundus präsentiert (endlich!) und wenn möglich noch auf Fertigungstechniken (vom Schaf zum Gewand - waschen, kämmen, spinnen, färben, weben etc. - wenn möglich auch praktisch) und Materialien eingegangen...
Hach, wir sollten es endlich tun ;0)
Lehrer sind auch nur Menschen.
Und ich denke du kannst zugeben dass das Marktmittelalter sehr Publikumswirksam und Publikumsanziehend ist. Das erklärt IMO warum auch viele Lehrer auf den Zug aufspringen.
Sie haben bislang nichts, oder wenig anders gesehen.
Da gilt es Alternativen aufzuzeigen und aufzuklären. MA-Märkte zu hassen ist sehr destruktiv und nicht zielführend.
Es ist zwar sicher nicht einfach einem Geschichtlehrer zu erklären dass er als Fachmann so manchem Irrtum aufsitzt. Da bestehen gewisse Resistenzen etwas von so einem dahergelaufenen MA-Futzi anzunehmen.
Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass in Geschichtsbüchern nicht wenig Mist steht, oder eben sinnverfälschende Veralgemeinerungen und dass das eben auch Quellen sind auf die sich Lehrer verlassen dürfte hier den wenigsten unbekannt sein.
In dem Sinne mit Diplomatie und Kompetenz läßt sich viel erreichen und ist an gerne wiedergesehen.
Projekt oder erlebnispädagogisch orientierte Angebote sind zwar relativ aufwendig, aber dürften zunehmend nachgefragt werden.
Denn das fächerübergreifende lernen hält glücklicherweise immer mehr Einzug.
Gute Tage
Harwalt von Biberach, freie Ritterschaft Baden
Ich kann die bislang hier aufgeführten Erfahrungen weitgehend bestätigen. Besonders, daß Kinder einem wirklich Löcher in den Bauch fragen können. Für wichtig halten wir es, die Kinder mitmachen zu lassen, ihnen z.B. Schlageisen und Feuerstein in die Hand zu drücken. Wenn Ilja die Seilerbahn aufbaut, gibt es viele Kinder die da nahezu stundenlang mithelfen und kurbeln. Und etwas in die Wachstafel kritzeln zu dürfen erregt viol mehr Aufmerksamkeit als blöde Schwerter.
MB1260 arbeitet seit Bestehen eng mit einem norddeutschen MA-Kinderprojektdorf zusammen. Dort mußten wir gleich zu Anfang die grausige Erfahrung machen, was passiert, wenn sich eine Gromie-Gruppe in solch eine VA hineindrängen will.. Prompt führten sie ihren markttypischen Schaukampfquatsch auf. Die Pädagogen und Eltern waren über das blutrünstigen Massensterben so verzückt, daß heftig diskutiert wurde, überhaupt keine Gruppen mehr einzuladen... Inzwischen haben sie aus dem Fehler gelernt und filtern entsprechend.
Was ich auch erschreckend finde. MB1260 bekommt hin und wieder Einladungen von Schulen aus unserer Region, die so eine Art MA-Projektwoche durchführen wollen. Liest man dann die Beschreibung der Lehrkörper, hat man wieder eine paar Gründe mehr, Märkte zu hassen. Anscheinend können auch viele Lehrer nicht zwischen MA und Markt unterscheiden. Oder sie können sich nicht vorstellen, daß eine VA nicht automatisch ein Markt sein muß. Es erschreckt mich jedenfalls, daß selbst Menschen mit Bildungsauftrag so nen Mist kopieren.
Hm ist mittlerweile auch schon ein bisschen her.
Eine Mitbewohnerin deren Mutter Lehrerein ist hat mich angesprochen ob ich mal zu ihrer Mutter in den Unterricht kommen könnte.
Da ich mich dunkel an eien Pause erinnern kann war es wohl eine Doppelstunde.
Ich bin Mitglied in einem gemeinnützigen Verein. e.V. und da hat man auch die Verpflichtung solcherlei unentgeldlich zu machen um die Gmeinnützigkeit zu rechtfertigen.
Jedenfalls war ich in Gewandung mit Bogenbauwerkzeug in der 4 Klasse.
Ich hatte mich voher mit der Lehrerin abgesprochen wo Schwerpunkte liegen sollten und habe mein abgebrochenes Lehramtstudium sinnvoll genutzt bei der Vorbereitung und der Durchführung.
Da das Mitelalter nun mal grob 1000 Jahre lang war bleibt nichts anderes als Schwerpunkte zu setzten.
Ein guter Teil der Zeit verlief im klassischen Frontalunterricht allerdings waren Zwischenfragen schon o.k.. In der Pause konnten sie dann die Bögen und Kleidung anfassen.
Wenn ich mich recht erinnere hatte ich auch gut Zeit eingeplant damit sie ihre Fragen loswerden konnten.
Und da ging es los. Ohne meine Erfahrungen aus meinem Studium wäre ich wohl untergegangen.
Ich wage zu behaupten das es nichts gab was sie nicht gefragt haben.
Und es gab vieles wo ich nur sehr ungefähr antworten konnte oder etwas nicht wußte, was ich auch gesagt habe.
Für die Lehrer ist so eine Veranstaltung auch ein gutes Mittel ihre Schüler mal aus der zweiten Reihe zu beobachten. Denn bei solchen Gelegnheiten legen Schüler auch mal ihr gewohntes Verhalten ab und offenbahren Qualitäten und Probleme.
Im Rahmen einer normalen Unterrichtsstunde rürften wesentlich seltener Fragen zur ehelichen Untreue usw. kommen.
Gute Tage
Harwalt von Biberach, freie Ritterschaft Baden
auch wir haben uns der "Schularbeit" im besonderen verschrieben. Meist sind es bisher Kindergärten, die dann mit unserem Programm beglückt werden. Die Kindergärten wollen doch meistens neben der zivilen alltäglichen Darstellung aber auch immer den "Ritter" dabei haben. Wir verbinden das immer in einem Schauspiel und versuchen so einen Tag im Leben eines Ritters vorzuspielen. Ganz nebenbei (oder hauptsächlich!) wird dann auf die alltäglichen Dinge eingegangen, wie Feuer machen (kommt immer bestens an!). Die Kleidung wird dann schauspielerisch erklärt. Über die Bruche und Bundhaube wird immer besonders gelacht... Aber die Kinder sind ein dankbares Publikum. Bei älteren Kindern bis Jugendlichen kommt das kleine "Theaterstück" nicht so gut an, da sollte man dann sich was anderes überlegen. Das größte Projekt bisher wurde mit finanzieller Unterstützung der Landestiftung Baden Württemberg durchgeführt. Hier wurde an 3 Nachmittagen ein Unterricht von 3 Stunden gestaltet, bei dem die 7. Klassen einer Hauptschule aus Nürtingen freiwillig mitmachen konnten. Hier machten wir einen sogenannten Stationenunterricht. An jeder Station wurde ein anderer Themenkomplex behandelt - Rüstung und Waffen, Kleidung, Sachkultur, Essen - Kochen - Nahrung, Wachturmbau und eine Drechselbank war auch noch mit dabei. Einen Artikel dazu findet man in der jetzigen Ausgabe des Karfunkels.
Wichtig ist vor allem, dass eben bei solchen Lehrveranstaltungen (nicht leer J) den Kindern ein richtiges (richtigeres) Bild vermittelt wird. Und ich kann die Erfahrung nur bestätigen, dass selbst 3jährige Kinder unglaublich viel mitbekommen. Daher ist es auch hier, oder vor allem hier notwendig auf Schlagworte wie Zeitfenster, Rolle usw. zu achten.
Ob jemand die Berechtigung hat, solche Unterrichte zu gestalten, ist nur schwer zu beantworten...
Für einen Ehrfahrungsaustausch wäre ich auch sehr dankbar. Was macht ihr so wenn ihr Schulbesuche oder Kindergärtenbesuche habt?
Aber ich vermute, dass es Vergleichsweise wenig Darstellergruppen tun, weil es doch ein relativ großer Aufwand ist. Aber man kann sich so auch ein finanzielles Standbein erarbeiten, wobei man sich damit lediglich ein Taschengeld für die Vereinskasse verdienen kann.
Warte auf weitere Antworten und Erfahrungsbericht.
ich habe die Lösch-Aktion im MS ja auch mitbekommen. Erstaunlich (oder sollte ich sagen: beängstigend?) wie manche Leute, die sich den Anstrich der Seriösität geben wollen, auf Kritik reagieren...
Anlässlich jüngster Ereignisse, die bei einem anderen "Mittelalter" Portal jedliche Kritik zu eben selbiger VA: www.mittelalter-spectaculum.de/?[ ] gemacht wurde, und da wir (fränkischer Zeit von MiM) am Mo eine Schul-Va haben, würde ich gerne mal solche VAs ins Schlaglicht nehmen.
Tipps, Erfahrungen und Berichte über vergangene: Wer hat schon mal welche gemacht, mit welchem Ergebnis, wo... postet auch ruhig Links.
Ich möchte auch ein bisserl nen Gegenpol zeigen, damit Schulen nicht am Ende nur auf so grottige Fantasy zurückgreifen.
Also was bringt mehr: Überblick über eine Zeit? Mehr Gegenstände? Lohnt es sich, auf bekannte Vorurteile einzugehen? Setzt ihr auf rein zivil, oder auch auf Personen in Waffen, um den Aspekt zu erklären?
Und: was sind die vorraussetzungen. Offenkundig meinen diese "Drachenkinder" es gäbe keine, und auch Kleidung aus der Epoche (? welche eigentlich) ist nicht Vorraussetzung um was zu demonstrieren. Fehler in der Kleidung- geht ihr drauf ein- oder sollte man lieber nicht doch warten, bis man nen akzeptablen Stand hat?
Ich möchte explizit darauf hinweisen, dass ich darum bitte, eine Schlammschlacht zu unterlassen, wer hier postet, setzt sich evtl. der Kritik (die dann aber bitte höflich geäussert wird) anderer aus. Aber am Ende finden wir vlt. etwas, mit dem Schulen was anfangen können.
Gruss, Esca