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Eintrag #5 vom 17. Feb. 2004 08:43 UhrJoachim Meinicke Profil

nach oben / Zur ÜbersichtSlawen und Deutsche in der Mark

Der Anteil der Slawen an der Gesamtbevölkerung betrug etwa ein Drittel. Durch bäuerliche Siedlung, Städte- und Klostergründungen erhielt die Mark ein deutsches Gepräge. Die Slawen wurden weder ausgerottet noch vertrieben. Es fand eine für die Epoche weitgehend friedliche, kulturelle Durchdringung statt. So wird beispielsweise 1247 bei der Gründung der Neustadt Salzwedel den Wenden die rechtliche Gleichstellung mit Bürgern deutscher Abkunft gewährt. Mitte des 14. Jahrhunderts, als sich die Zünfte Eintrittsbegehrenden immer stärker verschlossen, kam es aber zu Verboten, wonach Wenden weder den Zünften angehören noch Bürgerrecht erhalten konnten. In der Regel existierten wohn- und wirtschaftliche Gemeinschaften von Slawen und Deutschen. Noch heute bekannte Städte wurden oft auf alten Slawensiedlungen gegründet. Die wendische Sprache überlebte, trotz wiederholter Verbote, in weiten Gebieten der Mark bis in die Neuzeit. In einigen Dienstsiedlungen (Kietze) und am Rande des askanischen Markengebietes konnte die slawische Kultur auch darüber hinaus bis zum heutigen Tage bestehen, als Beispiel mögen die Sorben im Spreewaldgebiet dienen.

Auf jeden Fall fand auch hier eine Vermischung statt. Ich habe gelesen, daß z.B. in der Neuzeit viele Sorben im Spreewald ihre Kinder möglichst deutsch erziehen ließen, ganz bewußt ihre sorbische Herkunft verleugneten, um ihnen berufliche Aufstiegsmöglichkeiten zu ermöglichen.

Und, um beim berühmten Spreewald zu bleiben, viele dort Ansässige sind eigentlich deutscher Herkunft, das Land wurde zeitweise an verdiente Armeeangehörige verteilt. Diese Neusiedler wurden dann nach und nach regelrecht zu Sorben.

Vermischung also wohin man nur schaut bei uns.

Gruß aus der Mark

Joachim

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Eintrag #4 vom 17. Feb. 2004 08:36 UhrJoachim Meinicke Profil

nach oben / Zur ÜbersichtSlawen in der Mark Brandenburg

Ursprünglich wurde Brandenburg von den germanischen Semnonen, Langobarden und Burgundern bewohnt. Nach der Völkerwanderung wurde das Land gegen Ende des 6. Jahrhunderts von verschiedenen slawischen Stämmen besetzt, in alten Chroniken oft als Wenden bezeichnet. Es war nun aber auch nicht so, daß alle Germanen abgewandert waren. Hier schon mal die erste Vermischung.

Karl der Große führte gegen die Slawen östlich der Elbe 789 und 808/809 Krieg und es gelang ihm, sie in eine lose Abhängigkeit zu zwingen. In Friedenszeiten entwickelte sich aber gerade in diesen Grenzmarken ein lebhafter Handel mit den slawischen Stämmen mit Magadoburg (Magdeburg) als wichtigem Handelsplatz.

Die Ostpolitik der deutschen Herrscher wandelte sich allmählich. Wurden in früheren Zeiten eher slawische Übergriffe abgewehrt, wurden nun klare Kolonisationsstrategien gegen die stets unruhigen Elbslawen angewendet. Im Winter 928/29 eroberte König Heinrich I Brennabor, den auf einer Insel gelegenen Fürstensitz der Heveller. Burg und Siedlung haben dem Land später den Namen gegeben. Bei Heinrichs Tod 936 waren alle slawischen Stämme zwischen Elbe und Oder unterworfen. Sein Sohn Otto I bemühte sich, die deutsche Herrschaft mit Hilfe der Kirche weiter zu festigen. Hierzu gründete er mehrere Missionsbistümer im noch heidnischen Land, so 946 das Bistum Havelberg, und 948 wurde das Bistum Brandenburg gestiftet. Das 968 gestiftete Erzbistum Magdeburg war als kirchliches Zentrum für die Gebiete östlich der Elbe vorgesehen, sie waren zuvor dem Erzbistum Mainz unterstellt. Die Missionierung der Slawen erreichte die Oder.

Schon 932 und 955 war es zu Slawenaufständen gekommen, die aber immer wieder blutig niedergeschlagen wurden. 983 erhoben sich die Slawen erneut, und das Land östlich der Elbe ging dem Christentum und der deutschen Herrschaft wieder verloren. Die Stämme der Heveller und Abodriten drangen sogar bis über die Elbe vor und zerstörten Hamburg.

Über die natürliche Elbgrenze hinweg tobten fortan zahllose Kriegszüge, ohne daß eine Seite dauerhafte Eroberungen für sich verbuchen konnte. Erst seit der Mitte des 12. Jahrhunderts versuchten verschiedene deutsche Territorialherren, wirklich eine deutsche Landesherrschaft zu errichten. Der sogenannte Wendenkreuzzug von 1147 kann als ein Indiz dafür gelten.

1134 vergab Kaiser Lothar III dem Askanierfürsten Albrecht von Ballenstedt, der Bär (* um 1100) den deutsch gebliebenen Teil der Markgrafschaft (Altmark oder auch Nordmark). Von dot eroberte Albrecht nach und nach weite Gebiete der Mark Brandenburg. Er erbte vom christlichen slawischen Fürsten Pribislaw Burg und Siedlung Brandenburg, mußte seine Ansprüche er erst in jaherlangen Kämpfen gegen den in Köpenick residierenden Slawenfürst Jaxa (Jocza) durchsetzen.

Fortsetzung folgt

Joachim

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Eintrag #3 vom 17. Feb. 2004 00:22 UhrMagdalena Wohlgemuth Profil

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Sorry, hab noch was vergessen was mir wichtig ist bzw bin abgeschweift...
Deine Fragestellung ist schon das Problem! Diese Nationen-Mentalität ist erst in der Neuzeit enstanden. Es gab zwar schon früh den Begriff "deutsch" oder wie auch immer geschrieben, aber es hieß nicht "Deutsches Reich" sondern "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation", und die Grenzen waren ziemlich wandelbar. So wie du die Frage stellst müßte man sie über den Zeitraum bis zur Entstehung dieser Denkweise beantworten, d.h. im 19. Jahrhundert.

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Eintrag #2 vom 17. Feb. 2004 00:09 UhrMagdalena Wohlgemuth Profil

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Hallo Jaro,
erst mal noch kurz zu deinen anderen Beiträgen:
ich halte deine Intentionen grundsätzlich für nicht schlecht, es ist bestimmt sinnvoll, Aufmerksamkeit und Wissen zu mehren, daß es noch mehr gab als nur Germanen und Kelten und Römer. Diese Fixierung ist bestimmt auch ein Erbe unserer Vergangenheit. Aber du mußt wirklich mit deiner Darstellungs- und Ausdrucksweise aufpassen. Z.B. möchte ich noch mal darauf hinweisen, daß ich so unbestimmtes hantieren mit genetischen Zugehörigkeitsbeweisen für gefährlich halte, da das in Richtung der alten Rasse-Ideologien geht. Das ist bestimmt nicht deine Absicht, aber die Genetik ist kompliziert und noch eine junge Wissenschaft und auf diese Weise können ganz schnell tolle neue Stammtischgerüchte entstehen.
Grundsätzlich gilt: "Das" deutsche Volk gibt es noch gar nicht so lang. Wenn du vom Mittelalter sprichst, mußt du da sehr viel stärker differenzieren. Z.B. gibt es da sicherlich noch sehr große Unterschiede zwischen Norden und Süden.
"Die" Germanen gibt es meines Wissens auch nicht, da fallen dutzende von bekannten Volksgruppen drunter, es ist halt nur ein üblicher Oberbegriff.
Also bloß mal für Bayern weiß ich, daß "die Bajuwaren" auch slawische Wurzeln haben, es gab hier aber auch Römer, Kelten und überhaupt ist glaub ich durch Bayern alles mal durchgekommen, also sicher auch Franken, Alemannen, es gibt Funde von skandinavischen Handelswaren. Die Forschung bringt da immer wieder neue Ergebnisse.
Das mit der Verdrängung oder Unterdrückung wird inzwischen auch immer mehr relativiert. Die sog. Alamannische Landnahme wird in dieser "gewalttätigen" Dimension bezweifelt, es ist für viele Gegenden bewiesen daß es romanische Siedlungskontinuität in friedlicher Koexistenz mit der sonstigen Bevölkerung gab und es gibt Hinweise daß auch "die" Kelten (ist ja auch nicht so einfach) noch länger da waren.
Falls es dich interessiert, zu den Slawen in Nordostbayern:
Fazit Referat (nicht von mir): "Viele Unsicherheiten bestehen hinsichtlich Umfang, Art und Dauer einer slawischen Besiedlung. Diskrepanz zwischen Schriftquellen und Archäologie. Schriftquellen belegen Slawen bis ins 11. archäologisch nur für 7. und 8. anhand Keramik belegt, später nur noch wenige Funde bezeugen slawische Präsenz bis um 1000 => schnelle und tiefgreifende Akkulturation
Slawen (auch Oberschicht) spielten im frühen und hohen Mittelalter eine wesentliche Rolle beim Landesausbau (Besiedlung nicht aus Norden, sondern Böhmen)
Literaturliste für diese Referat :
Hans Losert, Die slawische Besiedlung Nordostbayerns aus archäologischer Sicht. In: Karl Schmotz (Hrsg), Vorträge des 11. Niederbayerischen Archäologentages (Deggendorf 1993) 207-270
Ingolf Ericsson, Slawen in Nordostbayern. Zu den Main-, Regnitz- und Naabwenden un ihrer Bedeutung für den Landesausbau. In: Rolf Bergmann (Hrsg.), Mittelalterforschung in Bamberg (Bamberg 2001) 30 - 39
Jochen Haberstroh, Slawische Siedlung in Nordostbayern. In: Alfried Wieczorek/Hans-Martin Hinz (Hrsg), Europas Mitte um 1000 = Ausstellungskat. Budapest... 2000 (Stuttgart 2001) 713 - 717
E. Eichler, Probleme der Auswertung slawischer Orts- und Flußnamen und Nordostbayern. In: Archiv für Geschichte von Oberfranken (65/1985), Bayreuth 291-297

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Eintrag #1 vom 16. Feb. 2004 19:05 UhrFlorian Treml Email

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In einem anderen Thread habe ich die Aussage getätigt, die Deutschen hätten einen sehr! relevanten Anteil von Slawen unter ihren Vorfahren, und man könne heute sogar fast von einem "slawischen" Volk mit germanischer Sprache sprechen. Das traff nur auf Erheiterung.

Zur Zeit des Frankenreiches hat es doch, so weit ich weiß, noch keine Deutschen (als Eigenbegriff) gegeben, und, so weit mir bekannt ist dieser Begriff erst mit dem Zerfall des Frankenreiches für den Ostteil aufgekommen, westfränk- theodisk, ahd- diutisc, mhd- diut(i)sch, tiu(t)sch was primär Volk, Volksgemäß bedeutet. Darin spiegelte sich das zunehmende Sprach und Volksbewußtsein gegenüber der romanischen und romanisierten Bevölkerung im Westteil des Frankenreiches wieder.

In wie weit waren die Stämme die zu diesem Zeitpunkt der Entstehung einer "deutschen Nation" hier lebten eigentlich wirklich noch germanisch, wie weit ging die Vermischung mit der Keltoromanischen Bevölkerung, im Rheinland oder in Süddeutschland, oder wurde diese verdrängt?

Gab es schon so früh eine Vermischung mit Slawen, und wenn, was wäre der frühest belebgare Zeitpunkt? Sind die Slawen und die Ostgermanen überhaupt so klar zu trennen, außer über ihre Sprache, ich meine kulturell und genetisch? Von den Kelten und Germanen glaube ich zu wissen, das ihre Trennung als zwei Völker hier in Mitteleuropa vor allem eine Erfindung der Römer war. Es gab im Rheingebiet doch breite Überlappungszonen zwischen beiden.

So weit ich weiß, war alles Land bis Hamburg und an die Elbe hin nach der Völkerwanderung slawisch besiedelt, nachdem das Thüringerreich untergegangen war. Wurden diese Slawen bei der Wiederbesiedelung durch die damaligen "Deutschen" verdrängt, assimiliert oder unter deutscher Oberhoheit gezwungen, ihre Kultur und Sprache aufzugeben, wie z.B. bei den Sorben u.A. Westslawen in Ostdeutschland noch bis ins 20 Jahrh das versucht wurde?

Zusammenfassend: Wie ist das Volk der Deutschen entstanden, welche Kulturen und Völker spielten da mit ?

(Sollte es wieder mein Wissen doch einen Thread hierzu geben, habe ihn nicht gefunden, einfach löschen)
Mit besten Grüßen

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