bei Humpert wäre ich etwas vorsichtig. Er rechnet so lange hin und her, bis er bei den genannten Städten eine gewisse Systematik gefunden hat, die Methoden dabei sind schon fast lächerlich.
Unbestritten hat es Stadtplanung gegeben, nur nicht in dem Maße, in dem Humpert das zu beweisen versucht.
Es gibt einen interessanten Fernsehfilm über das Thema, in dem Humpert und Schenk sich Prof. Binding (der anerkannten Koryphäe für das Thema "Bauen im Mittelalter") stellen müssen, leider weiß ich den Titel der Sendung nicht mehr, lief irgendwann auf den Dritten.
Das Thema stockt, ich schreibe trotzdem diesen Hinweis auf ein Buch von Klaus Humpert/ Martin Schenk: ENTDECKUNG DER MITTELALTERLICHEN STADTPLANUNG - Das Ende vom Mythos der "gewachsenen Stadt", das 2001 im Verlag Konrad Theiss erschien und für 8 mittelalterliche Städte zu verdeutlichen versucht, dass damals bereits in der Grundrissplanung von Städten respektable geometrische Vorstellungen eingegangen sind, die die schon damalige Planung von Architekten für ganze Stadtbilder verdeutlichen. Dies wird anhand der Grundrisse von Villingen, Freiburg, Rottweil, Esslingen, Speyer, München, Siena und Offenburg sehr überzeugend (auch mit einer animierten CD)dargestellt.
Diese Art der Städteplanung braucht sich hinter etwa barocken Planungen etwa von Karlsruhe oder Mannheim keineswegs zu verstecken, sondern hat Jahrhunderte zuvor bereits etwas weitergetragen, was auch schon in früherer Architektur der Antike auffindbar ist.
Moin
Bei den Friesen unterschieden sich die Punkte :
- Sprache
- Kultur (incl.Mode, Haartracht)
- Recht
- Sozialstruktur (Kein Feudalsystem!!)
- ReligionsANWENDUNG
- Waffen / Ausrüstung
Z.T. erheblich vom Rest Deutschlands , worauf man sich im Spä.Mi gerichtlich stritt (Stader Frieden 1524), ob die Friesischen Länder überhaupt dem Deutschen Reich angehörten.
Würde aber auch Bücher kosten, auf alles einzugehen. Bei näherem Interesse :mail me
Farwälje
Michael de Egge,de Fresena
also im Groben und Ganzen gesehen gibt es natürlich Gemeinsamkeiten. Ich meine die Gesellschaftsstruktur sowie deren System (Feudalsystem, "Kastenwesen", sog. gottgegebenes 3-Ständesystem) wird sich nicht wesentlich unterschieden haben. Auch die Aufgaben der einzelnen Stände( Lehrstand, Wehrstand, Nährstand, = tu suplex ora, tu protege, tuque labora) wird ähnlich gewesen sein.
ABER, wie bereits erwähnt, die Details in Kleidung, Sachkultur, Sitten, Recht sind oft grundverschieden. Genau diese "Kleinigkeiten" sind es aber die unserer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen. Denn genau das macht eine historische Darstellung spannend, und vor allem Glaubwürdig.
du hast tatsächlich die Gabe unendlich komplexe Fragen zu definieren und dabei aber die Hoffnung, daß jemand kommt, und sie in wenigen Sätzen beantwortet.
Ich wiederhole mich:
Definiere Kultur
- Sitten und Gebräuche
- Recht und Gesetz
- gesellschaftliche Ordnung
- Religionen und abweichende Absplitterungen
- Handwerk und Kunst
- Architektur
- Handel
- Politik
Ich könnte noch elendig so weiter machen und hätte doch nicht alle Aspekte erfasst die es bei Beantwortung deiner Frage zu berücksichtigen gilt.
Dirk hat völlig Recht, man könnte Bücher darüber schreiben.
Ich möchte dir an dieser Stelle auch eines empfehlen:
"der große Kulturfahrplan", Werner Stein, Herbig Verlag, ISBN 3-7766-1116-2
Das Buch beschäftigt sich im wesentlichen mit deiner Frage. Die Zeit von 1050 bis 1250, die du anpeilst, umfasst dabei exakt 56 Seiten, eng beschrieben, nur in Stichworten.
wie Du so schön sagtest findet man hier immer 1 Million feiner details. Auf der andern Seite kann man zu so einer allgemeinen Themenlage in ihrer Gesamtheit immer schlecht antworten ...
Da könnte man vielleicht eher dicke Bücher zu schreiben. Eines zu dem Thema möchte ich daher hier mal kurz angeben:
"Die Geburt Europas aus dem Geist der Gewalt, Robert Bartlett, Dromer-Knauer, 1998
Frei nach dem Motto: Es gibt keine Antworten, aber Querverweise ;-)
So, mir als Laien bietet sich folgendes Bild:
(nicht wenn ich hier so lese, dann finde ich
1 Mio feinster Details, aber auf diese will ich nicht hinaus)
Die Sprachen waren im HMA noch nicht so weit auseinander bzw. das Volks"latein" war sich noch ähnlicher, gleiches gilt für germanische Sprachen, es gab überall die gleiche und zunehmend vereinheitlichte Röm.Kath. Religion. Es gab überall Ritterorden und die Geistigen und Sozialen Ideen von der Gesellschaft waren auch überall sehr ähnlich. (und sehr religiös)
Auch kulturell bietet sich ein ähnliches (kein gleiches!! das meine ich nicht) Bild, überall die gleichen bücher und die ganze ritterliche Kultur West und MIttel europas scheint Mir! sehr einheitlich zu sein.
(das sagt natürlich überhaupt nichts, was weiß ich schon)
Jetzt habe ich auch schon hier gelesen, daß der ADEL und die Oberschicht im HMA eine Europäische Leitkultur hatte. Und meine Frage ist, ob das so stimmt? (Zeitraum von 1050 bis 1250, Raum West und Mitteleuropa)
Mir sind schon kulturelle Highlights und Unterschiede bekannt, (z.B. der Minnegesang im Languedoc oder das die Schweiz zu dieser Zeit noch recht arm und rückständig war, etc.) also ich weiß schon, daß es im Volk (Sprache!) Unterschiede gab,
aber,
meine Eindruck ist, daß selbst diese geringer waren als heute. Wie einheitlich war West und Mitteleuropa im HMA?
Mit besten Grüßen