Zitat aus betreffenden Thread, auf Nachfrage eines anderen Posters:
“Ich habe nie behauptet das in irgendeinem Buch irgendetwas von ”bourette “ steht. Das war ganz allgemein etwas über Seide.”
Hm, ich denke, Du solltest da nochmal genau hinsehen.
Es ist natürlich grundsätzlich deine Sache, wie Du es machst, aber nimm es mir nicht übel, wenn man es sich nicht leisten kann, das passende Material zu benutzen, stellt sich mir halt die Frage, ob die Rolle die richtige Wahl war.
Zugegeben, die Fundlage rechtfertigt im Grunde nicht die Verwendung.
Wenn ich mal günstig an a-Seide komme kann ich das Futter ja immer noch austauschen. Ist ja nicht soviel Arbeit. Ist eben auch eine Frage des Materialpreises…
Ich mag vlt. blind sein, kann aber in den Birkafunden nix über Bouretteseide entdecken, davon abgesehen, dass dies imho zeitlich wie regional auch ziemlich off wäre. Wo steht das denn da? In welchem Zusammenhang?
Worauf die Erkenntnisse von Flinkhand basieren, weiss ich nicht, in der Zeit, in der Knöpfe en vogue waren, war Borte wiederrum ziemlich passé.
Ich täte mir die Borte in jeder Hinsicht sparen, bis Du eindeutige Vorlagen hast.
Ich denke auch, daß das Ganze auch ohne Borte hält.
Ich wollte nur den guten Rat vom Flinkhand nicht übergehen.
Wegen der Bouretteseide: Das wurde ja auch schon im Seidenthread diskutiert. Da ist die Fundlage zwar nicht deutlich gesichert, aber es gibt wohl im Birka III Hinweise auf die Verwendung (Schussfaden in Brettchenborte).
Ich für mich gehe davon aus, daß die Seide wie die meisten anderen wertvollen Sachen vollständig verwertet wurde und somit auch in späteren Zeiten als Birka verwendet wurde.
>Da ich nun ja für die Knöpfung der ßrmel die Knöpfe an der Stoffkante ansetzen muß, komme ich um eine Borte allein schon als Ausreißschutz nicht herum.<
Wieso denn unbedingt Borte? Die Kanten kannst du auch mit Seide verstürzen. Seide ist bombenreißfest. Historisch belegt ist es ebenfalls.
Literatur:
Crowfoot/Pritchard/Staniland. Textiles and Clothing c.1150-c.1450. Medieval Finds from Excavations in London 4. Woodbridge 2004.
Wenn du was mittelalterliches machen willst, dann lass das mit dem Widderhorn.
Das Muster stammt aus dem vorderen Orient und ist aus dem 19. Jhd. hat also weder was mit dem Mittelalter noch mit irgendeiner anderen Zeit zu tun.
Wenn dir Gold zu teuer ist, würde ich als Alternative Realseide verwenden. Einige Gelbtöne leuchten wie Gold. Und es sieht bei broschierten Borten einfach nur toll aus.
Wieso gehen die breiten Goldborten aus finanziellen Gründen NATßRLICH nicht?
Ist es so viel Borte? Oder so viel Gold dran?
Es gibt in der Szene einige Leute die mit Goldlahn weben. Frag die mal ob die Goldborte wirklich so unerschwinglich wäre wie Du es dir vorstellst (oder wünschst *g* Psychologie für Fortgeschrittene *g*).
Beim Widderhorn würde ich erst mal die Bremse reinhauen bis Du genaue Auskunft hast.
Meines Wissens nach ist dieses Muster recht neu.
Allerdings gehöre ich eher zur praktischen Fraktion mit sehr wenig historischem Hintergrundwissen.
Diesen Punkt schreibe ich nur deshalb damit Du nicht auf die Idee kommst am Wochenende mal schnell Borte aufzunähen bevor eine fundierte Antwort auf deien Frage vorliegt.
Ich arbeite gerade an einer Cotte nach den Manesse Tafeln 104 & 106.
Da ich nun ja für die Knöpfung der ßrmel die Knöpfe an der Stoffkante ansetzen muß, komme ich um eine Borte allein schon als Ausreißschutz nicht herum. Die breiten Goldborten gehen nun aus finanziellen Gründen natürlich nicht.
Ich habe allerdings noch eine schöne blau-weiße Widderhornborte bereit liegen. Nur würde mich vorm Anbringen interessieren, ob man die im HMA noch verwenden kann…
Ich habe auf einigen Veranstaltungen feststellen muessen, dass einige Brettchenweberinnen null Ahnung hatten, von dem was sie da machten.
Sie beherrschten zwar die Technik, die sie grad zeigten, doch ihr Wissen woher, warum, Musterdatierung, Material etc. war bestenfalls als lau zu bezeichnen - nur leider ‘verkauften’ sie ihr Nichtwissen als DIE Wahrheit schlechthin.
“Was ich viel schlimmer in dem Zusammenhang finde, ist das mangelnde Wissen mancher Weber/innen, die dem Publikum ihre Weberei als DAS Wahre praesentieren und ‘ja das war in der Zeit’ und broschieren ein Band aus dem x-ten JhD n. Chr.”
Hallo,
ich habe auf Keltenfesten auch noch keine Broschierarbeiten gesehen. (Wer präsentiert sich denn so?) Es gibt einzelne Goldfragmente, die als Lahnreste gedeutet werden könnten (eventuell für Broschiertechnik verwendet) aus der Frauenbestattung “Hohmichle” (K. von Kurzynski,…. und ihre Hosen nannten sie Bracas“).
Leider sind die Fragmente sehr fein und winzig. Es könnte sich auch eine Broscheir und ”fliegende Nadel"-Arbeit auf Köper- uder Leinwandbindigen Gewebe handeln.
>Ich wollte nur eben auf das Dilemma hinweisen, daß >auf sehr vielen Veranstaltung munter am >Staudigel-Webstuhl Widderhörner gewoben werden.
Korrigiere mich bitte, falls ich falsch liege. Aber wenn ich mir die keltische Zeit betrachte (oder auch beispielsweise die Alamannische), gibt es keine greifbaren Ueberlieferungen, wie denn genau so ein reines Brettchenwebgeraet ‘von damals’ ausgesehen hat.
Sogesehen ist eigentlich jeder einzelne reine Brettchenwebstuhl, der da auf den Festen gezeigt wird, als ‘modern’ zu bezeichnen, sei er nun von Staudigel oder dem eigenen Hirn entsprungen.
Was das Widderhorn oder andere Muster, Schnurbindung oder nicht angeht:
auch hier gibt es kaum Befunde - Textilien erhalten sich halt so schlecht. Und wenn auf den Keltenfesten alles bloss noch Hochdorf weben wuerde - wie langweilig, mal abgesehen davon, dass dann bloss noch ne Handvoll Weber das ueberhaupt koennte, da die Teile echt sehr schwer zu Weben sind.
Was ich viel schlimmer in dem Zusammenhang finde, ist das mangelnde Wissen mancher Weber/innen, die dem Publikum ihre Weberei als DAS Wahre praesentieren und ‘ja das war in der Zeit’ und broschieren ein Band aus dem x-ten JhD n. Chr.
Ich habe jedenfalls kein Problem damit, dass ich an nem Tag, wo ich einfach nur Muell zammenweb (aus welchem Grund auch immer), ne einfache Schnurbindung webe und dem Publikum das auch sage, dass es die in der Zeit ned gab und meinen Koeper nebendran liegen habe.
Es ist mir an den Tagen (und sonst eigentlich auch) wichtig, dass ich die Technik Brettchenweben an sich vermittle und weitergeben kann, dass eben die Kelten das schon gemacht haben etc, blabla und so eventuell die Leute mehr interessieren kann, dass sies vielleicht selber anfangen.
Ich wollte auch keine Werbung dafür machen, Dinge zu zeigen, die nicht belegt sind. Nur hörte es sich oben so an, als wollten die Leute auf Veranstaltungen nur spektakuläre Muster sehen. Deshalb hab ich mein Gegenbeispiel gepostet.
Bis denn
Karen Thöle
PS: Was ist ein Schnurbindungsmuster? Das, was ich in meinem Eintrag beschrieben habe? Ich sagte ja, ich kenn mich nicht aus…
ich webe zum Vorführen meißt einfache Dinge. (Augelassene Einzüge nach Dätgenbefund, einfabige Köperstrukturbänder etc., das hängt von der Zeitstellung ab)
Allerdings sollte man sich vor Augenführen, daß Schurbindungsmuster und Hörnchen nicht nachgewiesen sind.
Ich würde mich unbedingt als Anfänger einstufen und habe dementsprechend auch nicht wirklich Erfahrung im Vorführen von Brettchenweberei, aber das eine Mal, wo ich “vor Publikum” (allerdings keine Mittelalteraktiven) gewebt habe, war es eigentlich ein Vorteil, daß ich so ein einfaches Muster hatte:
Nebenan webte jemand aus feinerem Garn ein kompliziertes Muster. Ich hatte mich mit einem gaaaanz einfachen Muster am Zeltpfahl festgebunden, bei dem ich immer nur vorwärts drehen mußte, und ich hatte ziemlich dickes Garn. Vorteil: Absolut übersichtlich. Konnte jeder sehen, daß ich zweimal blau oben hatte und zweimal weiß. Ich konnte reden wie ein Wasserfall, ohne mich aufs Muster konzentrieren zu müssen. Die Leute haben das Grundprinzip verstanden und sind nach Hause gegangen mit dem Gedanken “Das könnte ich auch mal machen”. Ich hatte eigentlich andauernd fünf bis zehn Leute um mich, bei meiner Nachbarin hat kaum jemand geguckt.
Also: Mut zu einfachen Mustern, wenn sie denn für den jeweiligen Zeitraum belegt sind. Natürlich sind die komplizierten Muster schön anzuschauen, aber für den Zuschauer kann es ein tolles Erlebnis sein zu verstehen, wie etwas funktioniert. Und das geht mit einfachen Mustern sicher besser als mit komplizierten.
ich hoffe, Du hast mich jetzt nicht falsch verstanden. Ich bin ganz sicher nicht der Meinung, man sollte, um “Show” zu machen, munter Widderhörner auf einem Römerfest weben. Ganz sicher nicht!
Ich persönlich halte es so, daß ich zwar mittlerweile auf allen möglichen neuzeitlichen textilen Veranstaltungen Werbung für’s Brettchenweben mache und das Weben zeige - dann natürlich auch mit Widderhorn.
Aber auf geschichtlichen Veranstaltungen, Museumsfesten etc. webe ich nicht. Ich trage gerne meine zuhause gefertigten Borten zur Schau, für die germanische Tracht simpler, für die Alemannische aufwendiger. Ich erkläre auch gerne das Weben und die unterschiedlichen Techniken, die wann wo verwendet wurden.
Ich wollte nur eben auf das Dilemma hinweisen, daß auf sehr vielen Veranstaltung munter am Staudigel-Webstuhl Widderhörner gewoben werden.
Mir mißfällt das auch, aber es ist eine traurige Tatsache. Und wie schon erwähnt wurde, wird eben Brettchenweben gerne gebucht, man hört oft den Satz “Wir haben schon eine Weberin….” und letztendlich wird eben wieder munter mit Baumwolle Widderhörnchen vorgeführt.
Ich habe noch keine Weberin in Aktion erlebt, die zeitlich passend das vorführt, was und wie zu der entsprechenden Zeit gewoben wurde. Hier im Süden zumindest scheints sowas nicht zu geben….
nichts für ungut - aber ich dachte immer die Besucher kommen in ein Museum um etwas über den gezeigten Sachverhalt zu erfahren.
Besonders auf Keltenfesten ist es kein Problem komplizierte Borten zu zeigen. Ob man diese Weben kann hängt von der persönlichen Befähigung ab.
Ich jedenfalls webe meine komplizierten Sachen lieber zu Hause, in Ruhe und umsorgt von einem lieben und geduldigen Mann, der sich mein Gefluche anhört und mir Tee und Kekse bringt.
Wenn die Erzeugnisse einer Zeit und Gegend eher simpel sind und mir nicht zusagen muß ich die Darstellungszeit anders wählen und mich mit den Dingen befassen, die ich spannend finde.
Was die von Schlabow publizierten Borten angeht - so öde sind die Muster nun auch wieder nicht. Zumindest die Besucher in Oerlinghausen schienen die “röm. Eisenzeit Kollektion” recht nett zu finden. Daß mir vermutlich ein Weber/in mit orange/grün/schwarzem Widderhorn wahrscheinlich die Schau stiehlt ist klar. Aber das zu bewältigen sollte zu schaffen sein, denn ein schriller pink/roter Seidenfummel mit Simpelbundschuhen ist bestimmt ein besserer Reißer als eine überbodenlange helle Stola, aber das ist trozdem kein Grund sowas zu tragen. (Meine Meinung)