Ich habe mir mittlerweile den Liber ad honorem Augusti per Fernleihe besorgt. Auch die anderen Armbrustabbildungen sind so groß wie die auf Fol. 109; ausserdem hat ekine Armbrust einen Steigbügel.
Daher liegt der Schluß überaus nahe, dass es sich dabei um handgespannte Holzbogenarmbrüste handelt.
Daraus folgt, dass zumindest bei den Staufern, die der Liber verherrlicht, keine Hornbögen um 1200 im Gebrauch waren. Man könnte jetzt aber auch schließen, dass Hornbögen um 1200 in westlichen Händen allgemin unüblich waren, da sie in sizilien ja Kontakt mit Moslems hatten.
Es könnte sich auch um eine Holzbogenarmbrust handeln, deren Bögen ja größer waren als die der Komposit- oder Stahlarmbrüste. Die warscheinlichkeit ist sogar sehr hoch, laut Payne-Gallway ist ein früher (möglicherweise) Beleg für Kompositarmbrüste im dritten Kreuzzug zu finden (S. 62): Justiniani schreibt (1246) davon, dass 500 Genoesische Armbrustschützen mit Hornbögen eingesetzt wurden.
Es bleibt natürlich fraglich, ob das wirklich der Fall war, oder ob der Autor bloß bereits veränderte Geschichte niedergeschreiben hat - 46 Jahre sind eine lange Zeit, allerdings wären Zeitzeugen vermutlich noch am Leben gewesen.
Im "Liber ad honorem Augusti" ist auf fol.109r eine Belagerungsszene abgebildet, auf der man eine große Armbrust sehen kann...zumindest kniet der Schütze dahinter und sie erscheint auch um ein weniges größer als die anderen Armbrüste in der gleichen Handschrift.
Im Stadtmuseum Erfurt hängt eine sehr große Armbrust (Stocklänge geschätzt ca.4m, Bogenlänge so um die 3m...) an der Wand...wenn jemand Foto,s haben will, kann ich besorgen.
Nach Aussage des Museumsdirektors ist das Teil aus dem 14.Jhdt, es schmückte lange Zeit den Rattsaal des alten Erfurter Rathauses.
Stefan, allerlei Un-Ehrenwertes...
Hallo David
Konstruktion, Mechanik und der Vergleich mit anderen erhaltenen Ziehbänken scheint den Gebrauch als Solche zu bestätigen. Der beigegebene Bogen wäre ohnehin viel zu klein für diese mächtige Maschine.
Gruß
Dieter
auf welche wissenschaftlichen Fakten stützt sich diese Theorie? Welchen Sinn hatte dann die Ersatzsehne und der Ersatzbogen in dem Kasten unter der Lafette?
Hallo
Armbruste mit Kompositbögen aus Horn gab es bereits im hohen Mittelalter. Der Nachteil eines Bogens aus Holz besteht in der weitaus größeren Spannweite, d. h. die Waffe war relativ unhandlich. Kompositbögen hat man bis ins späte 15. Jahrh. hergestellt, und sie wurden von den Stahlbögen auch aus dem Grunde abgelöst, da ihre Herstellung ungemein kompliziert und aufwendig war.
Die sogenannte "Balliste" in Quedlinburg scheint in Wirklichkeit kein Geschütz, sondern eine Spannbank gewesen zu sein. Das ist eine Maschine, die man benötigt, um in einen Armbrustbogen eine neue Sehne einzulegen, also um den Bogen vorzuspannen. Der zur Zeit wohl beste Armbrustkenner, Jens Sensfelder, teilt auch diese Ansicht. Übrigens auch eine große Seltenheit, es gibt bei vielen 100en erhaltener Armbruste nur noch 3 oder 4 originale Spannbänke.
Gruß
Dieter
Ich hätte mir gedacht, dass es Modelle in verschiedenen Qualitäten gegeben haben könnte, je nachdem was man für so eine Belagerungs-/Verteidigungswaffe ausgeben konnte oder wollte.
Bei so einem Holzbogen würde ich davon ausgehen, das er schneller kaputt ging, oder eine geringere reichweite hat, dafür ist er eben mit weniger Herstellungsaufwand verbunden und entsprechend günstiger.
Bei einem Stahlbogen könnte ich mir nur vorstellen dass er noch teurer war.
Ich wollte ja nur wissen ob auch andere Bögen Nachgewiesen sind.
Wird es für "günstigere" Modelle auch Bögen nur aus Holz gegeben haben? Eigendlich würde es ja funktioniren.
Ab wann kamen Stahlbögen auf?
Johan von Dreiadlerstein
Sind -nur- Holz/Horn bögen nachgewiesen, oder auch pure Holzbögen? ih frage mich wo die so langes Horn her hatten, wenn das in einzelen Schichten (also Horn, Holz, Horn,... | | | ) aufgetragen ist. Oder ist das Horn in einzelnen Teilen drauf?
Johan von Dreiadlerstein
zu der Quedlinburger Balliste ist noch anzumerken, daß sie erst wieder "neu entdeckt wurde" und zwar von dänischen Archäologen. Diese sind spezialisiert auf Belagerungsgerät und befanden sich 2003 im Urlaub in Quedlinburg. Bei der Besichtigung des Schloßmuseums "entdeckten" sie dieses Schmuckstück. Genauere Untersuchungen, u.a. die besagte Kernbohrung und dendrochronologische Untersuchungen, ergaben, daß sie die bisher am besten erhaltene Balliste ihrer Art ist. Beim auseinandernehmen trat eine kleinere weitere Sensation zum Vorschein. Unter der Lafette in einem extra Kasten, fand mein einen Ersatzbogen sowie Ersatzsehne.
Seit einiger Zeit ist man in Dänemark dabei, diese Balliste zu rekonstruieren. Sie soll in einem gebrauchsfähigen Zustand erstellt und beschossen werden. Neue Ergebnisse von dort sind zu erwarten und werden dann hier auch mitgeteilt.
die Quedlinburger Balliste (Dendrodatiert auf die 1. H. 14.Jh.) hat einen Kompositbogen aus Horn, Bein und Holz. Das Gerät wurde 2003 von einem dänischen Team erneut wissenschaftlich untersucht. Dabei wurde u. A. im Quedlinburger Klinikum versucht eine Kernbohrung in den Bogen vorzunehmen, der Diamantbohrer brach ab...
Die Balliste ist im Quedlinburger Schloßmuseum zu betrachten.
Sie wird in Verbindung mit den Ausseinandersetzungen zwischen den Regensteiner Grafen und den Quedlinburgern gebracht (um 1330), und stammt vermutlich von der Gersdorfer Burg.
Was hat man den für die mittelalterlichen Bogen (um 1300) der Balisten, Scorpione und Wallarmbrüste genommen? einfach Holz (und was für welches?) oder waren Metallbögen schon bekannt?
Johan von Dreiadlerstein
hallöle.
ich hab mal so ne belagerungsarmbrust nachgebaut. hat nicht so die durchschlagskraft. die spannung verteilt sich zu sehr auf die länge des biegsamen stückes.
bei der ballista hingegen wird mit ungeheurer kraft geschossen. mit metall verstärkte wurfarme waren bei den römern durchaus in gebrauch.
übrigens: die ballisten wurden auch von anderen antiken völkern benutzt, da sie mit ihrer durchschlagskraft in den engen römischen reuhen gewaltigen schaden anrichteten.
thorben
"Über uns" ziemlich unten
und diverse Fotos in der Galerie.
(Wir haben unsere Wallarmbrust auf ein Dreibein gestellt *g*)
Vielleicht noch was zum Unterschied zwischen Armbrust und Ballista/Skorpion: Die Armbrust hat immer einen durchgehenden Bogen, bei der Ballista bzw. dem Skorpion ist der Bogen geteilt. Die Spannung kommt hier durch verdrillte Seile an den Wurfarmen zustande.
Das Spätmittelalter hat auch noch was zu bieten, nicht ganz so gewaltig, aber zum Setztartschen stanzen reichts:
In der Kaiserburg in Nürnberg (gehört zum Germanischen Nationalmuseum) liegt ne stationäre Wallarmbrust mit nem geschätzten Zuggewicht von 4000-6000 Pfund. Bolzengröße wie n´ordentlicher Beilstiel.
Naja Baumstämme vielleicht nicht, aber größere Murmeln wie bei den Römern auf dem Bild, was ich verlinkt habe.
Das Bild gibt es bei www.Vs-books.de als Postkarte zu bestellen.
Oft werden Armbrüste auf Lafette als Skorpion bezeichnet.
Wenn Kugeln verschossen werden, nennt sich das Balista.
tachchen!
Ich soll in der Schule ein Referat zum Thema Armbrust halten,und wollte dann auch nochma fragen,ob e sowas wie eine Armbrust auch in gross gab,wo dann halt Baumstämme oder sowas mit verschossen wurden...
vielen dank,
Jonas,der Schmiedelehrling
Jonas Schax