Eintrag #5 vom 10. Jul. 2007 17:23 UhrTorben Behrens 
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Hallo,
auch wenn es derzeit einen neuen Gotland-Thread gibt, passt das was ich dazu schreiben wollte dennoch besser hierher... ich wollte nur etwas zum Brustschmuck schreiben wollte, es jetzt aber doch etwas mehr geworden ist...ich stell das hier jetzt mal rein...
(Quelle: Die Wikingerzeit Gotlands III:2, Text; ISBN 91-7402-355-41; S.
432-442)
Lena Thunmark-Nylen (ich kürze im Verlauf ab: L.T-N.)schrieb über die
Tracht der Frauen auf Gotland:
"Die Tracht der Frauen besteht aus einem fuß- oder knöchellangen Gewand
...(nach den Abbildungen auf Bildsteinen oder Silberfigurinen)... ist (dies)
gelegentlich deutlich nach hinten in eine kleine Schleppe ausgezogen". Für
den Alltag sicher ungeeignet, aber da die dargestellten Frauen zumeist
Krieger empfangen, wird es wohl (wie auf den guldgubben) eine
Festtagsgewandung sein.
Vorab jetzt ganz kurz zur Lage der Tierkopffibeln in den Gräbern:
Die Fibeln finden sich auf beiden Seiten der Brust in Höhe der Oberarmmitte
(nicht auf der Brust), seltener auf Höhe der Schultern, sehr selten auf Höhe
des Unterarmes oder der Taille.
Und weiter:
L.T-N. vermerkt zum "schürzenartigen Gewand" das in den Gräben kein Fund ein
solches Kleidungsstück bestätigt, aber z.B. der Bildstein von Alskog
(Tjängvide I, SHM 4171) die Vermutung zulässt, das ein solches bzw.
ähnliches Kleidungsstück auch auf Gotland existierte (die Ausarbeitung des
Aussehens der gotländischen Schürzenvariante überlasse ich aber der
"Textilfraktion").
L.T-N. selbst zieht einen ponchoartigen, an den Seiten offenen Überwurf
aufgrund des o.g. Bildsteines in Erwägung, da dieser dann auf verschiedenen
Höhen geschlossen werden konnte und so die Fibeln an der Seite der Brust
einen Sinn ergeben (s. Lage der Tierkopffibeln in den Gräbern).
Deutlicher als die o.g. "Schürze" ist auf den Abbildungen ein Umhängetuch
über die Schultern, teilweise bis zu den Hüften hinab zu erkennen.
Dieses Schultertuch könnte durch die Tierkopffibeln oder Gewandnadeln auf
Schulterhöhe fixiert worden sein(lässt sich an der Lage in den Gräbern und
eigenen Versuchen nachweisen).
Aber, wie L.T-N. schrieb: "In Erwartung eins Grabfundes mit ausreichenden
Textilresten verbleibt die Frage nach der Konstruktion des gotländischen
Paarfibel-Kleidungsstücks vorerst unbeantwortet".
Es bleibt bei der Spekulation bzw. den Rekonstruktionsversuchen....
Nun aber zum Brustschmuck:
"Der Zierschmuck besteht aus Brustschmuck in Gestalt von Perlen und
Anhängern und aus Ringschmuck in Gestalt von Fingerringen, Armringen und
Armbügeln, ausnahmsweise vielleicht ebenfalls aus Ohr- und Schläfenringen."
Der Ketten- bzw. Glasperlenschmuck auf Gotland diente jedoch -bis auf wenige
Ausnahmen, L.T-N. nennt nur eine(!)- nicht(!) als Brustschmuck zwischen den
Tierkopffibeln.
Die Perlen liegen im allgemeinen im oberen Brust- oder Halsbereich, somit
grds. oberhalb der Tierkopffibeln. L.T-N. formulierte "...um aus der Lage im
Verhältnis zu den übrigen Artefakten im Grabe zu urteilen, ist es deutlich,
dass die Perlenketten allein in Ausnahmefällen an den tierkopfförmigen
Paarfibeln befestigt waren. Auch findet sich kein Anlass für die Annahme,
dass sie an den Trachtnadeln befestigt gewesen wären, auch wenn dies nicht
deutlich aus der Lage herauszuschneiden ist..".
Auch "die mehrreihigen Perlengarnituren mit Perlenverteilern und eventuell
einer Unterreihe aus fischkopfförmigen Hülsen pflegt man gleich Unterhalb
des Halses anzutreffen. Sie können nicht an den Tierkopffibeln befestigt
gewesen sein, wenn man jene weiter unten am Körper antrifft".
Der Brustschmuck auf Gotland besteht somit aus (Hals-)Kettenschmuck, wobei
die Glasperlenketten ein ein- oder mehrreihiger Halsschmuck waren der bis
auf dir Brust reichen konnte. Die verwendeten Tierkopffibeln hatten eine
noch nicht gesicherte Funktion, aufgrund ihrer Lage in den Gräbern sind sie
aber kein Brustschmuck.
Auf die Gerätefibeln und den Kettenschmuck im einzelnen gehe ich heute aber
nicht mehr ein...
Männergewadung folgt in Kürze
Torben


