Da ich ja selber aus Monheim komme, nichts anderes vorhatte und Bewegung brauchte, bin ich dann mal mit Freundin, meinem Vetter und dessen Frau dahin geradelt.
Gott war des an Scheiß!
Selbst meinem Kousin und seiner Frau, die nabsolut nichts mit Geschichte und Mittelalter am Hut haben, sind die ganzen Anachronismen aufgefallen.
So eine riesen Ansammlung von Sitzrittergruppen und Kunstgewerbehändlern in Karnevalskostümen habe ich noch nicht gesehen. Höhepunkt der lächerlichkeit war eine alberne Gerichtsverhandlung incl. kleinem "scharmützel" zur aufrechterhaltung des Marktfriedens. *wüüüürg*
Zum Glück hatte ich noch einiges an Restalkohol vom vorabendlichen Konzertbesuch, so das ich diesen Schmarren einigermaßen ertragen konnte.
Zum Glück kam der Veranstalter dieses Verbrechens aus Dormagen, so das ich mich zumindest nicht für irgendjemanden aus meiner Stadt schämen muss!
Am Samstag waren wir in der Bachritterburg in Kanzach/Federnseemuseum. Sehr nette Rekonstruktion einer Motte aus dem späten 13. und frühen 14. Jht. Diese mal belebt mit Familia Ministerialis (Danke für die langen Gespräche) - Ohne Worte - :-)
Am Sonntag war dann meine Frau in Göppingen im Museum Storchen bei der IG Wolf. Auch ein Gang zur IG Wolf lohnt immer!
So haben und konnten wir zwei wirklich gute Gruppen mal wieder über die Schultern schauen, weit ab vom Markt üblichen...
Meine Wenigkeit hatte dann den kleinen Fehler gemacht, auf den Hohenneuffen zu gehen. Eine wunderschöne Festungsanlage und Sitz der Grafen (Rechtmäßig ja "nur" Edelfreie!) v. Neuffen im 12. und 13.Jht. Aber der Glanz ist ab - selten so eine gute "unhistorische" VA gesehen... Einziger Lichtblick waren ein paar alte und neue Bekannte.
MfG
Markus Single
Die Reisecen e.V.
P.S: Die Bachritterburg ist durchaus zu empfehlen, schaut mal auf deren HP - die nächsten Wochen kommen immer wieder gute Gruppen dorthin!
Gleiche Rubrik: Dresdner Stadtfest - Mittelalterlicher Flair durch Maispflanzendeko. Heureka Leipzig ist sich ja auch für nischt zu schade - T-Shirt und Turnschuh-Mittelalter (ich kann mich noch erinnern, dass da ein gewisser Herr von Heureka in einem Interview was von autentischem Mittelalter gemurmelt hat.) Wenn sie wenigstens das alles als Fantasy oder Folklore bewerben würden, aber Mittelalter...ich weiss ja nicht.
Ich hab mir ja jeglichen A-Anspruch bei Märkten und ähnlichen VAs abgeschminkt. Seitdem gehts so einigermassen, aber diese VA war eigentlich nur noch grottig
Beate (Irka)
Nach langer Abstinenz, was die üblichen Markt-Events angeht, kamen wir am Wochenende auf die wahnwitzige Idee, dem "mittelalterlichen Spectaculum" am Schloss Werdringen (Hagen) in Zivil einen Besuch abzustatten. Ich will mich hier nicht in ellenlangen Beschreibungen ergehen, nur so viel: Es war einfach erschütternd oder - um im phantasievollen Jargon der dort vertretenen Szene zu bleiben - "wahrhaft schröckelich"!!!
Wir mussten DINGE sehen, die uns das kalte Grausen lehrten: Ananas und Paprika, repräsentativ auf der "Rittertafel" drapiert, Steckstühle noch und nöcher, Akteure in "Gewandungen" aus abenteuerlichsten Materialien und mit abartigster Plastikborte "verzieret", Kitsch und Schund vom Trödelmarkt auf den mit Baumarktschrauben zusammengeknüppelten Tischen, IKEA-Klappstühle, Bambus-Hocker, Schwenkgrills, Piratenhemden, Schnürjeans.... Jedes noch so üble Klischee wurde bis zum Abwinken bedient.
Auf anfänglich vorsichtiges Nachfragen bei einer teilnehmenden Gruppe hin bekamen wir u.a. zu hören, dass man versuche so "authentisch" wie möglich zu sein und das Ganze nach Gesichtspunkten der "experimentellen Archäologie" betreibe.
Aua.
Schockierte Grüße
Nicole, die normalerweise echt friedliebend ist, aber was zuviel ist, ist zuviel...;-)
P.S.: Es gab auch was Positives: Das Wasserschloss war hübsch.
ich kann jetzt bestätigen, die Reichsurg Cochem ist eine Reise wert. wunderbar über der Mosel gelegen und mit soviel Türmchen, Giebelchen und anderem Zubehör ausgestattet, das ich zuerst die Annahme hegte, die Burg wäre in der Neuschwansteinzeit verschlimmbessert worden. Ein Blick auf eine Zeichnung aus dem 15. belehrte mich eines besseren.
Glücklicherweise hatte uns der Veranstalter ob es harten Schieferbodens vorgewarnt, so das wir viele solide Heringe dabei hatten, trotzdem verzögerte sich der Aufbau etwas.
Die überromantische Mosel, die Touristenkneipen und die bereitstehenden Fremdenführer ließen mich Publikumsmäßig schlimmes befürchten, jedoch, ich wurde positiv überrascht: Es waren zwar sehr viele Besucher verschiedenster Nationalitäten (Schotten, Engländer, Holländer, Franzosen, Koreaner etc.) da, aber ziemlich alle waren höflich, zivilisiert und an den ausgestellten Alltags- und Rüstgegenständen und unserer Färberei sehr interessiert. Ich habe mir zwar den Mund fusslig erklärt, aber dazu sind wir ja da...
Und so kam es, das es trotz unserer vielfältigen Aufgaben ein sehr entspannter Markt war.
Vom Veranstalter gab es jede nötigeUnterstützung, auf das Austellen von unauthentischem Kram wurde komplett verzichtet, die Eintrittspreise waren auch erschwinglich-
was soll ich sagen- es gwar gut. Jederzeit wieder!
Gruß, Uli
Das Freilichtmuseum ist an sich eine schöne Anlage mit netten, unterschiedlichen Hütten und einem Boot, das zusammen mit den Leuten vom Ukranenland gebaut wurde.
In diesem SLAWENdorf wurde also ein WIKINGERfest gefeiert:
Unter Berücksichtigung meiner Erwartung (MA-Fest/Markt) war es eine nette, sehr bunte (jaja, auch etwas braun...) VA mit Gästen aus Moskau (die können sticken!!!! und der Schmuck!!!! Und die Preise!!!! - ich bin dem Kaufrausch verfallen); mit etwas unpassender aber genialer Unterhaltung (Kelvin Kalvus: www.kelvin-kalvus.de/), viel zu futtern (lecker Steinofenbrot), den üblichen Kleidungsentgleisungen, heidnischen Hochzeiten etc. Also superbunt und touristenfreundlich. Ich hab halt nur die Wikinger und die Slawen gesucht - naja, und die Rus gefunden;-)
Ein typischer Markt also.
Eine slawische VA mit Anspruch scheint es wohl nur in Gross Raden zu geben???
Beate (Irka)
Auch dieses Jahr war ich wieder in Frankreich zur Schlacht bei Azincourt. Die Veranstaltung zum Gedenken an die Ereignisse von 1415 wird von Engländern und Franzosen gemeinsam organisiert. Da die Schlacht für die Franzosen jedoch ein gewisses Trauma darstellt ist es eben doch nicht die Schlacht "VON Azincourt" sonder nur "BEI Azincourt". Na ja gut...
Es gab 2 getrennte Lagen für die Franzosen (waren wohl wirklich nur Franzosen) und Engländer (Engländer, Holländer, Deutsche, Tschechen, Schweden). Dazwischen das etwa fußballfeldgroße Schlachtfeld. Das Zeitfenster ist der 100-jährige Krieg, daher war das Aussehen teilweise etwas inhomogen. Die meisten Teilnehmer waren aber schon einer Epoche zuzuordnen.
In der Schlacht am Sonntag kämpften ca. 200 Leute, mehr als 20 Bogenschützen und sogar ein paar Handbüchsen und kleine Kanonen.
Die Anführern der beiden Seiten scheuchten die verschiedenen Einheiten immer wieder vor und zurück und es gab sehr viel taktische Bewegungen. Wenn sich 2 Blöcke in einander verrannt hatten, versuchten andere Einheiten ihnen in die Flanke zu fallen, Piken deckten die Bogenschützen und so weiter. Das ganze wurde über Lautsprechen in englisch und französisch kommentiert. In dieser Form gibt es so was in Deutschland wohl nur in der Napoleonik.
Die Kämpfe würde ich als hart aber fair beschreiben. A-Kartenvertreter würden wahrscheinlich auf der Stelle tot umfallen. Ich sag nur "headshots allowed" :-)
Ernstere Verletzung gab es aber trotzdem keine. Und das trotz der ziemlich verbreiteten Ledersohlen und des völligen Fehlens von Eishockeyprotectoren und ähnlichen in Deutschland oft "unbedingt nötigen" Hilfsmitteln. Das Regelwerk findet man unter www.azincourt-alliance.org.uk
Diesmal gab es endlich auch einige Händler und so wurde es auch noch ein ziemlich teures Wochenende. Mies waren nur die Toiletten.
Auch wenn 1000 km Anreise sehr anstrengend sind, nächstes Jahr wieder! Und vielleicht auch mal Tewksbury. Das sollen 3000 Leute auf dem Feld stehen...
Positiv:
Unglaublich nette Stimmung zwischen den Aktiven.
Die Orga war freundlich und bemüht, Brennholz gab es genug und Toiletten mit Waschbecken und Licht dito.
Das Konzert am Samstag Abend war sehr nett.
Alle Vorführungen waren über Mikro verstärkt auf dem ganzen Platz zu hören
Keine Trommelei am Abend (wer jemals "Kelten" in FF erlebt hat weiß was ich meine)
Prima Wetter!
Negativ
Unglaublich viele übelkostümierte Besucher!
Ich habe Dinge gesehen - jenseits meiner Vorstellungkraft!
Es blieb oft die Frage was die Reiter von Rohan, Wikinger (die Lehrergruppe, die Samstag nach Feierabend ohne sich umzuziehen zum Konzert gekommen ist nehme ich hier aus, klar!) oder Axt und Fellleibchenträger hier nun wirklich wollten. Kampfmaiden mit Schwerten auf dem Rücken, Adelige mit billigen Kettchen in den Haaren und Autodecken umgewickelt und ähnlich hat mich auch nicht wirklich begeistert.
Besonders negativ ist mir aufgefallen, daß einige dieser Exponate Ihre "Weißheit" ungeniert den Besuchern weitergeben mußten.
Allgemein
Der Bereich "Kelten" ist in vielen Gruppen und Bereichen noch in Entwicklung und Aufbau. Es gibt sehr viele spannende Projekte, Gruppen und Vereine. Klar geht nicht alles auf einmal, aber im positiven Gegensatz zu viele anderen LH Bereichen ist dies bei den "Kelten" jedem klar und es wird heftig und innvonativ gearbeitet. Der Anteil an Fachleuten in den Gruppen ist teilweise recht groß. (Und die Bereitsschaft zu üblestem "Fachsimpeln" auch am Abend ebenfalls!)
Fazit:
Vielen Dank für die netten Kontakte! Besonders an die Ambiani (leider mit großen Verständigungsproblemen), die Bracas und die Ars Replika. Natürlich auch an alle anderen Teilnehmer, besonders für die Geduld bei der ersten öffentlichen Aufführung der neuen Gruppe "Projekt Norikum" (siehe auch uter www.hallstattzeit.de). Am Sonntag waren wir besser ;-)!
Es grüßt
Sylvia und der Sittenstrolch von Otzenhausen
Eine gelungene Veranstaltung!
Verwöhnte Teilnehmer (Vielen Dank an die Mitarbeiter des Viking Center), großartiges Wetter, ein Markt mit einem glaubhaften und schönen Angebot und handwerkliche Leistungen und Vorführungen, die man nicht oft sehen kann.
Die Menge der "gewandeten" Besucher hielt sich in Grenzen, Gäste mit externer Übernachtung wurden überall freundlich aufgenommen, sowohl in Klamotte wie in zivil.
Es gab entschieden weniger Entgleisungen als in den Vorjahren, und mehr Häuser mit "Bewohnung".
Stichwörter für das Fest: Hühnerskulptur, Sonnenbrand in Dänemark, Wutwolf der Wahnsinnig Wilde, Roter Rautenköper!
Gruß an alle die da waren!!!
Sylvia
Projekte zu lebendigen Geschichte e.V. (i.G.)