Ich kann das so einfach nicht stehen lassen, bevor ich ins Wochenende gleite, das regt mich zu sehr auf, sorry..
Hier also noch ein paar Details zum "Herzog" Jaxa und seinen Zwiebeltürmen aus dem Lexikon d. MA:
Jaxa v. Köpenick.
Albrecht d. Bär verlor nach 1150 die Brandenburg an J., einem Verwandten des letzten Hevellerfs.en Heinrich Pribislav. J. soll Herrscher in »Polonia« gewesen sein (MGH SS XXV, 483). Bei der Rückeroberung der Burg durch Albrecht 1157 wird J. in den Q. nicht mehr erwähnt. Er wird aber mit einem slav. Fs.en v. Köpenick identifiziert, der allein auf Münzen und dort knes ('Fürst') de Copnic gen. ist. Nach 1150 in Anlehnung an dt. Stücke geprägt, erweisen sie J. als Christen (Palmzweig, Doppelkreuz). Identifizierungen mit anderen Trägern des Namens J. sind problematisch.
E. Bohm
Was heißt "es gibt ca. 20 derartige Münzen, die sich auf Berlin beziehen". Berlin gab es damals ja wie gesagt noch nicht wirklich. Und der Mann hockte in Köpenick.
Und wieso bitte ist Jaxa jetzt bitte ein Herzog oder Waffenmeister unter Albrecht? Woraus leitest Du das ab??? Übrigens wäre ein Herzog mindestens ebenbürtig mit dem Markgrafen Albrecht (dem Bären). Waffenmeister (der Begriff sagt mir so nichts) wäre wohl ein anderes Kaliber.
Und wieso "unter" Albrecht? Albrecht der Bär hatte vom slawischen (christlichen) Fürsten Pribislaw sein Land inklusive der Feste Spandau geerbt. Doch Jaxa (übrigens immer als slawischer Fürst aufgeführt) machte ihm das Land streitig, es dauerte Jahre, bis Albrecht sich durchsetzen konnte.
Aber vielleicht stimmen auch alle meine entsprechenden Bücher zum Thema nicht. Ich bitte jedenfalls um Beantwortung meiner Fragen, bzw. um Bekräftigung anhand von Quellen zur Bestätigung dieser Thesen. Denn solange wirft das bestimmt kein anderes Licht auf diesen Teil der Geschichte.
ich weiß nicht, ob es wirklich im Forum allgemein erwünscht ist, diese Diskussion fortzusetzen. Ich habe inzwischen mehrfach gegenteilige Meinungen gelesen.
Aber unter anderem auch Dank der Unterstützung aus der Mark Brandenburg hoffe ich, daß vielleicht für an der slawischen Geschichte Ostdeutschlands und Ostmitteleuropas Interessierten noch der eine oder andere (Literatur)-Hinweis abfällt.
> zuerst: Die Sorben sind keine Slawen sondern
> bestenfalls "Sclaveni".
Und nach weitestgehend einhelliger Ansicht - sieht man von Ihnen und den genannten Herren aus dem äußersten rechten Lager ab - sind die in den Quellen "Sclaveni" genannten Menschen Slawen. Aber gut, bleiben Sie einfach bei "Sclaveni" - solange Sie nicht immer von Germanen schreiben. Sie erlauben aber doch bitte, daß ich mir wie auch hoch- und spätmittelalterliche Autoren das "c" erspare. Die Bezeichnung Slawen ist wie gezeigt eben doch seit dem Mittelalter belegt.
> Die Wilzen (kommen schon in der nordischen
> Thidreksaga vor) und Obotriten sind andere
> Stämme
Ich habe nie behauptet, daß Obodriten und Wilzen Sorben sein. Es war m.E. auch nicht besonders mißverständlich ausgedrückt.
Einige neuere Aufsätze von Archäologen und Historikern zu den Obodriten sind hier genannt: 72.rapidforum.com/topic=108383006764
Leider in der Jenaer Bibliothek noch nicht vorhanden.
Titel: Das Königsgrab bei Seddin in der Westprignitz : Katalog zur Ausstellung in der Kirche zu Seddin anläßlich der 100. Wiederkehr der Entdeckung der Grabkammer des Bronzezeitlichen Hügelgrabes im Jahre 1899 / hrsg. vom Landkreis Prignitz. Torsten Foelsch
Sonst. Personen: Foelsch, Torsten
Körperschaft: Ausstellung anläßlich der 100. Wiederkehr der Entdeckung der Grabkammer des Bronzezeitlichen Hügelgrabes im Jahre 1899 <Seddin, Wolfshagen>
Prignitz
Kongress: Ausstellung anläßlich der 100. Wiederkehr der Entdeckung der Grabkammer des Bronzezeitlichen Hügelgrabes im Jahre 1899 ; (Seddin) : 1999.
Ausgabe: 1. Aufl., für den Druck neu bearb.
Erschienen: Perleberg : Landkreis Prignitz, 2002
Umfang: 85 S. : Ill., Kt. ; 21 cm
dito
Titel: Das Königsgrab von Seddin und andere Sagen der Westprignitz / ges. und bearb. von Günther Seier. - 1. Aufl. - Wittstock : Dochow, 1999
ISBN: 3-9804795-4-4
> Die Sage bewahrte nicht nur die Geschichte des
> dreifachen Sarges, sondern auch die Erinnerung
> an den Schatz und nennt den König "Hinz".
> Kein "slawischer" Name, und von dem Schatz
> (Grabbeigaben) hätte wohl keiner fremden
> Einwanderern erzählt.
Die Sage erfand den dreifachen Sarg und sie erfand den Namen "Hinz". Der Bruder des Königs hieß vermutlich "Kunz". Das in ur- und frühgeschichtlichen ("alten", "heidnischen")Gräbern Beigaben zu finden sind, wußte so ziemlich jeder und überall. Entsprechend häufig wurden sie auch gezielt oder zufällig "geknackt".
> Die Darstellung des Ordericus und anderer ist
> eindeutig, und es gibt keinen Grund, warum
> dieser ausgerechnet nordische Götternamen
> erfunden haben sollte. Eher hätte man
> lateinische erwartet.
Ich kenne nur einen Gott, den mittelalterliche Chronisten und Christen überhaupt verehr(t)en.
Sie erfinden also keine nordischen Götternamen, sondern nehmen die, die auch der eigenen Überlieferung [sie sitzen nicht in Rom und oft nicht mal in den ehemaligen römischen Provinzen!] und der vielleicht etwas besser bekannten skandinavischen Religion bekannt sind.
> Buchstabenverstellung hat statt älterem Albe - > die Elbe; sie ist nach dem Elb-Sandsteingebirge > benannt, dieses wiederum - wie die Alpen,
> entweder nach den weißen Gipfeln, oder den
> Naturgeistern, den Alfen).
"Schneebedeckt sind die Berge, aber nur im weißen Winter" ;-)). Das gilt auch für die hohen Gipfel des Elb-Sandsteingebirges.
Die Elbe trägt tatsächlich einen alten, vorslawischen Namen. Nur was sagt uns das für die Slawen aus?
> Sclaveni-Servus. Für die Frage, ob die "Slawen"
> in Wahrheit Ostgermanen sind, ist die Frage der
> Herkunft des gr. Wortes sclaveni nicht
> entscheidend.
Doch, ist es. Weil es Ihnen als Beleg dienen soll, daß mit dem Wort "sclaveni" kein unbekanntes Volk bezeichnet wurde, sondern angeblich lediglich versklavte Ostgermanen. Es ist eines der eingangs genannten Angelpunkte dieser absurden Theorie - und nun auf einmal nicht mehr entscheidend.
> Vielleicht gab es es schon vor dem 6. Jh. (ich
> kann nicht sämtliche griechischen Quellen nun
> im Original durchsehen), vielleicht ist es aus
> dem Hebräischen übernommen worden (wie frühere
Machen wir hier Wissenschaft oder Ringelpietz mit Anfassen? Sie sind in der Bringeschuld, denn wenn sie Behauptungen aufstellen, sollte man sich zuvor um Belege kümmern. Außerdem gibt es etymologische Wörterbücher, wissenschaftliche Arbeiten zur Sklaverei, in denen auch Quellen genannt und aufbereitet werden usw. Viel Spaß!
> vielleicht hat Schröcke recht, daß es vom
> germanischen Stamm der Slovenen abgeleitet
> worden ist.
Gerade die Slovenen sind ein hervorragendes Beispiel, daß es sich um Slawen handelt. Dazu später noch mal.
> Schröcke zitiert einige Quellen und darunter
> kommt selten auch die Form ohne c vor.
Wenn ich die Augen zu mache und die Hände vor das Gesicht halte, sehe ich auch recht wenig. Also nicht Schröcke lesen, der ja mit der Behauptung was belegen will und somit kaum schreiben wird, was seiner Theorie entgegensteht - deshalb Para- oder Pseudowissenschaft - sondern mal ran an die Überlieferung.
> Dazu empfehle ich das Mitteilungsblatt für Vor-
> und Frühgeschichte, das dieser Frage einen
> längeren Artikel gewidmet hat (diese Thematik
Geht das ein wenig genauer? Welcher Jahrgang, wie heißt die Zeitschrift genau, wer ist der Verfasser?
Oder reden wir hier von der unsäglichen Fortführung der "Zeitschrift: Mannus : deutsche Zeitschrift für Vorgeschichte"? Wenn ja, kenne ich hierfür nur eine Verwendung und die hat mit kleinen, meist weißen oder blauen Räumen und hinten rum zu tun.
> Aber die alten Quellen und die übergroße
> Mehrheit hat das "c", und das ist Tatsache.
Ich erinnere an Ihre eigene Bemerkung zum Ausfall des "c".
> In einer Quelle wird gesagt, die Varäger in
> Nowgorod hatten ein großes Götterbild und
> nannten es Thor. In einer andern Quelle (Nestor-> Chronik glaube ich) wird genau dieser Gott dort
> Perun genannt.
Nicht glauben, sondern wissen! Wer schreibt wann was in welchem Kontext? Wer ist der Verfasser, welchen Hintergrund und welche Intention hat er?
> Und die Lappen verehren den Gott unter dem
> Namen Horagalles (entstanden durch
> Verschleifung aus Thorr-Karl - siehe J. d.
> Vries).
Jan de Vries lebte von 1890-1964. Gibt es da eventuell neuere Arbeiten aus den letzten 40 Jahren?
> So wie Radegast ein Odinbeiname ist (und der
> Tempel in Groß Raden ein Odinstempel war).
Deshalb heißt eine berühmte tschechische Brauerei auch mit zweitem Namen "Odin"? ;-)) Quellen?Belege? Literaturhinweise? Ich kann genauso einfach behaupten, daß mein zweiter Vorname Odin ist und mein dritter Quetzalcoatl.
> Eine Gottheit namens "Triglav" wurde hier
> niemals verehrt! Es ist lediglich ein vom
> Griechischen abgeleiteter Name für eine
> Gottheit, deren Zeichen eine Dreiheit war.
Lesen Sie eigentlich auch, was man Ihnen schreibt? Zur Nichtverehrung des Triglavs habe ich bereits Stellung genommen. Aber gern noch mal die Frage, was Otto von Bamberg 1124 in Stettin machte? Und was ist mit Brandenburg? Nirgendwo wird auch nur am Rande zufällig und ausversehen ein angebliches "Frigg-Heiligtum" genannt.
Sie brauchen sich nicht immer zu wiederholen, denn haltlose Behauptungen werden dadurch nicht richtiger.
> Man hat auch den Ort Drüggelte im Sauerland auf
> den Namen Triglav bezogen. Aber da saßen nie
> Slawen ...
Wer, wann und weshalb? Und spielt diese Bemerkung hierfür überhaupt irgendeine Rolle?
> Das Holzidol von Wolin hat vier Gesichter.
> Es wird daher als Svantevit gedeutet.
Stimmt, da hatte sich Slupecki geirrt. Im Katalog ist er dann auch als viergesichtig beschrieben.
Aber was machen wir mit der Beschreibung, daß Bischof Otto von Bamberg dem Papst Calixt II. 1124
als Beweis für den Erfolg der christlichen Slawen-Mission die in Stettin von der Statue des Triglav abgeschlagenen drei Köpfe des Gottes gesandt hatte? Hat er die vorher etwa schnell noch selbst geschnitzt?
> Und bei Helmold wird Svantevit als
> mißverstandener Name von Sanctus Vitus (St.
> Veit) erklärt.
siehe oben.
> Also haben wir von Svantevit nur die Erwähnung > bei Saxo, dann die von Saxo abhängige
> fabulierfreudige Knytlinga saga und Helmolds
> Wendenchronik, dessen Originalhandschriften
> nicht erhalten sind.
Das ist bei dem wenigen, was wir überhaupt zu slawischer Religion wissen, nun auch nicht gerade wenig. Wie schaffen Sie es, die Belege auch noch wegzudiskutieren? Ich bin gespannt.
> Übrigens war es diese Jugoslavin, die im
> Austausch des Goethe-Instituts bei uns lebte,
> der ich zuerst die Theorie, daß es keine Slaven
> gibt, mitgeteilt hatte. Sie war deswegen gar
> nicht erstaunt. Ihre Antwort: Ja, wir haben in
> der Schule gelernt, daß wir von den Goten
> abstammen.
Und was beweist uns das? Doch nur, daß Geschichtsbilder sich ändern und Geschichte nach gusto zur "Nationenbildung" herangezogen wurde. Da hab es Zeiten, in den alle Deutschen ausschließlich von Germanen abstammen mußten - leider noch heute weit verbreiteter Unglaube, der mit auch in eben solchen Ansichten weiterlebt, wenn die slawische Geschichte großer Teile Deutschlands einfach mal nachträglich "germanisiert" werden soll.
Die Rumänen bezogen sich, als sich das Verhältnis zu Moskau abkühlte, immer stärker auf die Daker und negierten die slawische Geschichte, die Albaner hielten sich an die "Illyrer" usw.
Und wenn ich heute irgendwelchen Kindern erzählen würde, daß wir von kleinen grünen Männchen vom Mars abstammen, ist das dann in 30 Jahren, wenn die erwachsen sind, auf einmal gesicherte Erkenntnis?
Sie haben sich verrannt, Herr von Nemenyi! Ich weiß nicht, ob die weitere Diskussion noch fruchtbar ist. Wahrscheinlich war sie es noch nie.
habe mir mal die Mühe gemacht, die Münze zu suchen. Es gibt ca. 20 derartige Münzen, die sich auf Berlin beziehen. Ich habe jetzt eine gefunden, die Prof. Adriaan von Müller in seinem Buch "Berlins Urgeschichte" Berlin 1977, auf Seite 115 (Abb. 41) abbildet. Auf der aus dem 12. Jh. stammenden Münze ist Jaczo von Köpenick mit Helm und Schwert dargestellt, rechts und links von ihm je ein Burgturm mit Zinnen, hinter bzw. über ihm ein byzantinischer Zwiebelturm. Es gibt aber noch mehr derartige Münzen bzw. Siegel, die ich jetzt gerade nicht finde.
Interessant ist die Darstellung mit Schwert und Helm, nicht mit Krone und Zepter. Jaczo war also kein Fürst oder König, sondern Herzog bzw. Waffenmeister (wahrscheinlich unter Albrecht). Auch das wirft ein anderes Licht auf diesen Teil der Geschichte (ist aber für die Slawenfrage ohne Belang).
Danke Ulli, den Murks hatte ich einfach überlesen. Ergänzend sei noch darauf hinzuweisen, dass der gute Jaxa (Jocza) zur Zeit der Gründung Berlins höchst wahrscheinlich schon nicht mehr lebte. Außerdem residierte der in Köpenick. Und Köpenick wurde bereits schon um 1178 von den Wettinern eingenommen. Und dass mir jetzt bitte keiner mit dem Märchen von Berlin als altem slawischen Fischerdorf kommt, sonst werf ich mit entsprechender Fachliteratur nur so um mich.
Joachim mitten aus der Mittelmark
PS
Hier die "Zwiebeltürme", der Gonzo soll der askanische Adler sein und keine slawisch-germanische Friedenstaube. Jeder Vergleich des Tieres mit unserem Gruppenlogo wäre rein beabsichtigt.
Zitat:
"die Gründungssiegel Berlins die Jazo von Köpenick vor byzantinischen Zwiebeltürmen zeigen"
Zitat Ende.
Gründungsdokumente Berlins sind meines Wissens nicht erhalten und damit auch keine Gründungssiegel. Berlin wird erstmals 1244 in einer Urkunde erwähnt, das älteste bekannte Siegel der Stadt Berlin stammt aus 1253 und zeigt einen Adler sowie eine dreitürmige Burg, allerdings nicht mit Zwiebeltürmen. Im Übrigen ist Berlin eine Gründung der Askanischen Markgrafen, die Jaxa de Copnic aus dem Berliner Raum vertrieben haben. Warum sollten sie Jaxa (Jazo) in Ihrem Siegel führen ?
Die oben zitierte Aussage ist mithin erläuterungsbedürftig .
Gruß, Ulli
zuerst: Die Sorben sind keine Slawen sondern bestenfalls "Sclaveni". Soviel Zeit muß sein, bei den Originaltexten zu bleiben. Die Wilzen (kommen schon in der nordischen Thidreksaga vor) und Obotriten sind andere Stämme (die Deutung Obodriten = Abgetretene stammt übrigens nicht von mir, sondern von Wilhelm Handke). 50 Burgen sind nicht viel; J. Herrmann hat allein in meiner Region (Hoher Fläming) 40 Burgwälle gefunden, und der Hohe Fläming ist ein recht kleines Gebiet. Dazu kommt, daß Stämme auch wachsen können und der Stammesname so von immer mehr Trägern geführt wird. Wenn dann noch Wanderungen hinzukommen, wird der Name weitergetragen. Das ist nichts ungewöhnliches. Für die Thematik, daß es gar keine Slawen gibt, spielt die Frage der Sorben aber gar keine Rolle, denn es handelt sich um einen germanischen Stamm. Der Name wurde auch anders gedeutet. Ähnlich ist es mit den andern sog. Stammesnamen.
Die Ostkirche hat hier bei uns sehr wohl missioniert. Das erwähnt Helmold (indem er den Svantevit aus einem St. Vei-Kult erklärt), das belegen die Gründungssiegel Berlins die Jazo von Köpenick vor byzantinischen Zwiebeltürmen zeigen, das belegen aber auch der bezeugte steinerne und östlich ausgerichtete "Tempel der Morgenröte" in Jüterbog, der tatsächlich eine byzantinische Kirche war. Natürlich waren das nicht Cyril und Metod, die bekanntlich u. a. in Böhmen (Czechei) missionierten.
Die Ostkirche verwendete ihr Griechisch, das sich im Laufe der Jahre weiterentwickelte (wie etwa das heutige Französisch zum Latein). Deswegen kann man in der später "slawischen" Sprache alte Bestandteile finden, die über das Griechische kamen, andere Wörter wurden von den Ostgermanen (den sog. "Slawen") übernommen bzw. beibehalten.
Die Czechei hat ihren Namen übrigens von einem Unterstamm der Hunnen, den Cichen.
Was soll der Link zur Domowina? Ich bestreite nicht die Existenz irgendwelcher Bräuche der Lausitz (und da ich per Modem an Netz gehe und off-line schreibe, nützen mir die Links nicht viel). Aber weder die Osterreiter, noch das kunstvolle Bemalen von Ostereiern oder dergleichen sind "typisch sorbisch", sie finden oder fanden sich auch bei den andern Stämmen.
Zu Seddin: Falsch geraten. Die Sage erwähnt ja den dreifachen Sarg, den man dann in den 30er Jahren tatsächlich fand. Der ist nun einmal einmalig und in andern Hügelgräbern nicht zu finden. Ich hatte das Grab besucht, der Hügel ist flach und nicht hoch, also verglichen mit anderen Hügelgräbern nichts Besonderes. Die Sage bewahrte nicht nur die Geschichte des dreifachen Sarges, sondern auch die Erinnerung an den Schatz und nennt den König "Hinz". Kein "slawischer" Name, und von dem Schatz (Grabbeigaben) hätte wohl keiner fremden Einwanderern erzählt.
Die Darstellung des Ordericus und anderer ist eindeutig, und es gibt keinen Grund, warum dieser ausgerechnet nordische Götternamen erfunden haben sollte. Eher hätte man lateinische erwartet. Helmold macht das übrigens auch, er erwähnt die Göttin Siwa (Siva), die nordische Sif bei den Polaben (paa Labe = an der Elbe, wobei paa schwedisch ist, Labe aber schon eine jüngere Buchstabenverstellung hat statt älterem Albe - die Elbe; sie ist nach dem Elb-Sandsteingebirge benannt, dieses wiederum - wie die Alpen, entweder nach den weißen Gipfeln, oder den Naturgeistern, den Alfen).
Sclaveni-Servus. Für die Frage, ob die "Slawen" in Wahrheit Ostgermanen sind, ist die Frage der Herkunft des gr. Wortes sclaveni nicht entscheidend. Vielleicht gab es es schon vor dem 6. Jh. (ich kann nicht sämtliche griechischen Quellen nun im Original durchsehen), vielleicht ist es aus dem Hebräischen übernommen worden (wie frühere Forscher meinten), vielleicht hat Schröcke recht, daß es vom germanischen Stamm der Slovenen abgeleitet worden ist.
Schröcke zitiert einige Quellen und darunter kommt selten auch die Form ohne c vor. Ich wußte das nur von der Helmoldchronik, die nur in jüngeren Abschriften erhalten ist, von der eine Fassung das c nicht hat (weil plattdeutsch). Dazu empfehle ich das Mitteilungsblatt für Vor- und Frühgeschichte, das dieser Frage einen längeren Artikel gewidmet hat (diese Thematik ist da schon vor Jahren diskutiert worden). Aber die alten Quellen und die übergroße Mehrheit hat das "c", und das ist Tatsache.
In einer Quelle wird gesagt, die Varäger in Nowgorod hatten ein großes Götterbild und nannten es Thor. In einer andern Quelle (Nestor-Chronik glaube ich) wird genau dieser Gott dort Perun genannt. Und die Lappen verehren den Gott unter dem Namen Horagalles (entstanden durch Verschleifung aus Thorr-Karl - siehe J. d. Vries). Perkunas ("Eichengottheit") ist sprachlich identisch mit dem römischn Hercules, dem griechischen Herakles und dem germanischen Fiörgyn. Es ist aber ein Beiname des Thorr, der offenbar neben dem Hauptnamen auch von den Varägern verwendet wurde. So wie Radegast ein Odinbeiname ist (und der Tempel in Groß Raden ein Odinstempel war).
Eine Gottheit namens "Triglav" wurde hier niemals verehrt! Es ist lediglich ein vom Griechischen abgeleiteter Name für eine Gottheit, deren Zeichen eine Dreiheit war. Auf Deutsch: Die Mönche/Chronisten der Ostkirche haben auch Namen der griechischen Mythologie verwendet, um germanische heidnische Gottheiten zu bezeichnen. Triglav wurde von der älteren Foschung als weibliche Gottheit angesehen und wird erst heute meist männlich betrachtet (was dann wieder nicht mit dem Svantevit-Kult zusammenpassen will). Da Tricephalos ein Name der Hecate ist (mit der exakt gleichen Bedeutung, wie das angeblich "slavische" Triglav), ist die Theorie, daß Triglav eine Göttin bezeichnet, glaubwürdiger, zumal an den sog. Triglavheiligtümern gerade Marienkirchen errichtet wurden. In Stettin war der Nußbaum Triglav geweiht, da aber die Haselnuß der Frigg geweiht ist, liegt es nahe, hinter Triglav einen Namen für die Göttin Frigg zu sehen. Auch das schwarze (Erdfarbe) Pferd dortselbst ist dafür ein Indiz. Otto von Bamberg hatte also ein Frigg-Heiligtum zerstört. Der Berg Triglaf in Slovenien ist leiglich nach seinen drei Gipfeln benannt und hat nichts mit der Gottheit zu tun. Und das Gut Thadden-Trieglaff auf Rügen ist ganz jung benannt. Man hat auch den Ort Drüggelte im Sauerland auf den Namen Triglav bezogen. Aber da saßen nie Slawen ...
Das Holzidol von Wolin hat vier Gesichter. Es wird daher als Svantevit gedeutet. Über Svantevit schreibt Zdenek Vana: >Es scheint jedoch, daß der Kult Svantovits erst in der ersten Hälfte des 12. Jh. aufblühte ... Im 11. Jh. war er noch unbekannt, es kannten ihn weder Thietmar von Merseburg noch Adam von Bremen ... Helmold projiziert den Svantovit-Kult bis in das 9. Jh. zurück<
Und bei Helmold wird Svantevit als mißverstandener Name von Sanctus Vitus (St. Veit) erklärt. Also haben wir von Svantevit nur die Erwähnung bei Saxo, dann die von Saxo abhängige fabulierfreudige Knytlinga saga und Helmolds Wendenchronik, dessen Originalhandschriften nicht erhalten sind.
Zur Rügener Figur mit den vier Gesichtern schreibt Vana: >Neuere Ausgrabungen in Wolin, der slawischen Hafenstadt in der Odermündung, haben den Fund einer kleinen Holzfigur mit vier Gesichtern erbracht, die für Svantovit gehalten wird. Doch in dem Gebiet, wo der summur deus Triglav herrschte, gibt es ansonsten keine Hinweise auf den Svantovit-Kult. Mit Blick auf die geringe Größe der Figur und ihre phallische Form handelt sich wohl eher um ein Amulett, das seinen Besitzer auf magische Weise Geschlechtskraft und Fruchtbarkeit sichern sollteIch bin sehr gut mit TschechInnen, PolInnen, SlowakInnen und anderen SlawInnen befreundet, auch ohne sie vorher zu Germanen machen zu müssen.<
Ich bin auch gut mit Czechen, Polen und einer Jugoslavin befreundet, ohne sie zuvor zu Fremden machen zu müssen. Meine eigene Sippe kommt aus dem Gebiet der Böhmisch-Mährischen Höhe. Übrigens war es diese Jugoslavin, die im Austausch des Goethe-Instituts bei uns lebte, der ich zuerst die Theorie, daß es keine Slaven gibt, mitgeteilt hatte. Sie war deswegen gar nicht erstaunt. Ihre Antwort: Ja, wir haben in der Schule gelernt, daß wir von den Goten abstammen.