Noch ein Hinweis auf die damalige (für uns heute ungewohnte) Sprechweise ist der seltsame Satzbau.
Manchmal ganz kurz, z.B.:"Wes, man gestu? Zu neridestu?" (Warum, Mann, gehst du? Warum reitest du nicht?) oder sehr lange, verschachtelte Sätze z.B. bei Luther: "Des andern Tages, viel Volks, das auf das Fest gekommen war, da es hörete, dass Jesus kommt gen Jerusalem, nahmen sie Palmzweige und gingen hin ihm entgegen, und schrieen: Hosianna, gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, ein König von Israel!"
Einiges von dem, was heute als "Marktsprech" verpöhnt wird, findet sich ("harmloser") ähnlich bei Luther wieder.
Gruß, Ingo
Naja, und was nun die Sprache angeht. Da gab es sicher (wie heute in Deutschland auch) regionale Dialekte.
Ein nettes Beispiel ist folgendes:
`s wird Winter
Nu wird`s im viere finster schun, nee satt oack naus, wie`s schneit.
Dr Nikolaus woar o schun do, Weihnacht ist nemmich weit.
Und wenn`s nu draußen wattern tutt und friert, doaß Gutt drboarm,
do kimmt dr Winter oagedruckt, di hilft kee Flenn und Boarm.
Nu mach mr`ch a de Stube nei. Loaßt oack kee Ritzel uff!
Dr Winter molt uns a de Scheibn de schinnsten Blümel druff.
Und wenn`s nu draußen wattern tutt und friert, doaß Gutt drboarm,
an Häusel hoan mr keene Nut, do isses schiene woarm.
Nee reßt oack ne de Fanster uff, `s is schade im de Luft!
De Stube is vull Toawacksqualm, dr Ufen knackt und pufft.
Und wenn`s nu draußen wattern tutt und friert, doaß Gutt drboarm,
do mach mr`ch uf de Ufenbank, do sitz mr schiene woarm!
Nu rucken bal de Nubberschleut`zun Faderschleißen oa.
Do wird gesung, gejuxt, gelacht, `s kimmt jeder amoal droa!
Und wenn`s nu draußen wattern tutt und friert, doaß Gutt drboarm,
a Faderbette, wenn de hust, do steckste schiene woarm!
De Rusen sein gutt zugedackt, und`s Feuerhulz stieht do,
de Abern lang`n bis neue warn, und Futter hoan mr o.
De Kuhe leit an warm`n Stoall, ich hier se groade brumm,
und morne wird de Sau geschlacht`t: Nu kann dr Winter kumm.
Oh, das sieht mir wieder ganz stark nach einer pauschalen "finstren Mittelalterdarstellung" aus.
Zumindestens ab dem 13. Jahrhundert gab es die sogenannten Elementarschulen in den Städten (zwar konnten damit immer noch nicht "alle" Menschen im MA Lesen und Schreiben aber es wurde zumindestens schon einer größeren Menschengruppe als noch vor 1000 Jahren angeboten als es nur die Latein-Schulen gab). In diesen städtischen Schulen wurde
neben Latein und deutscher, niederdeutscher Sprache auch Schreiben und Rechnen gelehrt.
Gruß, Ingo
schreib Latein, da machst Du nix verkehrt. Beispiele für lateinisch abgefasste Briefe lassen sich immer wieder finden. Könige, Päpste, Gelehrte, Mönche... das einfache Volk konnte meistens gar nicht lesen oder schreiben.
Allgemein war Latein die Sprache der Gelehrten, macht ja auch Sinn, eine Sprache zu verwenden von der man annehmen kann, dass sie der Adressat zumindest grob lesen kann.
Belege für Latein gibt´s ne ganze Menge.
Bei den Ritterorden fällt mir alternativ höchstens noch französisch ein.
Tu Dir selbst einen Gefallen und halte "edler Rittersmann mit gar wonniglich tapferem Mute" nicht für eine irgendwie mittelalterlich geartetet Ausdrucksweise... ;o))))
ich habe vor kurzen einen Briefwechsel angefangen in dem wir uns in "mittelalterlich" schreiben wollen. Nun haben wir festgestellt, das wir nicht viel mehr als Fernseh-mittelalterlich können.
Ich würde gerne wissen, wie damals ein Briefwechsel aussah und wie die Leute gesprochen haben. Und wie/wo man das lernen kann.
Yasmin