Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Sterblichkeit, Geburten, Lebenserwartung

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Eintrag #7 vom 18. Jun. 2004 11:02 UhrWolf Zerkowski Profil

nach oben / Zur ÜbersichtMenotoxin

Moin Karen,
ja es gab solche "Gifttheorien" im Mittelalter.
Zum Beispiel Paracelsus (1493-1541) äusserte sich zur Menstruation und beschrieb ein sogenanntes Menstruationsgift namens «Menotoxin», dessen Nichtexistenz erst 1950 bewiesen wurde.
Mit der Vorstellung von «Menotoxin» verbanden sich viele Aberglauben und Vorurteile. So war man der Annahme, dass eine menstruierende Frau Pflanzen und Blumen verwelken lassen könne, Jagdtiere vertreibe, Nahrungsmittel und Ernte vernichte, Hagel und Gewitter verursache und Wein und Bier sauer mache.
Noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts beurlaubte man sogar menstruierende Frauen, die in Weinkellereien und Bierbrauereien arbeiteten während ihrer Menstruation.
Gruß Wolf
Ex-Bauer
www.gewandungen.de

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Eintrag #6 vom 18. Jun. 2004 05:45 UhrC M Email

nach oben / Zur ÜbersichtUnterbekleidung der Frauen ???

Hi Ivain,

da Ulrich das schon gesagt hat, kann ich es mir sparen, ich wollte nicht ausdrücken, dass die Lebenserwartung ansich so sehr viel geringer war, die Wahrscheinlichkeit als Frau jedoch ein hohes Alter zu erreichen, war durch eben frühe Schwangerschaften und die Gefahr an Kindbettfieber zu sterben verringert (Männer hatten mit Kriegen und anderem zu kämpfen, ist mir klar). Ausserdem ist durch frühere und häufigere Schwangerschaften auch mit früherer Menopause zu rechnen, was ebenfalls die Zeitspanne in der mit Blutungen gerechnet werden muss, herabsetzt.

Und klar, danke für den Hinweis, an körperliche Arbeit und schlechtere Nahrungsversorgung hatte ich gar nicht mehr gedacht.

Worauf ich eigentlich hinaus wollte, die Notwendigkeit für Unterwäsche, die wir heute mit unseren "modernen" Ansprüchen haben, war vermutlich einfach nicht gegeben. Weder Sitte und Anstand noch körperliche Gegebenheiten haben Unterwäsche bei Frauen notwendig gemacht.

Cheers,
Caithlinn

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Eintrag #5 vom 17. Jun. 2004 15:08 UhrKaren Thöle Profil

nach oben / Zur Übersicht"Gewisse Tage" und das 19. Jahrhundert

Ich habe letztens in einem Buch über die Geschichte der Hygiene gelesen, daß im 19. Jahrhundert zunächst die Vorstellung vorherrschte, daß die Menstruation der Frau dazu diente, giftige und gefährliche Stoffe auszuscheiden. Dementsprechend galt gerade an diesen Tagen der Grundsatz, daß das Abfließen so wenig wie möglich behindert werden sollte. Als dann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Damenbinde und entsprechende Befestigungsmethoden erfunden und propagiert wurden, hatten die Erfinder es ziemlich schwer, die Frauen und auch die Ärzte vom Sinn dieser Erfindung zu überzeugen.

Für mich hörte sich die Argumentation mit den "giftigen Säften" verdächtig nach der mittelalterlichen Säftelehre an. Kennt sich jemand mit mittelalterlicher Medizin genug aus, um zu sagen, ob es ein ähnliches Argument auch dort gibt?

Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #4 vom 17. Jun. 2004 12:24 UhrUlrich Busse Profil

nach oben / Zur ÜbersichtLebenserwartung

Die scheinbar niedrige statistische Lebenserwartung wurde durch die relativ hohe Kindersterblichkeit geprägt. Wer diese "Risikophase" überstand (und als Frau auch das Risiko des Kindbetttodes), hatte gute Chancen über 50 zu werden.

Das nur zum Wert von Statistiken ...
Grüße, Ulli

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Eintrag #3 vom 17. Jun. 2004 11:48 UhrAlexander Klenner Profil

nach oben / Zur ÜbersichtNur am Rande....

Cornelia schreibt:
"Ausserdem darf man meiner Meinung nach bei der Diskussion um "Notwendigkeit" der Unterwäsche bei Frauen an bestimmten Tagen auch nicht vergessen, dass a) die Lebenserwartung geringer war, sprich weniger Zeit im "gebärfähigen" Alter verbracht wurde, b) früher geheiratet wurde und Kinder bekommen wurden, c) Stillen und erneute Schwangerschaft die Regel auch verhindern und d) Sterblichkeit im Kindbett ebenfalls recht hoch war, also wie viele Frauen überhaupt eine lange Zykluszeit hatten ist fraglich. Für die paar Male, die es denn dann wirklich nötig war, hat man sich sicherlich irgendwie beholfen."

a) Würde ich als Argument rundherum ablehnen. Ad eins war die damalige Lebenserwartung nicht wirklich so gering, wie man gerne durch verzerrende Statistiken annimmt, und zum zweiten heißt eine verringerte Lebenserwartung ja nicht, daß die gesamte körperliche Entwicklung und das Altern schneller verläuft.

b) und c) sehe ich ebenfalls kritisch, ja, die Frauen waren damals häufiger schwanger als heute, aber doch auch nicht immer.

zu d) Nunja, ob sie nun im Kindbett, am plötzlichen Kindstod oder Ertrinken im Fluß stirbt ist für das Thema mal egal, wer gestorben ist, muß sich um Klamotten jeder Art keine Gedanken mehr machen.

Jedenfalls würde ich die Lebenserwartung der Menschen allgemein nicht unterschätzen. (Zitat einer Archäologin aus einem Filmbeitrag des Frankfurter Museums, leider ohne Titel: "Man darf davon ausgehen, daß zu einer beliebigen Zeitpunkt der Frühgeschichte 20% der Bevölkerung über 60 Jahre alt waren")

Weiter zu anfang wurde mal erwähnt, daß harte körperliche Arbeit und nicht allzugute Versorgung die Blutungen herabsetzen. Das erscheint mir dann eher schlüssig.

Ansonsten würde ich in den Fäöllen, wo man es nicht genau weiß, die nächstliegende Lösung aus vergleichbaren Bereichen nehmen.
Was Jahrhunderte als Windel funktionierte, nämlich ein einfaches entsprechend geknotetes Tuch, das würde ich auch hier mangels Belegen als am wahrscheinlichsten annehmen.
Gruß, Ivain

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Eintrag #2 vom 17. Jun. 2004 07:03 UhrC M Email

nach oben / Zur ÜbersichtUnterbekleidung der Frauen ???

Gekürzt aufs für diesne Thread wesentliche. (Ivain)

[...]
Ausserdem darf man meiner Meinung nach bei der Diskussion um "Notwendigkeit" der Unterwäsche bei Frauen an bestimmten Tagen auch nicht vergessen, dass a) die Lebenserwartung geringer war, sprich weniger Zeit im "gebärfähigen" Alter verbracht wurde, b) früher geheiratet wurde und Kinder bekommen wurden, c) Stillen und erneute Schwangerschaft die Regel auch verhindern und d) Sterblichkeit im Kindbett ebenfalls recht hoch war, also wie viele Frauen überhaupt eine lange Zykluszeit hatten ist fraglich. Für die paar Male, die es denn dann wirklich nötig war, hat man sich sicherlich irgendwie beholfen.

Aus dem 19ten Jahrhundert , gibt es z.B. gestrickte "Binden" in Norwegen (www.mum.org) Und es gibt ein französisches Gedicht, dass das "Stopfen mit Baumwolle" der betreffenden Region beschreibt (wenn auch in anderem Zusammenhang, (Garin "Le Chevalier Qui Fist Parler les Cons")

Wie auch immer, da es ausser diesen "fragwürdigen Beweisen" nichts konkret Erhaltenes gibt (es soll ja auch Moos als saugfähige Unterlage verwendet worden sein, das unter Garantie nicht bis heute überlebt hat......) tendiere ich zu der Schlussfolgerung: Frauen trugen generell keine Unterwäsche. Ich trage dementsprechend auch keine, wenn ich mittelalterliche Kleidung trage und kann mich einer Vorrednerin nur anschliessen: keine Probleme irgendwelcher Art.

Hope this helps,
Caithlinn

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Eintrag #1 vom 23. Jun. 2004 22:16 UhrAlexander Klenner Profil

nach oben / Zur ÜbersichtSammeln und verschieben.

Ich zieh mal aus dem Damenunterwäschethread rüber, was besser hier reinpaßt.
Gruß, Ivain

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