ßbersehen und “missachtet” wird man meiner Erfahrung nach viel eher im Tümpel lurexbortentragender, alberne Hütchen mit kunstseideschleier- spazierentragender, flachstahldengelnder, knallbunte Zelte - bewohnender “Darsteller”, wenn man ein ebensolcher ist. Seit wir nicht mehr auf “Märkte” kann ich wirklich nicht über mangelnden Zuspruch mangelnde Anerkennung oder ähnliches klagen. Mal ehrlich: die Frage ist einfach, auf wessen Urteil du Wert legst. Und ich geb viel lieber mit ner krappgefärbten Kotte ohne weitere Verziehrung an (auch wenn es durchaus Leute gibt, ob deren authentisch replizierter Pracht ich vor Neid grün werde *ggg*), als mit ner knallblauen, mit güldener Kunstseide gefütterten und schicker Pseudo-Borte. Und bei den Leuten, die mich diesbezüglich interessieren, kommt das auch viel besser an.
Vielleicht kann ich meine Meingung so vertreten, weil ich gegen Werbung relativ immun bin und ansonsten eigentlich fast zufriedener als man sich wünschen kann.
Nur trifft man bei Deinen Agumenten sehr leicht auf Probleme:
Lurexborten etc. und entsprechende Kostüme haben bei verschiedenen Veranstaltungen einfach nichts zu suchen. Wenn ich da einen Edel-Fummel tragen will wird das teuer.
Vielleicht zieht hier als Stichwort “Ich habe nicht das gleiche hobby wie einige andere Leute!”
Bernsteingondeln vor der Hütte ist die etwas verunglimpfende Ausdrucksweise für den Schmuck einer Wickinger-Frau im vorderen Oberkörperbereich… grins
Mein persönlicher Gedanke zu dem Thema ist der, das viele von uns in der Vergangenheit wohl schon Millionäre gewesen sein müssen, den rechnet man die Fehlkäufe mal so zusammen… auch ich kann mich da nicht ausnehmen. Doch sich einem Understatement anzuschliessen, wo nicht Quantität sondern Qualität eine Rolle spielt… man war es doch im Leben immer gewohnt den einfachen und bequemen Weg zu gehen.
Womit soll ich mich, ohne Prunk-Protz, denn dann von der breiten Masse abheben? Was kann mich für den Rest der Welt denn interessant machen, auch ohne 20cm-Goldlurexborte?
Ich habe meine Niesche gefunden, ich netze, und kann somit auf vieles verzichten. Gruppen die sich aber nur über ihre tolle Aus- und Einrichtung definieren können… Und was bucht der einfache Veranstalter? Die, die am lautestens Aussehen….
Wenn ich still in meiner Ecke sitze und diese Handarbeit vorführe bin ich lange nicht so interessant, wie die, die sich laut Aufbauen und in einer theatralen Darstellung ihrer selbst sich profilieren.
Und ehrlch, im realen Leben kämpfe ich schon reichlich gegen die täglichen Windmühlen meines Lebens und der örtlichen Bürokratie. Da soll ich nun auf der erträumten Ebene den gleichen Kampf entfachen? Wo doch die Realität so grau und trist ist? Wo lasse ich mein Herz, das sich nach Farbe und Harmonie sehnt? Das sich nach Ehre und Anerkennung verzehrt? Mit ein paar Talern kann ich mir die Farben holen, den Reichtum, der mir vom Leben bisher verweigert wurde. Die Anerkennung der Gesellschaft, auch wenn es da draußen für mich eigentlich keinen Platz mehr zu geben scheint.
Man sollte bei all den hitzigen Reden nie vergessen warum viele MA machen- aus der Sehnsucht eines kleinen Herzens, nach den Farben, Gerüchen und Gefühlen einer heilen Welt.
…uff, mir schwirrt der Kopf von den ganzen Beiträgen …
Aber trotzdem möchte ich als (noch) nicht “Darstellerin” und daher Nichtbetroffene mal moderierend eingreifen und auch einen Vorschlag machen.
Erst mal einige Schlüsse, die ich jetzt gezogen habe:
1. Ich persönlich sehe es vor dem historischen Hintergrund auch als Problem an, dass es auf Veranstaltung zu viele “Adlige” und zu viele “overdressedte” “einfache Leute” gibt. - Das scheint auch andere hier zu stören.
2. Ich kann jeden gut verstehen, der sich gerne schmückt und das “Maximale” aus seiner Darstellung herausholen will.
3. In meinen Augen ist eines der Grundprobleme, dass es viele kleine Grüppchen gibt, die mit 5, 6 Leuten ein “adliges Päärchen” mit “Gefolge darstellen.
4. Ein weiteres Problem könnte darin bestehen, dass diejenigen, die am meisten ”behangen“ sind, auch die meiste Aufmerksamkeit erregen. (Das Marketing-Argument und die Chance evt. für andere Veranstaltungen gebucht zu werden.)
5. Sylvia hat deutlich gemacht, dass zumindest sie verschiedene ”Ausstattungen“ in der Truhe hat und daher eine breite Spanne von Personen ”darstellen“ kann. Ich gehe mal davon aus, dass das auch auf viele andere aus der Szene zutrifft.
Jetzt mein Vorschlag:
- Getrennt marschieren - gemeinsam schlagen!
Will heißen:
Wenn alle bisher getrennt voneinander sich eine oder mehrere Ausrüstungen zugelegt haben und verschiedene ”Stände“ darstellen können - wieso nicht untereinander kooperieren und die Darstellung für die Veranstaltungen absprechen?
Wenn sich mehrere Gruppen abstimmen, kann jeder mal als ”Graf und Gräfin von und zu Protz“ und als Gesinde auftreten - man kann ja abwechseln.
Vorteile:
- jeder kann mal seine Pretentiosen ”zu Markte“ tragen
- in Kooperation mit anderen Gruppen werden die ”Auftritte“ realistischer (größeres Gefolge, mehr Gesinde = größere Annäherung an die mittelalterlichen Gesellschaftsverhältnisse)
- die Wahrnehmung der Gesamtgruppe bei Veranstaltern und Touries wird zunehmen (ein Gefolge von 30 oder 40 Leuten fällt wohl mehr auf als eins von 5 Leuten)
- der ”Druck“ auf Gromis und Leute ohne entsprechendes Gefolge wird größer - d. h. deren Bedeutung nimmt ab - ergo: das eigene Ego wird gestärkt :-))))) (nicht ganz so ernst nehmen ;-)))
Ich möchte Euch nicht vorschlagen einen einzigen großen Verein zu gründen, sondern dass jeder für sich seine Ausstattung nach eigenen Bedürfnissen (und Geldbeutel) gestaltet (also ”getrennt marschiert“) - bei Bedarf und nach Lust aber mit anderen kooperiert und dann auch mal ein Schmuckstück weniger trägt.
Eine Art lockerer ”Pool“ von Leuten, die sich auch in unterschiedlicher Zusammensetzung für die verschiedenen Veranstaltungen absprechen, wäre doch in Ordnung, oder??
Das könnte sogar soweit gehen, dass man gemeinsame Handzettel oder sonst was für’s Marketing erstellt: ”Darstellerpool - XY : Kooperierende Gruppen A, B, … G"
Ist nur mal so ein Vorschlag.
So jetzt halte ich mich wieder aus der Diskussion raus.
Das mit der arbeitstypischen Kleidung mach ich auch oft so- so lassen sich die Nähsünden der Vergangeheit beruhigt auftragen-…
Und wer wie ich ein “Ein-Frau-Lager” betreibt, der muss sich halt auch mal selbst Zofe und Magd sein.
Was zum Eintrag Nr.1 nur mal so zu bemerken bleibt… wie gesagt, es geht hier vielen auch um die Profilierung… ´natürlich nie bei mir!!!´ …ömpf
Wenn die Nachbarin sich die dritte Bernsteingondel vor die Hütte hängen kann… dann kann ich das schon lange!
Und wenn ich als Netzerin plötzlich ein perlenbesticktes Schapel bei der Arbeit trage…
Vorleben heisst die Devise. Punkt.
Jeder macht das Hobby sicherlich nur für sich, aber warum kaufen sich dann erwachsene Männer immer neue Schwerter und prahlen damit vor der gesamten anwesenden Ritterschaft?
Ich habe mir vorgenommen mich nach dem Erlebten und den von Euch vorgetragenen Gründen, als meine eigene Hoffrau zu bekleiden. So kann ich die schönen Kleider ruhig noch mal mit einpacken und kann mich in meinen neuen, einfacheren Kleidern präsentieren. So werde ich weiterhin von den Tagesgästen um meine schönen Kleider beneidet und kann auch den Reenactern ein bisschen gerader in die Augen schauen. Denn, so doof wie das auch ist, die Reflektion der anderen ist mir persönlich wichtig.
Also, wenn ich was gelernt habe in meiner bisherigen Zeit in diesem Hobby, dann eines:
Deine Herangehensweise ist so bestechend logisch und pragmatisch, sie fußt auf einem Gedankengang, den alle Menschen in allen Zeiten sehr wohl hätten nachvollziehen können, sie ist von geradezu erschreckender Einfachheit und Nachvollziehbarkeit - sie kann einfach nicht “A” sein ;-)
(Sorry, Leute, ich konnt’s mir mal wieder nicht verkneifen…)
Ich bin Techn./kaufm. Angestellte und ich bin weiblich und komme langsam in das sog. “beste Alter”. Ich bin eine passable Köchin und mache gelegentlich meine Mann glücklich.
Ich bin weder Schildmaid noch Burgfräulein.
Ich kann definitiv soviele Kleider haben wie ich mir nähen will. Welches ich Anziehe hängt doch nicht von einem Rollengespiele ab! (oder bin ich hier in einem Larp–Forum …??:::)
Gehe ich Holzhacken, bleibt die Seide in der Truhe - Ist das Wetter nett und der Boden trocken, dürfen die bestickten Schuhe ´raus.
Geht es in dieser Runde um das Problem, daß zu reiche Sachen für eine arme Darstellung getragen werden oder das zu viele einen Reichen darstellen?
Im ersten Fall sollten sich die betreffenden Person überlegen, ob sie mit ihrer mittlerweile reichen (und guten) Ausstattung lieber nicht mehr den Knacht, sondern einfach den Herren des Hauses darstellen sollte, in dem sie bis vor Kurzem noch Knecht war.
Sollte das Problem die unverhältnismäßig hohe Zahl an reichen (und auch so verkörperten) Darstellungen sein, so sind wir bei einem Uraltproblem, was schon unter den ersten 10 Themen war, die es je bei Tempus-Vivit gab: “Häuptlinge und Indianer”.
…mach´s mir noch einfacher.Ich finde diese ganzen Kategorisierungsspielchen hochgradig kindisch und verweigere mich einfach.
Ich mach mein Ding, und wer mich auf dem Wegf dahin als was für einen -mi auch immer einsortieren will, kann das ruhig tun, mir ist das wurscht.
Ich mach das Hobby für mich und meinen Spaß, aber nicht, um irgendwen zu beeindrucken oder für irgendjemandes Anerkennung. Ich will mit mir und meinem Basteln zufrieden sein können, darauf kommt es mir an und auf nichts anderes.
Mein Hobby ist definitiv nicht, anderer Leute Erwartungen zu erfüllen.
habe Eure Einträge gelesen und frage mich nun, wie ich mich definieren darf.
Natürlich bin auch ich dem Geltungswahn ein wenig verfallen, aber die vorherrschenden Händler haben es uns zu einfach gemacht. Tschechische Klingen und Holzbecher… Samtkleidchen und Wulstringe… und Hunderte, die mit diesem Zeug auf dem Markt rumrennen. Als ich 1997 mit MA anfing war die Kaufborte aus den kleine Polies noch unangefochtener Meister, heute wird auf die Leute gespuckt, die ihre noch nicht in Wild-West-Manier heruntergerissen haben…
Zugegeben, die Händler scheinen den Handeln mit Repliken für sich entdeckt zu haben- wo wart ihr damals, als ich wendegenähte Schuhe gebraucht habe???
(Um einen Punkt gleich klarzustellen: nicht jeder der MA betreibt ist auf allen Ebenen begabt, oder willig diesen Bereich zu lernen…das sollte man akzeptieren)
Die Szene wandelt sich ganz langsam, mit der Nachfrage nach Wendegenähten Schuhen verschwinden die Römerlatschen; mit der Nachfrage nach Aquamanilen verschwinden die hochglanzlasierten Bauern-Katen-Kannen…
Und dennoch liebe ich den Tinnef, den ich mir mal zugelegt habe.
Bestes Beispiel ist Herzberg dieses Jahr: da stehe ich mit meinem neuen Past-Tent (1. Aufbau!!) gegenüber der Super-A-Fraktion und kriege das heulende Elend. Weil mein Zelt falsch ist, der Krug falsch ist, mein Kleid und dessen Stoff falsch ist, meine… falsch ist…usw.
Mir verging fast die Lust an einem Markt.
Und in mir beginnt ein Kampf um den rechten Weg… wohin soll ich denn nun rennen, links- rechts- oben- unten.. Die, die Reenactment machen schreien “Hier geht´s lang- und nur hier!” Die anderen lächeln nur müde und ich stehe da und weiss nicht weiter…
Ich für meinen Teil habe mir eine Unterteilung in Hobby und Reenactment geleistet.
Ich bezeichne mich als “gehobenes GroMi, Hobby- Mittelalter” und stehe dazu. Ich werde über die Zeit meine Dinge ändern.
Doch zurück zum Thema:
Geld entscheidet den Weg und die tatsächliche Stellung in der Gesellschaft. Schmuck und Tand sind auch in dieser Szene ein Zeichen: "Seht her- ich bin wer! Ich kann mir dieses Schwert, dies Schapel mit Edelsteinen, dieses Seidenkleid leisten. Das Hobby MA ist ein Ausgleich zur harten Realität, wo habe ich die Chance mit anderem Namen, Titel, Herkunft ein neues leben zu beginnen? Wo wird es mir aufgrund der Händler so leicht gemacht den angestrebten Status zu erreichen?
Ich kann mich heute Gräfin Elizabeth nennen und niemand würde aus der Hobby-Szene daran zweifeln… im realen Leben bin ich ein Nichts- hier kann ich mit wenigen hundert Eure zur Gräfin mutieren.
Bei den Reenactern habe ich da schon weniger Chancen. Doch wie der Larper einst zum Hobby kam, so geht er heute als Reeanacter über den Platz. Bietet uns die Repliken an, tragt sie, so oft ihr könnt an uns vorbei.. und ihr werdet sehen, jeder wird Euch folgen… der Eine früher, der andere später…
Ja, Kleiderordnungen wurden geschrieben, um bereits besehende Verschiebungen rückgängig zu machen oder zumindest auf Maß zu stutzen und einzudämmen.
Dieser absolut berechtigte Einwand mit dem Thema “Wurden Kleiderordnungen *wirklich* immer zu 100% der Schriftform eingehalten?” wird von unseren halbgebildeten Freunden leider immer wieder gerne hergenommen, um die eine oder andere ausufernde Kreativität zu “belegen”.
Abgesehen davon gibt es eine Menge erhaltener Gerichtsakten, in denen minutiös festgehalten ist, wer wegen welchen Verstoßes gegen die aktuelle Kleiderordnung mit welchen Strafen belegt wurde. Deutschland hatte auch damals schon einen Hang zu ausufernder Bürokratie.
Natürlich wurden und werden Verbotsgrenzen gerne ausgereizt und gegebenenfalls gedehnt, manchmal mit langfristigem Erfolg.
Aber, sorry, so mancher kreative Versuch der “Quellendeutung” zum Behufe des “Belegens” meiner aktuellen Lieblingsdarstellung erinnert mich doch eher an Rollenspiel- Regelwerkereien, wo es in der Diskussion nicht mehr darum geht, wie originalgetreu es wirklich ist, sondern wie durch selektives Zitieren das jeweilige Lieblingsmittelalter einen seriösen Anstrich erhält.
Speziell, wenn dann auch noch ein Gruppenkonzept gedichtet wird, das dann, wiewohl durch historische versatzstücke “gestützt”, eher an einen historischen Roman erinnert als an das Bemühen historisch interessierter Menschen, eine Darstellung vergangener Zeiten auf die Füße zu bekommen. Die irischen und schottischen Kleinadeligen, die den Staufern gegen die Normannen helfen, sind Legion.